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Dachau
Gemäldegalerie Dachau


Das Dachauer Moos und die Künstler laufend
Text: ferdinand dupuis-panther / Fotos: Dr. E. Boser / (c) Gemäldegalerie Dachau

Fast vergessen ist Dachau als Künstlerstadt. Dem entgegenzuwirken, ist die Gemäldegalerie Dachau angetreten. Im Bestand der Galerie sind etwa 200 Gemälde. Im Mittelpunkt stehen die von Eduard Schleich d. Ä., Lovis Corinth, Christian Morgenstern, Carl Spitzweg, Adolf Lier, Eduard Schleich d. J., Richard von Poschinger und anderen im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert geschaffenen. Alle Künstler waren wie auch Paul Wilhelm Keller-Reutlingen von der Dachauer Mooslandschaft fasziniert und verbrachte manchen Sommer an der Amper, um mit der Staffelei und Palette hinauszuziehen und die wechselvollen Eindrücke der Landschaft auf die Leinwand zu bannen. Doch nicht allein Gemälde der Dachauer Moorlandschaft sind zu sehen, sondern auch Ansichten wie der „Schleißheimer Kanal im Winter“ (1905) von Hans von Hayek.

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Joseph Wenglein "Nach der Treibjagd" (1885)

Fuhrwerke sind auf der von Alleebäumen bestandenen Münchner Straße unterwegs und im Hintergrund türmen sich Quellwolken über den Bergen. Im Vordergrund hat ein Paar Rast in einer Sandkuhle eingelegt. Diese Ansicht entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts und stammt von Eduard Schleich dem Älteren.
Das nicht der  norwegische Romantiker Christian Johan Dahl oder der deutsche Romantiker Caspar David Friedrich das Gemälde geschaffen haben, mag den Betrachter von „Mondnacht in Partenkirchen“ überraschen. Das stimmungsvolle Werk stammt von Christian Morgenstern: Der fahle Mond scheint durch ein paar Wolken am Himmel. Die Nacht hat sich über den Ort gelegt, der zu schlummern scheint, sieht man von den beiden Männern ab, die am Brunnen stehen. Ins Abendlicht tauchte Adolf Lier die Theresienwiese mit der Bavaria. Im Vordergrund der scheinbar flüchtig skizzierten Ansicht hütet ein Hirte seine Schafe. Ein Schäfer mit seiner Herde taucht auch in einem Gemälde von Eduard Schleich d. Ä. auf, der, an der Amper malend, ein derartiges Motiv entdeckt hatte. Das Motiv des Schäfers mit seiner Herde griff gleichfalls Richard von Poschinger in „Schafherde“ (um 1880) auf.

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Raumdurchblick vorne, das große Bild ist von Robert von Haug "Der Abschied" (1890) dahinter dJohn Hammer "Dame und Bettlerin" ( 1879).

Das harte Landleben verstand Eduard Schleich d. J., mit geschultem Blick aufzunehmen, als er die Kartoffelernte zum Bildgegenstand machte: Schwer tragen die Mägde an den Kiepen mit den geernteten Kartoffeln. Mühevoll ist die Arbeit, muss man doch kniend die Erdäpfel aus der Erde buddeln. Sich zu beeilen, scheint angesichts der aufziehenden Unwetterwolken das Gebot der Stunde. Dorfalltag in Etzenhausen ist das Thema von Adolf Lier, der eine Bäuerin mit Karren malte, die von ihrem Jungen begleitet wird. Zudem sieht der Betrachte einem von einem Schimmel gezogene, hoch beladene Heuwagen. Das Wetter scheint in dem von Fritz Baer stammenden Werk „Heuernte“ (um 1890), mitzuspielen,  wenn auch der Himmel nicht in strahlendem Blau, sondern in geflecktem Grau erscheint. Dass die Ernte körperlich schwere Arbeit war, belegen zwei Männer, die mit Sensen Gras schneiden, um daraus Heu machen zu können.

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Ludwig Dill "Birken im Moos"

Das Dachauer Moos unter verhangenem Himmel malte Paul Wilhelm Keller-Reutlingen. In der Ferne kann man rauchende Schornsteine ausmachen, Kontrast zur Idylle des Moors, auf dem Schafe friedlich grasen. In einem kleinformatigen Ölgemälde auf Pappe von Fritz Halberg-Krauss haben sich dramatisch anmutende Wolken über dem Moor gebildet.

