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Bremen
Weserburg | Museum für moderne Kunst


Double Rotation bis 25. März 2012

Double Rotation

Nach langer Zeit ist die Sammlung Lafrenz wieder in der Weserburg zu sehen. Sie hat das Erscheinungsbild des Sammlermuseums bei seiner Gründung im Jahr 1991 maßgeblich geprägt. Und das aus gutem Grund: Es geht um eine überzeugende Konzentration auf Schlüsselpositionen der Minimal Art, Konzeptkunst, Arte Povera und verwandter Kunstströmungen aus den USA und Europa.

 

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Double Rotation: Raumansicht

Der Titel lässt den Besucher möglicherweise erwarten, hier ginge es um Bewegung, um gleich eine doppelte Bewegung – und dies auch bezogen auf die Exponate. Doch kinetische Kunst ist in der Schau nicht vertreten. Rotation steht vielmehr für Entwicklung, für die Entwicklung der Sammler, aber auch für die Entwicklung einer neuen, jungen Kunst. Die Sammler, die die Schau erst möglich machen, sind Vater und Sohn Lafrenz. Nach dem Tod des Hamburger Apothekers Dr. Klaus Lafrenz 1999 übernahm dessen Sohn Björn das Zepter, sodass in der Sammlung nunmehr auch ganz aktuelle Kunstpositionen eine Rolle spielen.

 

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Ellsworth Kelly, Untitled, EK 689, 1983, Weathering Steel Wall Sculpture

Rote Stele und begehbare Bodenplatten

Betritt man die Schau, so schaut man auf eine glänzende, rote Stele, in deren Oberfläche man sich selbst spiegelt. Auch Graubners „Lichttrampolin I“ spiegelt sich in dieser Stele, deren Titel Hopi lautet. Graubner hat wie in seinem übrigen Werk auch in der Weserburg ein „Kissenbild“ zur Diskussion gestellt. Es ist eine dreidimensionale Arbeit mit blauschwarzem Rand und einer gräulichen Oberfläche, die über einer dicken Schaumstoffschicht liegt. Beim weiteren Rundgang stehen wir vor 10 mal 10 quadratischen Platten, die eine begehbare Bodenskulptur aus Stahl und Magnesium bilden und von Carl Andre, einem der wichtigen Vertreter des Minimalismus stammen. Dass man dieses Werk begehen kann und dabei auch die Skulptur zum Klingen bringt, kann der Besucher nur einem Infoblatt zu diesem Kunstwerk entnehmen. Zu dieser Bodenskulptur gesellt sich Kelly Ellsworths' monumentale Arbeit aus „verwittertem“ Stahl, bei der man an ein riesiges Schneidemesser oder Fallbeil denken muss. Eigentlich handelt es sich bei der Skulptur um eine dreieckige Form, die an der Wand verankert ist. Dem Erläuterungstext zum Werk kann man entnehmen, das diese Arbeit auch als architektonisches Element eines Raums begriffen werden kann.

 

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James Reineking, Double Rotation, 1974, Stahl

Holz und vier Dreiecke

Minimalistisch ist Ulrich Rückriems Bodenskulptur Holz. Teilweise verwitterte Bohlen bilden ein Bodenquadrat. Neben Rückriems Werk springen uns vier farbige Dreiecke ins Auge, die jeweils paarig gehängt sind. Gerhard Merz hat diese vier auf einen Keilrahmen gespannten Leinwände in Form gleichschenkliger Dreiecke konzipiert. Was von Weitem wie monochrome Arbeiten in Blau, Rot und Gelb sowie Grün erscheint, entpuppt sich in der Nahsicht als eine Arbeit mit feinsten Pinsellinien und „Schraffuren“. Das Quadrat scheint bei den aktuell gezeigten Arbeiten eine wesentliche Rolle zu spielen, da auch Alan Charltons vier grau getünchte Leinwände zu einem Quadrat vereint sind. Dabei fällt auf, dass die auf Keilrahmen gespannten Leinwände jeweils in einer Ecke eine quadratische Ausstanzung besitzen. Daher erscheint das Werk nicht nur zwei-, sondern dreidimensional, so wie wir es von den „Raumkonzepten“ Fontanas kennen.

