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Ausstellungsorte in Düsseldorf: Museum Kunstpalast / NRW Forum / K20 Kunstsammlung NRW / K21 Kunstsammlung NRW / KIT / Kunsthalle / Kunstakademie Düsseldorf /

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Folkwang Museum Essen / RuhrMuseum Essen

Düsseldorf
Museum Kunst Palast


El Greco und die Moderne
bis 12.August 2012


Neupräsentation der Sammlung
dauerhaft
Aktueller Hinweis
Ab sofort jeden Dienstag freier Eintritt in unsere Sammlung!

Leider muss aufgrund von Undichtigkeiten im Dach des Sammlungsbereichs Museum Kunstpalast momentan das 2.OG (Bereich spätes 18. bis frühes 20. Jahrhundert, Ölskizzen des Barock, Eat Art und der Schütte Raum) geschlossen bleiben. Wir bitten um Ihr Verständnis. Weitere Informationen unter:
T 0211-899 02 00


Ausstellungen 2012

. Neupräsentation der Sammlung

So umfänglich wie der vorliegende Sammlungskatalog, in dem ausgewählte Werke in Bild und Text vorgestellt werden, ist auch die Sammlungspräsentation. Skulptur und angewandte Kunst wird ebenso wie moderne Kunst und Grafik gezeigt. Fotografien, nicht nur vom Ehepaar Becher, gehören ebenso zum Bestand des Hauses wie ein oberrheinischer Flügelaltar des frühen 16. Jahrhunderts, böhmische Reliquienbüsten, ein Tiroler Sakristeischrank aus Linde und Zirbelkiefer, das Sitzmöbel „Capitello“ von Gilardi, Gemälde von Rubens oder van Goyen. Der „Nestor der deutschen Moderne“, Christian Rohlfs ist mit Arbeiten genauso im Haus zu bestaunen wie die „Brücke-Maler“ Nolde sowie Kirchner und die Farbflächenmalerei von Ellsworth Kelly. Unter einem Dach vereint ist Kunst von Stephan Balkenhol, Nam June Paik oder der Gruppe ZERO, ganz abgesehen von Arbeiten, die Franz Marc und August Macke der Nachwelt hinterlassen haben. Mehrere Stunden kann man in einem Flügel des Ehrenhofs zubringen, wollte man eine Zeitreise vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart unternehmen. Gewiss muss man wiederkommen, denn genießen sollte man die präsentierten Werke – und das am besten in kleinen Dosierungen.

In der nachfolgenden Übersicht konzentrieren wir uns auf die Kunst der Gegenwart, des 20. bis 18./19. Jahrhunderts. Wir beginnen also eine Kunstreise von der Jetztzeit in die jüngere Vergangenheit: Gleich vor dem Zugang zu den „Galerien des 21. und 20. Jahrhunderts“ fällt unser Blick auf den grob bearbeiteten großen Kopf eines Mannes, in dessen Kopfhaaren sich ein Mann in weißem Hemd und schwarzer Hose festhält. Ist es weit hergeholt an Gulliver aus „Gullivers Reisen“ zu denken? In einem White Cube, einem kleinschaligen Raum innerhalb des Ehrenhofs, stößt manauf Schwarz-Weiß-Fotografie. Sie stammen wie die Ansichten armenischer Bushaltestellen aus Beton, Draht und Bewährungseisen von der gottesmutterBerliner Fotografin Ursula Schulz-Dornburg. Nebenan finden sich die Aufnahmen von Kalköfen, die auf den Kopf gestellten Trichtern gleichen. Mit der Kamera haben Bernd und Hella Becher diese Zeugnisse der untergehenden Industriekultur festgehalten. Auch einer der Becher-Schüler, Thomas Struth, dem die NRW Kunstsammlung K20 in der ersten Jahreshälfte 2011 eine umfangreiche Werkschauwidmete, ist mit seinen Stadtansichten im Haus vertreten. Ob er nun die Neue Mainzer Straße in Frankfurt oder die Ludwigstraße in München im Blick hatte, immer wählte er die frühen Morgenstunden aus, um menschenleere Straße mit Zentralperspektive zu fotografieren.

