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Bremen
Kunsthalle Bremen

Max Liebermann - Vom Freizeitvergnügen zum modernen Sport bis 26. Februar 2017

Max Liebermann - Vom Freizeitvergnügen zum modernen Sport

Sport durchdringt heute nahezu alle Lebensbereiche. Er gehört zum modernen Lifestyle, er wird zum populären Massenspektakel oder verleiht elitäres Prestige. Der Siegeszug des Sports begann in Deutschland vor über hundert Jahren: Max Liebermann war der erste deutsche Künstler, der sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzte. Die Ausstellung untersucht Liebermanns Blick auf Bewegung und Sport und erzählt zugleich die Geschichte vom Reiten, Tennis und Polo in der Kunst. Werke von Degas, Manet und Toulouse-Lautrec veranschaulichen Liebermanns Inspiration durch die französische Malerei und Grafik.

Die Ausstellung ist thematisch strukturiert und konzentriert sich dabei im Kern auf das Schaffen des Nestors des deutschen Impressionismus und des Gründers der Berliner Secession Max Liebermann. Nur angerissen wird zu Beginn der Ausstellung, welchen Anfeindungen Liebermann ausgesetzt war, ohne allerdings die antisemitischen Beschimpfungen zu zitieren. Diese waren schon weit vor 1933 im Deutschen Kaiserreich durchaus Alltag und betrafen nicht allein Künstler wie Max Liebermann.

Aufgemacht wird mit einem Selbstporträt Liebermanns, der mit Palette und Pinsel vor einer angeschnittenen Leinwand steht und selbstbewusst in die Augen der Betrachter schaut. Die Bremer Schau, durchaus opulent zu nennen und mit dem Sinn für das Einbetten des Zeitgeistes der ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts gestaltet, wirft einen Blick auf ungewöhnliche Themen wie Sport und Freizeitvergnügen, wozu auch die Kahnpartie auf der Alster und das Nacktbaden im Meer gehörten. Die sozialen Aspekte der sportlichen Betätigung sind es, die in Liebermanns Gemälden, Lithografien und Pastellarbeiten einfließen. Dabei zeigt man aber nicht allein Arbeiten von Liebermann, in denen man durchaus die Sportbegeisterung jener Zeit widergespiegelt sieht, sondern auch von Liebermanns Zeitgenossen wie Degas und Manet sowie Lavery.

Strand in Nordwijk, Biergarten in Leiden

Zu Beginn der künstlerischen Karriere pflegte der zeitweilig in der Mitte Berlins am Brandenburger Tor lebende Max Liebermann den Realismus. Seine Gemälde von holländischen Bauern brachten ihm das Urteil „Apostel der Hässlichkeit ein“. Auch den Begriff „Rinnsteinmalerei“ musste Liebermann für seine Werke ertragen. Das galt auch, als Liebermann vor der Jahrhundertwende die Berliner Secession ins Leben rief. Während seiner Sommeraufenthalte in den Niederlanden entstanden Arbeiten wie „Dünenpromenade in Nordwijk“. Der Betrachter des Bildes sieht Wellen an den Strand schlagen. Wind hat die Strandvegetation niedergedrückt. Bei bedecktem Himmel sind nur wenige Menschen am Meer unterwegs. Ein Mann sitzt an einem Dünenhang und schaut auf die Wellen, derweil eine ganz in Weiß gekleidete Damen auf dem Strandweg unterwegs ist. Schemenhaft erkennt man weitere Menschen am Rande des grünlich gefärbten Meeres. Liebermanns Sinn für den Alltag spiegelt sich in „Biergarten in Leiden“. Im Vordergrund sieht man einen allein am Tisch sitzenden, schwarz gekleideten Herrn. Andere Gäste haben unter dem ausladenden Laubdach eines Baumes Platz genommen.

