DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Ausstellungsorte in Bonn: August-Macke-Haus / Gesellschaft für Kunst und Gestaltung / Rheinisches Landesmuseum / Museum König / Kunstmuseum Bonn / KAH / Deutsches Museum / Ägyptisches Museum /Haus der Geschichte / Gedenkstätte Bonn

Museen nahe Bonn:
Rolandseck: Arp-Museum / Brühl: Max-Ernst-Museum

Bonn
Kunstmuseum Bonn

Macke und Co.
text: ferdinand dupuis-panther

Color and Content - die neue Hängung bis Frühjahr 2012

Color and Content - die neue Hängung

Das Kunstmuseum Bonn verfügt über einen hoch-spezifischen und konzentrierten Bestand deutscher Kunst, insbesondere Malerei nach 1945, den es in ausgewählten Ensembles und Werkblöcken ihrer herausragenden Vertreter zeigt. Nach „Reloaded“ ist dies nun der zweite Versuch einer Neuhängung und Präsentation des Bestandes. Dabei ist auffallend, dass man dabei am Konzept der sogenannten Künstlerräume festgehalten hat. Dankenswerter Weise wird der Besucher bei seinem Gang durch die Kunstgeschichte seit 1945 nicht alleine gelassen. Abreißblätter zu den jeweils gezeigten Künstlern und deren Hauptwerken stehen in den verschiedenen Räumlichkeiten als wichtige Informationsquelle jedem Museumsgast zur Verfügung. Schließlich sieht man nur, was mein weiß. Oder?

wasmuth
Ausstellungsansicht der Werke von Corinne Wasmuth

Zahlreiche Stufen eilt man hinauf zur Kunst nach 1945. Begleitet wird der Besucher von einem roten, sich in die Tiefe stürzenden Ikarus, entworfen von Heike Weber. Sie hat mit Fenstermalfarbe auf ein Leinwandband die Umrisse des Stürzenden gemalt und dieses Band dann auf Nadeln gesteckt.

Als wolle sich die orangefarbene Figur nicht an ihrem Platz richtig wohlfühlen, so schaut die auf einem Sockel bäuchlings Liegende aus. Ein Bein ist angewinkelt, das andere unnatürlich nach vorne gestreckt. Warum Georg Herold seine aus Dachlatten und mit Lackfarben bemalte Figur allerdings „Flamingo“ getauft hat, weiß nur er als Künstler zu beantworten. In den Dialog zu dieser plastischen Arbeit wurden Gemälde von Albert Oehlen gesetzt, die in ihrem Duktus stark an die Malerei des Informel erinnern.

oehler
Ausstellungsansicht

Farbschema und „Noah“

Gerhard Richter, dem Altmeister der Kunst nach 1945, ist wie anderen Künstlern auch ein eigener Saal gewidmet. Richters Sinn für Unschärfe spiegelt seine Grau-Weiß-Malerei „Schwestern“ wider, die so erscheinen, als seien sie einem amerikanischen Pin-up-Girl-Magzin entsprungen. Als Verneigung vor Goethes Farblehre könnte man Richters Versuchs bewerten, 256 Farben auf eine Leinwand zu bannen. In Ittens Vorkursen am Bauhaus wurden ähnliche „Farbfelder-Experimente“ unternommen. Gleich mehrfach verstellt ist der Blick in „Schattenbild 4, Fenster“. Minimalistisch ist das Bildkonzept eines kleinteiligen Fensters, das Schatten wirft. So erscheint das Fenster nicht als die Möglichkeit, einen Blick nach draußen zu werfen, sondern als Gitter, das den Blick verstellt, so wie dies für Inhaftierte gang und gäbe ist. Ja, Farbe spielt eine zentrale Rolle in den großformatigen Werken von Corinne Wasmuht, die in Berlin lebt und arbeitet: Urbane Räume skizziert sie so, als würde man die isometrische Zeichnung einer Stadt betrachten. Diese Stadtansichten überzieht sie mit grellen Farbschichten, sodass der Betrachter an die Bilder des Tsunamis von Fukushima erinnert wird. Eine „Sinnflut“ ergießt sich über den Stadtraum, der nicht genau zu definieren ist, auch wenn die Titel der Arbeiten wie „Northern Gate Guyong“ scheinbar auf konkrete Orte verweisen. In ihren Kompositionen nutzt die Künstlerin auch Aspekte der Pixelästhetik, wie sie im Zeitalter von iPad und iPhon zumindest einem jüngeren Publikum geläufig ist. In die Kategorie des Biomorphen passt Benjamin Houlihans „Noah“: eine rundliche aus Schaumstoff bestehende, deformierte Figur mit „Schlumpfmütze“.

