In Stiepelse erzählt
uns während einer Rast ein älterer Herr, dass er als "unzuverlässige
Person" 1952 innerhalb von 24 Stunden umgesiedelt werden sollte. Nur
Systemtreue hätten an der Elbe wohnen bleiben dürfen. Damals flüchtete
er über den Fluss. Nach der Wende bekam er das Haus zurück. Er könne
sich glücklich schätzen, dass seine Eltern ein Testament gemacht hätten.
Im
mecklenburgischen Dömitz saß der niederdeutsche Dichter Fritz Reuter
in Festungshaft. Wegen Zugehörigkeit zu einer radikalen Studentenvereinigung
wurde er 1833 verhaftet. In der Festung befindet sich heute ein Museum.
Das jüngste Bauwerk ist die Brücke. Das Symbol für die ungehinderte
Elbüberquerung wurde gleich nach der Wende in Angriff genommen.
Ansonsten sind Elbbrücken rar. Hauptsächlich stellen sogenannte Gierfähren
die Verbindung her. Umweltfreundliche Gefährte sind das, die an einem
Stahlseil laufen und vom Strömungsdruck ans andere Ufer geschoben
werden.
In
einer großen Elbschleife kurz vor Dömitz liegt Rüterberg. Die junge
Wirtin des Restaurants "Elbklause" erzählt, dass sie 1989 zum ersten
Mal die Elbe gesehen habe. 22 Jahre waren die Bewohner zwischen zwei
Metallgitterzäunen buchstäblich eingesperrt. Denn nicht nur auf dem
Elbdamm verlief ein Grenzzaun, auch entlang der B 195. Wer nach Rüterberg
hinein- oder hinauswollte, brauchte Ein- und Ausreisepapiere. Punkt
23 Uhr wurden Tor und Schlagbaum dichtgemacht. Am 8. November 1989,
einen Tag vor dem Mauerfall, erklärten die Einwohner Rüterberg zur
Dorfrepublik.
Einige Binnenschiffe tuckern auf dem Strom. Oft ist der Deich so weit
vom Ufer entfernt, dass die Elbe nicht mehr zu sehen ist. Manchmal
müssen wir die Räder durch Schafherden schieben. Immer ist die Luft
erfüllt vom Gesang der Vögel. Lerchen tirilieren. Enten rasten am
Elbufer, Watvögel trippeln über Sandbänke und Strände. Der Wind spielt
in den Weiden.
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