Liebermanns berühmter Papageienmann – eine Szene aus dem Amsterdamer Zoo – ist unter anderem in Skizzen zu sehen, die 1902 entstanden. Nur in Bremen und nicht in Berlin kann man einen Blick auf die „Papageienallee“ werfen. Momentaufnahme bürgerlichen Freizeitvergnügens. Man achte dabei auf Liebermanns feine Lichtregie, auf die Sonnenlichtflecken! Den besonderen Sinn für das Licht erkennt man in dem Werk „Kuhhirtin“, die spinnt, während Schwarz- und Rotbunt-Vieh grast und wiederkäut. Nach dieser Einleitung zum Werk von Liebermann beginnt die eigentliche thematische Ausstellung.

Badevergnügen pur

Aufgewühlt ist die grünliche See, in die sich einige Nacktbadende gewagt haben. Liebermann hat sie als stiller Beobachter vom Strand aus gesehen und sie mit flottem Duktus im Bild festgehalten. Man vergleiche diese Arbeit durchaus mit den „Badenden Knaben“ von 1900. Teilweise in Unterhosen gehen die Jungen dem Bad im kühlen Nass nach. Gischt sieht man auf den niedrigen Wellenkronen. Wer aber ist der Herr mit Stock, blauem Hemd und roter Hose, der da am Rande des Wassers steht und der den Knaben beim Baden zuschaut? Auch in einer Pastellarbeit aus dem Jahr 1900 hat Liebermann badende Knaben als Motiv festgehalten, allerdings haben die Knaben dem Maler dabei den Rücken zugewandt. Recht zahlreich sind auch die kleinformatigen Arbeiten zum Thema, sei es als Pastellzeichnung, sei es als Lithografien. Liebermann hat sich auch beim Zeichnen im Freien auf Papier gebannt. Zudem sehen wir Liebermann mit Strohhut in einem Stuhl sitzend und den Zeichenblock auf den Schoß gelegt, eine Arbeit, die auf das Jahr 1910 zu datieren ist. Woran er wohl damals gearbeitet hat? Ziehen sich die „Badenden Knaben“ im gleichnamigen Werk von 1906 eigentlich an oder aus? Badevergnügen und keine sportlichen Schwimmer thematisieren die Arbeiten Liebermanns, auch sein Werk „Nach dem Bade“ von 1907.

Auf dem Rücken des Pferdes

Wohl bei Aufenthalten im Seebad Scheverningen entstanden zahlreiche Werke mit Reitern am Strand, so auch die Ölstudie für zwei Reiterinnen am Strand. Modelle für seine entsprechenden Arbeiten fand Liebermann u. a. unter den Bereitern des Circus Schumann, der in Scheverningen gastierte. So begegnen wir in Bremen einer Dame und einem Herrn beim Ausritt, beide modisch elegant gekleidet. Der Herr ritt, wie damals Tradition, zur Rechten der Dame, die im Damensattel auf ihrem Ross Platz genommen hat. Ausritte waren in Mode, nicht nur am Strand, sondern auch im Berliner Tiergarten, im Londoner Hyde Park oder im Bois de Boulogne in Paris, wie der Besucher dank der ausgezeichneten Saaltexte erfährt. Es gab sogar Postkarten mit entsprechenden Motiven. Reiten war im Übrigen für Frauen die einzige Möglichkeit der sportlichen Betätigung in der Öffentlichkeit. Allerdings gehörte elegantes Reiten zur Pflicht. Anderenfalls sollten die Damen gar nicht reiten, wie ein anonymer Reiterlehrer jener Zeit zitiert wird. So verwundert es auch nicht, in der Schau die Arbeit „Deux Amis“ entdecken zu können. Zwei Reiterinnen, die sich begegnen, grüßen sich mit einer eleganten Handbewegung, derweil sie im Sattel eine gute Figur machen. In ihrer Begleitung sind zwei Hunde, die sich allerdings nicht gar so gut zu verstehen scheinen und sich augenscheinlich ankläffen. Man sieht in der Bremer Schau Reiter am Meer nach links reitend, Reiter unter grauem Regenhimmel, auch eine Reiterin, die ausschaut, als wäre sie extra ins Bild gerückt worden, um fotografiert und nicht gemalt zu werden. Dass nicht jedes Pferd mit Vergnügen seinen Reiter trägt, führt uns Liebermann in seinem Gemälde zweier Reiter vor, von denen einer Mühe hat sein Ross zu zügeln. Es ist nämlich im Begriff sich aufzubäumen. Das Gewicht ist schon auf die Hinterläufe gelegt, doch ein Zug an den Zügel scheint das Steigen zu verhindern. Liebermann gelang es vielfach die Dynamik der Pferde im leichten Galopp und Trab einzufangen, so auch in dem 1903 entstandenen Bildwerk „Reiter und Reiterin am Strand“.

