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Die Wein-Metropole des Nordens

Ein gastronomischer Wegweiser durch die Hansestadt Bremen

Text: Volker Mehnert / Fotos: Helmuth Weiss u. Volker Mehnert

Bremen / StadtmusikantenIn Bremen hat die kulinarische Szene jüngst eine Umwälzung erlebt, die dort bisher kaum für möglich gehalten wurde: Die Orchidée, das führende Sterne-Restaurant der Stadt, siedelte in den Ratskeller über, wo man seit jeher die weltweit beste Auswahl deutscher Weine findet. Was die Hansestadt außerdem an Entdeckungen für den Genießer zu bieten hat, zeigt unser Bremen-Porträt, erstellt von Volker Mehnert.

Anspruchsvollere Küche hatte es in der Hansestadt bisher nicht leicht. Bei den führenden Gastronomen gelten die Bremer als schwierige Kunden. Zu Hause mögen sie Weinkeller mit erlesenen Tropfen besitzen, vor denen selbst manch großer Weinhändler erblasst – im Restaurant aber sind sie bei Ausgaben fürs Essen und Trinken zurückhaltend. Jedenfalls in Bremen selbst, wo man sie erkennen könnte. Ein Koch klagt darüber, dass ausgerechnet die reichen Kaufleute aus dem Stadtteil Oberneuland mit Vorliebe Bratkartoffeln und Spiegelei bestellen und dazu noch sorgsam auf den Preis achten. Ein Gastronom, der früher in einem bekannten Restaurant in Düsseldorf tätig war, weiß von dortigen Stammkunden aus Bremen zu berichten, die in der Hansestadt selbst niemals ein ähnliches Lokal aufsuchen würden. Bremer, so behaupten böse Zungen, steigen in den Zug nach Frankfurt und ziehen sich dort um, bevor sie am Main groß ausgehen. Dies mag überspitzt formuliert sein, doch der Bremer Bürger hält sich tatsächlich vornehm zurück.

Der eine Stern ist umgezogen

Es passt in dieses Bild, daß L´Orchidée und Grashoff´s Bistro, die einzigen vom Guide Michelin besternten Restaurants, ihren einen soliden Stern seit mehr als einem Jahrzehnt unbeirrt verdienen. Ein Stern, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Bremen / Grasshoff / Nudeln
Pasta aus eigener Herstellung bei Grasshoff

In der Orchidée serviert Küchenchef Arnd Feye das wohl beste Essen der Stadt, wobei er Edelprodukte wie Hummer oder Trüffel raffiniert mit regionalen Rohstoffen der jeweiligen Saison kombiniert. „Im Teig gebackene Bresse-Taubenbrust mit zweierlei Sellerie“ oder „Gänsestopfleber gebraten auf Kürbis-Chutney und Ingwer-Jus“ galten bisher als typische Vertreter dieser inspirierten Kochkunst, die nun in neuen Räumlichkeiten auf ähnlich hohem Niveau weitergeführt werden soll, wobei dem Sommelier nun auch die unvergleichliche Auswahl deutscher Weine aus den Katakomben des Ratskellers zur Verfügung steht.

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