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Ausstellungsorte in Düsseldorf und Region: Museum Kunstpalast /K20 Kunstsammlung NRW / K21 Kunstsammlung NRW/

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Düsseldorf
Museum Kunst Palast


Neupräsentation der Sammlung
dauerhaft

Ausstellungen

. Neupräsentation der Sammlung

So umfänglich wie der vorliegende Sammlungskatalog, in dem ausgewählte Werke in Bild und Text vorgestellt werden, ist auch die Sammlungspräsentation. Skulptur und angewandte Kunst wird ebenso wie moderne Kunst und Grafik gezeigt. Fotografien, nicht nur vom Ehepaar Becher, gehören ebenso zum Bestand des Hauses wie ein oberrheinischer Flügelaltar des frühen 16. Jahrhunderts, böhmische Reliquienbüsten, ein Tiroler Sakristeischrank aus Linde und Zirbelkiefer, das Sitzmöbel „Capitello“ von Gilardi, Gemälde von Rubens oder van Goyen. Der „Nestor der deutschen Moderne“, Christian Rohlfs ist mit Arbeiten genauso im Haus zu bestaunen wie die „Brücke-Maler“ Nolde sowie Kirchner und die Farbflächenmalerei von Ellsworth Kelly. Unter einem Dach vereint ist Kunst von Stephan Balkenhol, Nam June Paik oder der Gruppe ZERO, ganz abgesehen von Arbeiten, die Franz Marc und August Macke der Nachwelt hinterlassen haben. Mehrere Stunden kann man in einem Flügel des Ehrenhofs zubringen, wollte man eine Zeitreise vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart unternehmen. Gewiss muss man wiederkommen, denn genießen sollte man die präsentierten Werke – und das am besten in kleinen Dosierungen.

In der nachfolgenden Übersicht konzentrieren wir uns auf die Kunst der Gegenwart, des 20. bis 18./19. Jahrhunderts. Wir beginnen also eine Kunstreise von der Jetztzeit in die jüngere Vergangenheit: Gleich vor dem Zugang zu den „Galerien des 21. und 20. Jahrhunderts“ fällt unser Blick auf den grob bearbeiteten großen Kopf eines Mannes, in dessen Kopfhaaren sich ein Mann in weißem Hemd und schwarzer Hose festhält. Ist es weit hergeholt an Gulliver aus „Gullivers Reisen“ zu denken? In einem White Cube, einem kleinschaligen Raum innerhalb des Ehrenhofs, stößt manauf Schwarz-Weiß-Fotografie. Sie stammen wie die Ansichten armenischer Bushaltestellen aus Beton, Draht und Bewährungseisen von der gottesmutterBerliner Fotografin Ursula Schulz-Dornburg. Nebenan finden sich die Aufnahmen von Kalköfen, die auf den Kopf gestellten Trichtern gleichen. Mit der Kamera haben Bernd und Hella Becher diese Zeugnisse der untergehenden Industriekultur festgehalten. Auch einer der Becher-Schüler, Thomas Struth, dem die NRW Kunstsammlung K20 in der ersten Jahreshälfte 2011 eine umfangreiche Werkschauwidmete, ist mit seinen Stadtansichten im Haus vertreten. Ob er nun die Neue Mainzer Straße in Frankfurt oder die Ludwigstraße in München im Blick hatte, immer wählte er die frühen Morgenstunden aus, um menschenleere Straße mit Zentralperspektive zu fotografieren.

Kunst ist konkret

Lenken wir unsere Schritte durch die Sammlung, so begegnen wir konkreter Kunst, die wie „M“ von Mary Heilmann stammt. Rot, weiß, gelb und tintenblau sind verschiedene Felder „ausgemalt“ durch die sich ein „Treppengebilde“ zieht. Weiße hochgezogene Farbtropfen unterschiedlicher Größen geben der Arbeit „konkav-konvex“ von Almir Mavignier eine „rhythmische Oberfläche“. Schwindelig kann dem Betrachter werden, der vor Bridget Rileys „Amnesia“ steht. Zu sehen sind horizontale Wellen, die vom Rand aus mit hellem Grau beginnen und sich zur Mitte hin zu schwarzen Wellen verdichten.

