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REIHE ESSEN & TRINKEN UNTERWEGS

Straußen im Donaumoos

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

Wie auch andere Landwirte suchte die Leipheimer Familie Engelhardt vor Jahren nach einer Alternative zur konventionellen Landwirtschaft mit Milchviehwirtschaft und Fleischrinderhaltung. Übernommen haben Horst und Susanne Engelhardt den Hof von Horsts Vater. Bewirtschaftet wird der Hof mittlerweile seit vier Generationen. „Afrika im Donaumoos“, sprich Straßenzucht und -vermarktung, gibt es nahe Leipheim seit den 1990er Jahren.

Leipheim - Straußenfarm

Auslöser für den Aufbau einer Straußenfarm mit wenigen Paaren war die Tatsache, so Horst Engelhardt, dass man gemerkt habe, wie die Landwirtschaft immer mehr von Subventionen und bürokratischen Gängelungen abhängig werde. „Wir haben die Straußenhaltung langsam aufgebaut, von vier Elterntieren auf ungefähr 700 Strauße. Tendenz steigend. Alles läuft hier auf dem Hof ab, von der Paarung, über die Bebrütung in der Brutstation, dann die Küken- und Jungtieraufzucht bis zur Schlachtreife.“ Mit diesen Worten gibt uns der „Straußenvater“ Horst Engelhardt einen ersten Überblick, als wir seine Straußenfarm besuchen. Auch die Schlachtung und Zerlegung geschieht auf der Straßenfarm. Selbstverständlich wird das so gewonnene Fleisch, aber auch Straußenleberwurst, Straußenjägerwürstchen und Straußenleberkäse selbst vermarktet. „Uns war es immer wichtig, die Tiere artgerecht zu halten und unserer Kundschaft nahezubringen, wie unsere Straußenfarm funktioniert, sodass der Verbraucher wieder einen Bezug zur Landwirtschaft bekommt.“

Leipheim - Straußenküken

Wer die Straußenfarm besucht, wird nicht nur einen Blick in die Kinderstube der Strauße werfen können, sondern auch Hennen und Hähne im Freiland zu Gesicht bekommen. Bisweilen gleicht der Besuch einer Peepshow, denn Paarungen am helllichten Tag sind keine Seltenheit. Auch die Rangkämpfe und die Balz der Hähne mit imposantem Flügelschlagen sind ein Schauspiel, das dem Besucher nicht entgeht. Umsicht ist allerdings geboten, wenn man sich den Straußen nähert. Sie sind äußerst neugierig und ein Schnabelbiss ist durchaus schmerzhaft. Wirft man einen Blick auf die scharfen Zehen der afrikanischen Laufvögel, die die Steppen des afrikanischen Kontinents besiedeln, kann man gut nachvollziehen, was Horst Engelhardt beim Rundgang erläutert: Nur mit einem Besen oder Stock bewaffnet nähert er sich den Hähnen nach der Eiablage, um die Eier zu entnehmen: Ja, die Väter sind es, die das Bodennest anlegen und sich der Nachwuchspflege annehmen.

Leipheim - Straußenhahn

Mit ihren muskulösen Beinen und den scharfen Zehen verteidigen die Hähne ihren „Nachwuchs“. Bis in Brusthöhe eines Menschen können die Strauße mit ihren kräftigen Laufbeinen treten. Ihre scharfen Zehen führen dann zu erheblichen Verletzungen von Brust und Bauch. Kein Wunder also, dass man sich bei der Eientwendung schützen muss. Für Besucher gilt: Obacht am groben Maschendrahtzaun, der die Weideflächen der Strauße im Donaumoos eingrenzt!

Auf die Frage, wie man denn an der Donau auf Strauße kommt, gab der Leipheimer Straußenfarmbesitzer folgende Antwort: „Es war mehr oder minder Zufall. Schließlich haben wir die ersten vier Tiere aus Norddeutschland geholt und dann die Zucht begonnen.“ Nandus oder Emus sind Bauer Engelhardt nie in den Sinn gekommen, um eine „alternative Landwirtschaft“ im Donaumoos zu betreiben. Die Tiere seien einfach bezüglich der Fleischmasse zu klein und auch schwieriger zu halten als Strauße.

