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Vom Bahnhof Rolandseck über Oberwinter nach Remagen

Organische und konkrete Kunst, der Rhein, die Spuren der Römerzeit und eine  eindrucksvolle Kirchenarchitektur - das sind die Zutaten dieses (Fahrrad)Ausfluges entlang des Rheins.

Rolandseck - Ein architektonisches Kleinod: der Bahnhof Rolandseck
Ein architektonisches Kleinod: der Bahnhof Rolandseck

Imposant ist der klassizistische alte Bahnhof Rolandseck, der als Eingangsbereich des arp museums dient. Im Kontrast dazu steht der moderne Erweiterungsbau, den Richard Meier entworfen hat. Die Museumssammlung besteht aus einem Fundus von ungefähr 400 Werken des Künstlerehepaars Hans (Jean) Arp) und Sophie Taeuber-Arp. In Rolandseck trifft Organisches auf Geometrisches , und ein weißer Kubus mit verspielten Accessoires umhüllt die Arbeiten von Hans Jean Arp und Sophie Taeuber-Arp. Während Arp die Natur neu erschaffen wollte und dabei auch hybriden Formen zugetan war, hat seine Frau das Konstruktivistische, das Konkrete in der Malerei und Grafik gesucht und gefunden.

Rolandseck - Blick auf das Siebengebirge
Hans Arps Scheibenskulptur vor dem Bahnhof Rolandseck
und Blick auf das Siebengebirge

Als Verbindung zwischen Bahnhof und Neubau dient eine Tunnelröhre mit weißer Deckenabhängung und roher Betonschale. Treppenhaus und Fahrstühle liegen in einem „Zuckerhut“, dessen Schale eine „Bohrkernhülle“ aufweist. Hinauffahrend oder –steigend gewinnt man das Gefühl, man würde sich wie ein Archäologe durch geologische Formationen zur Kunst der Moderne und der Gegenwart emporarbeiten. Gleich zwei Räume mit luftig gesetzten Konsolen, auf denen die Skulpturen ruhen, sind dem Werk Hans Jean Arps wie „Kernhaus“ (1960) und „Einaugenpuppe“ vorbehalten. Die grafischen Arbeiten seiner Frau werden in einem gesonderten Raum präsentiert, darunter „Composition Aubette“ (1927).

Bonn - Oberwinter - Hereinspaziert ins „Pfannkuchenschiff“
Hereinspaziert ins „Pfannkuchenschiff“

Auf dem Weg nach Remagen, sollte man einen kurzen Halt in Oberwinter einlegen, nicht nur um im „Pfannkuchenschiff“ Pfannkuchen mit heißen Kirschen, Eis und Sahne zu probieren oder sich einen herzhaften Pfannkuchen mit magerem Bauchspeck oder mit Bratkartoffeln, Speck und Spiegelei zu gönnen, sondern auch wegen der schmucken Fachwerkarchitektur. Dunkel- oder Rostbraun ist das Fachwerk und weiß geschlämmt die Ausfachung vieler Häuser des Ortskerns, ob nun des Gasthauses „Zur Krone“ oder des über einer Tordurchfahrt erbauten Hauses Wirtz aus dem späten 18. Jahrhundert.

Oberwinter - Tordurchfahrt des Hauses Wirtz
Tordurchfahrt des Hauses Wirtz

Nicht nur die Brücke von Remagen

Wer an Remagen denkt, denkt sogleich an die Brücke von Remagen, über die  amerikanische Soldaten auf ihrem Vormarsch am 7. März 1945 den Rhein überquerten. Das Kriegsende war nahe und auch – für viele unerwartet – das Ende der Brücke, die aufgrund von starken Beschädigungen einige Tage nach dem Vormarsch der amerikanischen Truppen zusammenbrach. Geblieben sind die Türme der 1916 bis 1918 erbauten Brücke. In diesen ist seit einigen Jahrzehnten das Friedensmuseum untergebracht, das sich mit der jüngeren Geschichte Remagens wie auch mit der Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Goldene Meile beschäftigt. An die jüngere deutsche Geschichte erinnert außerdem das Mahnmal auf dem Römerplatz in Form eines Davidsterns: Am 10. November 1938 wurde die Synagoge von 1869 niedergebrannt, die jüdische Gemeinde der Stadt hatte ihr Gotteshaus verloren.

