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Düsseldorf
Kunsthalle

Yüksel Arslan
bis 24. Juni 2012

Ausstellungen 2012

Yüksel Arslan

1962 verließ der damals in Istanbul lebende Künstler Yüksel Arslan (*1933) aufgrund politischer Missstände mit Unterstützung von André Breton, Jean Dubuffet und Jean-Paul Sartre seine Heimat, um sich in Paris niederzulassen. Schnell fand er Anschluss an verschiedene intellektuelle Zirkel der Stadt, blieb aber bis vor kurzem einem breiteren Publikum eher unbekannt.

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Yüksel Arslan, Arture 167, The Capital XVI (Privat property), 1972 Mixing technique, 59 x 99 cm Courtesy: Dr. Nejat F. Eczacibaşi Foundation collection

In Deutschland ist der aus Istanbul stammende, aber seit den 1960er Jahren in Paris beheimatete Künstler kaum bekannt. So ist es das Verdienst der Kunsthalle Düsseldorf, dem eigenwilligen Künstler nunmehr ein breites Forum zu bieten. Dabei hat es die Kunsthalle aus Sicht des Berichterstatters allerdings versäumt, die Schau auch inhaltlich-textlich zu begleiten, sei es mit Texten zu den Werken oder sei es zur Ikonografie Arslans. Beides ist leider unterblieben. Nur eine Titelliste wird dem Besucher an die Hand gegeben. Ob die Absperrungen von den kleinformatigen und mit Zitaten übersäten Arbeiten notwendig sind, scheint mehr als zweifelhaft, zumal man dadurch die in die collagenhaften Arbeiten eingefügten Textpassagen und Bilddetails kaum entziffern kann. Auch fehlt es an der Transkription der in französischer Sprache geschriebenen Texte, um darüber einen Werkzugang zu erhalten. Ein Ansichtskatalog fehlte beim Besuch des Berichterstatters überdies. Ein Blick in den Katalog wäre sicherlich der Aufklärung über die künstlerische Position Arslan dienlich. Doch dann muss man ihn auch vorhalten.

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Yüksel Arslan, Arture 188, 1978 Mixing technique, 50,5 x 71,5 cm Courtesy: santralistanbul collection

Schaut man sich die beinahe „manische Art und Weise“ an, mit der Arslan die Bildflächen seiner Werk füllt, ob mit Bildfragmenten und/oder Texten, dann drängt sich der Eindruck auf, es handele sich bei der präsentierten Kunst um Outsider Art. Auch zu diesem Aspekt Kunst versus Outsider Art hätte der Besucher mehr erfahren wollen. Leider wird dieser Frage in der Schau nicht nachgegangen. Dem Besucher bleibt nur die Betrachtung der Arbeiten, deren Kontext und Inhalt sich nicht durch die reine Anschauung erschließen. Für die Dechiffrierung der Arbeiten wäre es notwendig gewesen, eine Einführung in die spezifische Kunstform Arslans zu formulieren und in der Schau zur Debatte zu stellen. Ist er Surrealist? Ist er ein Dada-Künstler? Ist er ein naiver Künstler? Wo, ja wo ist die Kunst Arslans anzusiedeln, der Umgang mit Breton und Satre ebenso pflegte wie mit Dubuffet, der ein besonderes Faible für die Kunst des sogenannten Primitivismus besaß.

Es sind keine klassischen Farben, die Arslan für die Malerei verwendet, sondern er mischt Pigmente aus pflanzlichen Extrakten, aus Körperflüssigkeiten und aus Blüten sowie Gras. Damit richtet er sich in seinem Schaffen gegen die Verwendung industriell hergestellter Farben.

