Süße Sünden
Lauenstein:
Pralinen aus dem Grenzland
zwischen Thüringen und Bayern
Text: Judith
Weibrecht
Fotos: Judith Weibrecht u. Confiserie Lauenstein
Eine Art westliche Exklave im Osten war Lauenstein während des Kalten Krieges. Und ausgerechnet dort ging es besonders süß zu, wurden Champagner-Trüffel und Marzipan-Röllchen hergestellt. Bis heute dreht sich im bayerisch-thüringischen Grenzland alles um die Praline. Unsere Autorin Judith Weibrecht hat sich dort umgesehen und der süßen Sünde hingegeben.
„Nach Lutscha?“, nickt der freundliche Schaffner und meint damit wohl das auf meiner Bahnfahrkarte ausgedruckte Ludwigsstadt. Draußen fliegt schon der weiß bestäubte Frankenwald vorbei, und ein paar Ponys dampfen im Schnee. Ob Lothar Feddrich 1964 auch auf diesem Wege hier eingetroffen ist? Herr Feddrich war einst der Gründer der Confiserie Burg Lauenstein, ehemals Kaffeehausbesitzer Unter den Linden in Berlin. Was also bewog einen wie ihn in dieses Provinzkaff zu ziehen? Die Liebe war´s, natürlich! Die schöne Müllerstochter aus der Fischbachmühle, in der bis heute die Produktionsstätte der Confiserie liegt, hatte dem Konditor den Kopf verdreht. Und was hätte er hier schon tun sollen? Pralinen herstellen eben.

Fischbachmühle (© Confiserie Lauenstein)
Westliche Pralinen, vom Osten umschlungen
So kamen die Pralinen nach Lauenstein, in die nördlichste Stadt Bayerns, die ehemalige Grenze praktisch in Sichtweite, und von jedermann in der DDR vermutet. „Früher“, sagt Frau Treutner, die mich durch die Confiserie führt, „lebte man hier wie in einem Tunnel, dessen Ende verschlossen war. Vom Westen aus konnte man nur hereinfahren und auf dem gleichen Wege wieder hinaus.“ Eine westliche Pralinen-Exklave, vom Osten umschlungen.
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