raum2
Ausstellungsansicht mit Arbeiten von Katharina Grosse

Neben Richter ist auch ein weiterer Grande der deutschen Malerei in Bonn mit zahlreichen Arbeiten vertreten: Sigmar Polke. Er bediente sich einer im Druck gängigen Punkt-Bildsprache, als er „Menschenmenge“ schuf. Auch andere Gemälde „unterlegte“ er mit Punkt- oder anderen Stoffmusterungen. Max Ernst, dem surrealen Virtuosen der Bildhauerei und der Zeichnung – im benachbarten Brühl ausgiebig zu bewundern – widmete Polke auch eine seiner ausgestellten Arbeiten: Zentrales Motiv sind Motten, die das Licht einer alten Laterne umschwirren, während sich zahlreiche Skelette in den Arkaden einer „Architekturstaffage“ eingefunden haben. Polke „paraphrasiert“ in der ihm eigenen Art Ernsts „Totentanz“.

Der Besucher – ein Kunstwerk

Der Welt der Comicfiguren entsprungen scheinen die „Porträts“, die Julian Opie zu verdanken sind, darunter „Alma Schoolgirl“. Sinn für Ironie und ein Faible für das Banale beweist Erwin Wurm nicht nur in seinen „Pullover-Reliefs“, sondern auch in „One Minute Sculptures“: Auf einem breiten weißen Sockel liegen Tennisbälle. Der Besucher wird expressis verbis aufgefordert, das Podest zu betreten und sich auf diese Tennisbälle zu legen, ohne dabei das Podest zu berühren, und zwar eine Minute lang. Na, auf geht’s!


bradl
Ausstellungsansicht der Werke von Herbert Brandl

Kopfstand, 100 Jahre und mehr

Dass bei Baselitz alle Kopf stehen, weiß man mittlerweile, sodass auch aus Bonn, aus dem Westen der Republik, nichts Neues zu berichten ist. Denn auch Baselitz' „Straßenbild“ huldigt dem Kopfstand, der nicht nur Markenzeichen ist, sondern auch vielfach als Marotte anzusehen ist.

Wie visualisiert man 100 Jahre? Hans-Peter Feldmann ist es gelungen, dank seiner Porträtreihe von 101 Personen, vom Säuglings- bis ins Greisenalter. Felina ist mit acht Wochen die Jüngste. Adele hingegen gehört mit 92 Jahren schon zu den Ältesten. Zu sehen ist aber auch Sybille mit Latzhose, unter der der schwangere Bauch verborgen ist, und die Zwillinge Ginger und Yvonne, die elf Lenze zählen.

Post-Minimalistisch und expressiv-abstrakt kann man die Arbeiten von David Reed bezeichnen, der im Titel seiner Werke das Serielle betont. Reeds Arbeiten stoßen in der aktuellen Schau auf Bodenplastiken, die aus „Abfall“ geformt wurden und Wilhelm Mundts Idee waren. Blicken wir in den Innenhof des Kunstmuseums so entdecken wir neben einer Arbeit von Rückriem auch eine in blauen Nuancen gehaltene „Schachtelhalmstele“, die Jürgen Partenheimer erarbeitet und „Weltachse“ getauft hat.