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Yüksel Arslan, Arture 535, Walseries, 2000 Mixing technique, 41 x 45 cm Courtesy: Sinan Berent koleksiyonu

Eigenwillig ist das Werk – zu sehen sind Arbeiten auf Papier – besonders wegen der Bildsprache, die teilweise in ihrer Schonungslosigkeit, insbesondere zu sexuellen Themen, irritiert, wenn nicht gar schockiert. In den collagenhaften Zeichnungen setzt sich der Künstler mit den Traditionen des Westens auseinander, befasst sich mit Kunst und Literatur, mit Medizin und auch mit Politik, wobei er betont kein Marxist zu sein. Das ist angesichts seines „Kapital-Zyklus“ schwer zu glauben.

Zwei Ausstellungsräume sind der Werkpräsentation vorbehalten. Zu sehen sind Arbeiten zu Themen wie „Das Kapital“, „Der Mensch/Der Mann“ sowie „Neue Einflüsse“. Eingängig sind derartige thematische Charakterisierungen nicht. Sie sind auch schwer greifbar, ist doch der Begriff „Mensch/Mann“ weit gefasst.

In „Mensch/Mann I“ ist menschliche Existenz nicht präsent. Stattdessen wird der Betrachter mit einer skulptiert erscheinenden „Mondlandschaft“ konfrontiert, in der sich schwadenförmige Gebilde erheben. Dem menschlichen Gehirn hingegen widmet sich „l' Homme IX – Prononciation d'un mot entendu“: Ein Längsschnitt durch ein Gehirn ist ebenso zu sehen wie ein „Schichtenschnitt“ des Cortex, dem menschliche Körperteile wie Brust, Lippen, Hand, Finger und Arm „zugeordnet“ wurden. Schließlich entdeckt man noch ein beutelförmiges, äußerlich von Adern durchzogenes Gebilde, das an das Herz denken lässt.

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Yüksel Arslan, Arture 177, The Capital XXIV A, 1974 Mixing technique, 57 x 61 cm Courtesy: Fazli Özcan collection

Ungezählte Spermatozoen „schwimmen“ in der Arbeit „Mensch XIV“ umher. Zudem ist eine vergrößerte Spermazelle zu sehen, um die herum chemische Formeln zu entdecken sind. Die Strukturformel von Fruktose ist ebenso zu sehen wie die von Phosphorylcholin. Doch welcher Bezug besteht zwischen den genannten Substanzen und einer Spermazelle? Der Griff nach dem Glas mit Alkohol und die Folgen von Alkoholismus thematisiert Arslan ebenso wie das Phänomen der Schizophrenie sowie der Halluzination. Die Halluzination verbildlicht der Künstler in der Figur eines Mannes in grünem Anzug, der vergeblich seine Hände nach zwei nackten Weibern ausstreckt. Doch sein Lustbegehren findet durch die Anwesenheit von Ratten und Wölfen, die ihn attackieren, ein abruptes Ende. So bleibt es beim vorgestellten Verlangen nach der holden Weiblichkeit. Der Sexus bleibt unbefriedigt.

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Yüksel Arslan, Arture 557, 2002 Mixing technique, 35 x 35 cm

Sexualität in seinen Spielformen ist gleichfalls ein Bildthema Arslans. Dabei hat der Künstler eine Arbeit mit Zitaten aus dem Werk Wilhelm Reichs gefüllt. Zu sehen ist u. a. eine Frau, die auf einen erigierten Penis erbricht. In „Mensch 80“ begattet ein Pferd eine Kuh, zwei kopulierende Affen stöhnen „Bono! Bono! Bonobo!“. Der Elefant hat mit sich selbst sexuellen Spaß, derweil ein Hahn eine Ente beglückt.