Neben Liebermanns Arbeiten fällt der Blick der Besucher auch auf zwei kleine Bronzearbeiten von Edgar Degas. Zum einen sieht man ein sich aufbäumendes Pferd, von dem man denkt, es würde gleich seitlich fallen und nicht gleich steigen und mit den Vorderläufen um sich schlagen. Zudem nehmen wir ein schreitendes Pferd wahr, alle Muskeln des durchtrainierten Körpers aufs Äußerste angespannt.

Pferderennen und Polospiel

Unter diesem Stichwort finden sich einige Arbeiten, die sich mit der sportiven Seite des Reitens, also dem Reitsport befassen. In diesem Kontext verweist ein Ausstellungsteil auf die historische Bedeutung des Sports zurzeit des wilhelminischen Kaiserreichs. Ein ausführlicher Zeitstrahl wird aufgeblättert, Kapitel für Kapitel. In diesen wird u. a. darauf hingewiesen, dass 1868 die Eröffnung der Galopprennbahn Hoppegarten bei Berlin stattfand. Ein Jahr später verzeichnete man in Berlin die Gründung des elitären Union-Klubs von Liebhabern des Pferdesports. 1877 war das Gründungsjahr des Berliner Traber-Clubs. 1894 wurde die Eröffnung der Hindernisrennbahn in Karlshorst bei Berlin gefeiert. Es gab also eine lange Tradition des Pferdesports, ehe Liebermann sich diesem Thema zuwandte. Aber nicht nur er, sondern auch andere Künstler jener Tage hatten das Thema Pferdesport für sich entdeckt, so Henri de Toulouse-Lautrec, mit „Der Jockey“ (1899) in der Schau vertreten. Auch „Die Reiter“ von Edgar Degas zeigt man den Besuchern der Kunsthalle. Die Reiter sind bereits in Position gegangen, da es scheint, als sollte ein Rennen beginnen. Doch ein Pferd tänzelt noch nervös und kann von seinem Jockey nicht diszipliniert werden. Man sieht aber auch die mit wenigen Strichen und Schraffuren geschaffene Studie Liebermanns zu den Polospielern und obendrein das entsprechende Ölgemälde aus dem Hamburger Jenischpark. Zwar nicht hier, aber in Klein-Flottbek geht man noch heute dem elitären Polosport nach, very british! Der auf dem Rasen liegende Ball wird in Liebermanns Gemälde von zwei Reitern anvisiert. Die Schläger sind bereit niederzusausen und den Ball zu treffen. Doch welchem Reiter gelingt es als Erstem? Hindernisrennen hat Liebermann ebenfalls festgehalten, den Sprung des Führenden, der eine Länge vor seinen Verfolgern liegt: „Pferderennen in den Cascinen“ lautet der Titel der Arbeit. Mit Max Liebermann besuchen wir außerdem die Trabrennbahn, auf der ein Mann im Sulky sich in die Zügel legen muss, um seinen aus dem Trab gekommenen Gaul zur Raison zu bringen.