Kunst ist konkret

Lenken wir unsere Schritte durch die Sammlung, so begegnen wir konkreter Kunst, die wie „M“ von Mary Heilmann stammt. Rot, weiß, gelb und tintenblau sind verschiedene Felder „ausgemalt“ durch die sich ein „Treppengebilde“ zieht. Weiße hochgezogene Farbtropfen unterschiedlicher Größen geben der Arbeit „konkav-konvex“ von Almir Mavignier eine „rhythmische Oberfläche“. Schwindelig kann dem Betrachter werden, der vor Bridget Rileys „Amnesia“ steht. Zu sehen sind horizontale Wellen, die vom Rand aus mit hellem Grau beginnen und sich zur Mitte hin zu schwarzen Wellen verdichten.

beuysJoseph Beuys bespielt einen eigenen Raum, nicht nur mit „Fat up to this level“, während Günter Fruhtrunk sich in diagonalen Linienkompositionen ausdrückt, so auch in „Grüner Hiatus“. Dabei hat man als Betrachter den Eindruck, der Künstler habe zwei Flächen mit „Tastaturen“ in Schwarz, Grün und Weiß ineinander gesteckt. Schritte von dieser „Streifenmalerei“ entfernt , entdeckt man die Bronze „Sun Crunch“ des britischen Bildhauers Anthony Caro. Doch der konkreten Kunst entgeht der Besucher auch dann nicht, steht er doch Blinky Palermos unbetiteltem Werk mit blauer und grüner Fläche ebenso gegenüber wie einer Variation der „Hommage an ein Quadrat“ des Bauhausmeisters Josef Albers. Im vorliegenden Falle sehen wir geschachtelte Quadrate in Dunkelbraun, Grün und Blau, die sich zur „Mitte“ hin zu einem schwarzen Quadrat verändern: „Porta Nigra“ nannte Alberts seine Arbeit.

Zu Tische bitte

In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren wurde „Eat Art“ das Gesprächsthema der Kunstszene, vor allem in Düsseldorf. Hier hatten sich Mack, Richter und Spoerri zusammengefunden, um gemeinsam zu arbeiten. Man traf sich in der ersten psychedelischen Disko der Republik namens Creamcheese und in dem 1970 eröffneten Eat Art Restaurant von Spoerri. Dessen Arbeit „Frühstückstablett Selbstbedienungsrestaurant Paris“ trifft in der Sammlungspräsentation auf Armans gesammelte Blechkannen. Kopf steht der Betrachter in Adolf Luthers Objekt aus mehreren Rundspiegeln. Günther Uecker hat für einen Nagel extra einen Metallschrank aus Gitterdraht konstruiert. Der Riesennagel scheint wie ein mächtiger Obelisk und wird von einigen Leuchten mit grellweißem Neonlicht angestrahlt.

paikGrau in Grau zu malen zeichnet Gerhard Richter aus. Auch seine „Reclining Woman“ ist in Grautönen gehalten. Zu Füßen des Gemäldes befindet sich ein stufiges Podest. Darf man es betreten, um der verführerischen Schönheit näher zu kommen?

Gehärtete Bonbonmasse nutzte César für sein Kunstobjekt in Gestalt eines Riesendaumens, während Dieter Roth Stallmist zu zwei Hasen formte. In zwei schmalen Glasbehältnissen sieht man eingefärbte Baguettescheiben, eine Idee von Dorothée Setz und Antoni Miralda. Für viele Betrachter mag Ekel aufkommen, betrachten sie Roths „Käserennen“, für dessen Herstellung streichfähiger Weichkäse zum Einsatz kam. All die bezeichneten Materialien sind in einem Prozess des steten Vergehens begriffen. Bakterien und Schimmelsporen sind am Zersetzungsprozess beteiligt. Wie will man ihn aufhalten?

Offene Form abstrakt

Mausgrau ausgeschlagen ist der Raum, in dem sich der Besucher mit der sogenannten offenen Form von Olle Bærtling ebenso auseinandersetzen kann wie mit Arbeiten von Willi Baumeister. Der abstrakten Malerei hat sich Friedrich Vondemberge-Gildewart mit einer in Weiß, Sonnenblumengelb, Rot und Hellblau sowie Lila gehaltenen Komposition gewidmet. Konstruktivistisch ist László Moholy-Nagys Werk „A7“. Der Bauhausmeister verknüpft in seiner hochformatigen Arbeit schmale lange Rechtecke und einen Kreisausschnitt. Zudem sind auch Arbeiten von Ben Nicholson und Oskar Schlemmer ausgestellt, die gleichfalls dem Kanon der Abstraktion zuzuordnen sind.