Die Fotografie ist neben der Skulptur und der Malerei ein wichtiger Sammlungsbaustein, sodass auch C-Prints von Thomas Demandt und Andreas Gursky in einem der Ausstellungsräume zu sehen sind. Das Medium Fotografie nutzt auch Andreas Geyer in „Evidence (Criminal Case 40/61)“: Er schuf eine Serie von Aufnahmen, in denen die Wand mit Regalkästen und der Tisch identisch sind. Jedoch variieren die „Zusätze“ von Bild zu Bild: Mal liegt ein Aktenberg auf dem Tisch, mal steht eine Aktentasche dort, schließlich das Life-Magazin mit dem Bericht zum Eichmann-Prozess.

raum1
Ausstellungsansicht

Keine Frage, auch der „Fluxus-Vater“ Joseph Beuys hat seinen Künstlerraum, in dem nicht nur die Arbeit „Schlitten“, sondern auch das übrige Werk des „Enfant terrible“ der Nachkriegskunst zu sehen ist. Die verzinkten Filmrollen, auf denen der Ingmar Bergmann Film „Das Schweigen“ aufgerollt ist, ist eine der diskussionswürdigen Arbeiten von Beuys. Auch die rostige Klinge, die in einer Filzrolle steckt, und die grün bemalte Violine gehören zum Opus dieses Künstlers. Schließlich soll noch auf Thomas Rentmeister hingewiesen werden, der mit einem schelmischen Augenzwinkern bei seinen Installationen zu Werke ging, ob es sich nun um die „Gemütlichkeitshütte“ handelt oder um eine unbetitelte Arbeit, in der fünf Bratpfannen und fünf unterschiedlich hohe Betonzylinder eine gewichtige Rolle spielen. Seine Installationen, in denen Zucker verarbeitet wird, sind momentan leider nicht zu sehen. © fdp

 

Einblicke in die Sammlung Rheinische Expressionsten

Das Kunstmuseum Bonn ist seit 1992 Teil der Bonner Museumsmeile, die mit dem Museum König beginnt und mit der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland abschließt. Mit seinem vorkragenden Dach, dem Spiel von Beton und Glas, den schlanken Säulen – wohl mehr Beigabe als statische Notwendigkeit – ist der Neubau an der Friedrich-Ebert-Allee ein Blickfang. Auch im Inneren überrascht die Architektur, die vom Berliner Architekten Axel Schultes entworfen wurde. Bereits die „gespiegelte doppelte Freitreppe“ vom Foyer zum ersten Obergeschoss ist ein Hingucker, ebenso die Durchbrüche mit hohen Durchlässen von Saal zu Saal, die halbrunden und runden Bauelemente und die schmalen seitlichen Aufgänge. Besonders bestechend ist die Sammlung des Hauses, die Arbeiten von August Macke und der rheinischen Expressionisten sowie die deutsche Kunst nach 1945 umfasst.

Nicht nur der Seiltänzer
Ruhig fließt der Rhein dahin. Das „getupfte“ Wasser in unterschiedlichen Blautönen ist von einem zarten rosa Schleier überzogen. Doch nirgendwo ist die auf- oder unter gehende Sonne zu sehen. Niemand hält sich am Rheinufer auf, niemand badet in der Nähe von Hersel im kühlen Nass. Diese Ansicht ist August Macke ebenso zu verdanken wie das in kräftige Farben getauchte Gemüsefeld, durch das ein rosa Weg führt – „gefühlte Farbe“ ganz im Sinne der „Brücke“. Hinter dem Gemüsefeld, das Macke mit tiefem Blau und Violett auf die Leinwand bannte, stehen die aufgeschichteten Garben. Durchaus ein wenig den Fauvisten folgend, die Menschen am Fenster malten, komponierte Macke seine sitzende Frau auf dem Balkon. Im Unterschied zu den Fauvisten jedoch „verschleiert“ er die Außenwelt und taucht sie in ein kräftiges Grün. So erscheint die Sitzende wie ein klassisches Porträt vor einem monochromen Hintergrund und rückt dadurch besonders ins Blickfeld des Betrachters. Dass Macke auch biblische Themen bearbeitet hat, unterstreicht „Flucht aus Ägypten“ (1910), eine Arbeit, die skizzenhaft und flüchtig erscheint. Als hätte der Künstler bei „Komposition II Großer Blumenteppich“ (1912) eigentlich einen Webteppich im Kopf gehabt, so mutet dieses Gemälde an, in dem breite Farbflecken an Farbflecken gesetzt wurden. Neben den expressiven, teilweise luministischen Arbeiten Mackes finden sich im Bestand klassische Porträts wie sein „Selbstbildnis mit Hut“ von 1909 oder aber Stillleben, so „Stillleben mit Pfirsich, Trauben und Weinglas“ (1909). Auf rosa Grund setzte der Künstler seinen Strauß mit Gladiolen, den er 1914 malte. Völlig im Kontrast steht Robert Delaunays „Formes Circulaire Lune No 9“, ein stark farbige, aber abstrakte Komposition, die das Figurative einschließt. Schaut man die konzentrischen Kreise genau an, so meint man, im Zentrum ein „leeres Gesicht“ mit tiefgrün-violetter Haarpracht zu sehen.