Joseph Beuys bespielt einen eigenen Raum, nicht nur mit „Fat up to this level“, während Günter Fruhtrunk sich in diagonalen Linienkompositionen ausdrückt, so auch in „Grüner Hiatus“. Dabei hat man als Betrachter den Eindruck, der Künstler habe zwei Flächen mit „Tastaturen“ in Schwarz, Grün und Weiß ineinander gesteckt. Schritte von dieser „Streifenmalerei“ entfernt , entdeckt man die Bronze „Sun Crunch“ des britischen Bildhauers Anthony Caro. Doch der konkreten Kunst entgeht der Besucher auch dann nicht, steht er doch Blinky Palermos unbetiteltem Werk mit blauer und grüner Fläche ebenso gegenüber wie einer Variation der „Hommage an ein Quadrat“ des Bauhausmeisters Josef Albers. Im vorliegenden Falle sehen wir geschachtelte Quadrate in Dunkelbraun, Grün und Blau, die sich zur „Mitte“ hin zu einem schwarzen Quadrat verändern: „Porta Nigra“ nannte Alberts seine Arbeit.

Zu Tische bitte

In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren wurde „Eat Art“ das Gesprächsthema der Kunstszene, vor allem in Düsseldorf. Hier hatten sich Mack, Richter und Spoerri zusammengefunden, um gemeinsam zu arbeiten. Man traf sich in der ersten psychedelischen Disko der Republik namens Creamcheese und in dem 1970 eröffneten Eat Art Restaurant von Spoerri. Dessen Arbeit „Frühstückstablett Selbstbedienungsrestaurant Paris“ trifft in der Sammlungspräsentation auf Armans gesammelte Blechkannen. Kopf steht der Betrachter in Adolf Luthers Objekt aus mehreren Rundspiegeln. Günther Uecker hat für einen Nagel extra einen Metallschrank aus Gitterdraht konstruiert. Der Riesennagel scheint wie ein mächtiger Obelisk und wird von einigen Leuchten mit grellweißem Neonlicht angestrahlt.

Grau in Grau zu malen zeichnet Gerhard Richter aus. Auch seine „Reclining Woman“ ist in Grautönen gehalten. Zu Füßen des Gemäldes befindet sich ein stufiges Podest. Darf man es betreten, um der verführerischen Schönheit näher zu kommen?

Gehärtete Bonbonmasse nutzte César für sein Kunstobjekt in Gestalt eines Riesendaumens, während Dieter Roth Stallmist zu zwei Hasen formte. In zwei schmalen Glasbehältnissen sieht man eingefärbte Baguettescheiben, eine Idee von Dorothée Setz und Antoni Miralda. Für viele Betrachter mag Ekel aufkommen, betrachten sie Roths „Käserennen“, für dessen Herstellung streichfähiger Weichkäse zum Einsatz kam. All die bezeichneten Materialien sind in einem Prozess des steten Vergehens begriffen. Bakterien und Schimmelsporen sind am Zersetzungsprozess beteiligt. Wie will man ihn aufhalten?

Offene Form abstrakt

Mausgrau ausgeschlagen ist der Raum, in dem sich der Besucher mit der sogenannten offenen Form von Olle Bærtling ebenso auseinandersetzen kann wie mit Arbeiten von Willi Baumeister. Der abstrakten Malerei hat sich Friedrich Vondemberge-Gildewart mit einer in Weiß, Sonnenblumengelb, Rot und Hellblau sowie Lila gehaltenen Komposition gewidmet. Konstruktivistisch ist László Moholy-Nagys Werk „A7“. Der Bauhausmeister verknüpft in seiner hochformatigen Arbeit schmale lange Rechtecke und einen Kreisausschnitt. Zudem sind auch Arbeiten von Ben Nicholson und Oskar Schlemmer ausgestellt, die gleichfalls dem Kanon der Abstraktion zuzuordnen sind.

Varianten des Realismus

Gegensätzliches wird unter dem Begriff Realismus vorgestellt. Die vergrößerte Nahsicht auf eine mechanische Schreibmaschine „Royal“ von Konrad Klapheck trifft auf die in Strich-Strich-Punkt-Manier ausgeführte Mutter mit Kind im Wald, eine Frottage des deutschen Surrealisten Max Ernst. In enger Umarmung hat sich Conrad Felixmüller mit seiner Frau vor dem Hintergrund eines üppig dekorativ gestalteten Raums porträtiert. Ein rauschendes Maskenfest, von Gert Heinrich Wollheim geschaffen, steht für seinen „Abschied von Düsseldorf“.

Ähnlich wie in anderen „Mehrspartenhäusern“ versucht das museum kunstpalast neben Malerei auch immer Skulptur auszustellen. Zu den Bronzen der erlesenen Sammlung gehört die „Hungrige“ von Karel Niestrath: eine untergewichtige Frau mit eingefallenen Brüsten und stark sich abzeichnenden Rippenbögen – das Elend schlechthin.