Varianten des Realismus

Gegensätzliches wird unter dem Begriff Realismus vorgestellt. Die vergrößerte Nahsicht auf eine mechanische Schreibmaschine „Royal“ von Konrad Klapheck trifft auf die in Strich-Strich-Punkt-Manier ausgeführte Mutter mit Kind im Wald, eine Frottage des deutschen Surrealisten Max Ernst. In enger Umarmung hat sich Conrad Felixmüller mit seiner Frau vor dem Hintergrund eines üppig dekorativ gestalteten Raums porträtiert. Ein rauschendes Maskenfest, von Gert Heinrich Wollheim geschaffen, steht für seinen „Abschied von Düsseldorf“.

kirchner

Ähnlich wie in anderen „Mehrspartenhäusern“ versucht das museum kunstpalast neben Malerei auch immer Skulptur auszustellen. Zu den Bronzen der erlesenen Sammlung gehört die „Hungrige“ von Karel Niestrath: eine untergewichtige Frau mit eingefallenen Brüsten und stark sich abzeichnenden Rippenbögen – das Elend schlechthin.

Herr Beckmann trifft die Herren Barlach und Lehmbruck

Gleich drei Skulpturen aus Steinguss, die Lehmbruch schuf, und ein Holz von Barlach mit dem Titel „Ruhender Däubler“ werden in der aktuellen Bestandspräsentation mit den Arbeiten von Beckmann konfrontiert. Lehmbrucks füllige Badende und stehende weibliche Figur steht Beckmanns Doppelbildnis Karneval – ein Selbstbild mit Gattin – und dem Porträt von Quappi gegenüber. Darüber hinaus zeigt man Otto Dix' Verarbeitung der eigenen Kriegserfahrungen in „Krieg“, während Wilhelm Morgner in seiner „astralen Komposition“ in einem Farbrausch verfallen ist. In ein Farbenmeer getaucht ist zudem der „Blumengarten“, den Emil Nolde malte. Auf „gefühlte Farben“ setzte Kirchner in seinem Porträtgemälde „Zwei Mädchen“. In Orange-Gelb und helles Türkis getaucht erscheinen die Mädchen ein wenig gespenstisch. Nichts von "Farbexplosionen" hielt ein anderer „Brücke-Maler“, Erich Heckel, als er seine „Badenden“ malte. Heckel bevorzugte helle Grün- und Erdfarben. Zu Heckels Badenden gesellt sich Otto Muellers „Stehender Akt unter Bäumen“. Es zeigt eine blässliche Frau, die ihren Kopf abwendet, so wie dies auch in dem aus Wassereiche geschaffenen Holz „Rückschauende“ von Kirchner der Fall ist

.boecklin

Stillleben von Jawlensky und Feininger bereichern die Kunst des 20. Jahrhunderts, wie sie in Düsseldorf gezeigt wird. Nicht die berühmten blauen Pferdchen von Franz Marc sind im museum kunstpalast ausgestellt, dafür aber seine beinahe zerbrechlich wirkenden „Füchse“.

Übergänge

rubensAls Mittler zwischen dem ausgehenden 19. und den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts sind die Werke von Christian Rohlfs zu begreifen, der zwischen Impressionismus und Expressionismus seinen Weg suchte. Zu sehen ist unter anderem „Der blaue Berg“ (1912). Durch das rötlich-geblich verfärbte Buchenlaub dringt in „Besonnter Wald“ der Schein der Sonne und schafft dadurch das „Idealbild“ eines Altweibersommers. Diese stimmungsvolle Ansicht ist auch eine Arbeit von Rohlfs.