Doch vornehmlich sind es Mackes Landschaften, die begeistern, wenn auch einige wenige plastische Arbeiten, auf die durchaus vorhandene künstlerische Vielseitigkeit Mackes verweisen. Als hätte er Anleihe bei den Symbolisten genommen, so erscheint das rote Haus im Park, das aus dem dichten Grün hervorragt und zugleich im hellgrün-gelben Laub der Parkbäume verschwindet. Der tiefblaue Himmel lässt an eine Abendstimmung denken, obgleich kein Schattenschlag darauf verweist.

Kris Martin
Every Day of the weak
2. Februar bis 22. April 2012

Das Werk des 1972 geborenen belgischen Künstlers Kris Martin vermittelt intensive Erfahrungen der Endlichkeit und des Vorübergleitens, von Leben und Tod. in seinen Arbeiten, die Installation, Skulptur, Fotografie, Zeichnung, Schrift, Klang umfassen, diskutiert der Künstler die Gegenwart der Zeit, die Macht von Vorstellung und Erinnerung, die schönheit und ihre schrecken. Er fragt auch nach der Möglichkeit vonSpiritualität, Ewigkeit, Religion und Gott. Trotz ihrer melancholischen, symbolischen und romantischen Aspekte treten Martins Werke nicht emphatisch und pathetisch auf, sondern sind oft in einem skeptischen Humor verankert. Die formale Vielgestaltigkeit und die sinnlichen, materiellen Qualitäten seiner Objekte verbinden sich mit konzeptueller strenge, spielerische Eleganz mit puristisch kühler Konzentration. Martin benutzt häufig gefundene Dinge, die stets ihre eigene Geschichte mitbringen, und lässt andererseits Objekte aufwendig produzieren, seine Arbeiten bewegen sich vom kleinsten Format bis zur Raum füllenden inszenierung. Eine der zentralen Arbeitsstrategien Martins ist, Dinge nicht nur aus ihrem ursprünglichen Kontext zu isolieren, sondern aus ihnen wesentliche informationen so zu entfernen, dass das scheinbar Vertraute unlesbar wird. Der Betrachter wird irritiert und motiviert, die Leerstellen mit eigenen Erfahrungen zu füllen. Das Kunstmuseum Bonn zeigt diese erste umfassende Ausstellung Martins in Europa in Zusammenarbeit mit dem Aargauer Kunsthaus in aargau/schweiz und der kestnergesellschaft in Hannover.

