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Ausstellungsorte in Brühl: Max-Ernst-Museum

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Brühl
Max-Ernst-Museum

Max Ernst - Lebensweg eines Künstlers
dauerhaft


Niki de Saint-Phalle bis 3. Juni 2012

Max Ernst - Lebensweg eines Künstlers

Brühl ist die Geburtsstadt des bekannten Surrealisten Max Ernst, der zeitweilig in Frankreich und den USA lebte, jedoch am Rhein geboren wurde und dort seine Jugendzeit verbrachte. Das in einer Dreiflügelanlage des 19. Jahrhunderts untergebrachte Max Ernst Museum wurde am 4. September 2005 eröffnet. Es befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Rokoko-Schloss Augustusburg mit seiner Parkanlage, einem UNESCO-Weltkulturerbe. Bereits vor dem lang gestreckten in die Dreiflügelanlage eingefügten gläsernen Eingangsbau stößt man auf drei Bronzeskulpturen, die den Sinn des Künstlers für die Welt des Skurrilen und Monsterartigen verraten. Es sind, wenn man so will, Traumbilder, die Max Ernst realisierte, so wie dies auch die Künstler von CoBrA nach dem Zweiten Weltkrieg taten. Neben Zeichnungen und Ölgemälden finden sich zahlreiche Bronzeskulpturen in der dauerhaft präsentierten Sammlung, die den Werdegang des Künstlers chronologisch und thematisch nachzeichnet.

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In einer Dreiflügelanlage des 19. Jh. untergebracht: Das Max-Ernst-Museum Brühl (c) foto fdp

Nur auf Zeit konnten sich Besucher an einem spektakulären, 22 Quadratmeter großen Wandgemälde erfreuen, dass Max Ernst 1934 für die Neugestaltung des Corso-Theaters in Zürich schuf. Dieses florale Wandgemälde zierte die Tanzbar des Theaters und wurde im ehemaligen Tanzsaal des Brühler Pavillons gezeigt. Titel des Wandgemäldes ist „Blütenblätter und Garten der Nymphe Ancolie“. Vorlage für die verwendete Blüte war ein Pflanzenbuch mit der Abbildung von Stenocarpus cunnighami, dem sogenannten Feuerradbaum. Ernst hat allerdings nicht nur die Blüte vertikal gedreht, sondern auch mit einer gelben, „biomorphen“ Fläche unterlegt und ergänzt.

Aber auch ohne dieses monumentale Werk besticht die luftige Präsentation des Lebenswerks des 1891 in Brühl geborenen und 1976 verstorbenen Max Ernst, der mit Man Ray ebenso bekannt war wie mit dem „Vater des Surrealismus“ André Breton. Nicht zu übersehen ist im ehemaligen Tanzsaal die riesige Bronze des „Steinbocks“ (1948). In Begleitung des thronenden Gehörnten ist eine schlanke Meerjungfrau auszumachen. In der schaufelartigen Pranke des Steinbockmannes ruht überdies eine kleine Meerjungfrau. Diese „Familiengruppe“ soll Ernst ironisch als „my family“ bezeichnet haben, als er das Modell zu den späteren Abgüssen in seinem us-amerikanischen Exil schuf.

Impressionismus, Fauvismus oder ...

Nebenan in einem der kleinen Räume, die an Kabinette erinnern, wird das Frühwerk des Künstlers aus der Zeit bis 1922 gezeigt. Dabei wird unterstrichen, dass Ernst durchaus ein Kind seiner Zeit und nicht stets Surrealist war. Impressionismus, Fauvismus, Jugendstil und Futurismus hatten auf sein Schaffen auch einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss. Das wird nicht nur anhand eines frühen Selbstporträts ersichtlich. Ähnlich wie die Mitglieder der „Brücke“ schuf Ernst 1911 einen Holzschnitt einer Gruppe nackter Naturfreunde, die im Wald zusammenkamen. Nur als „Schattenrisse“ zeichnete der Künstler mit Bleistift seine Parkspaziergänger, bei deren Anblick man an Mackes Schaufensterflaneure erinnert wird. „Pariser Ansicht“ ist ein Werk, das zwischen Expressionismus und Fauvismus wandelt. Mit expressivem Duktus malte Ernst zudem „Pingsdorfer Kirmes“. Ganz das Gegenteil dazu ist das naturalistisch-realistisch anmutende Gemälde „Toten-Maar Eifel“: Schwer liegt die Wolkenbank über der Landschaft. Keine Menschenseele ist zu sehen.