Der weiße Sport – ein neues Pleinair-Motiv

Der weiße Sport war im Kern very british: Im legendären Wimbledon fanden 1877 erste Meisterschaften im Lawn-Tennis im All England Croquet and Lawn Tennis Club statt, wie die Besucher der Ausstellung erfahren. In Deutschland fand der Tennissport nach und nach immer mehr Anhänger: 1892 wurde die erste Internationale Deutsche Meisterschaft im Tennis in Hamburg-Uhlenhorst ausgespielt.1879 gilt als das offizielle Gründungsjahr des ersten deutschen Tennisclubs in Bad Homburg. Auf einer ausgestellten Postkarte sieht man Tennisplätze in Bad Homburg vor der Höhe zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Liebermanns Tochter war eine leidenschaftliche Tennisspielerin und brachte den deutschen Impressionisten wohl mit diesem Sport in Berührung. „Sie ist doch nicht allein dem Vergnügen wegen auf der Welt, auch kann sie nicht den ganzen Tag Tennis spielen.“, so klagte Liebermann, wie verbürgt, über seine Tochter. Bei einer Sommerfrische an der niederländischen Küste schuf Liebermann im Jahr 1901 erste Studien von Tennisspielern. Damals spielte man durchaus Männer- gegen Frauendoppel. Die Damen trugen lange weiße Kleider. Sie hat Liebermann unter anderem in zwei Studien festgehalten. Liebermann schuf zahlreiche Fassungen von Tennisspielern am Meer. Sehr gelungen sind dabei die eingefrorenen Bewegungen, aus denen man die Ballannahme gut ablesen kann.

Auf das Thema „Freizeitvergnügen als Teil der impressionistischen Landschaft“ hätte man aus meiner Sicht gut und gerne verzichten können, auf die Kahnpartien auf der Alster ebenso wie auf die Ansicht von Schlittschuhläufern oder der Einkehr in einem Ausflugslokal. Zumal hier erneut Badende und Reiter auch wieder ihren Platz gefunden haben.

Boxen aber ohne Liebermann

Nein, zum proletarischen Sport des Boxens fühlte sich Liebermann nicht hingezogen. Maskuline Athletik paarte sich beim Boxen mit Erotik. Das hat Künstler wie Renée Sintenis, Helmut Kolle oder Rudolf Belling – von ihm stammt die bekannte Bronze des Schwergewichtlers Max Schmeling, den die Nationalsozialisten nach dessen Sieg über Joe Louis propagandistisch zu instrumentalisieren wussten. Helmut Kolle, schwächlich von seiner Konstitution her und homosexuell, präsentiert uns einen clownesken Boxer, betrachtet man die Farbigkeit des Boxerporträts. Es handelt sich dabei um ein Selbstbildnis, das allerdings wohl eher Kolles Wunsch nach Stärke und Männlichkeit als die Realität eingefangen hat. In Anlehnung an einen antiken Jünglingsakt gestaltete Renée Sintenis ihre Bronze des Boxers Erich Brandl, wohl von der Figur her ein Federgewicht. Sintenis schuf aber auch den nach vorne gehenden, im Halbschwergewicht kämpfenden Boxer Helmut Hartkopp ein, der im Begriff ist seine Gerade ins Ziel zu bringen.

Ausstellungen

Im Zeichen der Lilie. Französische Druckgraphik zur Zeit Ludwigs XIV.
1. Februar bis 28. Mai 2017