Fanny Edle von Geiger-Weishaupt nahm sich des Dachauer Hofgartens im März an. Zartblau liegt der Himmel über dem Garten. Die Sonne wirft ihre Strahlen auf die Alleebäume, denen noch die Blätter fehlen.Wer mögen wohl die Herren sein, die sich unter einer Birke versammelt haben? Sind es die aus München kommenden Jagdpächter, die reichlich Beute gemacht haben? Der Maler Joseph Wenglein gibt darüber keine Auskunft. Auch der Bildtitel „Nach der Treibjagd“ (1885) sagt nichts über den illustren Kreis aus, der mit seinem elegten Wildbret auf die Leinwand gebvannt wurde.

In einem der Häuser scheint im Untergeschoss noch Licht. Als Schattenriss bildet sich der spitze Kirchturm ab, der in den nächtlichen Himmel ragt. Mit Sinn für Witz und Zwischentöne malte Carl Spitzweg den auf sein Gewehr gestützten, gähnenden Soldaten, der eigentlich am Stadttor Wache halten sollte, aber augenscheinlich von der Mündigkeit übermannt wird. Neben Spitzweg, der seinen Mitmenschen mit kleinformatigen Gemälden auch einen Spiegel vorgehalten hat, ist auch
Adolf Hölzel in der Gemäldegalerie präsent. Anfänglich war Hölzel ein Vertreter der Freilichtmalerei, ehe er im Laufe seiner künstlerischen Karriere zu Farbkompositionen fand. Aus den künstlerischen Anfangsjahren stammt „Paar an der Amper“ (1905). Betrachtet man die vom Wind gepeitschten Bäume und den aufgewühlten Himmel, denkt man unwillkürlich an einen Herbstspaziergang. Von Hölzel stammt außerdem „Wacholder im Dachauer Moos“ (1901), das neben Ludwig Dills „Birken im Moos“ (1905) platziert wurde. Expressiv und gestisch ist der Farbauftrag in Hölzels „Lokomotil“ (1904), eine Arbeit, die die fortschreitende Mechanisierung der Landwirtschaft thematisiert.

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Adolf Hölzel "Paar an der Amper "(1905)

Schmerzvoll scheint der Abschied des Mannes von seiner Frau, den Fritz von Uhde in „Der schwere Gang“ festgehalten hat. Demselben Künstler ist auch „Alter Biergarten in Dachau“ zu verdanken. Nur wenige Gäste haben sich unter den Schatten spenden Bäumen niedergelassen. Ähnlich mutet die Szene an, die Hölzel um 1892 gemalt hat und „Nachmittag im Künstlertreff Alte Schießgartenstätte“ betitelte. Banal mutet das Motiv an, dass Otto Strützel ausgewählt hat: „Huteeichen“ (1890) – knorrige Bäume mit erstem Frühlingslaub.

Zu denen, die es nach Dachau zog, gehörte auch der deutsche Impressionist  Lovis Corinth, der neben Max Slevogt und Max Liebermann, das Dreigestirn des deutschen Impressionismus bildet. Ausgestellt ist Corinths „Waldstück bei Dachau“. Sinn für eine dramatische Bildinszenierung verrät Charles Richard Tooby in „Sturm“ (um 1898): sattgrüne Wiesen, ein violetter Bergzug im Hintergrund, einzelne mächtige Schirmkiefern in Tannengrün und tosende dunkelgraue Wolken am Himmel. Albert Weisgerber, dem in St. Ingbert ein eigenes Museum gewidmet ist, gehört zu den eher unbekannten deutschen Impressionisten. Ihm ist „Sommertag“ zu verdanken: Vor den Augen einer gaffenden Menge bewegt sich eine Nackttänzerin inmitten des Waldes. Teilweise ganz in der Tradition der Mitglieder der „Brücke“ malte Leo Putz seine „Waldesruh II“: Nackte Sonnenbadende haben sich auf einer Waldlichtung niedergelassen.

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Charles Richard Tooby  "Sturm" (um 1898).

Wer sich für die Malerei des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts interessiert, der darf die Gemäldegalerie nicht versäumen. Dank der in den einzelnen Sälen vorhandenen Infoblätter – sie sind in die Sitzbänke eingehängt, auf denen man sich ausruhen kann – erfüllt die Gemäldegalerie auch die pädagogischen Aufgaben, die ein Museum zu erfüllen hat, und  zwar getreu dem Motto "Bewahren, Sammeln und Erklären".

Gemäldegalerie Dachau
Konrad-Adenauer-Str. 3
85221 Dachau
Tel. 08131/5675-0
info@dachauer-galerien-museen.de
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-17 Uhr, Sa So 13-17 Uhr

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