Leipheim - Straußenzüchter

Was geschieht eigentlich im Winter mit den Straußen? „Wenn die touristische Saison vorbei ist, bekommen die Tiere Pudelmützen, Stulpen und Schals verpasst.“ so scherzt Herr Engelhardt. Quatsch mit Soße; die Strauße haben sich, so Horst Engelhardt, bestens an das hiesige Klima anpassen können, zumal es auch in der afrikanischen Heimat dieser größten Laufvögel der Welt ähnliche Temperaturschwankungen wie bei uns gibt. Im Sommer ist es sehr heiß, im Winter tagsüber warm und nachts durchaus bis zu 10 Grad Minus. „Wir haben seit mehr als zwei Jahrzehnten Strauße und hatten noch nie Probleme mit der Kälte.“

Leipheim - Straußenfleischwurst

Dass die Straußenhaltung kein Hobby ist, sondern dem Gelderwerb für eine mehrköpfige Familie dient, belegt die Menge an Fleisch, die jährlich auf dem Hof produziert und vermarktet wird. Es sind 15 bis 18 Tonnen reines verzehrbares Straußenfleisch. Hauptsächlich wird dieses Fleisch regional umgesetzt. Vorrangig Direktkunden auf dem Hof und die Gastronomie der Umgebung beziehen Fleisch von der Straußenfarm Donaumoos. „Die Qualität des Straußenfleisches“, so Bauer Engelhardt, „ ist der des Rindfleisches überlegen. Preislich ist es etwa identisch. Ein Kilo Straußenfilet liegt etwa bei 32 Euro.“

Leipheim - Straußenfleischwurst

Wenn man die Farmtour beginnt, kann man gleich zu Beginn sehen, wie Straußenküken schlüpfen. Zudem erfährt man, dass man erst nach zehn Monaten weiß, ob es sich bei dem Jungtier um eine Henne oder einen Hahn handelt. Momentan erblicken im Donaumoos bei Leipheim 700 bis 800 Küken pro Jahr das Licht der Welt.

Das Schlupfgewicht der Küken beträgt ein Kilogramm. Allerdings sind diese Küken nach dem Schlüpfen sehr erschöpft, da ein Schlupf 24 bis 72 Stunden dauert. Alle Küken auf der Farm werden im Inkubator ausgebrütet. Bauer Engelhardt überlegt aber, ob er nicht mit einem Zuchtpaar eine Naturbrut beginnt. Dafür müssen aber entsprechende Gehege und Stallungen noch gebaut werden.

Leipheim - Straußenfarm

Unterwegs sehen wir im Freigehege und in Stallungen Dutzende von Hennen, die in einer Saison zwischen 50 und 60 Eier legen. Im Winter legen sie keine Eier. Allerdings müssen die Hennen erst ein Alter von zwei bis drei Jahren erreichen, ehe sie erstmals Eier legen.

Besuchen kann die Straußenfarm jeder. Wer mit seinen Kindern einen Abstecher auf die Farm unternimmt, für den gibt es ein Straußenquiz. Haben die Jüngsten das Quiz komplett richtig gelöst, dann gibt es im Hofladen eine kleine Überraschung. Doch zuvor müssen Fragen nach den größten Feinden der Strauße ebenso beantwortet werden wie nach der Anzahl der Eier, die eine Straußenhenne im Jahr legt.

Leipheim - Straußeneispaghetti

Beim Besuch des Hofladens kann man nicht nur eingeschweißte Straußensteaks kaufen, sondern auch Straußenknacker, Straußeneispaghettis oder Straußenleberkäse und Straußeneier. Jedes dieser Eier entspricht etwa 20 bis 25 Hühnereiern und kann im Kühlschrank bis zu einem Jahr aufbewahrt werden. Man bietet aber auch Straußeneiermasse portionsweise an. Denn wann braucht man schon mal 25 Hühnereier. Da müsste schon ein Backmarathon stattfinden oder aber Eierkuchen XXL in der Pfanne entstehen. Verkauft werden zudem bemalte Straußeneier und auch Leuchter mit Lampenschirmen aus Straußeneiern. Außerdem werden Straußeneier portionsweise im Laden angeboten. Selbstverständlich werden auch Straußenfedern vermarktet. Nicht nur bei Zirkusartisten mit Pferdedressuren erfreuen sich Straußenfedern großer Beliebtheit, sondern auch bei Kostümherstellern und bei Karnevalsvereinen oder Sambatänzerinnen. Ein wenig aus der Mode gekommen ist hingegen die Straußenboa, die in den 1920er Jahren die Damen von Chic gerne zur Abendgarderobe trugen. Immer noch beliebt sind hingegen Staubwedel aus Straußenfedern, die denen aus Mikrofasern, so Horst Engelhardt, weit überlegen sind.

Leipheim - Lampen aus Straußeneinern

Informationen

Straußen-Farm Donaumoos
Herdweg 6
89340 Leipheim
www.straußenfarm-donaumoos.de

 

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