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Max-Ernst-Brunnen (Detail) in Brühl

Dass es nicht nur ein besonderes Licht des Südens, sondern auch des Nordens gibt, wissen wir spätestens seit dem Aufkommen der Haager Schule und deren Ansichten der niederländischen Polderlandschaft. Auch Max Ernst schwelgte in mediterranen Farbstufen, als er 1910 „Schreitende Bäuerin“ malte. Erst 1919 begann Ernst, sich DADA und den surrealen Welten zu widmen. Zu diesem Zeitpunkt erschien sein Mappenwerk „Fiat modes pereat ars“.

Neben schriftlichen und fotografischen Dokumenten zum Leben des Malers, ob nun eine Fotoaufnahme des bekannten Fotografen August Sander, Luise Straus und Jimmy Ernst zeigend, oder das Reifezeugnis von Max Ernst, ist es vor allem das malerische, zeichnerische und bildhauerische Werk, das im Mittelpunkt jeden Besucherinteresses stehen dürfte.

Vorschau

Im zweiten Halbjahr 2012 wird das Max Ernst Museum Brühl des LVR die Ausstellung "William N. Copley – Retrospektive" vom 24. Juni bis 4. November 2012 präsentieren. Die umfassende Retrospektive William Nelson Copleys (1919-1996) wird Werke des Amerikaners präsentieren. Als Künstler, Schriftsteller und Verleger war er früh ein wichtiger Vermittler zwischen den Surrealisten und der Pop Art-Bewegung und gehörte zu den eigenwilligsten Persönlichkeiten der Kunstszene. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Museum Frieder Burda in Baden-Baden. Sie wurde von Götz Adriani kuratiert.

Frottage, Grattage und Décalcomanie

Durchreibetechnik und Abklatschtechnik hatte Max Ernst in seinem Werk eingeführt und auch vervollkommnet. Dabei hatte er die Durchreibtechnik, die er zufällig bei einem Hotelaufenthalt am Atlantik für sich entdeckte, als Grattage auch auf seine Ölgemälde angewendet: In einem Hotelzimmer legte Ernst Papier auf die ausgetretenen Dielen und rieb mit einem Bleistift die Maserungen des Holzes durch. In ähnlicher Technik schuf er dann auch andere Motive, die in seinem Mappenwerk der Naturgeschichte zu finden sind, ob ein Specht zwischen zwei Hölzern oder einen Holzzaun, über den ein Baumwipfel ragt.

Auf einem schwarzen Tischblatt mit diagonalen weißen Streifen liegt ein Würfel. Zudem stehen dort auch fünf Vasen, die mit Blumen gefüllt sind. Nein, in den Vasen stecken die Blumen nicht mit ihren Stängeln, sondern die Blumen befinden sich mit Blüte und Stängel ganz im Vasenkörper. „L'Interieur de la vue“ nannte Ernst, der seit 1921 in Frankreich lebte, diese Arbeit. Gewaltig in den Ausmaßen ist eine von Ernst konzipierte Bronze „Eine Mikrobe durch ein Temperament betrachtet“. Der Titel ist ebenso verwirrend im Hinblick auf den „Bildinhalt“ wie bei dem Gemälde „Das Wort“: Ein männlicher Körper, aus einem Anatomiebuch entsprungen, trifft auf einen weiblichen Torso, der einen Riesenvogel unter der Achsel und im Schritt einzwängt. Was Grattage beinhaltet, wird anhand des Gemäldes „Stürmische Liebe“ (1925) deutlich. Man erkennt hier die Durchreibetechnik bei der Anlage des Figurentorsos und eines Zaunsegments.

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Groteske Skulpturen vort dem Max-Ernst-Museum Brühl

Naturgeschöpfen ganz eigener Art begegnet der Besucher des Hauses in Gestalt des Habakuk, eines Rabenvogels. Zudem ist der „Vogelkopf“ zu sehen, eine flache „Kopfplastik“ mit aufgesetztem Vogelkopf. Betrachtet man „Verwandte Seelen“, so erscheinen die „Scheibenkopffiguren“ wie Blüten auf langen Stängeln. Zu Füßen des „Stängelpaares“ liegt augenscheinlich deren Nachwuchs. „Tochter und Mutter“ ist ein weiterer Blickfang unter den ausgestellten bildhauerischen Arbeiten.: die Mutter auf dicken Beinstümpfen und mit Kegelstumpfkörper, die Tochter, eher einer schlanken Meerjungfrau gleichend.