Beinahe in der Manier von Cézanne schuf Carl Schuch sein „Stillleben mit Äpfeln“. Umgeben ist dieses Stillleben von Landschaftsmalerei, ob von Max Slevogt („Blick von Neukastel nach Süden) und von Oswald Achenbach („Im Park der Villa Borghese“). Nach Italien entführt Caspar Johann Nepomuk Scheuren den Besucher, dank sei der „Italienischen Landschaft mit Kloster“. Die italienische Landschaft schlechthin, die Campagna Romana, malte hingegen Johann Wilhelm Schirmer. Auch in die Lagunenstadt entführt uns unsere Bilderreise: „Blick auf Venedig bei Sonnenuntergang von den Giardini Publici aus“ heißt die von Friedrich Nerly komponierte Ansicht.

Knalliges Barockrot für Corinth und Co.

Mut zur farbigen Gestaltung der Ausstellungsräume kann man dem museum kunstpalast nicht absprechen. Knallrot sind die Wände gehalten, die den Hintergrund für Arbeiten von Lovis Corinth und Max Slevogt bilden. Neben Corinths „Kriegsbeute (Frauenraub)“ sowie „Kain“ steht man auch Slevogts „Sieger“ gegenüber, wenn man sich weiter durch die im museum kunstpalast gezeigten Kunstepochen arbeitet. Zart ist das Licht, dass in Gotthardt Kuehls Architekturmalerei auf die Kuppel der Dresdner Frauenkirche fällt.

wollheim

Der dritte berühmte deutsche Impressionist – die beiden anderen sind Slevogt und Corinth – ist Max Liebermann, der sich mit Palette und Pinsel in der Hand porträtierte, aber auch einen Blick für die kleinen Leute hatte, so in „Die Kartoffelernte“. Dass man inmitten von Malerei auch angewandte Kunst zu sehen bekommt, ist in Kunstmuseen eher die Ausnahme. Ein Vitrinenschrank ist mit Gebrauchskeramik gefüllt, darunter einem dreiteiligen Teeservice von 1929 und einem Mokka-Service aus der Zeit um 1930.

Seestücke und ...

Zum Abschluss widmen wir uns noch dem 19. Jahrhundert, als Andreas Achenbach den Untergang der „Präsident“ malte und dabei die Katastrophe der „Titanic“ vorwegnahm. Der erste transatlantische Passagierdampfer wurde ebenso wie die „Titanic“ ein Opfer des schlechten Wetters und der gewaltigen im Nordatlantik treibenden Eisberge. In gekünstelter Haltung steht nebenan Rodins „Das eherne Zeitalter“ in Gestalt eines gut gebauten Mannes.

Beeindruckend ist das von Antonio Francesco Peruzzini geschaffene Werk „Der Sturm“: Ein Boot ist bereits an der Küste gestrandet. Gischt wird durch den Sturm aufgepeischt. Und da, ja da ist ein Mann über Bord gegangen und kann sich gerade noch an der Schiffswand festklammern. Welche Dramatik! - Seestücke gibt es auch von Caspar David Friedrich zu sehen, mit dem wir auf die Ostsee blicken. Sinn für tageszeitliche Stimmungen bewies Johan Christian Dahl in „Mondnacht bei der Ruine von Tharandt“.

marc

Warum gähnt der von Franz Xaver Messerschmidt skulptierte Mann so herzhaft, fragt man sich beim „Gähner“. Doch dieser Frage gehen wir nicht lange nach, denn uns lockt Bernardo Bellotto, der uns gen Süden mitnimmt und uns die Via di Rigetta in Rom zeigt.

Noch warten auf uns die Malerei der Barockzeit und die sakrale Kunst des Mittelalters, ganz abgesehen von der Glaskunst im Glasmuseum Hentrich – doch alles zu seiner Zeit! (c) fdp

