Reisemagazin schwarzaufweiss

Entlang des großen Stroms

Mit Fahrrädern und Flussschiff unterwegs auf der Donau

Text und Fotos: Axel Scheibe

Die Größte ist sie nicht, die Komfortabelste sicher auch nicht und zu den Attraktivsten gehört sie ebenso kaum, die MS My Story. Kein Wunder, zählt das unter Holländischer Flagge fahrende Flusskreuzfahrtschiff mit seinen 42 Jahre doch zu den schwimmenden Oldies auf der Donau. Trotzdem gehen kaum neidvolle Blicke hinüber zu den supermodernen Luxuslinern, die den Strom zu einer Autobahn für Flussschiffreisende machen. Kein Wunder, denn diese Passagiere, die es auf Europas zweitgrößten Fluss gezogen hat, wollen mehr erleben, als die Gäste auf anderen Schiffen. Schon von weitem ist es zu sehen. Geordnet in Reih und Glied stehen über 150 Räder an Deck und warten auf das, was da kommen soll. So auch die Passagiere. Und das ist eine Kombination aus beschaulichen Genuss und sportlichem Erkunden fremder Länder.

Passau - Begrüßung an Bord

Begrüßung an Bord

Doch vorerst verlässt das Schiff seinen Liegplatz vor den Toren von Passau. Schnell hatte jeder seine Kabinen gefunden, die Sachen verstaut, allzu viel Zeit (und Platz) blieb dafür nicht, und vor dem Begrüßungsdinner noch einen kurzen Ausflug aufs Oberdeck unternommen, um erste Donaueindrücke einzufangen.

Kreuzfahrtdirektor Leslie Ringwald, ein Mann mit internationalem Background und, man merkt es sofort, viel Liebe und Herzblut für seinen schwimmenden Job, nutzt diese Gelegenheit, einige interessante Fakten über die Donau „an den Mann zu bringen“. Durch zehn Länder fließt der oft besungene Strom vom deutschen Schwarzwald, wo die Quelle zu finden ist, bis hinunter zum Schwarzen Meer, wo sie sich, aufgelöst in einem vielarmigen Delta, im Schwarzen Meer verliert. Auf dieser Reise legt sie rund 2.900 km zurück.

Die My Story vor den Toren von Passau an den Anlegern in Lindau

Die My Story vor den Toren von Passau an den Anlegern in Lindau

Vor den Passagieren der My Story liegen 577 Flusskilometer bis nach Budapest und das gleiche noch einmal Retour. Doch, und das unterscheidet ihre Tour von anderen, nicht nur eine Genießerkreuzfahrt wartet, sondern zusätzlich Genussradeln am Strom. Wobei, ein Wort zum Schiff sei noch gesagt, wenn die MS My Story auch nicht mit dem Komfort jüngerer Schwestern mithalten kann, für Gemütlichkeit ist gesorgt. Die Salons sind großzügig und elegant gestaltet, auf dem Sonnendeck findet jeder sein Plätzchen zum „Landschaftsgucken“ und Chefkoch Peter Babol versteht sein Handwerk. Nicht ganz unwichtig, wenn der Tag mit Rädern für ordentlichen Appetit gesorgt hat. Schon am ersten Abend, die Crew begrüßt ihre neuen Gäste, gibt Kapitän Milan Direr, wie der größte Tei der Besatzung kommt er aus der Slowakei, einige technische Informationen zu „seinem“ Schiff. Danach wissen die Gäste, dass die MS My Story mit gut 1.700 PS für eine flotte Reise sorgt, das sie 105 Meter lang, 11,60 m breit und 7,60 m hoch ist. Rund 1.60 m Tiefgang benötigt sie.

Donaukreuzfahrt - Jürgen kümmert sich um ein defektes Rad

Jürgen Gehrke kümmert sich um ein defektes Rad

Doch genug der Zahlen und Fakten. Der erste Morgen an Bord wartet mit einem phantastischen Sonnenaufgang auf und schnell finden sich die Passagiere im Restaurant zum Frühstück ein. Anders als in „normalen Hotels“ ist hier das Mitnehmen vom Büfett gestattet und sogar erwünscht. Jede kann sich sein individuelles Lunchpaket zusammen stellen. So mancher greift kräftig zu. In den nächsten Tagen wird das anders aussehen. Schnell merken die Radler, dass es unterwegs zahlreiche, interessante Möglichkeiten gibt, die regionale Küche der jeweiligen Zielländer kennen zu lernen. Die Tipps von Leslie am Vortag treffen zumeist den (hungrigen) Nagel auf dem Kopf. Auch Jürgen Gehrke, der die Gäste der extra gebuchten, geführten Genussradlergruppe betreut, kann mit reichlich Ideen für abwechslungsreiche Verpflegung entlang der Radlerrouten aufwarten. Wer braucht da noch ein Lunchpaket?