Die Ausstellung präsentiert herausragende französische Druckgraphik von 1650 bis 1715, einer Epoche, in der sich der Absolutismus in seiner ganzen Pracht entfaltete. Während der Regierungszeit Ludwigs XIV. bestand die Aufgabe der schönen Künste vor allem darin, Ruhm und Herrlichkeit des Königs als Staatsmann, Feldherr und Mäzen weit über die Grenzen des Landes hinaus zu verbreiten. Die Druckgraphik eignete sich besonders für diese Bestimmung: Leicht zu transportieren, in großen Mengen herzustellen, wurde sie einzeln oder kostbar gebunden verkauft und stand dezidiert in politischen Diensten. Stiche nach Gemälden aus der Sammlung des Königs, Ansichten seiner Paläste, Abbildungen seiner militärischen Erfolge avancierten zu erstklassigen Prestigeobjekten. 1660 befreite Ludwig XIV. die Kupferstecher von den Regeln der Handwerkszunft und erhob sie in den Rang freier Künstler. Ab 1663 konnten sie in die königliche Akademie aufgenommen werden, die eine einheitliche Ausbildung und damit ein außerordentlich hohes technisches Niveau sicherstellte. Die präzisen und zugleich sinnlichen Stiche von Gérard Edelinck, Robert Nanteuil, Pierre Drevet oder Jean Audran trugen mit ihren subtil abgestuften Tonalitäten, ihrer raffinierten Lichtregie und den differenziert ausgearbeiteten Oberflächen zur Herausbildung eines vorbildlichen französischen Stils maßgeblich bei.

Auguste Rodin. Meisterwerke zum 100. Todestag
7. März bis 11. Juni 2017

Anlässlich des 100. Todestags von Auguste Rodin (1840–1917) präsentiert die Kunsthalle Bremen Meisterwerke des französischen Bildhauers aus ihrer Sammlung. Darunter sind seine radikal veristische Figur Johannes der Täufer (1878-1880) sowie die verkleinerten Ausführungen von drei Figuren aus Rodins berühmter Skulpturengruppe Die Bürger von Calais (1889), die genauso wie das Johannes-Exemplar vom Kunstverein Bremen direkt beim Künstler in Auftrag gegeben worden waren. Rodins Figuren werden ergänzt durch zeitgenössische Fotografien von Candida Höfer (*1944): In ihrem Zyklus Zwölf von 2000 fotografierte sie Rodins Bürger von Calais an ihren 12 Standorten weltweit.

Franz Radziwill und Bremen
22. März bis 9. Juli 2017

Franz Radziwill (1895-1983) gilt in der deutschen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts als Einzelgänger, sein Werk ist unverkennbar. Erstmalig wird nun seine Beziehung zur Hansestadt Bremen in einer Ausstellung untersucht: Er verbrachte in Bremen prägende Jahre seiner Kindheit und Jugend, die in seinem gesamten Werk Spuren hinterließen. Zeitlebens bannte Radziwill typische Orte, prägnante Bauwerke oder bedeutende Ereignisse in seiner Heimatstadt auf Papier und Leinwand. Mit etwa vierzig Werken aus der Zeit von 1910 bis 1960 spannt die Ausstellung einen Bogen vom expressionistischen Frühwerk über Meisterstücke der Neuen Sachlichkeit und des Magischen Realismus bis hin zu fantastischen Bilderfindungen des gereiften Œuvres. Zugleich bietet die Schau einen spannenden Blick in die Bremer Stadtgeschichte – mit Darstellungen des Waller Wasserturms, des Gasometers mit Speckflaggenmuster oder des Schnelldampfers Bremen als Symbole hanseatischer Erfolgsgeschichten. Radziwill knüpfte schon als junger Mann Kontakte zur Kunsthalle Bremen und stellte 1919 dort aus. Seine Verbundenheit zu dem Museum bezeugte er zuletzt 1982 durch die Schenkung eines Gemäldes.

