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Dresden
Städtische Galerie

Kunst im 20. Jahrhundert:
Dresden als Kunstort

laufend

Die ständige Ausstellung der Städtischen Galerie eröffnet einen Blick auf die Kunst in Dresden in den vergangenen Jahrzehnten. Gotthard Kuehl, der um 1900 in Dresden eine eigene Malkultur entwickelte, die im gesamten 20. Jahrhundert auf hohem Niveau fortgeführt wurde, ist einer der bedeutenden Künstler jener Zeit. Zu den Künstlern, die in Dresden lehrten, gehörte Otto Dix. Dresden als Kunst-Ort spiegelt sich nicht nur in den Arbeiten der beiden oben genannten Maler wieder, sondern in Gemälden und Plastiken von Oskar Zwintscher, Pol Cassel, Curt Querner, Hans Körnig, Willy Wolff, Theodor Rosenhauer, Cornelia Schleime, Hubertus Giebe, Angela Hampel, Thoralf Knobloch und Thomas Scheibitz.

Herb waren die Verluste, die die Städtische Galerie im Rahmen der Kampagne »Entartete Kunst« während der Nazizeit hat hinnehmen müssen. 400 Kunstwerke wurden beschlagnahmt. Umso erstaunlicher ist es, nunmehr Dresdner Kunst des 20. Jahrhunderts in all ihren Facetten zu sehen, Plastiken ebenso wie Gemälde, die in einer Auswahl und ohne thematische Gewichtung präsentiert werden. Es sind zumeist weniger bekannte Künstler und ihre Werke, sieht man einmal von A.R. Penck, Max Uhlig, Otto Dix und Otto Mueller ab. Durch die Art der Hängung ergeben sich interessante Kontraste, die erst auf den zweiten Blick eingängig werden.

Ausstellungen

Hubertus Giebe Schein & Chock
bis 8. Januar 2017

Die Herbstausstellung der Städtischen Galerie ist dem malerischen und plastischen Werk von Hubertus Giebe gewidmet. Der Künstler gehört von seinen Anfängen in den 1970er Jahren an bis heute zu den wichtigen künstlerischen Stimmen aus der Stadt Dresden. ­ Im Zentrum seines Oeuvres stehen die großformatigen, expressiv inszenierten Geschichtsbilder. Neben dieser Werkgruppe hat er sich durchgängig auch mit den Themen Landschaft, Porträt, Stillleben und dem weiblichen Akt auseinander gesetzt. Weniger bekannt sind seine plastischen Arbeiten. Die gesamte thematische wie stilistische Vielfalt wird in der Ausstellung sichtbar. Für sein Kunstschaffen bildet Hubertus Giebes breites Wissen um die Kunstgeschichte den Referenzrahmen. ­ Der Künstler studierte ab 1974 zuerst an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, legte sein Diplom jedoch 1978 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig ab. Anschließend war er Meisterschüler von Bernhard Heisig. Von 1979 bis 1991 lehrte er an der Dresdner Kunsthochschule, zuletzt als Dozent für Malerei und Grafik. Heute ist Hubertus Giebe freischaffend tätig. 2008 erhielt er den renommierten Wilhelm-Morgner-Preis für Malerei.

Otto Griebel. Kunst, Politik, Geschichte
4. Februar bis 7. Mai 2017

Von Penck bis ...
Treten die Besucher ein, so empfängt sie A.R.Penck (eigentlich Ralf Winkler) mit „UR End TR“: Auf verwaschenem Altrosa sind die für den Autodidakten Penck so typische Sprache der eigenwilligen Piktogrammen gesetzt, zu denen auch die Strichmännchen mit mächtigem Glied gehören. Dass der Künstler aber zu dieser Formensprache erst im Laufe seines Lebens fand, macht der Blick auf das Werk „Gespräch“ von 1957 deutlich. Tonig gehalten ist diese Arbeit, in der ein gestikulierender Mann auf seinen Zuhörer einredet, von dem der Betrachter bezweifelt, ob es sich freiwillig auf das Geschwätz eingelassen hat. In der geöffneten Tür im Hintergrund verharrt eine Figur, die Häppchen aus der Küche geholt hat. Kubistisch beeinflusst ist die gräulich, skulptierte Figur, die uns Penck zudem präsentiert. Verlassen wir die aktuelle Kunst und betrachten „Traumeck am Kotzschweg“ (1987), eine Villa in grellen Farben umgeben von sattem Grün. Die Mühsal der körperlichen Arbeit fing Robert Sterl 1901 mit „Arbeiter in der Tongrube“ ein. Die schweren Hände des Arbeiters greifen nach der Tonerde, doch noch hat er sie nicht aus der Grube geholt. Das geschieht jenseits der im Gemälde festgehaltenen Situation.

