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REIHE ESSEN & TRINKEN UNTERWEGS

Mit oder ohne Darm – das ist hier die Frage

Deutsches Currywurstmuseum Berlin

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

"Ich hätte gern 'ne Currywurst "– "Mit Darm oder ohne – scharf oder ...". Solche kurzen Dialoge sind nicht nur in Berlin, aber vor allem dort, in der „Hauptstadt der Currywurst“, keine Seltenheit. Was es mit der Wurst auf sich hat, die des Deutschen liebstes „Schnellgericht“ ist, kann man im Deutschen Currywurstmuseum unweit des ehemaligen Checkpoint Charlie auf unterhaltsame Art und Weise erfahren.

Berlin - Deutsches Currywurstmuseum

Wer das Museum betritt, kommt gleich am Eingang an einer Original-Currywurstbude vorbei, an der man – am besten nach dem Rundgang durch die Ausstellung – seine Currywurst genießt. Ein „Probehäppchen“ Currywurst ist im Eintrittspreis eingeschlossen. Auch wenn dem einen oder anderen der Duft der Currywurst mit Ketchup und Curry in die Nase steigt und das Wasser im Mund zusammenläuft, muss man stark sein und sich auf den Wurstgenuss danach freuen. Nur als Vorgeschmack: Neben der Berliner Currywurst mit und ohne Darm wartet auch die Curry-Bratwurst mit Kräutern auf den Currywurst-Liebhaber! Oder wie wäre es mit Currywurst in the Cup oder Curry4kids Menü?

Berlin - Deutsches Currywurstmuseum

Döner des Abendlandes

Vorbei führt der Weg an einer Litfasssäule, die übersät ist mit Artikeln über die Currywurst. Ob alle Beiträge für bare Münze genommen werden sollten, mag jeder selbst entscheiden, wenn der Besucher u. a. die Überschrift „Currywurst schützt vor Alzheimer“ liest. Dass man die Currywurst auch als „Döner des Abendlandes“ bezeichnet und diese „Berliner Institution“ bereits mehr als 50 Jahre alt ist, sind weitere „Schlagzeilen“, die man im Vorbeigehen mitnimmt.

Berlin - Deutsches Currywurstmuseum

Beim weiteren Rundgang durch das Haus entdecken Besucher nicht allein Berlins Kultbuden unterschiedlichen Designs, sondern lauschen auch „singenden Ketchup-Flaschen“ und erfahren - auf dem „Wurstsofa“ sitzend - Wissenswertes über die Wurstherstellung. Virtuelles Currywurstbraten steht ebenso auf dem Programm wie auch der „Besuch“ bei Herta Heuwer, der „Mutter der Berliner Currywurst“. Übrigens, einer der bekannten deutschsprachigen Rockbarden aus dem Ruhrpott, Herbert Grönemeyer, singt – und das ist dank der „singenden Ketchup-Flaschen“ auch zu hören – das Hohelied auf die Currywurst: „Gehse inne Stadt / Wat macht dich da satt/ 'ne Currywurst/ Kommse vonne Schicht / Wat schönret gibt et nich / als wie Currywurst / mit Pommes dabei / ach, dann gebense gleich zweimal Currywurst / bisse richtig down / brauchse wat zu kaun /'ne Currywurst ...“

Currywurst-Rally

Für die jüngeren Besucher gibt es im Museum nicht nur etwas zum Staunen, sondern auch eine Art „Currywurst-Rally“, bei der die auf „Ketchup-Klappbrettern“ vermerkten Fragen beantwortet werden müssen. „Vergleiche die Umrisse auf der Weltkarte. Auf welchen Kontinenten wird Currywurst gegessen?“ ist eine der Aufgaben, die es zu lösen gilt. Mancher Besucher wird dann staunend zur Kenntnis nehmen, dass es auch in Tokio eine „Currywurstbude“ gibt, die seit 1993 von Bernd Haag erfolgreich betrieben wird. Doch das ist nicht das einzige exotische Fleckchen Erde, auf dem man auf die von vielen so geliebte Currywurst nicht verzichten muss. In New York sorgt Rolf Babiel für das Wohl seiner Gäste und auch in Thailand ist man bereits auf den Geschmack von Currywurst gekommen. Betrachtet man den ausgestellten Stadtplan Berlins mit all den „Reitern“ rings um den Fernsehturm, dann weiß man angesichts der Fülle der markierten Currywurstbuden, warum Berlin die „Hauptstadt des leckeren Würstchens mit oder ohne Darm“ ist. Ob wohl jeder auf Anhieb die Frage nach den Gegenständen beantworten kann, die es bereits um 1949 in Deutschland gab? „Klappkarten“ mit entsprechenden Abbildungen helfen bei der Lösung. Na, und schließlich die Frage: „Was gehört denn nun alles in eine Currywurstbude?“

Berlin - Deutsches Currywurstmuseum

Die Bude macht was her

Auch mit der Architektur der Currywurstbuden befasst sich das Museum. Drei Grundtypen kann man bei der Imbissbudenarchitektur unterscheiden. Allen gemeinsam ist der Tresen, an dem die Kunden bestellen und ihre Wurst verspeisen. Doch unterdessen gibt es auch ausgereifte Budenmodelle jenseits der rollenden Imbissbude ohne Anbauten. Stehtische unter der Markise als Schutz vor Regen bieten die einen an, andere haben sogar einen Gastraum angebaut, sodass der Imbiss nicht mehr auf der Straße eingenommen werden muss.

Wie riecht denn ...