Abbildungen von oben nach unten: Muttergottes Werkstatt Gabriel Grupello Düsseldorf, um 1716/20 Linde H 134,5 cm Inv.-Nr. P 1939-11 / Joseph Beuys, 1921 – 1986 Entwurf für gezinnoberte Bronze, 1956 Gouache in hellem rot auf hellbraunem, angerautem Papier 20,7 x 14,6 cm Düsseldorf, museum kunst palast, Inv. Nr. K 1980-61 / Nam June Paik Fish Flies on Sky. 1985 Videoinstallation mit 88 Monitoren / Ernst Ludwig Kirchner, Liegende, 1911, Öl auf Leinwand, 95x170cm inv. nr. 0.1955.5309 / Arnold Böcklin (Basel 1827-1901 San Domenico di Fiesole), Schlafende Diana von zwei Faunen belauscht, 1877, Öl auf Leinwand, 77,3 x 105 cm, Stiftung museum kunst palast, Düsseldorf, Inv. Nr. M 5561 / Peter Paul Rubens (Siegen 1577-1640 Antwerpen), Die Himmelfahrt Mariae, um 1616-1618, Öl auf Eichenholz, 429 x 284 cm, Stiftung museum kunst palast, Düsseldorf, Dauerleihgabe der Kunstakademie Düsseldorf, Inv. Nr. M 2309 / Gert Wollheim (1894-1974); Abschied von Düsseldorf, 1924; Öl auf Leinwand, 160 x 165 cm; Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf; © Jutta Osterhof/Nachlass des Künstlers / Franz Marc (1880-1916); Akte unter Bäumen, 1911; Öl auf Leinwand, 110 x 180 cm; Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf

 

El Greco und die Moderne

In der Ausstellung EL GRECO UND DIE MODERNE wird zum ersten Mal in Deutschland dieser Künstler ins Zentrum der Betrachtung gerückt. Die Schau untersucht die erste, 1912 in Düsseldorf stattgefundene, Begegnung der "Jungen Moderne" mit den Werken El Grecos. So wird der Maler in einer gültigen Auswahl von rund 40 Werken aus wichtigen europäischen und amerikanischen Museen vorgestellt. Gleichzeitig wird sein Oeuvre 100 Jahre nach der ersten Begegnung rund 100 Werken von Künstlern gegenübergestellt, die sich mit der Bildwelt El Grecos auseinandersetzten. Neben Werken von Cezanne, van Gogh, Picasso und Delaunay werden auch Gemälde von Beckmann, Kokoschka, Macke, Marc und vielen anderen präsentiert, die von der großen Faszination berichten, die El Greco auf sie ausübte.

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El Greco:Christ Blessing, National Gallery of Scotland

Bereits am ersten Tag der Ausstellung kamen fast 7000 Besucher, um die Arbeiten El Grecos und der Moderne zu sehen. El Greco, das wird in der Gegenüberstellung mit den Rheinischen Expressionisten wie Mense oder Stenner, aber auch im Dialog mit Cézanne und Picasso deutlich, war ebenso wie William Turner seiner Zeit weit voraus. Das gilt nicht so sehr im Hinblick auf die Motivwahl als vielmehr bezogen auf den Malstil und hinsichtlich der Komposition mit der Betonung der Diagonale und/oder eines „pyramidalen Bildaufbaus“. Wie kein zweiter seiner Zeit verstand es der aus Kreta stammende und in Toledo ansässige Ikonenmaler sich von der Tradition und dem Zeitgeschmack zu lösen – ähnlich wie die Gebrüder van Eyck zu ihren Lebzeiten. Kein himmlisches Gold sieht man als Hintergrund der religiösen Motive, sondern stattdessen einen „aufgeregten“, „geschummerten“ Himmel. Nicht mit Kreide und Kohle, sondern mit Ölfarben gelang es El Greco, das Licht-Schatten-Spiel auf den Gewändern seiner Apostel und der von ihm Porträtierten realistisch einzufangen. Betrachtet man die in „Bonbonfarben“ leuchtenden Kleider, so meint man, El Greco habe einen Weichzeichner eingesetzt, um Nuancen in den Faltenwürfen und den Lichtreflexionen auf der Kleidung zu komponieren. Nicht üppige barocke Typen bannte er auf die Leinwand, sondern eher hagere, teilweise auch verhärmt wirkende „gotische Menschen“ in ihrem Himmelsstreben. Dabei setzte er sich doch deutlich von seinen malenden Zeitgenossen ab und individualisierte seine Apostel, anbetenden Hirten und Könige sowie Maria und Josef. Auffallend ist auch die scheinbare „Überlängung“ der dargestellten Personen. In dieser Hinsicht gibt es eine Entsprechung zu den gezeigten Arbeiten des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck.

