REIHE ESSEN & TRINKEN UNTERWEGS

Von Strudeln und Wellen

Radfahren an der Donau von Donaueschingen bis Ulm

Text und Fotos: Judith Weibrecht

Entlang der jungen Donau von Donaueschingen bis Ulm kann man radelnd ganz slow und entspannt viele Spezialitäten entdecken.

Mutter Baar hat einen Arm locker um die junge, hübsche Donau gelegt, und weist ihr den Weg in Richtung Schwarzes Meer: Hier geht’s lang, bedeutet der rechte Zeigefinger. Doch die junge Donau scheint noch zu zaudern und schmiegt sich an. Die Quelle des ab hier laut Inschrift 2.840 Kilometer langen Flusses in Donaueschingen (1) ist eingefasst von der Skulpturengruppe „Mutter Baar“ von Bildhauer Adolf Heer. Nebenan thront das Fürstlich Fürstenbergische Schloss, und der Donau-Radweg beginnt gleich um die Ecke.

Donaueschingen bis Ulm mir Rad - Quelle der Donau

Skulturengruppe an der Quelle der Donau

Brigach und Breg bringen die Donau zuweg?

Schon nach wenigen Kilometern und der Zunahme an Breite ist es jedoch vorbei mit der Donauherrlichkeit: Der Fluss ist weg! Kurz hinter dem Kiosk „Ninas Essart“, der von Radlern weidlich genutzt wird, bietet sich das eigenartige Schauspiel der Donauversinkung: Wegen des durchlässigen Kalkgesteins versickert das Wasser im Boden und wird gurgelnd verschluckt, kommt nach über 60 Stunden im Aachtopf wieder ans Licht, fließt weiter in den Bodensee und somit eigentlich in den Rhein und in die Nordsee“, erklärt Anita Schmidt von Donaubergland-Tourismus.

Das ist Wasser auf die Mühlen von Susi Hein: „ „An den Tagen, an denen das Wasser völlig versickert, ist die Donauquelle nämlich bei uns hier in Möhringen!“ Denn der eigentliche Ursprung sei der Krähenbach. Über dies lässt sich trefflich streiten, und es wird kolportiert, dass sogar Österreicher im Donau-Quellen-Disput mitmischen, die den Inn als Quellfluss der Donau betrachten.

Möhringen an der Donau - Susi Hein

Susi Hein

Doch wir sind wegen ganz anderem hier: Alles fing damit an, dass Susi Hein, heute Bäuerin und Direktvermarkterin, sich einst eine Ziege anschaffte, weil ihr Sohn unter Kuhmilchallergie litt. Mit der Ziegenmilch wollte sie „auch etwas anfangen“ und machte Käse daraus. Als Milchaustauscher musste somit eine Kuh her, die Dora. Dora fühlte sich sehr einsam, und so kam Emma hinzu, ein Hinterwälder Rind und eine sehr langlebige Rasse. Emma wurde 18 Jahre alt: „Die hätt scho de Führerschei mache dürfe“, meint Hein. 1994 gebar Emma Elsa, weitere Hinterwälder Kühe wurden hinzugekauft und ein Stall gebaut. Ab diesem Jahr war Hein offiziell Bäuerin im Hauptberuf. Inzwischen gibt es auf dem Hof neben Rindern auch Ziegen, Rhönschafe und Schweine. Namen haben sie alle. Das ganz schwarze Schaf heißt Elke, das weiße mit Lidstrich Susanne, das Rhönschaf Rosi und das Leitschaf Ina. Überhaupt scheinen die Tiere mit Hein zu sprechen: „Wenn die Schweine Hunger haben, machen sie 'Fred, Fred!' und wenn sie zufrieden sind, sagen sie 'Rolf! Rolf!'“

Möhringen an der Donau - Susi Hein

„Die Metzgerei Kranz in Hüfingen-Behla ist spezialisiert auf Hausschlachterei“, erzählt sie, „dort wird einmal pro Monat unsere Wurst gemacht.“ Im Mini-Hofladen in Möhringen (2) wird das Fleisch selbst vermarktet. „Aber nur eigenes!“, betont Hein. Es gibt Wurst im Glas oder in der Dose, Salami, Speck, Wurstringe, Ziegenfrischkäse, Fleisch, Apfelsaft aus Möhringer Streuobstbeständen und vieles mehr.

Mülheim an der Donau, putzige Fachwerkhäuschen

Putzige Fachwerkhäuschen in Mülheim an der Donau

Die Radstrecke an der Donau ist neben Kulinaria reich an Sehenswürdigkeiten: In Tuttlingen lockt eine Jugendstilkirche aus dem Sattel. Das Kleinod Mülheim an der Donau strotzt nur so vor putzigen Fachwerkhäuschen. Eine längere Pause wert ist das bemalte und mit Sprüchen versehene Künstlerhaus „Scharfes Eck“ in Fridingen. Eine Ecke weiter weist ein Schild auf das „Haus der Narrenzunft“ hin, das wir in vielen Dörfern längs des Wegs entdecken.

