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Bonn
Bundeskunsthalle
Ménage à trois Warhol, Basquiat, Clemente
bis 20. Mai 2012

Die Ausstellung erlaubt einen Blick auf die Kunstszene New Yorks der 1980er Jahre, die maßgeblich von Warhol mitbestimmt wurde. Es ist die Zeit der legendären Factory und des ebenso legendären Studios 54. Warhol ist die Ikone der Pop Art, geschäftstüchtig und auch medienorientiert. Wie kein weiterer Künstler des 20. Jahrhunderts vermarktete er das Banale, scherte sich nicht um das künstlerische Unikat, sondern popularisierte den Siebdruck, der sich beliebig vermassen und zu Geld machen ließ. Der 55-Jährige traf in den 1980er Jahren nicht nur auf den noch jungen und wilden Basquiat, der sich mit Straßenkunst einen Namen gemacht hatte, sondern auch auf Clemente, einen Vertreter der sogenannten Transavanguardia, der so gar nichts mit den Piktogrammen, Symbolen und Kürzeln der Straßenkunst Basquiats gemein hatte, sondern eher einen poetisch-lyrischen Stil mit dem „Weichzeichner“ bevorzugte. Trotz oder gerade wegen derartiger Verschiedenheit entstanden Gemeinschaftswerke der Drei, die die Handschrift jedes der beteiligten Künstler verraten. Jeder der drei Künstler begann mit vier Gemälden und Zeichnungen, die von den beiden anderen „vervollständigt“ wurden. Dabei reagierten die jeweiligen Künstler mit ihren eigenen Stilmitteln auf die gelieferten Vorgaben. Unabhängig davon gab es aber auch einen sehr starken wechselseitigen Einfluss auf das Opus des jeweilig anderen, insbesondere bei Warhol und Basquiat. Lassen wir uns also ein auf die Ménage à trois!

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Andy Warhol Mao 1973 Acryl und Siebdruck auf Leinwand 67 x 56 cm Privatsammlung, Courtesy Galerie Andrea Caratsch, Zürich © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.

Das Symbol amerikanischen Freiheitsstrebens, „Miss Liberty“ tauchte Warhol 1986 ganz in Rosa und Rot, ohne damit in irgendeiner Form ein politisches Statement abzugeben. Warhol porträtierte damals nicht nur Mao und Marilyn, sondern fotografierte in Schnappschüssen auch Künstlerkollegen wie Keith Haring mit einer Pistole an der Schläfe oder Liza Minelli, die mit Basquiat für die Kamera posierte. Es gibt in der Schau außerdem Aufnahmen von Warhol als Drag Queen und von Basquiat mit schriller Haarpracht zu sehen.

Ich messe nichts besonders großer Bedeutung bei. Ich verwende einfach alles, was um mich herum passiert. Andy Warhol

Ähnlich wie in einem von Magrittes Selbstporträts, in dem das Gesicht von einem Apfel verdeckt ist, hat auch Francesco Clemente ein „verdecktes Porträt“ geschaffen. Allerdings kein Apfel verdeckt den Porträtierten, sondern an langen Schnüren herabhängende Kugeln. Zu sehen ist noch ein weiteres Porträt, und zwar das eines Mannes, der augenscheinlich gerade Oralverkehr praktiziert. Honi sois il mal qui pense – oder!

Warhol wiederum schuf Siebdrücke mit dem Bildnis Clementes, der seine gefalteten Hände auf den Kopf gelegt hat. Clemente seinerseits schuf beeindruckende Porträts seiner beiden Kollegen Warhol und Basquiat, die gleichfalls in der Schau zu sehen sind.

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Jean-Michel Basquiat, Francesco Clemente und Andy Warhol Ex-Ringeye 1984 Öl auf Leinwand 122 x 168 x 3,5 cm Sammlung Würth © The Estate of Jean-Michel Basquiat / ADAGP, Paris, 2011 © Francesco Clemente © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.

Basquiats Selbstbild spielt hingegen mit der Rolle des Outlaws und Underdogs und zeigt sich als schwarzen Maskenmenschen mit weißen Augenschlitzen. Dass auch Clemente Alltagsgegenstände banalisierend wie Warhol zu Kunst gemacht hat, unterstreicht eine nicht betitelte Arbeit, in der sechsmal Soldatenfiguren und Fanta-Flaschen abgebildet sind.