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Max Beckmann, Kreuzabnahme, 1917, Öl auf Leinwand, 151,2 x 128,9 cm, The Museum of Modern Art, © (2012) The Museum of Modern Art/Scala, Florence, © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Bereits 1911

Dass eine Gegenüberstellung von El Greco und der klassischen Moderne nicht an den Haaren herbeigezogen ist, sondern durchaus Sinn macht, ist auch darin begründet, dass unter anderem 1911 bei einer Ausstellung des Blauen Reiters El Grecos Arbeiten zu sehen waren. Auch in der Sonderbundausstellung des nachfolgenden Jahres konnte man Werke von El Greco bewundern. Gewiss in der aktuellen Schau Delaunays in die Bilddiagonale gesetzten Eiffelturm „neben“ El Grecos „Johannes der Täufer“ zu setzen, ist schon gewöhnungsbedürftig, eröffnet aber auch neue Blicke auf die klassische Moderne wie auch auf die Arbeiten des Mannes aus Toledo.

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El Greco, Anbetung der Hirten, ca. 1603-05, Öl auf Leinwand, 141 x 111 cm, Museo del Patriarca del Real Colegio de Corpus Christi de Valencia

Licht-Schatten-Regie und Farbensinn

Wie oben bereits einleitend herausgestellt, hat El Greco eine besondere Licht-Schatten-Regie in seinen Kompositionen realisiert, so auch in „Anbetung der Hirten“ (ca. 1569/70). Zugleich gibt es bei derartigen religiösen Darstellung als Hintergrund eine mediterrane Landschaft mit Architekturstaffagen. Blickt man in die Gesichter der Hirten, so sieht man individuelle Züge statt Stereotypen. Teilweise erscheinen Arbeiten El Grecos skizzenhaft, so wie sein „Abendmahl“ mit den dicht gedrängt sitzenden Jüngern am Tisch des Herrn. Nur der Verräter Judas sitzt abseits von den anderen. Jesus umgeben von den trauernden Frauen ist ein weiteres Thema, dem sich El Greco gewidmet hat. Dabei hat er einen pyramidalen Aufbau der Menschengruppe gewählt. Dialogisch gehängt ist diese Arbeit zu Heinrich Nauens 1911 entstandener „Beweinung Christi“. Umgeben ist der blutleere Körper Christi von den ihn beweinenden Frauen, die gesichtslos sind. Im Hintergrund erhebt sich der Berg Golgatha mit den dort aufgestellten Kreuzen. Sandig sind die Farben für die Gestaltung der Landschaft. Farblich scheinen Unterschiede zwischen der Malerei Nauens und Grecos kaum zu existieren, betrachtet man zum Beispiel die Leuchtkraft und den Farbausdruck in Heinrich Nauens Arbeit „Heiliger Martin“ (1924-25). Sicherlich es fehlt die Schummerung eines El Greco. Stattdessen sieht man bei Nauen eher einen fleckig-flächigen Farbauftrag, dem allerdings die Strahlkraft nicht fehlt. Und das ist auch bei El Greco der Fall.

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Pablo Picasso, Porträt eines Unbekannten im Stil von El Greco, 1899, Öl auf Leinwand, 34,7 x 31,2 cm, Museu Picasso, Barcelona, © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, 2012

Farblich wie auch in der Darstellung der Figuren gibt es zwischen El Greco und Cézannes Badenden gleichfalls Ähnlichkeiten und Überschneidungen. Während der Meister aus Toledo durchaus anatomisch korrekt seine Figuren in Szene setzte, verflachen die dargestellten Personen bei Cézanne, zeichnen sich jedoch durch eine Überlängung aus, die auch El Greco bevorzugte.

Der hl. Franziskus

Ausgiebig befasste sich El Greco mit der Person des hl. Franziskus, wovon eine Reihe Arbeiten zeugen. Der Legende nach tauschte der Sohn eines reichen Kaufmanns auf einer Romreise seine Kleider mit einem Bettler. Welchen Stellenwert der Heilige für El Greco besaß, wird durch die Tatsache unterstrichen, dass es sieben genuine Franzikusporträts gibt, teilweise vor einem Totenschädel meditierend und mit den Wundmalen Jesu. Zudem existieren 40 Arbeiten, die sich mit dem Typus des Heiligen auseinandersetzen. In einem üppigen barocken Goldrahmen entdecken wir den Heiligen, der seine mit Wundmalen versehenden Hände über der Brust kreuzt und im Gebet vor einem Totenschädel innehält. Der Himmel im Hintergrund ist von Wolken überzogen, durch die zaghaft das Sonnenlicht bricht.