Ist man entlang des Rheins von Rolandseck und Oberwinter nach Remagen unterwegs, so stößt man am Ortsrand von Remagen auf eine Parkanlage am Rheinhang und das dortige Denkmal für den Rennfahrer Rudolf Caracciola, einen gebürtigen Remagener und bekannt für seine waghalsigen Rennen im schnittigen „Silberpfeil“. Zuvor fällt der Blick auf das Land Art Projekt von Peter Hutchinson. Nur wenige Schritte entfernt stößt man im Deichweg auf den Apollinariskeller der Familie Caracciola, der das angesehene Hotel Fürstenberg an der Rheinpromenade gehörte. Über ein Jahrhundert diente der Keller als Weinkeller, in dem bis zu drei Mio. Liter Wein gelagert werden konnten.

Remagen - Verzierung am spätromanischen Pfarrhoftor an der Kirche St. Peter und Paul
Verzierung am spätromanischen Pfarrhoftor
an der Kirche St. Peter und Paul

Am Apollinariskeller vorbeilaufend  gelangt man zur Kirche St. Peter und Paul in der Kirchstraße, deren älteste Bauteile auf das Jahr 1003 datieren. Aus jener Zeit ist der Kern der romanischen dreijochigen Pfeilerbasilika zu datieren. Aufgrund von Brandschatzungen musste die Kirche 1240 und nochmals nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wieder aufgebaut werden. Dazu verwendete man wie beim Ostchor und beim Glockenturm Trachyt vom Drachenfels. Das 19. Jahrhundert bescherte dem Gotteshaus tief greifende Einschnitte, als man die romanisch-gotische Kirche zu einer Vorhalle der neuen neoromanischen Basilika umgestaltete. Nach umfänglichen Restaurierungen erstrahlt der Chor mit seinen Gewölberippen und  seinen Ausmalungen mit grünen Ranken, roten Blumen und feuerroten Flammen wieder in altem Glanz. Ein kunsthistorisches Highlight der Kirche ist der gotische Sakramentenschrein mit einer Abendmahlsszene. Eine Besonderheit ist das spätromanische Pfarrhoftor, das im späten 12. Jahrhundert entstand. Ungewiss ist der ursprüngliche Standort. Heute befindet sich das Tor an der Ostseite der neoromanischen Basilika. Ins Auge springt der plastische Bauschmuck, der sowohl heidnische wie auch christliche Darstellungen umfasst. Meeresungeheuer und Sirenen sind ebenso zu sehen wie die vier Stände, Bauern, Ritter, Geistliche, Adlige. Auch der Löwenbezwinger Samson hat auf diesem bildreich gestalteten Tor seinen Platz. In der nahen Milchgasse stehen einige sehenswerte Fachwerkhäuser und die Reste der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Stadtmauer.

Funde aus der Römerzeit werden in der ehemaligen Kapelle der Abtei Knechtstetten gezeigt, die über römischen Säulenresten des 2. Jahrhunderts erbaut wurde. Nahebei gelangt man zu den noch vorhandenen Mauerresten des römischen Hilfskastells Rigomagus, dessen Mauern in der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts aus Bruchsteinen errichtet wurden.

Remagen - Oberhalb der Stadt: die neogotische Appolinariskirche aus dem 19. Jh.
Oberhalb der Stadt: die neogotische
Appolinariskirche aus dem 19. Jh.

Dank einer Unterführung mit Wasserkaskaden und einer Installation, die die Zeit der römischen Rheinschifffahrt und der in Remagen anwesenden Legionäre inszeniert, erreicht man die Kapelle St. Maria in der Lee aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, ehe man stetig ansteigend der auf einer Anhöhe stehenden Apollinariskirche näher kommt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde dieses Gotteshaus in gotischem Stil im Auftrag des Graf Egon von Fürstenberg-Stammheim an Stelle der mittelalterlichen Martinskirche erbaut. Die neogotisch gestaltet gräfliche Ruhestätte befindet sich vor dem Sakralbau. Pilger von Nah und Fern erklimmen die Anhöhe, nicht nur um die Bildzyklen zum Leben Jesu und zu den Taten des Bischofs von Ravenna zu sehen, sondern vor allem wegen der silbernen Reliquienbüste des heiligen Apollinaris.

Weitere Informationen

arp museum Bahnhof Rolandseck
http://www.arpmuseum.org

Pfannkuchenschiff
www.schlemmerschiff.de

Tourist-Information Remagen
http://www.remagen.de

Apollinariskirche Remagen
www.apollinariskirche-remagen.de

Friedensmuseum
http://www.bruecke-remagen.de

Römisches Museum
http://www.remagen.de/Kunst-Kultur/Museen/

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