Fridingen, Haus „Scharfes Eck“, Haus der Narrenzunft, (Schloss mit Heimatmuseum)

Haus „Scharfes Eck“, Haus der Narrenzunft

Und schließlich folgt das mächtige Kloster Beuron, 1077 als Augustiner-Chorherrenstift gegründet, 1802 säkularisiert und 1863 durch Fürstin Katharina von Hohenzollern als Benediktinerkloster wieder eingerichtet. In der gelblich leuchtenden Erzabtei sind mit um die 405.000 Bänden die größte deutsche Klosterbibliothek, ein Kunstverlag, Buchhandlung, Metzgerei, Brennerei, Hotel, Gärtnerei und Elektrizitätswerk untergebracht.

Blick auf Kloster Beuron

Blick auf Kloster Beuron

Hinter Beuron geht’s hoch hinauf: Um die 200 Höhenmeter und sechs Kilometer sind zu überwinden. Eine Anstrengung abseits des Donau-Radwegs, die sich lohnt: Mitten im Naturpark Obere Donau kocht Peter Veeser in seinem „Gasthaus zum Adler“ in Leibertingen(3) mit Lebensmitteln aus dem Naturpark. “Unsere Naturpark-Speisekarte soll mehr Wertschätzung für die eigenen Produkte ausdrücken. Naturschutz, Kleinbauern und Tourismus gehen so Hand in Hand“, ist Veeser überzeugt. Von seiner Familiengeschichte her sei er da vorbelastet, denn Oma hatte Landwirtschaft, Vater war Metzger und machte Hausschlachtungen, Mutter war Hausfrau. Die Familie war somit autark und verwertete alles selbst. Alles verwertet auch Veeser: Ganztierverwertung bzw. so genanntes „Nose to tail cooking“ sind für ihn selbstverständlich. Milchlamm aber kommt bei ihm nicht in den Kochtopf – aus ethischen Gründen. „Und wenn man schon ein Tier auf den Kopf haut, dann mit maximaler Ausbeute!“

Gasthaus zum Adler, Leibertingen, Herr Peter Veeser

Gasthaus zum Adler, Herr Peter Veeser

So gibt es z. B. ein Projekt mit dem hiesigen Wanderschäfer, mit dem Veeser nächtelang kochte: drei-, fünf-, siebenjährige Schafe. Jetzt vermarktet der Wanderschäfer die Tiere beim Metzger, wo sie zu Schafsalami verarbeitet werden und Veeser sagt von sich: „Ich bin der Schafskoch!“

Gasthaus zum Adler, Leibertingen

Maultaschen im Gasthaus zum Adler in Leibertingen

Als Hauptgerichte nehmen wir das Hirtenragout von Lamm und Rind mit Wurzelgemüse und knusprigen Kartoffeltalern und die Maultaschen vom Reinfelder Schafsfrischkäse mit Wurzelgemüse auf Bärlauchcremesoße mit frischem Gemüse. Das sei vierfache Freude: „Die Freude des Bauern beim Ertrag, des Wirts beim Kochen, die Sau hat ein schönes Dasein und der Gast freut sich beim Essen!“

Im 540 Jahre alten Haus der Schwiegereltern speist man in altehrwürdigem Ambiente. „Hier war einst eine Brauerei,“, erzählt Claudia Biselli-Veeser. Ein Café ist angeschlossen. Auf dem Gelände betreibt ihr Vater außerdem eine Brennerei mit regionalen Obstbränden und ein kleines, feines Porsche-Museum.

Blick auf die junge Donau

Die junge Frau Donau wird nun, am schönsten Abschnitt der Strecke, wendischer und schleifenreicher. Im engen Donautal schimmern „senkrecht aufsteigende“, weiße Kalkfelsen im Sonnenlicht, hoch oben stehen Burg Wildenstein, Schloss Werenwang und Schloss Gutenstein, und schließlich schiebt sich das eindrucksvolle Hohenzollern-Schloss Sigmaringen ins Blickfeld. Bereits im 11. Jahrhundert stand hier auf einem Felsen 35 Meter über der Donau eine Burganlage. Das zweitgrößte Stadtschloss Deutschlands protzt mit über 15 Prunksälen, Kunstwerken aus dem 15./16. Jahrhundert und einer der größten privaten Waffensammlungen Europas. Im Galeriebau befindet sich das Fürstliche Museum und die Vor- und Frühgeschichtliche Sammlung.

Schloss Sigmaringen

Schloss Sigmaringen

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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