Reisemagazin schwarzaufweiss

Von der Donauquelle bis zum Blautopf

Unterwegs von Donaueschingen bis Blaubeuren

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

Nahe der Fürstlichen Residenz zu Donaueschingen entspringt sie, die Donau, erst noch jung und ein Rinnsal, dann ein beschaulicher Wiesenfluss, der bei Immendingen im Untergrund des Karsts versickert und trocken fällt. Später taucht sie wieder auf und erhält ein immer breiter werdendes Bett. Bei Scheer, so der Erzähler Eduard Mörike „spreizt die Donau ihre Schenkel“. Die „deutsche Donau“,  im weiteren Verlauf ein breiter Strom, endet nach 700 Kilometer. Was es links und rechts der Donau Sehenswertes zu entdecken gibt, das stellt unser Autor auf einer Fahrt von der Donauquelle bis zum Blautopf von Blaubeuren vor.

Donauquelle

Hier entspringt die Donau – Adolf Heer schuf 1895 die Skulpturen der Mutter Baar und ihrer Tochter Donau

Die mit einer neobarocken Brunnenanlage gefasste Quelle ist eine von 15 so genannten Karst-Aufstoß-Quellen im Bereich der Fürstlichen Parklandschaft von Donaueschingen. Doch in keinem Atlas ist diese Quelle vermerkt, denn nach wie vor wird über den Ursprung des Flusses gestritten. Sind es die Brigach und die Breg oder der Krähenbach, die die „Urflüsse“ der Donau darstellen – Gelehrte mögen sich darüber streiten. Für die Besucher Donaueschingens steht fest, dass die im ausgehenden 19. Jahrhundert mit den Skulpturen der Mutter Baar und deren Tochter Donau vorgenommene Quellfassung auch den Ursprung der Donau bezeichnet.

Von der Quelle der Donau wird seit Jahrhunderten berichtet, so von Strabon, dem Geographen zur Zeit der Regenschaft des römischen Kaisers Augustus. Nach ihm soll sich der spätere Kaiser Tiberius bei einem Feldzug gegen die Barbaren an der Donauquelle aufgehalten haben. Urkundlich erwähnt wurde sie erstmals  Ende des 13.Jahrhunderts, als von den Fürstenbergern in Donaueschingen noch keine Rede war. Kaiser Wilhelm II. war mehrmals an der Quelle zu Besuch.

Donaueschingen - Parkanlage

Parkanlage der Fürstenberger Residenz

Die Donau fließt nicht allein oberirdisch, sondern auch im „porösen“ Kalkstein-Untergrund. Ein einzigartiges Schauspiel bietet sich bei Immendingen: Nur noch Pfützen stehen im Geröllbett des Wiesenflusses, kein Wasserrauschen ist zu vernehmen. Der Fluss ist „verschwunden“. Klüfte, Spalten und Hohlräume im Kalkgestein nehmen das Donauwasser auf. Zwölf Kilometer Luftlinie entfernt allerdings taucht die Donau im Aachtopf wieder auf. Daher können wir bei Immendingen, insbesondere in den Sommermonaten, trockenen Fußes den Fluss überqueren.

Immendingen

Hier „verschwindet“ die Donau

Alte Dorfkultur im Museum

Wer genügend Zeit für seine Donaureise mitgebracht hat, der kann einen Abstecher zum Freilichtmuseum in Neuhausen ob Eck unternehmen, wo die ländliche Lebenswelt der Baar, des Hegaus, der Schwäbischen Alb und des Bodensees bewahrt wird. Stattlich ist das Gasthaus „Ochsen“ aus dem Landkreis Freudenstadt im Schwarzwald, das heute als Eingangsbereich des Museums dient.

Freilichtmuseum Neuhausen

Gasthaus „Ochsen“ aus Schopfloch

Das prächtige Fachwerk an der Giebelseite und die Größe des Anwesens verraten, dass die Ochsenwirte durchaus wohlhabend waren. Zu einer Hofanlage zusammengefasst wurden das so genannte Bärbele-Haus nebst Backhaus und Stallscheune. Zu sehen ist außerdem der Speicher vom Stoffelhof, ein wichtiges Zeugnis eines Schwarzwaldhofes. Ein Dorfladen aus Stetten gehört ebenso zum Museumsbestand wie das Schul- und Rathaus aus Bubsheim.