Albert Oehlen
1. März bis 3. Juni 2012


Albert Oehlen (*1954 in Krefeld) gehört zu den wichtigsten deutschen Malern seiner Generation. Diese ausstellung zeigt etwa 50 arbeiten aus allen Phasen des Werks, von den frühen 80er Jahren über die Computerbilder, sowie die grauen bilder der 90er Jahre, bis zu den aktuellen, abstrakt­ expressiven arbeiten, sowie einer Gruppe von eigens für bonn entste hen den Werken. ausdrücklich ist diese schau nicht als retro spek tive angelegt, sondern als ein offenes Feld, in dem die ver schiedenen bezüge sowie grundlegende Fragestellungen des Gesamtwerks anhand der ausgewähl­ ten arbeiten spannungsvoll aktiviert werden sollen. im Mittelpunkt der ausstellung steht die untersuchung zweier, miteinander verknüpfter Themenkomplexe. zum einen geht es darum, durch eine pointierte auswahl albert Oehlens spezifischen umgang mit malerischer abstraktion deutlich zu machen, der sich nicht zuletzt in seinem vielfach zitierten begriff der "postungegenständlichen" Malerei widerspiegelt. Dabei werden arbeiten aus dem Frühwerk mit Werken aus den 90er Jahren und aktuellen bildern in eine dialogische Korrespondenz gebracht, die deutlich machen soll, dass das gesamte Werk einer Dialektik folgt, welche die konventionelle unterscheidung zwischen abstraktion und Gegenständlichkeit aufhebt, zugunsten der Entscheidung, jedes bildthema so formalisiert zu behandeln, dass es zum puren artefakt wird, zur Verwandlung von Wirklichkeit in eine reine autonome Malbehauptung. zum anderen re flek ­ tiert die schau das Verhältnis zwischen Linie und Fläche in dem weitgespannten Werk, und damit das Verhältnis zwischen zeichnung und Malerei, das bislang in der kunst­ historischen beschäftigung mit albert Oehlens Œuvre noch keine zusammenfassende Würdigung erfahren hat.

David Reed
21. Juni bis 30. September 2012

In David Reeds (* 1946 in San Diego) Schaffen spiegelt sich ein tiefes Wissen über die europäische und amerikanische Malereigeschichte; zugleich öffnet sich seine Kunst neuen Medien und künst- lerischen Ausdrucksformen, wenn er sich mit dem Film auseinandersetzt oder installativ arbeitet. So verbindet seine Malerei eine gestalterische "Grundlagenforschung" mit einer tief greifenden Diskussion dessen, was das "Bild" heute über- haupt noch leisten kann. Die weit gespannten Perspektiven im Werk dieser herausragenden Malerpersönlichkeit dokumentiert nun die für das Kunstmuseum Bonn entwickelte Ausstellung. His- torisch wie systematisch argumentierend, spannt sich der Bogen von den frühen, naturinspirierten Gemälden, die erstmals in Europa präsentiert werden, über die "gefrorenen" Gesten der 1970er-Jahre – Gemälden, in denen er sich mit dem subjektivis- tischen Pathos des abstrakten Expressionismus auseinandersetzt – bis zu den ornamentalen Werken der letzten zwanzig Jahre, deren Gestik völlig selbstgenügsam in sich zu kreisen scheint. Diese an barocke Ornamentik erinnernden Arbeiten entfalten eine kühle, verführerische Ästhetik, die gleichwohl Produkt einer komplexen, durchaus reflektionsgeleiteten Vorbereitungsphase ist. Dies dokumentieren die in die Ausstellung integrierten Zeichnungen, die klarlegen, wie stark sich Sen- sualismus und konzeptuelle Steuerung bei Reed verbinden. Gezeigt werden über 80 Arbeiten des Künstlers, die exemplarisch den Status Quo der Malerei vor und nach der Jahrtausendwende zur Anschauung bringen.