Der blinde Fleck. Bremen und die Kunst in der Kolonialzeit
5. August bis 19. November 2017

Die Hansestadt Bremen war im 19. und frühen 20. Jahrhundert ein blühendes Zentrum von schnell wachsenden internationalen Handelsbeziehungen. Dabei profitierte sie sowohl von kolonialer Expansion als auch von der massenhaften Auswanderung nach Übersee. Auch im 1823 gegründeten Kunstverein Bremen haben diese globalen Verflechtungen Spuren hinterlassen. Bis heute blieben sie jedoch unentdeckt. Ein von der Kulturstiftung des Bundes gefördertes Forschungs- und Ausstellungsprojekt widmet sich nun erstmals der Erforschung dieser kolonialen Bezüge. Es verknüpft die Geschichte des Kunstvereins in Bremen mit der Handelgeschichte der Hansestadt und befragt Werke von u.a. Paula Modersohn-Becker, Emil Nolde und Fritz Behn auf ihre kolonialen Zusammenhänge. Die blinden Flecke, die dabei sichtbar gemacht werden, thematisieren inbesondere die Darstellung und den Umgang mit dem Fremden in der Kolonialzeit. Die Ausstellung wird diese europäischen Sichtweisen in der Sammlung der Kunsthalle Bremen mit außereuropäischen Positionen der Kunst in Dialog setzen.

Max Beckmann. Welt-Theater
30. September 2017 bis 4. Februar 2018


Max Beckmann (1884–1950) war fasziniert von der Welt des Theaters, Zirkus' und Varietés als metaphorischer Schauplatz der menschlichen Beziehungen und des Weltgeschehens. In seinem Œuvre finden sich zahlreiche Gemälde, Druckgraphiken, Zeichnungen und Skulpturen, die sich unmittelbar auf diesen Themenbereich beziehen und seine Idee von der Welt als Bühne vermitteln. Die Ausstellung macht erstmals Beckmanns Welttheater visuell und ideengeschichtlich erstmals greifbar und führt vor Augen, wie der Maler und Autor von zwei bisher kaum beachteten Dramen sich selbst als "Theaterdirektor, Regisseur und Kulissenschieber" verstand. Ausgangspunkt sind die reichen Bestände der Kunsthalle Bremen, die mit ihren Gemälden und dem fast vollständigen druckgraphischen Œuvre des Künstlers eine der größten Beckmann-Sammlungen Deutschlands besitzt. Diese wird ergänzt durch Leihgaben aus bedeutenden deutschen und internationalen Museen und Privatsammlungen. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem neuen Museum Barberini in Potsdam und wird dort vom 23. Februar bis 10. Juni 2018 zu sehen sein.

Besonders beeindruckend ist die Arbeit des amerikanischen Malers Albert Bloch. Im Hochformat hielt er einen Boxkampf fest, dabei das Ringgeviert aus der Untersicht zeigend. Das Publikum bestand nicht wie üblich aus den Halbseidenen der Gesellschaft, sondern aus distinguierten Herren mit schwarzen Zylindern und schwarzen Anzügen. Im Lichtkegel standen die beiden Faustkämpfer, einer wohl ein Afroamerikaner, der gerade einen Leberhaken gesetzt hat. Fliegt da nicht auch das Handtuch als Zeichen der Aufgabe in den Ring? Im Katalog lesen wir dazu: „Bloch baute eine pyramidale Komposition aus dem Gedränge der Zuschauer und dem Kampf im Ring, die in der grellen Lichtquelle gipfelt. Die kraftvolle Farbgebung und die Betonung von Kreisen, Kuben und Zylindern erinnern an die kubistische Formensprache Robert Delaunays, den Bloch in München kennengelernt hatte.“

Übrigens, dank eines Begleitheftes zur Ausstellung kann man Details zu einzelnen ausgestellten Arbeiten nachlesen, eine sehr gelungene Ergänzung zu den zeithistorisch orientierten Saaltexten und Exponaten jenseits von Gouachen, Lithografien und Ölgemälden. Text © ferdinand dupuis-panther

 

In völlig veränderter und reduzierter Form - zum Beispiel wird das Thema Boxen in der Präsentation in Berlin völlig ausgespart - ist die Ausstellung vom 19. März bis 26. Juni 2017 in der Liebermann-Villa in Berlin-Wannsee zu sehen.

Kunsthalle Bremen
Am Wall 207
28195 Bremen
http://www.kunsthalle-bremen.de

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