Cumil (Glotzer, Gaffer) eines der beliebtesten Fotomotive in der Altstadt von Bratislava

Cumil (Glotzer, Gaffer) eines der beliebtesten Fotomotive in der Altstadt von Bratislava

Rund 45 km sind absolviert. Das Ziel in Aschach ist erreicht. Das Schiff wartet bereits am Anleger und an Bord die Verführung zum Nachmittagskaffee mit leckeren Kuchen frisch aus der Bordbäckerei. Ein Ritual, dass auch an den kommenden Tagen auf dem Plan stehen wird. Und 45 km sind es auch am nächsten Tag, auf der Fahrt von Devin nach Bratislava. Höhepunkt und erste Möglichkeit für einen Zwischenstopp ist ein Ausflug in die Barockwelt von Schloss Hof. „Der Garten des Prinzen Eugen von Savoyen“ lädt zum Bummeln und Genießen ein. Ein Rundgang durch die prachtvollen Museumsräume des Schlosses komplettiert die Zeitreise. Eugen von Savoyen (1663 bis 1736) war nicht nur einer der berühmtesten Feldherren des Hauses Österreich und Oberkommandierender im Großen Türkenkrieg, sondern auch einer der größten Kunstmäzene am Anfang des 18. Jahrhunderts. Viel Zeit bleibt dann am Nachmittag für die Hauptstadt der Slowakei leider nicht. Ein geführter Stadtspaziergang, eine kurzer, feuchtfröhliche Ausflug in eine der Bierstuben, kurz vor Sonnenuntergang verlässt das Schiff die Stadt.

Ungarn - Budapest - In der historischen Markthalle

In der historischen Markthalle in Budapest

Budapest steht auf dem Routenplan. Für viele die schönste Stadt an der Donau. Ein ganzer Tag bietet reichlich Gelegenheit, den Sehenswürdigkeiten der Stadt einen, wenn auch nur kurzen, Besuch abzustatten. Da die My Story im Herz der Stadt direkt gegenüber dem Parlament fest gemacht hat, sind die Wege ins Zentrum von Pest und zu den Highlights auf Budaer Seite nur kurz. So richtig perfekt macht den Besuch der Hop on, Hop off Bus, der alle wichtigen Punkt der Metropole ansteuert. Aussteigen, Ansehen und dann mit dem nächsten Bus die Runde fortsetzen. So lassen sich große Städte, diese Busse gibt es in vielen Metropolen der Welt, auch mit einem engen Zeit- und Finanzbudget gut erkunden.

Ob im dichten Touristengedränge auf der Einkaufsmeile Vaci Utca, in den großen Markthallen, auf dem Budaer Burgberg mit Matthiaskirche und Fischerbastei, in dieser Stadt vergeht die Zeit wie im Fluge. Zwar als Ruhetag deklariert, denn die Räder bleiben fast komplett an Bord (Nur einige Unerschrockene wollen die Stadt auf dem Drahtesel erkunden.), ist so ein Großstadttag letztlich viel anstrengender als das Radeln entlang des Flusses. Aber egal, zur abendlichen Folkloreshow und zu anschließenden Lichterfahrt auf den Gellertberg reicht die Kondition allemal. Der nächste Tag bringt ja wieder Erholung am Fluss.

Ungarn - Budapest - Fischerbastei

Fischerbastei

Gut 60 km schlängelt sich der Radweg entlang der Donau von Visegrad nach Esztergom. Dabei führt die Tour durch eines der schönsten Flusstäler Ungarns. Landschaft ist also garantiert und garantiert ist auch, dass der Trubel der Hauptstadt weit hinter einem bleibt. Selbst in Esztergom, oben auf dem Berg, wo die prachtvolle Basilika thront, kann man die Touristen an zwei Händen abzählen. Schon erstaunlich, wo doch Esztergom zu den schönsten Kleinstädten Ungarns zählt. Die Basilika ist eine der mächtigsten des Landes. Esztergom gilt als Wiege des Ungarischen Staates. Über 250 Jahre war es die Hauptstadt des Landes und der erste ungarische König Stephan erblickte hier das Licht der Welt. Ist die Basilika von Land aus nur schwer aufs Bild zu bannen, klicken die Kameras umso mehr, als die My Story langsam flussaufwärts die Stadt verlässt. Noch lange ist das prachtvolle Gebäude zu sehen, ehe es allmählich hinter Flussbiegungen verschwindet.