Symbolistisch erscheint das hochformatige Werk Oskar Zwintschers „Der Sommertag“ (1896). Bizarr skulptiert erscheinen die Birken am Rand des schroffen Felsens, auf dessen Vorsprung ein Träumer oder Himmelsgucker seinen Platz hat. Er blickt in den tiefblauen hohen Himmel mit seinen „gemeißelten“ Wolken. Otto Altenkirch hingegen entführt uns in eine herbstliche Stadtlandschaft mit „Im Wirtschaftshof Hellerschänke“ (1927). Zu den Dresdner Expressionisten gehörte Otto Mueller, der auch Mitglied der „Brücke“ war, deren Kunst unter den Nazis als entartet galt. So ist das Gemälde „Badende am Waldsee“ eine Museumsrarität, da die Arbeiten der „Brücke“ beschlagnahmt und nach 1933 aus der Galerie entfernt wurden. Mit dem Motiv der Badenden greift Mueller ein gängiges Motiv der Brückemaler auf, die ihre Freizeit oft an den Moritzburger Seen verbrachten, so auch Otto Mueller im Jahr 1911. Ein wenig an die Malweise und Kompositionen von Karl Schmidt-Rottluff erinnert „Pferdefuhrwerk in blauer Landschaft“ von Wilhelm Rudolph: Auffallend sind die knallig feuerroten Wagen und die tiefblaue kuppige Landschaft. Neben dem Fuhrwerk sehen wir auch eine Kiepenträgerin, die tief gebückt ihrer Wege geht.

Porträts gemalt und als Bronze
Carl Lohse hat Warhols Pop-Art-Porträts vorweggenommen, meint man beim Anblick von „Roter Klang-Bildnis Ludwig Renn“. Einige wenige Plastiken ergänzen die Gemälde der Sammlung. Zu diesen gehört auch Fritz Maskos' Bronzekopf „Der Dichter Alfred Günther“. Zu den gezeigten Porträts zählt unter anderem Pol Cassels „Bildnis Frau Glaser“, eine Arbeit, die den Einfluss der Neuen Sachlichkeit deutlich zeigt. Als eines der Highlights der Sammlung kann das Selbstbildnis des trotzig dreinschauenden Otto Dix angesehen werden.

Dresden im Bild
Abstrakte Landschaften finden sich neben konstruktivistisch-konkreten Werken. Eines der abstrakten Landschaftsgemälde der Sammlung ist Willy Wolff zu verdanken, der die Elbe bei Pillnitz malte, so der Untertitel des unbezeichneten Werks mit seiner stark horizontalen Gliederung. Zu den Dresdenbildern gehören „Winterliches Dresden“ von Bernhard Kretzschmar und Hans Königs „Blick auf den alten Schlachthof mit Regenbogen.“

Eine Stadtansicht, die mit grell-bunten Farbsetzungen daherkommt, hat uns Hans Christoph (1901-1992) hinterlassen, der „Dresden Strehlen“ nicht altmeisterlich, sondern dynamisch-expressiv auf die Leinwand geworfen hat. Bei diesem Werk handelt es sich um eine frühe Arbeit, eine Rarität, da der größte Teil des Frühwerks dieses Künstlers 1945 bei der Bombardierung Dresdens verloren ging. Skurril wirkt der Aufzug im Stadtbild, den Siegfried Donndorf gemalt hat: „Kinderkarneval“ (1935). Doch zu jener Zeit war es vorbei mit Mummenschanz und Maskerade. Die Nazis hatten die Zügel im Lande fest in der Hand. Die sogenannte Volksgemeinschaft bestimmte, wo es lang ging. Individuelles Abweichen galt als nicht völkisch und war verfemt.

Die auf Dialog und Konfrontation ausgerichtete Hängung regt zum genauen Hinschauen an, das jedoch Vorwissen voraussetzt. Da keine Saaltexte zur Strukturierung der Sammlungspräsentation vorhanden sind, ist der Betrachter leider auf sich allein gestellt. Auch der Blick in den auf Einzelwerkbetrachtung ausgerichteten Museumsführer von Prestel hilft nur wenig weiter, will man die gezeigten Arbeiten ordnen, einordnen und zuordnen. Zum Schluss: Zu empfehlen sind die Künstlerfilme, die im Haus gezeigt werden, über Otto Dix – er ist mit einem Selbstbildnis in der aktuellen Schau vertreten -, Curt Querner, Max Uhlig und andere Maler, die in der Dresdner Sammlung präsent sind. (c) fdp

Städtische Galerie Dresden, Kunstsammlung
Wilsdruffer Str. 2
01067 Dresden
Besuchereingang: Landhausstraße.
Öffnungszeiten
Dienstag bis Donnerstag, Samstag und Sonntag 10:00 – 18.00 Uhr
Freitag 10:00 – 19:00 Uhr
Montag geschlossen

 

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