Kein Taucher weiß vor seinem Sprung, was er mitbringen wird. Ebenso sucht sich der Maler sein Sujet nicht aus. Max Ernst

Gekonnt hat der Künstler auch den Begriff des „Volkskundemuseums“ in eine Kubatur gebracht, die an die sitzende Gottheit von Tikal (Guatemala) erinnert, der Menschenopfer gereicht wurden. In einer Variation der „Steinbock“-Bronze gestaltete Max Ernst „Der König spielt mit der Königin“. Vereint sind in dieser Skulptur Ernsts Entwürfe für ein Schachspiel mit der im ehemaligen Tanzsaal ausgestellten Figur des „Steinbocks“.

Das Max Ernst Museum Brühl des LVR bietet ab sofort seinen Besucherinnen und Besuchern als weiteres Segment seines museumspädagogischen Angebots Audio Guides an. In 24 Stationen gibt die Audioführung durch die Schausammlung im Wechsel dem Gast Informationen zu einzelnen Arbeiten und Werkgruppen von Max Ernst. Dabei geht es nicht um Fakten und Zahlen – die Texte animieren vielmehr zum Sehen. Der Interessierte kann den Weg durch das Museum selber bestimmen und seine Führung individuell zusammenstellen. Neben einer Erwachsenenführung auf Deutsch, Englisch und Französisch wird die Audioführung auch in einer deutschen Version für Kinder angeboten. Auf pädagogisch anspruchsvolle Weise können Kinder zusammen mit dem Mädchen Romi und ihrem Freund Pierrot – einer zum Leben erwachten Skulptur von Max Ernst - das Museum erkunden und Kunst hautnah erleben. Gebühren Audio Guide: Erwachsene: 2 Euro Kinder (bis 18 Jahre): frei

Dem künstlerischen Lebensweg von Max Ernst folgend, widmet sich das Haus abschließend den Jahren der Rückkehr nach Frankreich, die 1949 erfolgte. Unter anderem sind in diesem Abschnitt der Sammlung hier Grotesken zu sehen, so „Zwei Assistenzen“ und „Mein Freund Pierot“. © fdp

 

Niki de Saint Phalle - Spiel mit mir

Niki de Saint Phalle (1930-2002) zählt mit ihrem umfangreichen Schaffenswerk wohl zu den bedeutendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie hat ein faszinierendes Werk hinterlassen, dessen Einfalls- und Abwechslungsreichtum seinesgleichen sucht. Bereits die frühen Gemälde der 1950er Jahre, die sich u.a. an naiver Malerei orientieren, sowie die Assemblagen, in denen die Künstlerin Anfang der 60er Jahre alltägliche Gegenstände zu bunten Klebebildern kombiniert, sind Ausdruck dafür. Ausgehend davon entwickelt sie die sogenannten Schießbilder, in denen sie ihre bewegte Biografie verarbeitet. Die mit Farbbeuteln präparierten und mit einem Gewehr beschossenen Reliefs sind jedoch nicht nur ein aggressiver Akt der Zerstörung, sondern bilden zugleich Möglichkeiten neuer Bildfindungen.

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Niki de Saint Phalle, Nathalie, 1965, Privatsammlung, © 2012 NIKI CHARITABLE ART FOUNDATION, All rights reserved.
Foto: © André Morain.

Ausstellungstitel und deren Wahl sind nicht immer Glücksgriffe. Bisweilen wirken sie doch recht gekünstelt, auch wenn, wie im vorliegenden Fall, ein Werktitel der Künstlerin zum Ausstellungstitel gemacht wird. Niki de Saint Phalle hatte im Jahr 2000 der Stadt Hannover aus Dankbarkeit dafür, dass die Stadt ihre Nanas am Leineufer aufgestellt hatte, als die Künstlerin mit ihren Arbeiten dem öffentlichen Verriss preisgegeben war, große Teile ihres Lebenswerks vermacht. Aus diesem Fundus kann auch die aktuelle Ausstellung schöpfen. So hat der Besucher dank der vielen Leihgaben aus dem Sprengel Museum Hannover Gelegenheit, Arbeiten der Künstlerin aus den 1950er Jahren ebenso zu sehen wie solche aus dem Jahr 2000. In einer derartigen Breite war das Werk Niki de Saint Phalles lange nicht mehr zu sehen. Ein Grund mehr also nach Brühl zu kommen, zumal auch Schloss Augustusburg und Schloss Falkenlust locken.

