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Vom gräflichen Altersruhesitz zum Staatsweingut – Schloss Wackerbarth in Niederlößnitz

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

Nicht nur der Jacobstein hoch oben am Kamm der Weinberge, die teilweise verwildert sind, springt dem Besucher des Sächsischen Staatsweinguts gleich zu Beginn seines Aufenthalts ins Auge, sondern auch der Terrassengarten und das „Belvedere“, das baugleich zu dem auf den Brühlschen Terrassen (Dresden) gestaltet ist.

Schloss Wackerbarth in Niederlößnitz
Blick auf die Weinlagen und den Jacobstein

Die Konzeption der Pavillons, der Gartenanlage und des Schlosses ist dem Baumeister Johann Christoph Knöffel zu verdanken. Nach vierjähriger Bauzeit war der fürstliche Altersruhesitz des Grafen August Christoph von Wackerbarth vollendet. Erst nach dem Tod des Bauherrn – dieser verstarb 1734 – entstand der Jacobstein als Weinbergpavillon in bester Lage. Das bis heute existierende Schloss ist ein zweigeschossiger, schlicht ausgeführter Bau mit einem dreiachsigen Saaltrakt, der zur Talseite hin vorspringt. Im Stil des Klassizismus erbaut wurde der Zugang an der Bergseite, der als Pfeilerportikus ausgeführt wurde. Vor der Gartenseite erstreckt sich am Hang eine dreiteilige Parkanlage, in der über 100 Jahre alte Eiben wachsen.

Der Jacobstein diente ursprünglich als Wachturm. Denn es war durchaus gang und gäbe, dass Diebe die Weinberge heimsuchten und sich mit den Trauben davonstahlen. Doch wachsame Augen entdeckten vom Turm aus solche Strauchdiebe und vertrieben sie durch Böllerschüsse. Die Nutzung des Turms als Alchemistenstube, um Gold zu gewinnen, war nicht von langer Dauer.

Schloss Wackerbarth in Niederlößnitz
Hochzeiten werden auf dem Staatsweingut gerne gefeiert

Erst gräflicher Wohnsitz, dann VEB und schließlich Staatsweingut

Nach dem Tod des Bauherrn sah die Anlage zwei Dutzend verschiedene Eigner, ehe das Land Sachsen in den Besitz von Schloss Wackerbarth kam. Während der DDR-Zeit war das Schloss nebst den Weinbergen Teil eines 350 Hektar umfassenden Volkseigenen Betriebes. Nach 1990 wurden die Flächen an die ursprünglichen Besitzer und Winzer rückübertragen. Dass heute in den Flächen des Staatsweingutes auch unbewirtschaftete Flächen eingestreut sind, ist dieser Rückübertragung geschuldet. Insgesamt rund 90 Hektar bewirtschaftet heute das Staatsweingut. Allerdings sind die Flächen teilweise stark zerstückelt. So erstrecken sich die Anbauflächen von Pirna aus über eine Länge von 64 Kilometern. Umfänglich waren die Renovierungsmaßnahmen in den letzten Jahren. Davon zeugen auch die ausgebesserten und neu errichteten Trockenmauern in den Hanglagen. Pro Quadratmeter Mauer sind dabei zwischen 450 und 550 Euro zu investieren gewesen – eine stattliche Summe.

Schloss Wackerbarth in Niederlößnitz
Ein kleiner Schauweingarten lädt zum Besuch ein

Mit dem Gästeführer unterwegs

Auf einem informativen Rundgang mit einem Gästeführer erfahren Besucher in einem „Rebengarten“, dass die Stöcke im Januar bzw. Februar zurückgeschnitten werden, sodass nur wenige Fruchtruten übrig bleiben, an denen zwei bis drei Trauben reifen. Dies geschieht nach dem Grundsatz „Weniger ist mehr“, will man doch auf Schloss Wackerbarth hochwertige Weine gewinnen. Dazu ist es notwendig, dass wenige Trauben reifen und nur eine begrenzte Zahl von Fruchtruten „austreibt“.

Eine Vielzahl von Rebsorten, so hört man, gedeihen auf Wackerbarth, so auch Merlot, Welschriesling und Phoenix. Nur zehn Prozent der Anbaufläche ist Dornfelder, Früh- und Spätburgunder, also Reben für die Gewinnung von Rotweinen, vorbehalten. Die übrigen Flächen dienen dem Anbau von Reben für die Weißweinproduktion. Auf 25 Hektar steht Riesling, den man unbedingt anbauen muss, um die seit 1952 bestehende Sektherstellung beibehalten zu können. Der anderenorts sehr beliebte Grauburgunder wird auf vier Hektar kultiviert. Spezialitäten von Wackerbarth sind Bacchus, Scheurebe, Traminer und Goldriesling. Welche Rebsorte wo gedeiht, ist bedingt durch die vorhandenen Böden. Auf Wackerbarth findet man sowohl Löss-Lehmböden als auch Böden mit Granitverwitterung.

Von den sechs Einzellagen existieren drei in Radebeul, wozu auch die Hänge oberhalb des Schlossareals gehören. Darunter sind besondere Lagen wie Johannisberg und Steinrücken, beides Steillagen in Radebeul.

Schloss Wackerbarth in Niederlößnitz
Hier reift der edle Tropfen

Wo der Sekt die Perlchen bekommt

Beim Gang durch die Weinerlebniswelt besucht man die Sektkelterei, wo das Pressen ebenso stattfindet wie Lagerung in Tanks. Bis zu zwölf Sektsorten und 14 Weinsorten sind Bestandteil der Produktpalette des Weinguts, das nur eigenes Lesegut verarbeitet. Zum Verarbeitungsprozess gehören unter anderem die drei- bis vierwöchige Gärung von Weiß- und Grauburgunder in Holzfässern und das Rütteln der Sektflaschen von Hand . Ein Jahr verbleibt der in Flaschen abgefüllte Sekt in sogenannten Rüttelpulten, ehe er voll ausgereift ist. Dass eine zweite Gärung überhaupt in Gang kommt, verdankt man dem Zusatz von Zucker und Hefe zum ausgewählten Weißwein, der möglichst säurebetont sein sollte. Die zweite Gärung ist die Flaschengärung, die in dunklem und kühlem Keller stattfindet. Das Rütteln der Flaschen bedingt, dass sich die Hefe nach und nach im Flaschenhals sammelt. Sie muss unbedingt entfernt werden, was durch das Eintauchen der Flasche in eine Kältesole geschieht. Löst man dann den Kronkorken, platzt der Hefepfropfen heraus. Der Flüssigkeitsverlust wird ausgeglichen und die Flasche dann mit einem Korkstopfen verschlossen.

Schloss Wackerbarth in Niederlößnitz
Zum Abschluss des Besuches auf dem Staatsweingut
wird ein edler Tropfen serviert

Wer mehr erfahren möchte, schließt sich einer Wein-, einer Sekt- oder Schloss- und Gartenführung an, die regelmäßig angeboten werden. Zum Winzerbrunch am Sonntag kann man ebenso vorbeischauen wie zum Spiel der Aromen oder zur Sachsenprobe im Gasthaus. Besonders viel Betrieb erlebt man zur Zeit der Lese, bei der auch saisonale Kräfte aus der Region beschäftigt sind. Die Lese beginnt je nach Witterung Mitte bis Ende September.

Information:

Schloss Wackerbarth
Sächsisches Staatsweingut GmbH
Wackerbarthstraße 1
01445 Radebeul
www.schloss-wackerbarth.de

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