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El Greco, Bildnis des Juristen Jerónimo de Cevallos, 1613, Öl auf Leinwand, 64 x 54 cm, © Museo Nacional del Prado, Madrid

Zu sehen ist zudem der in grauen Habit gehüllte Franziskus, der vor einem Kruzifix kniet. Das Vanitas-Motiv des Totenschädels, das bei El Greco mehrfach auftaucht, ist auch in einem Werk Cézannes zu finden, das den Titel „Die Totenköpfe auf einem Orientteppich“ trägt. Obendrein entdecken wir bei Egon Schiele das Motiv des Totenschädels und zwar in dem Gemälde „Agonie“ (1912). Bei diesem Maler, der eher für seine fast ins Pornographische gehenden Arbeiten zum Thema Sexus bekannt ist, findet sich auch ein Werk, das das Motiv des Betenden und Tröstenden aufnimmt, wie wir es bei El Greco finden. Zu sehen ist bei Schiele ein Mönch, der am Bett eines Sterbenden betet.

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El Greco, Heiliger Jacobus der Ältere, ca. 1610-14, Öl auf Leinwand, 97 x 77 cm, Museo del Greco, Toledo, Foto: Rebeca García Merino

Welche Bedeutung El Greco für die Künstler der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts besaß, unterstreicht eine Äußerung des Bildhauers Edwin Scharff: „In Madrid ging ich fleißig in den Prado, kam aber selten bis zu Velázquez, da die Bilder von Greco mich mehr fesselten. Die deutschen Maler in Madrid, die alle natürlich Velázquez abpinselten, lachten und erzählten, dass erst vor einigen Wochen ein gewisser Meier -Graefe ( Anm.: ein dt. Kunsthistoriker und Schriftsteller) da gewesen wäre.“

Scharff, Meidner, Oppenheimer, Beckmann ...

Nicht nur Scharff, sondern auch Max Beckmann („Die Auferstehung“, 1908 und „Die Kreuzabnahme“) und Ludwig Meidner hatten ein Faible für El Greco. Besonders in der Farbsetzung – man betrachte Meidners Selbstbildnis von 1913 – kann man Bezüge zu El Greco konstatieren. Meidner gehörte zu einer Gruppe von Malern, darunter auch Max Oppenheimer, die intensiv über die Werke des Malers aus Spanien debattierten. Sowohl Meidners Selbstbildnis als auch das Porträt des Dichters Johannes Becher habe eines gemeinsam: In beiden Fällen ist der Blick des Porträtierten gen Himmel gerichtet, so wie auch bei den Aposteln von El Greco. Neben Meidners Porträts finden sich in der sehr opulenten Schau Arbeiten von Oppenheimer, so „Der Blutende“, dabei Bezug auf den „Lanzenstich“ nehmend. Oppenheimer präsentiert uns einen aus einer Wunde unterhalb der Brust Blutenden, der die Bilddiagonale der Leinwand einnimmt.

Schaut man sich Porträts von El Greco an und dann Picassos „Porträt eines Unbekannten“, dann ist eine sich ähnelnde Physiognomie nicht von der Hand zu weisen. Was allerdings die kubo-futoristisch anmutende Bronze Don Quichotes von Otto Gutfreund mit El Greco zu tun hat, erschließt sich nicht auf den ersten Blick.

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Wilhelm Lehmbruck, Emporsteigender Jüngling, 1913/14, Bronze, dunkelbraun-anthrazit, patiniert (Guss um 1925/26), 226 x 76 cm, Lehmbruck Museum Duisburg, © Lehmbruck Museum, Duisburg, Foto: Bernd Kirtz

Es sind nicht nur die Arbeiten El Grecos, die ein interessiertes Kunstpublikum in ihren Bann ziehen, sondern auch die Arbeiten der Moderne, ob nun Hofers „Selbstbildnis mit Modell“ oder Albert Blochs „Höllenszene“ und Jacob Steinhardts „Der Prophet“ (1913). Letzterer äußerte sich mit folgenden Worten zu dem „Vorbild“ El Greco: „Mit meinem Freund Meidner debattierte ich oft nächtelang über die neuen Wege, die die Kunst einschlagen müsste. Die Gotik El Grecos … beeindruckte ungemein. Unter diesem Eindruck malten wir mit Feuereifer Themen wie Hiob – Apokalypse – Weltuntergänge ...“.