Das Biographische – mal mehr und mal weniger durchscheinend – ist allen Arbeiten der Künstlerin gemein. Missbraucht vom Vater, in Liebesbeziehungen verstrickt, die kaum als glücklich zu bezeichnen waren oder als tragisch wie die Beziehung zum Künstlerkollegen Jean Tinguely – all das spiegelt sich ebenso in den Arbeiten wider wie die Zeit in der Klappsmühle, in der sie 22-jährig nach einem Nervenzusammenbruch landete.

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Niki de Saint Phalle, Assemblage Landscape (Garden by Night), um 1957/58, Sammlung Niki Charitable Art Foundation, Dauerleihgabe im Sprengel Museum Hannover, © 2012 NIKI CHARITABLE ART FOUNDATION, All rights reserved. Foto: © Laurent Condominas

Zerstörungswille und Zerstörungswut sowie unterdrückte Aggression – so scheint es – finden sich in den Arbeiten der Künstlerin, die in einer gewissen Naivität, den Vertretern der sogenannten Outsider Art nicht unähnlich, ihre Werke, Collagen, Materialbilder und Skulpturen erschuf, so auch das auf eine Holztür gemalte Bildnis der heiligen Johanna von Orleans. Der Versuch, die kindliche Unbekümmertheit in eine Bildsprache zu transportieren, findet sich in „Spiel mit mir“ (1955): Man sieht unter anderem ein grün gekleidetes Kind, das Rad fährt. Zugleich entdeckt man – aus der Vogelperspektive gesehen – die verschiedenen Quartiere der Stadt, die Blocks mit ihrem Grün und ihre Bebauung. Im Mittelpunkt des „Festes“ – ein weiteres ausgestelltes Gemälde der Künstlerin – steht ein Mädchen mit blonder Hochfrisur und hellroten Strümpfen unter dem bunten Kleid. Nicht nur das Mädchen, das sich zur Musik im Kreis bewegt, scheint Freude zu haben, sondern auch einige andere Festgäste und der Bassist, der mit Musikerkollegen zusammen aufspielt. Nur das Paar im Vordergrund scheint eher gedrückter Stimmung zu sein.

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Niki de Saint Phalle, Hors-d'oeuvre (Portrait of my Lover / Portrait of Myself), 1960, Sammlung Niki Charitable Art Foundation, © 2012 NIKI CHARITABLE ART FOUNDATION, All rights reserved. Foto: © Fabienne Villeglé.

Mit der Malerei fing ich an, als ich wegen eines Nervenzusammenbruchs in der Klappsmühle war. Dort entdeckte ich das schwarze Land des Wahnsinns und seine Heilung durch Übersetzung meiner Gefühle, Ängste, Gewalt, Hoffnungen und Freude in meine Arbeit. Niki des Saint Phalle

Künstlerisches Schaffen als therapeutischer Akt ist sicherlich eine zutreffende Charakterisierung der Karriere der bei Paris geborenen, in der Schweiz und den USA beheimateten Künstlerin, die 2002 nicht zuletzt an den Folgen einer chronischen Lungenerkrankung verstarb, die sie sich auch aufgrund eines sorglosen Umgangs mit Chemikalien bei diversen Kunstaktionen Jahrzehnte zuvor zugezogen hatte.

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Niki de Saint Phalle, Joue avec moi, 1955, Kunstmuseum St. Gallen, Schenkung Erna und Curt Burgauer, © 2012 NIKI CHARITABLE ART FOUNDATION, All rights reserved. Fotograf unbekannt.