Spätgotische Elemente weist die kleine Dorfkirche aus der Gemeinde Frickenhausen bei Stuttgart auf. Was es mit dem Fazi-Häusle auf sich hat, bleibt beim Besuch des Freilichtmuseums ebenso kein Geheimnis wie die Schweinehut. Ab Mai wird im Museum nämlich im wahrsten Sinne des Wortes die Sau rausgelassen. Zehn Weideschweine verbringen dann unter den Augen eines Hirten ihre Zeit im Wald und auf der Weide.

Heuneburg

Ein lohnenswerter Abstecher auf dem Weg nach Scheer: die keltische Heuneburg

Scheer: Von der jungen Donau umflossen

Hoch über der Stadt Scheer und der Donau thront das Schloss auf einem Felsen und benachbart dazu die Pfarrkirche St. Nikolaus, eine Perle des Barock, auch wenn sie nicht an der Schwäbischen Barockstraße liegt. Aus der Altstadt führt eine gedeckelte Steintreppe zur ursprünglich gotischen, dreischiffig konzipierten Kirche empor. Die Barockisierung der Kirche war dem  Zeitgeist in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts geschuldet. Das Innere mit den „flammenden Stuckaturen“ in Altrosa ist Wessobrunner Stuckatoren zu verdanken. Puttiköpfe zieren die Langhauskapitelle; Stuckmarmor ummantelt die Langhauspfeiler und auch die Kanzel besteht aus diesem Material.

Scheer

Barocker Stuckzierrat in St. Nikolaus

Neben das „flammende Altrosa“ wurden goldfarbene, vegetabile Stuckornamente gesetzt. Sechs Jahre wurde an den Fresken gearbeitet, die teilweise illusionistisch ausgeführt wurden. Es ist ein beeindruckendes Bildprogramm, das den Satz „Am Anfang stand das Wort“ Lügen straft: Von der Nordwand schaut eine gemalte Europagruppe über die Balustrade ins Kirchenschiff. Im Vorderteil des Mittelschiffes befindet sich das Deckenfresko, das Jesus zeigt, der mit Johannes das Abendmahl begeht. Verehrt werden in St. Nikolaus die Heiligen Wunibald, Willibald und Walburga – und das seit mehr als vier Jahrhunderten. Kupfervergoldet sind die Büstenreliquare der drei Heiligen, die zum Kirchenschatz gehören.

St. Nikolaus

Eine gute Reliquie muss man haben: Reliquar der hl. Walburga in St. Nikolaus

Der Schriftsteller Eduard Mörike hielt sich längere Zeit bei seinem Brüder Karl auf, seines Zeichens Amtmann in Thurn- und Taxisschen Diensten in Scheer. Hier er ließ seine nicht erwiderte Liebe in eine Reihe erotisch angehauchter Gedichte wie „Josephine“ einfließen. Bekannt wurde Mörike mit der Reise des Schusters Schupp quer über die Alb nach Ulm, die er in „Das Stuttgarter Hutzelmännlein“ niederschrieb.  Des Schusters Schupp Spuren kann man heute in einer organisierten Wanderung ohne Gepäck folgen.

Wer reist und neue Eindrücke mitnehmen möchte, der sollte auf regionale Gaumenfreuden nicht verzichten: Sehr gut speist man in der ehemaligen Zehntscheuer unterhalb des Schlossbergfelsens. In der dortigen Brunnenstube des Ehepaars Coquelin wird regionale und französische Küche zelebriert: Wie wäre es mit Bärlauch-, Paprika oder Spargelparfaits mit Hagebuttenmeerrettich zu Einstimmung? Zum Hauptgang kann es dann vielleicht eine Triologie vom Reh mit hausgemachten Spätzle sein. Zu empfehlen ist auch der hausgemachte Holunderlikör, den man auch als kleines Mitbringsel für die Daheimgebliebenen mitnehmen kann.