Auf dem Sonnendeck bei der Abreise aus Esztergom

Auf dem Sonnendeck bei der Abreise aus Esztergom

Auf dem Programm steht nun der zweite Ruhetag. Auch Wien verleitet die meisten Passagiere nicht zum Radfahren. Effektiver erscheint es, die kurzen Stunden für eine Stadtrundfahrt mit dem Bus zu nutzen. Die Vielzahl sehenswerter Anlaufpunkte verlangt eigentlich nach einem mehrtägigen Stopp. Das schwimmende Hotel wartet aber nur einige Stunden. Der Zeitplan ist eng gestrickt und so bleibt fast überall nur ein kurzer Blick. Ob Hunderwasserhaus, Hofburg, Heldenplatz, Parlament oder Staatsoper. An der Albertina gibt es dann endlich etwas „Freizeit“. Der Bus verschwindet und umgeben von Fiakern gibt ein gutes Stündchen Wien ganz individuell. Manche zieht es ins Cafe Sacher zur gleichnamigen Torte, andere möchten an der Hofreitschule vorbei schauen und wieder andere ganz einfach bei einem Tässchen Kaffee vor einem der zahlreichen Restaurants das bunte Treiben im Herzen der Stadt beobachten. Aber wohl keiner kehrt zum Bus zurück, ohne dem Stephansdom einen Besuch abgestattet zu haben. Es zählt zu den wichtigsten gotischen Bauwerken Österreichs. Ist also ein Muss für jeden Wien-Touristen.

Österreich - Hundertwasserhaus in Wien

Hundertwasserhaus

Der letzte Radtag beginnt. Wer da gedacht hat, mit Bratislava, Wien und Budapest die Höhepunkte der Reise hinter sich zu haben, der irrt gewaltig. Leslie und Jürgen „warnen“ unisono vor dem Tag in der Wachau. Nicht nur die teils wildromantische Landschaft ist es, die nun ansteht, sondern auch eines der reizvollsten Weinanbaugebiete des Landes. Außerdem ist Marillenzeit. Und was man aus Marille alles machen kann, zeigt sich an diesem Tag. Da ist so manches dabei, was für gute Stimmung sorgt. So steht das kleine, malerische Städtchen Dürnstein nicht nur im Zeichen des Weines, sondern auch im Zeichen der Frühsommerfrucht, die auch als Aprikose bekannt ist. Im kleinen Ladengeschäft von Corinna Kirchhof kann man vieles davon probieren und kaufen. Ob Marillengeist, Marillenlikör oder Marillenmarmelade und -schokolade, das Geschäft läuft. Leslie empfiehlt den Besuch aus gutem Grund, denn welch bessere Mitbringsel könnte man den sonst aus der Wachau mit nach Hause nehmen? Wobei Leslie, er hat halt den Hut auf, bis nach Feierabend mit einem guten Schluck vom Amarillengeist warten muss.

Österreich - In der Wachau radeln am Fuße von Weinbergen

In der Wachau radeln am Fuße von Weinbergen

Aber Marille hin, Marille her, natürlich sind die Weine aus der Wachau auch etwas für die Lieben in der Heimat, die Radtaschen sind groß. Also steht einer Weinverkostung bei Familie Schneeweiß in Weißenkirchen nichts im Weg. So wartet bereits wenige Kilometer weiter der nächste Stopp. Kein Wunder, dass die Stimmung langsam steigt. Im alten Salzstadl aus dem 17. Jahrhundert wird stilgerecht der eine oder andere Schluck aus dem Familienkeller probiert. Gut, es muss bei kleinen Schlucken bleiben, immerhin stehen die Räder vor der Tür. So manche Flasche wandert in die Satteltaschen und die Räder werden langsam schwerer. Manche Beine wohl auch, und so passt es, dass in St. Michael schon wieder Schluss ist mit dem Radeln. Die örtliche Weinschenke wirbt mit ihren Marielleknödeln. Nach Jürgens Aussage, die besten weit und breit. Der Mann hat Recht!

Österreich - Weinverkostung in den Salzstadln von Familie Schneeweiß

Weinverkostung in den Salzstadln von Familie Schneeweiß

Danach wird es aber doch noch „ernst“. Die letzten knapp 20 Kilometer bis Melk gilt es ohne weitere Genusspausen zu überstehen. Gut gestärkt kein Problem. Ein bisschen Wehmut fährt mit. Nach rund 200 Radkilometern geht die Reise zu Ende.

Informationen:

Diese kombinierte Schiffs/Radreise wird durchgeführt von Rad & Reise, Schickgasse 9, A-1220 Wien, Tel.: 0043/1/40538730, www.radreisen.at. Wer mit dem Auto nach anreist, kann seinen fahrbaren Untersatz sicher und auf Wunsch sogar trocken, sprich im Parkaus Abstellen. Ein Transfer vom Parkplatz zum Schiff wird organisiert.

 

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