Beim Rundgang durch die Ausstellung entdecken wir nicht nur die Frau mit dem grünen Gesicht unter der Sonne im schwarzen Kranz, sondern auch die Materialbilder, die teilweise gemeinsam mit Tinguely geschaffen wurden. Fundstücke wie einen Puppenarm, Scherben, eine Schraube und einen Holzlöffel sowie eine Kette sind die Materialien, aus denen Nikis Bilder bestehen. Beim Materialbild „Pik Drei“ ist der Titel sinnfällig, betrachtet man die Komposition eines blauen Latexhandschuhs, der eine Pik-Drei-Spielkarte hält – all dies inmitten eines Gewirrs aus Draht. Auch großformatige Assemblagen wie „Landschaftsassemblage (Garten in der Nacht)“ springen dem Besucher ins Auge: In einer Maltechnik in den Fußstapfen von Jackson Pollock – Farbkleckse und Farbfäden überziehen die Leinwand – gestaltete Niki ihr Werk, in das sie eine Muschel, eine Bürste, Scherben, ein Löteisen und andere Fundstücke einfügte.

Ich glaube an eine große kreative Kraft, die größer ist, als wir uns vorstellen können. Niki de Saint Phalle

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Niki de Saint Phalle, La Moyenne Waldaff, 1969, Ulmer Museum, Stiftung Sammlung Kurt Fried, © 2012 NIKI CHARITABLE ART FOUNDATION, All rights reserved. Foto: © Bernd Kegler.

In „Kleckstechnik“ hat die Künstlerin auch ihren „Rosa Akt in der Landschaft“ vollendet. Die Nackte in ihrer Unschuld steht inmitten einer farbenfrohen Landschaft. Kaffeebohnen zieren das Haar der Nackten.

Zu den plastischen Arbeiten in der Ausstellung gehört „Nathalie“, die ganz in der Tradition der Nanas zu sehen ist, ganz Frau, ganz Mutter, breithüftig und vollbusig. Die Schattenseiten des Lebens spiegeln sich unter anderem in Werken wie „Landschaft des Todes“. Dabei vereint die Künstlerin eine Säge, eine Rasierklinge, einen Revolver und eine große Schraube zu einem Ganzen, indem sie diese Objekte in einer „Gipslandschaft“ unter blutrotem Himmel einbettet.

Ich umarme die Kunst als meine Erlösung und Notwendigkeit. Niki de Saint Phalle

Beziehungsprobleme und -störungen spiegeln sich m. E. in Arbeiten wie „Vorspeise(Porträt meines Liebhabers/Selbstporträt)“ wider. Wofür steht die Arbeit „Das Hackbeil“? Für Nikis Traumata, für die dunklen Seiten des Lebens? Für den Wunsch, den eigenen Peiniger leiden zu sehen?Folter und Leid, Zerstörung und Pein finden sich in Nikis eigenwilliger Darstellung des hl. Sebastians, dessen Oberkörper – von einem Hemd bedeckt – mit Nägeln übersät ist, die den Leib durchbohren.

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Niki de Saint Phalle, Monkey, um 1960/61, Sammlung Niki Charitable Art Foundation, Dauerleihgabe im Sprengel Museum Hannover, © 2012 NIKI CHARITABLE ART FOUNDATION, All rights reserved.
Foto: © Laurent Condominas.

Ja, eine kleine Nana hat man auch nach Brühl geholt, die großen muss man in Hannover besuchen. Bereits 1966 spielten die Nanas, dieser Ausdruck von Mütterlichkeit, eine besondere Rolle im Künstlerleben der Niki de Saint Phalle: „Meine erste Ausstellung mit Nanas nannte ich Nana power. Für mich waren sie das Symbol einer fröhlich befreiten Frau. Heute nach beinahe zwanzig Jahren sehe ich sie anders. Ich sehe sie als Vorboten eines matriarchalischen Zeitalters… Sie repräsentiert die unabhängige …und glückliche Mutter.“

In den letzten Jahren ihres Lebens konzentrierte sich Niki auf die Gestaltung ihres Tarot-Gartens, der im Modell ebenso zu sehen ist wie die großbusige „Sphinx“, einer Figur aus eben diesem Garten. Von der Decke des Ausstellungsraums hängt Nikis „Der Gehängte“ kopfüber. Symbol für das gewaltsame Ende – doch wessen Ende? Als „Manifest“ zu deuten scheint der Siebdruck „Der Tod existiert nicht. Das Leben ist ewig“. Doch auch wenn Nikis Leben endete, ihr Werk dauert an, vor allem im sehr beeindruckenden Werkkonvolut im Sprengel Museum in Hannover. © fdp

Max Ernst Museum Brühl des LVR
Comesstraße 42 / Max-Ernst-Allee 1
50321 Brühl
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Sonderöffnung am Oster- sowie am Pfingstmontag von 11 bis 18 Uhr

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