Ernst Wilhelm Nay
20. September 2012 bis 03. Februar 2013

Die Farbe ist das Thema der Kunst von Ernst Wilhelm Nay (1902-1968). Sie war das Mittel und das Ziel, mit der er die bewegte Gestalt des Bildes ver- wirklichte, nicht nur in seinen Gemälden, sondern auch in der großen Zahl der Gouachen, Aquarelle und Zeichnungen. Die Ausstellung, in Zusammen- arbeit mit der Ernst Wilhelm Nay Stiftung in Köln, umfasst 150 Papierarbeiten aus Stiftungs-, Museums- und Privatbesitz. Sie spiegeln die gesamte Entwicklung des Künstlers. Bereits von den seit 1937 entstandenen Lofoten- Bildern und ihrem intensiven Landschaftserlebnis zu den Hekate-Bildern der Nachkriegsjahre, die noch figürlich-mythische Elemente besitzen, zeigt sich die Energie der Farbe, die sich in den folgen- den Fugalen Bildern immer freier entfaltet. 1955 wird die Scheibe zum dominanten Bildmotiv, mit dem Nay die Farbe zu ruhigen Harmonien führt. Seit 1963 beginnt er die Scheiben zu durchstreichen, wie von selbst entsteht dadurch die Form eines Auges. In seinen letzten Bildern nimmt er die in den Augen-Bildern gesteigerte Dramatik wieder zurück, reduziert die Farben zu einem raumlosen Nebeneinander von Flächen. In dieser Einfachheit wird die Eigenmacht der Farbe nochmals in grandioser Weise anschaulich.

Die geometrische Formensprache in der Komposition wandte Macke teilweise bei dem Gemälde „Garten am Thuner See“ an. Zu sehen ist aber auch der Seiltänzer, der über den Dächern der Stadt vor zahlreich Erschienenen sein Können unter Beweis stellt. Dabei greift Macke ein Thema auf, das unter Expressionisten sehr beliebt war, denkt man an den belgischen Maler Frits van den Berghe oder an Max Beckmanns „Weltenzirkus“, in dem Clowns und Artisten das Sagen haben.

Die Unterstreichung der Formen durch deutlich gemachte Konturlinien wie wir dies von Beckmann und Jawlensky kennen, finden wir bei Mackes „Nacktes Mädchen in Blumenwiese“. Schließlich sei auch auf Mackes diverse Bearbeitung des Mutter-Kind-Themas hingewiesen.

Macke und seine Zeitgenossen
Neben Macke zeigt man die Köpfe von Jawlensky, die jedoch noch nicht die reduzierte Kreuzform aufweisen, sondern die für den frühen Jawlensky so typischen schwarzäugigen, von schwarzer Konturlinie gefassten Gesichter. Dazu zählt u. a. „Mädchen mit niedergeschlagenen Augen“ und „Helene mit blauem Turban“.

Losgelöst vom Hier und Heute so erscheinen die beiden Nackten am Meer, Mutter und Sohn, die Max Pechstein für die Nachwelt festgehalten hat. Es ist für das Mitglied der Brücke ein typisches Thema und wie auch andere Brückemaler richtete sich Pechstein mit diesem Sujet gegen die Konvention des biederen Bürgertums. Gerade den Moment, als der Raddampfer eine Brücke passiert und seinen vorderen Schornstein abklappt, hat Hans Thuar in einem Gemälde von 1913 erfasst. Dabei ist die Aufsicht auf den Dampfer besonders außergewöhnlich, füllt er doch das gesamte Bildformat.

Der Grätenwald
Max Ernst, der mit Macke befreundet war, ist nicht nur mit seinem „Grätenwald“ im Hause präsent, sondern auch mit einigen „Gnomen“, Plastiken, die zoomorph und anthromorph zugleich sind, darunter auch „Mein Freund Pierrot“.

Neben den bekannteren Namen finden sich in der Präsentation der klassischen Moderne auch Helmuth Macke mit seinem Limburger Dom, der gottgleich im Himmel über der Stadt thront. Im Sinne der Futuristen bemühte sich Adolf Seehaus darum, das rotierende Licht eines Leuchtturms durch elliptische Formen wiederzugeben, allerdings erreicht diese Arbeit nicht die Dynamik der Gemälde der italienischen Futuristen. Mut zur Farbe bewiesen Franz Jansen mit dem Gemälde „Gemüsegarten“ und Heinrich Nauen mit „Herbstwald“.

Kunstmuseum
Friedrich-Ebert-Allee 2
53113 Bonn
Tel. 0228 - 77 62 60 und 77 62 11
kunstmuseum.bonn@bonn.de
http://kunstmuseum.bonn.de
Öffnungszeiten:
dienstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr, mittwochs 11 bis 21 Uhr

zur Gesamtübersicht Ausstellungen

Twitter
RSS