 

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Kitty Kraus: O.T, 2006-2009, courtesy Galerie Neu

Steinkreise und Monochromes

Interessant ist der stete Wechsel von Malerei und Skulptur, gehen wir weiter durch die Ausstellung, ob es nun James Reinekings Arbeit „Circular Rune“ oder Richard Longs „Steinkreise“ aus Feuersteinen oder Schiefer betrifft. Das Prozesshafte versucht Kitty Kraus mittels Draht, Neonröhre, Tinte, Teer und Wasser deutlich zu machen. Auch wenn es sich hierbei nicht um Aktionskunst in Permanenz handelt, so ist doch die Aktion, das Auslaufen von Tinte aus einem durch Neonlicht zum Schmelzen gebrachten Eisblock, das wichtigste Moment dieses Kunstobjekts. Dass wir nun nur noch das Ergebnis vor uns haben, bedeutet, sich die Aktion denken zu müssen.

Monochromes ist in der Schau vielfach präsent, ob in Arbeiten von Jerry Zeniuk oder von Ulrich Erben. Der Erste bevorzugt, Grüntöne, der Zweite Weiß.

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Hermine Anthoine, Mes Supports a Reveries Rurales, 2000, Schmiedeeisen

Ein Werk nicht zentral zu positionieren, also in den Mittelpunkt zu rücken, sondern an den Rand zu drängen, war die Idee von Richard Serra mit „Left Corner Square“. Ihm gegenüber erblicken wir das Wand füllende Gemälde „Trauerrand“ von Johannes Esper. Wahrlich ein Trauerrand umschließt die weiße Fläche und weckt Assoziationen zum Sterben, ohne sich in Details zu verlieren.

Die Ausstellung wird dank der verschiedenen Erläuterungen der einzelnen Werke auch einem wenig in aktueller Kunst bewandertem Publikum nahe gebracht. Es ist also keine Schau für die Eingeweihten, sondern bemüht sich sehr um die Vermittlung gegenwärtiger künstlerischer Positionen. Dafür gebührt den Ausstellungsmachern ein besonderer Dank. In Zeiten, in denen massenkompatible Blockbuster-Schauen in aller Munde sind, scheint es für eine „Sammlerkunsthalle“ schwer, Aufmerksamkeit und Zuspruch zu erhalten. Der Weserburg ist zu wünschen, dass die Veräußerung eines umfänglichen Gemäldebestandes, darunter Gerhard Richters „Matrosen“, nicht zu einem Aderlass führt, sondern Chance für das Weitermachen eröffnet. Pädagogische Hilfestellungen sind dabei unabdingbarer Bestandteil der Öffnung des Hauses für ein breites Publikum. (c) fdp

 

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Robert Therrien, Ohne Titel (Butterfly), 1990, VG Bild-Kunst Bonn 2010

 

Ausstellungen 2012

Circus Wols 25. Februar bis 28.Mai 2012

Er zählt zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts, doch kaum jemand kennt seinen Namen. Er gilt der Kunstgeschichte als Wegbereiter der Malerei des Informel und entzieht sich in der Vielschichtigkeit seiner künstlerischen Existenz doch jeder Kategorisierung. Er verlässt im Jahr 1932 als 19-Jähriger Deutschland, um in Paris am Puls der Kunst der Zeit zu sein. Er wird Teil der Pariser Bohème und bleibt doch immer ein großer Einzelgänger. Denn er kämpft zeitlebens um eine Existenz jenseits des Bürgerlichen und gerät dabei nicht zuletzt in die Wirren des nationalsozialistischen Krieges mit der Kultur Europas.

Eine der bedeutendsten Sammlungen des Werkes von WOLS befindet sich in Bremen in der Privatsammlung von Karin und Uwe Hollweg. Dieses herausragende Konvolut mit über dreißig Arbeiten auf Papier aus allen Schaffensphasen und zwei Bildern wird, ergänzt durch Photographien von WOLS, zum Zentrum einer umfassenden Ausstellung, die von dem Künstler Olaf Metzel, dem die Weserburg im vergangenen Jahr eine große Einzelausstellung widmete, kuratiert wird. In einem künstlerischen Dialog werden die Werke von WOLS konfrontiert und parallel geführt mit Werken anderer bedeutender Künstler. Darunter u.a. James Ensor, László Moholy-Nagy, Marcel Broodthaers, Philip Guston, und Cy Twombly, aber auch Zeitgenossen wie Andreas Gursky, Sergej Jensen, Norbert Schwontkowski und Tatiana Trouvé.

Ray Johnson 02.Juni bis 02. September 2012

Weserburg | Museum für moderne Kunst
Teerhof 20
2899 Bremen
Tel.: 04 21 / 59 83 90
mail@nmwb.de
Öffnungszeiten
Di. - Fr. 11 - 18 Uhr , Do 10-21 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr

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Wolf Vostell, Degussa, 1959, Gepresster Metalleimer, © VG Bild-Kunst, Bonn 2010