Herr Beckmann trifft die Herren Barlach und Lehmbruck

Gleich drei Skulpturen aus Steinguss, die Lehmbruch schuf, und ein Holz von Barlach mit dem Titel „Ruhender Däubler“ werden in der aktuellen Bestandspräsentation mit den Arbeiten von Beckmann konfrontiert. Lehmbrucks füllige Badende und stehende weibliche Figur steht Beckmanns Doppelbildnis Karneval – ein Selbstbild mit Gattin – und dem Porträt von Quappi gegenüber. Darüber hinaus zeigt man Otto Dix' Verarbeitung der eigenen Kriegserfahrungen in „Krieg“, während Wilhelm Morgner in seiner „astralen Komposition“ in einem Farbrausch verfallen ist. In ein Farbenmeer getaucht ist zudem der „Blumengarten“, den Emil Nolde malte. Auf „gefühlte Farben“ setzte Kirchner in seinem Porträtgemälde „Zwei Mädchen“. In Orange-Gelb und helles Türkis getaucht erscheinen die Mädchen ein wenig gespenstisch. Nichts von "Farbexplosionen" hielt ein anderer „Brücke-Maler“, Erich Heckel, als er seine „Badenden“ malte. Heckel bevorzugte helle Grün- und Erdfarben. Zu Heckels Badenden gesellt sich Otto Muellers „Stehender Akt unter Bäumen“. Es zeigt eine blässliche Frau, die ihren Kopf abwendet, so wie dies auch in dem aus Wassereiche geschaffenen Holz „Rückschauende“ von Kirchner der Fall ist.

Stillleben von Jawlensky und Feininger bereichern die Kunst des 20. Jahrhunderts, wie sie in Düsseldorf gezeigt wird. Nicht die berühmten blauen Pferdchen von Franz Marc sind im museum kunstpalast ausgestellt, dafür aber seine beinahe zerbrechlich wirkenden „Füchse“.

Übergänge

Als Mittler zwischen dem ausgehenden 19. und den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts sind die Werke von Christian Rohlfs zu begreifen, der zwischen Impressionismus und Expressionismus seinen Weg suchte. Zu sehen ist unter anderem „Der blaue Berg“ (1912). Durch das rötlich-geblich verfärbte Buchenlaub dringt in „Besonnter Wald“ der Schein der Sonne und schafft dadurch das „Idealbild“ eines Altweibersommers. Diese stimmungsvolle Ansicht ist auch eine Arbeit von Rohlfs.

rubensBeinahe in der Manier von Cézanne schuf Carl Schuch sein „Stillleben mit Äpfeln“. Umgeben ist dieses Stillleben von Landschaftsmalerei, ob von Max Slevogt („Blick von Neukastel nach Süden) und von Oswald Achenbach („Im Park der Villa Borghese“). Nach Italien entführt Caspar Johann Nepomuk Scheuren den Besucher, dank sei der „Italienischen Landschaft mit Kloster“. Die italienische Landschaft schlechthin, die Campagna Romana, malte hingegen Johann Wilhelm Schirmer. Auch in die Lagunenstadt entführt uns unsere Bilderreise: „Blick auf Venedig bei Sonnenuntergang von den Giardini Publici aus“ heißt die von Friedrich Nerly komponierte Ansicht.

 

Knalliges Barockrot für Corinth und Co.

Mut zur farbigen Gestaltung der Ausstellungsräume kann man dem museum kunstpalast nicht absprechen. Knallrot sind die Wände gehalten, die den Hintergrund für Arbeiten von Lovis Corinth und Max Slevogt bilden. Neben Corinths „Kriegsbeute (Frauenraub)“ sowie „Kain“ steht man auch Slevogts „Sieger“ gegenüber, wenn man sich weiter durch die im museum kunstpalast gezeigten Kunstepochen arbeitet. Zart ist das Licht, dass in Gotthardt Kuehls Architekturmalerei auf die Kuppel der Dresdner Frauenkirche fällt.

Der dritte berühmte deutsche Impressionist – die beiden anderen sind Slevogt und Corinth – ist Max Liebermann, der sich mit Palette und Pinsel in der Hand porträtierte, aber auch einen Blick für die kleinen Leute hatte, so in „Die Kartoffelernte“. Dass man inmitten von Malerei auch angewandte Kunst zu sehen bekommt, ist in Kunstmuseen eher die Ausnahme. Ein Vitrinenschrank ist mit Gebrauchskeramik gefüllt, darunter einem dreiteiligen Teeservice von 1929 und einem Mokka-Service aus der Zeit um 1930.

Seestücke und ...