Wenn Sie schon immer mal wissen wollten, was ein Scoville bedeutet und was das mit Schärfe zu tun hat, ist der Besuch des Museums ebenso ein Muss wie für diejenigen, die sich für die richtige Currymischung – denn die macht die wahre Currywurst aus – und Gewürze wie Bockshornklee, Zimt, Chili oder Senf und deren Verwendung interessieren. Ein „Gewürzkabinett“ lädt zum Verweilen ein, um die ausführlichen Saaltexte und Abbildungen zu den einzelnen Gewürzen zu studieren und an einer „Duftorgel“ den Duft von verschiedenen Gewürzen zu erraten.

Die Erfindung der Currywurst

Dank einer gekonnten Inszenierung tauchen die Besucher in das Berlin der 1940er und 1950er Jahre ein. Selbst ist die Frau, hieß es damals für die Imbissbesitzerin Herta Heuwer, die als Erfinderin der Currywurst gilt. Möglich war das nur, weil sie von englischen Besatzungssoldaten allerlei exotische Zutaten erstand und mit diesen kreativ experimentierte: Am 4. September 1949 erblickte dann die Currywurst das Licht der Welt, nachdem Herta Heuwer zur dunklen Tomatensauce zehn verschiedene Gewürze dazugegeben hatte.

Herta Heuer hatte klein angefangen, mit einem Bauchladen, ehe sie 1949 einen Verkaufswagen erstand, den sie mit ihrem Mann und ihrem Schwager zu einem Kiosk umbaute. Doch bei diesem blieb es nicht, denn die Currywurst von Herta war so erfolgreich, dass ein weiterer Kiosk hinzukam, der rund um die Uhr geöffnet war. 1974 zog sich die „Currywurst-Erfinderin“ aus gesundheitlichen Gründen aus ihrem Geschäft zurück. Das Geheimnis ihrer speziellen Currywurst-Sauce wurde nie gelüftet. Herta Heuwer, die 1999 verstarb, nahm ihr Geheimrezept mit in ihr Grab. Übrigens, die Sauce, die Hertas Currywurst zu der machte, die sie bis heute ist, meldete Frau Heuwer mit der Patentnummer 721319 beim Münchner Patentamt als Chillup-Soße an. Doch ob die Currywurst tatsächlich eine Berliner Erfindung ist, bestreitet der Autor Uwe Timm in seiner Novelle „Die Entdeckung der Currywurst“. Nach Timm war es nämlich Lena Brücker, der wir die Currywurst verdanken.

Berlin - Deutsches Currywurstmuseum

Essgewohnheiten

Das Museum befasst sich aber nicht allein mit der Historie der Currywurst, sondern lädt die Besucher auch dazu ein, in verschiedene Kühlschränke zu blicken, deren Inhalt Auskunft über die Popularisierung von Fast Food gibt, abhängig davon, wessen Kühlschrankinhalt wir betrachten: Im Single-Haushalt eines 18-Jährigen finden wir zum Beispiel zahlreiche fix und fertig zum Kochen vorbereitete Meica-Curry-Würste, Rittersport-Schokolade und Pilsner im Kühlschrank. Die WG-Bewohner hingegen schwören auf Lätta-Magarine, Cola, Wein, Möhren, Tomaten, Gemüsesaft und Joghurt, während Familie Dinkelmeier lieber selbst und gesund kocht, also Fertiggerichte aus dem Kühlschrank verbannt. Den Jüngsten stellt sich im Rahmen ihrer Museumsrallye in diesem Abschnitt des Museumsrundgangs die Frage danach, was als gesund gilt und in den Einkaufskorb muss.

Berlin - Deutsches Currywurstmuseum

Nebenbei erfährt der Besucher auch etwas zur Geschichte der Fertiggerichte. Das geschichtlich älteste dieser Gerichte ist Popcorn. Auch die beliebten Kartoffelstäbchen, besser bekannt als Pommes frites, blicken auf eine lange Geschichte zurück, gab es sie doch bereits im 17. Jahrhundert in Belgien, so die strittige Überlieferung. Zählt man auch Konserven zu den Fertiggerichten, dann gab es die ersten bereits 1804. Kochfertige Suppen erfand Julius Maggi 1882 und nur zehn Jahre später konnte man in Aschingers Schnellrestaurant seinen Hunger stillen. Verfolgt man die „Zeitschiene“ weiter, so stößt man auf das Jahr 1948, als erstmals Tiefkühlkost auf den Markt kam. Seit 2001 gibt es die fix und fertig zubereitete Currywurst mit Piekser und Curry-Pulver.

Berlin - Deutsches Currywurstmuseum

Zum Ausklang

Eine eingerichtete Currywurstbude lädt die Jüngsten dazu ein, in die Rolle des Imbissbuden-Besitzers zu schlüpfen. Die etwas Älteren versuchen sich am Bildschirm im virtuellen Currywurst-Brutzeln. Währenddessen können sich die Eltern Filmausschnitte anschauen, in denen die Currywurst eine „Hauptrolle“ spielt, so in der ARD-Serie „Drei Damen vom Grill“ mit Brigitte Mira und Harald Juhnke. Auch Tatort-Kommissar Schimanski aus Duisburg – gespielt von Götz George – mochte auf eine leckere Currywurst nicht verzichten.

Berlin - Deutsches Currywurstmuseum

Touristische Informationen

Deutsches Currywurst Museum
Schützenstraße 70
10117 Berlin
täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Tickets bequem online kaufen und zu Hause ausdrucken

Das Online-Ticketsystem wurde vereinfacht: Ab sofort können nicht nur online Tickets bestellt werden, sondern alle Eintrittskarten für das Museum sowie das VIP-Kombiticket (Museum und asisi Panorama „Die Mauer“) können auch einfach und bequem direkt zu Hause ausgedruckt werden: www.tixoo.com/currywurstmuseum

 

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