Das Dollarzeichen auf giftigem Grün findet man beim Gang durch die Ausstellung in einem Gemeinschaftswerk von Warhol und Basquiat. Eine grüne Schlange hat sich über dieses Dollarzeichen gelegt: „Tritt nicht auf mich“ nannten die beiden New Yorker Wilden ihr Werk.

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Jean-Michel Basquiat Brown Spots (Portrait of Andy Warhol as a Banana) 1984 Acryl und Ölkreide auf Leinwand 193 x 213 cm Sammlung Bischofberger, Schweiz © The Estate of Jean-Michel Basquiat / ADAGP, Paris, 2011

Ich bewundere Warhol schon seit Langem… Seine unausgesprochene ironische Seite gefiel mir und auch, dass er es fertigbrachte, zugleich gefeiert und verkannt zu sein. Francesco Clemente 2011

Ein Klassiker wie Warhols Campbells Beef Noodle Soup-Dose fehlt selbstverständlich nicht in einer derartigen Schau, die üppig mit Arbeiten bestückt ist. Diese belegen die doch sehr vielschichtige Berührung zwischen den drei Künstlerkollegen.

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Francesco Clemente Ritz 1983 Aquarell auf Papier 36 x 51 cm Sammlung Bischofberger, Schweiz © Francesco Clemente

Gehen wir weiter, so stehen wir vor Warhols Schwarz-Weiß-Porträt der Jacky Kennedy auf blauem Grund. Eine gezeigte Paraphrasierung der berühmten Mona Lisa ist gleichfalls Warhol zu verdanken. Clownesque erscheint hingegen da Vincis lächelnde Dame in der Adaption, mit der uns Basquiat konfrontiert. Auch aus der berühmten „Car-Serie“ Warhols hat man eine Arbeit nach Bonn geholt, nämlich den Benz-Patent-Motorwagen, ein Werk Warhols von 1987.

Mao ist gleich mehrfach in der Schau vertreten – selbstverständlich heißt der Schöpfer der Siebdruck-Acrylarbeit Andy Warhol. Zudem wurde auch der Dichterfürst Goethe von Warhol malerisch bearbeitet. Während Warhol sich auf auch seriell zu vermassende Motive beschränkte, lebte Basquiat im "urbanen Dschungel", der immer wieder mit Versatzstücken in seinen Werken auftaucht. Erwaähnt sei in diesem Kontext das Gemälde „Ishtar“: Masken, Fratzen, Wortbausteine und Satzbruchstücke sind einige Elemente dieses Werks. Gemeinsam mit Warhol entstand „Third Eye“, dessen Verkaufswert auf bis zu drei Mio. Dollar geschätzt wird. Neben ordinären Preisschildern für Rib Roast und Beef Rob Steaks – das verrät Warhols Handschrift – sieht man eine Riesenbrezel vor einer schwarzen Fläche und einen Sensenmann in Gelb auf dem roten Bildgrund.

Ich streiche Wörter durch, damit man sie besser sieht. Die Tatsache, dass sie schlecht zu erkennen sind, erhöht das Verlangen sie zu lesen. Jean-Michel Basquiat 1984

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Ausstellungsansicht Foto: David Ertl © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Der malerische Umgang mit Worten und deren Verfremdung durch Bildmotive wie Totenschädel oder Teufelsfratze lag Basquiat, wie man unschwer an dem Gemälde „Return of the Central Figure“ ersehen kann. Neben diesen einzelnen Positionen sind es jedoch die Gemeinschaftsarbeiten, die die aktuelle Schau so sehenswert machen, weil sie auch etwas über den Zeitgeist der 1980er Jahre verraten. „Herkunft der Baumwolle“ ist eine solche Arbeit, in der Baumwollblüten ebenso ihren Eingang gefunden haben wie Textfragmente – zum Beispiel „Big Eel“. Abschließend sei noch auf Gemälde wie „Florida“ (1984) sowie „Gift und Aal“ hingewiesen, ein Erbe der 1980er Jahre, die in Künstlerkreisen New Yorks ebenso wild wie die 68-Jahre waren! © fdp

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Andy Warhol Big Campbell's Soup Can, 19c (Beef Noodle) 1962 Kaseinfarbe und Bleistift auf Leinen 178 x 137 cm Daros Collection, Schweiz © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Museumsmeile Bonn
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Postfach 12 05 40
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