Zum Abschluss widmen wir uns noch dem 19. Jahrhundert, als Andreas Achenbach den Untergang der „Präsident“ malte und dabei die Katastrophe der „Titanic“ vorwegnahm. Der erste transatlantische Passagierdampfer wurde ebenso wie die „Titanic“ ein Opfer des schlechten Wetters und der gewaltigen im Nordatlantik treibenden Eisberge. In gekünstelter Haltung steht nebenan Rodins „Das eherne Zeitalter“ in Gestalt eines gut gebauten Mannes.

Beeindruckend ist das von Antonio Francesco Peruzzini geschaffene Werk „Der Sturm“: Ein Boot ist bereits an der Küste gestrandet. Gischt wird durch den Sturm aufgepeischt. Und da, ja da ist ein Mann über Bord gegangen und kann sich gerade noch an der Schiffswand festklammern. Welche Dramatik! - Seestücke gibt es auch von Caspar David Friedrich zu sehen, mit dem wir auf die Ostsee blicken. Sinn für tageszeitliche Stimmungen bewies Johan Christian Dahl in „Mondnacht bei der Ruine von Tharandt“.

Warum gähnt der von Franz Xaver Messerschmidt skulptierte Mann so herzhaft, fragt man sich beim „Gähner“. Doch dieser Frage gehen wir nicht lange nach, denn uns lockt Bernardo Bellotto, der uns gen Süden mitnimmt und uns die Via di Rigetta in Rom zeigt.

Noch warten auf uns die Malerei der Barockzeit und die sakrale Kunst des Mittelalters, ganz abgesehen von der Glaskunst im Glasmuseum Hentrich – doch alles zu seiner Zeit! (c) fdp

Abbildungen von oben nach unten: Muttergottes Werkstatt Gabriel Grupello Düsseldorf, um 1716/20 Linde H 134,5 cm Inv.-Nr. P 1939-11 /Peter Paul Rubens (Siegen 1577-1640 Antwerpen), Die Himmelfahrt Mariae, um 1616-1618, Öl auf Eichenholz, 429 x 284 cm, Stiftung museum kunst palast, Düsseldorf, Dauerleihgabe der Kunstakademie Düsseldorf, Inv. Nr. M 2309
Leider muss aufgrund von Kondenswasserbildung im Dachbereich das 2.OG (Bereich spätes 18. bis frühes 20. Jahrhundert, Ölskizzen des Barock, Eat Art und der Schütte Raum) geschlossen bleiben. Wir bitten um Ihr Verständnis. Weitere Informationen unter:
T 0211-899 02 00

Ausstellungen

Sommersonne
Eingefangen auf Blättern der Graphischen Sammlung
bis 23.10.2016

Die Graphische Sammlung thematisiert die Wonnen des Sommers und lädt ein zum lustvollen Flanieren durch die reichhaltigen Bestände der Kunst ab 1900. Die ausgewählten Blätter zeigen Landschaften in gleißender Hitze, unvergessliche Sonnenuntergänge, Strandvergnügen und die gesellschaftliche Bühne mondäner Seestädte. Durch ihre Unmittelbarkeit sind Werke auf Papier besonders gut geeignet, diese flüchtigen Impressionen sommerlicher Stimmung einzufangen. In der Ausstellung sind etwa 65 Werke zu sehen, darunter Zeichnungen, Druckgraphik und Fotografien unter anderem von James Ensor, Martial Raysse, Heinrich Zille und Anders Zorn.


Hinter dem Vorhang. Verhüllung und Enthüllung seit der Renaissance. Von Tizian bis Christo Tizian,
1.10.2016 bis 22.1.2017

Die Ausstellung widmet sich anhand der Motive Schleier und Vorhang Grundfragen der Malerei und der bildenden Kunst. Das Wechselspiel zwischen Zeigen und Verbergen, Enthüllen und Verhüllen wird durch hochkarätige Leihgaben internationaler Museen verdeutlicht – von Tizian über Rubens bis Gerhard Richter, von der Malerei der Renaissance und des Barock über die Kunst der Moderne bis hin zur Gegenwart.

Lyonel Feininger - Form Raum Farbe
11. November 2016 bis 22. Januar 2017

Die Graphische Sammlung des Museum Kunstpalast besitzt 25 Arbeiten auf Papier von Lyonel Feininger. Mit diesem um Leihgaben aus Düsseldorfer Privatbesitz und dem Museum Folkwang Essen ergänzten Konvolut gelingt es, die unterschiedlichen Facetten seines graphischen Werkes eindrucksvoll zu präsentieren. Unterstützt durch Cary und Dan Georg Bronner

museum kunst palast
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Tel.: 0 2 11 / 8 92 42 42
info@museum-kunst-palast.de
Öffnungszeiten
Di-So. 11 - 18 Uhr

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