Zum Stichwort „Kapital“ finden sich einige Arbeiten, die sich auch mit der Ware Lohnarbeit befassen, sich aber vor allem auch der Geldbonzen annehmen, die ihre Profite auf dem Rücken der Mehrheit der Gesellschaft machen. Rockefeller, Morgan und Bank of America stehen stellvertretend für das System des herrschenden Finanzkapitals, deren Vertreter Arslan uns präsentiert. Sie sitzen an einem Tisch, dessen Tischblatt von menschlichen Köpfen gebildet wird. Das Opus „Der Arbeiter, die Verlängerung der Maschine“ zeigt uns hingegen eine Steuerungseinheit, die von einem „Maschinenarbeiter“ bedient wird, dem ein Zweiter mit einem Hammer in der Hand zu Hilfe eilt. Die Uniformierung der Arbeitenden in ihren Blaumännern thematisiert Arslan in einer weiteren Papierarbeit: In Reih und Glied marschieren die Arbeitssklaven durchs Fabriktor. Einen Kopf zum Denken haben sie nicht, brauchen sie auch nicht. Statt des Schädels wächst allen eine dritte Hand.

Schließlich befasst sich der türkisch-französische Künstler auch mit der Bedeutung und dem Einfluss von Kunst und Künstlern, führt uns Daumier ebenso vor wie Robespierre, den Unbestechlichen, der geköpft wurde. Van Gogh wächst statt des abgeschnittenen Ohrs ein Hodensack und ein Penis – welch Irritation für den Betrachter. Und das scheint wohl Intention des Künstlers: Provokation und Irritation, oder?
© fdp

Ausstellungen

Tal R
7. Juli bis 9. September 2012

Der dänische Künstler Tal R (*1967), der als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie lehrt, verarbeitet in seinen farbkräftigen Gemälden, Collagen und Installationen sowohl Elemente der Subkultur und der uns täglich umgebenden Bilder des Alltags wie Filme, Musik, Graffiti, als auch Motive der Kunstgeschichte. Nach eigener Aussage ähnelt Tal Rs Malerei einem Feuertopf, in den er "alle Arten von Material" hineinwirft. Die Kunsthalle wird Tal R die erste umfassende Einzelausstellung im Rheinland ausrichten, die nicht nur einen Überblick über sein bisheriges Schaffen bieten, sondern auch neu für die Schau konzipierte installative Arbeiten präsentieren wird.

Sammlung Rheingold
29. September bis 25. November 2012

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Sammlung Rheingold wird die Kunsthalle eine thematisch ausgerichtete Ausstellung konzipieren, die einen exemplarischen Querschnitt der mittlerweile über 700 Werke umfassenden Privatsammlung zeitgenössischer Kunst präsentieren wird. Die sechs Sammler, die sich vor zehn Jahren zusammengefunden haben, erwerben in enger Kooperation mit Museen und Ausstellungshäusern im Rheinland mehrmals im Jahr Werkgruppen zeitgenössischer Künstler und haben auf diese Weise eine profilierte und vielfältige Auswahl zusammengetragen, die von Joseph Beuys und Georg Baselitz über Neo Rauch, Thomas Schütte und Rosemarie Trockel bis hin zu ganz jungen Positionen reicht.

Yin Xiuzhen
15. Dezember bis Februar 2013

Die chinesische Künstlerin Yin Xiuzhen (*1963 Peking, lebt und arbeitet dort) gilt als die führende Künstlerin Chinas. Sie beschäftigt sich in ihren skulpturalen Werken und Rauminstallationen mit Transformationsprozessen, in denen der Betrachter zu einem Teil der Installationen wird. Er wird nicht nur mit persönlichen Erinnerungen der Künstlerin konfrontiert, sondern auch mit Erinnerungs- landschaften zwischen Lokalem und Globalem, die das Publikum einladen, an den von ihr gestalteten Orten die eigenen Geschichten aufleben zu lassen oder sich auf die Spurensuche unbekannter Ereignisse zu begeben. Yin Xiuzhen hatte bereits viel beachtete Auftritte auf der Biennale Venedig 2007 und im MoMA New York 2010.

Kunsthalle Düsseldorf
Grabbeplatz 4
40213 Düsseldorf
Öffnungszeiten: Di-So 11-18 Uhr
Kostenlose Führung jeden Sonntag, 12.30 Uhr

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