Die Thematik des hl. Sebastians findet sich nicht allein bei El Greco, sondern auch bei dem aus St. Ingbert stammenden Albert Weißgerber, der den Heiligen allerdings ohne die zahlreichen Pfeile im Körper malte. Lehmbruck, der sich an der Sonderbundausstellung beteiligte, auf der auch Grecos Arbeiten zu sehen waren, ist heuer nicht nur mit dem „Kopf eines Denkers“ zu sehen, sondern auch mit der Figur des am Boden liegenden „Gestürzten“, Ausdruck des menschlichen Elends. Besonders hinzuweisen ist abschließend auf Meidners „Doppelgemälde“: Auf der Vorseite sieht man eine apokalyptische Landschaft, auf der Rückseite den Barrikadenkampf. Viel sinnfälliger kann ein Künstler seine Befindlichkeit nicht ausdrücken: Weltuntergang hier, Aufbruch zu „ neuen Ufern“ dort. Zu neuen Ufern – das ist gewiss – brach El Greco mit seiner Kunst auf, die bis ins 20. Jahrhundert hinein wirkte. Das und genau das stellt die sehenswerte Ausstellung in ihrer ausführlichen Präsentation von Arbeiten des Malers aus Toledo und der Moderne in gelungener Art und Weise heraus. © fdp

Ausstellungen 2012

AKSELI GALLEN-KALLELA 1865-1931
2. Juni 2012 bis 9. September 2012

In Kooperation mit dem Musée d'Orsay in Paris und dem Helsinki Art Museum präsentiert das Museum Kunstpalast eine großangelegte Ausstellung zu Ehren dieses wichtigen nordeuropäischen Künstlers des 19. Jahrhunderts. Er war seit den 1880er Jahren der bedeutendste und führendste Künstler der frühen Moderne Finnlands. Diese Ausstellung umfasst 75 außergewöhnliche Meisterstücke und wird dem französischen und deutschen Publikum erstmals einen umfangreichen Einblick in Leben und Werk Gallen-Kallelas aus über fünf Jahrzehnten seines Schaffens gewähren.

ANDREAS GURSKY
September 2012 bis Januar 2013

Neue Arbeiten Die Düsseldorfer Fotografie hat seit den 1970er Jahren eine internationale Vorreiter-Rolle übernommen. Das Museum Kunstpalast präsentiert regelmäßig die bedeutende fotografische Positionen in umfas- senden Ausstellungen. Im Jahr 2012 werden erstmals und exklusiv die neuesten Arbeiten des deutschen Künstlers Andreas Gursky aus seiner aktuellen Schaffensperiode in einer fundierten Einzelausstellung gezeigt.

Eine Künstlersammlung für Künstler
LAMBERT KRAHE (1712-1790) zum 300. Geburtstag
6. Oktober 2012 bis 13. Januar 2013

Erstmals richtet sich der Blick einer groß angelegten Jubiläums-Ausstellung auf den Lehrbetrieb einer Kunstakademie des 18. Jahrhunderts – deren Arbeit bis heute nachwirkt: Gewidmet ist sie dem wohl bedeutend- sten Privat-Sammler Düsseldorfs während der Zeit des Kurfürsten Carl Theodor: dem Künstler und Gründungs- direktor der Düsseldorfer Kunstakademie, Lambert Krahe. Seine hochkarätige, während zweier Jahrzehnte in Rom erworbene, international ausgerichtete "Vorbilder-Sammlung", prägte Generationen des künstlerischen Nachwuchses durch die Werke Alter Meister nachhaltig. Den hohen Stellenwert des Zeichenunterrichts auch in der heutigen Künstlerausbildung veranschaulichen etwa fünfzig Arbeiten von Professoren, die gegenwärtig an der Kunstakademie Düsseldorf lehren. Zu sehen sind etwa 250 Exponate.

museum kunst palast
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Tel.: 0 2 11 / 8 92 42 42
info@museum-kunst-palast.de
Öffnungszeiten
Di- So. 11 - 18 Uhr

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