Ähnlich gut ist die Küche des Hotels Donaublick, das im ehemaligen Bahnhof von Scheer Gäste empfängt. Ob man Schweinerücken im Kräutermantel auf Cognacrahmsauce und zum Nachtisch hausgemachtes Rhabarbereis mit Balsamicocreme wählt, ist schlicht eine Frage der jeweiligen Vorlieben. Ein regionales Zoller-Hof Zwickelbier sollte man auf jeden Fall probieren. So gestärkt und nach einer angenehmen Nacht kann man am nächsten Morgen gen Sigmaringen aufbrechen.

Das schwäbisches Neuschwanstein

Donau bei Sigmaringen

Die Donau bei Sigmaringen

Nein, nicht ein bayrischer Märchenkönig war der Bauherr des Schlosses Sigmaringen, sondern das Haus Hohenzollern, das bis heute Eigner der hoch über der Stadt thronenden Schlossanlage ist. Stadt und Schloss liegen an der Hohenzollernstraße, die durch das einstige Hohenzollersche Herrschaftsgebiet führt. Ehe dem Schloss unsere Aufmerksamkeit gilt, wollen wir uns dem Städtchen zu Füßen des Schlossbergs zuwenden. In einer Grünanlage vor dem Schlossaufgang steht eine Statue von Karl von Hohenzollern, der als Carol I. die rumänische Königsdynastie begründete. In einer weiteren Grünanlage an der Fürst-Wilhelm-Straße erblickt man den reitenden Fürsten Leopold – das Haus Hohenzollern ist somit auch jenseits des Schlosses überaus präsent.

Schloss Sigmaringen

Sitz der Hohenzollern: Schloss Sigmaringen

Werfen wir einen Blick in die Stadtpfarrkirche St. Johann Evangelist, so betreten wir ein typisch barockes Gotteshaus. Kirchen jener Zeit konnten nicht auf kostbare Reliquien verzichten, denn das bescherte lukrativen Zulauf durch Wallfahrer. So hat auch die hiesige Kirche ihre Reliquie, das Armreliquiar des heiligen Fidelis. Unweit der Kirche wurde dieser Stadtpatron Sigmaringens im Fidelishaus als Markus Roy geboren, ein Kapuzinermönch, der im Zuge der Gegenreformation tätig war und nach einer Predigt in Seewis erschlagen wurde. Der versteinerte Alemannenritter Sigmar, der vermeintliche Stadtgründer, schaut vom Rathaus auf die Vorbeieilenden hinab. In einer fürstlichen Residenz wie Sigmaringen fehlen weder das Hoftheater noch die Hofapotheke und die Hofkonditorei, das heutige Café Seelos. Wem nicht nach Kaffee und Kuchen ist, sondern nach Herzhaftem, der lässt sich bei schönem Wetter im Biergarten des Gasthofs Bären nieder – den Bären als Hauszeichen kann man nicht übersehen. Gutbürgerlich kocht man hier, ob Linsen mit Spätzle, Eintopf mit Rindfleisch oder Wildschweinbraten an Wildrahmsoße mit gebratenen Semmelknödeln.

Schloss Sigmaringen - Ritter Sigmar

Dieser Ritter soll der Stadtgründer Sigmaringens sein

Wer sich an dem Stilmischmasch des Schlosses nicht stört – selbst der Jugendstil hat seine Spuren hinterlassen –, der begibt sich zum Fürstenschloss. Dort kann man einen Blick in den Blauen Salon werfen und in der Portugiesischen Galerie vor dem Bildteppich mit der Darstellung der badenden Bethesba verweilen. Im Ahnensaal mit seinen reichen Stuckierungen sind die Hohenzollern in großformatigen Porträts verewigt worden.  Die Waffenhalle sollten sich diejeningen nicht entgehen lassen, die sich für die Waffentechnik des Mittelalters begeistern. Neben Ritterrüstungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert findet man Schusswaffen wie Armbrust, Lunten- und Radschlossgewehr. Nach dem Schlossbesuch geht es mit Siebenmeilenstiefeln zu den frommen Herren von Zwiefalten, das nicht weit von der an der Deutschen Fachwerkstraße gelegenen Stadt Riedlingen entfernt ist. 

Schloss Sigmaringen - Jugenstildetail

Jugenstildetail des Schlosses Sigmaringen

 

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