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Ballhaus, Hoftheater und Trinkhalle
Eindrücke aus Alt-Bad Godesberg

Der Charme von Alt-Bad Godesberg ist geblieben, doch die Blütezeit des kurfürstlichen Bades gehört längst der Vergangenheit an. Überschwänglich sind die Worte, mit denen Ernst Moritz Arndt 1844 die Landschaft beschreibt, in die Bad Godesberg eingebettet ist: „ Diese reizendste Stelle durch ihre Lage und ihre Umgebungen, einer der lieblichsten Punkte am Rheingestade, schaut auf das erhabene Siebengebirg [...].“ Also, auf geht es in das kurfürstliche Bad Godesberg mit Redoute und Redoutenpark.

Bonn - Die Redoute von der Gartenseite aus gesehen
Die Redoute von der Gartenseite aus gesehen

Weithin sichtbar grüßt die Godesburg von der Höhe. Hier, am Rande der hügeligen Landschaft namens Ville, fand man römische Besiedlungsspuren, darunter Fundamente eines Bauwerks, dessen Bestimmung bis heute nicht eindeutig zu klären ist. Merowinger und Franken nutzten den Burgberg zur Bestattung ihrer Toten. Auf Geheiß des Kölner Erzbischofs Dietrich I. von Hengebach wurde der Godesberg im frühen 13. Jahrhundert befestigt. Bis ins späte 16. Jahrhundert diente die Burganlage, die stets verstärkt und ausgebaut wurde, den geistlichen Kurfürsten aus Köln als Stützpunkt oberhalb des Rheins, ehe Bonn kurfürstliche Residenz wurde. Dies war die Folge des Kölnschen Krieges aus Anlass der Annahme des evangelischen Glaubens durch den Kurfürsten Gerhard Truchsess von Waldburg und der beabsichtigten Eheschließung zwischen dem Kurfürsten und der Gräfin von Mansfeld. Nach der Zerstörung der Burganlage 1583 fielen die Burg und der Ort Godesberg für zwei Jahrhunderte in einen Dornröschenschlaf, ehe es zur Nutzung der vorhandenen Mineralquellen kam. Während der Regentschaft von Kurfürst Max Franz von Habsburg wurden die Redoute - ein Ball- und Festhaus, ein Theater, Logierhäuser für Gäste und ein „Gesundbrunnen“ geschaffen. Der Ort blühte auf, ehe französische Truppen einmarschierten und den Kurbetrieb untersagten. Es vergingen Jahrzehnte, ehe Bad Godesberg zur so genannten Pensionopolis wurde. Mehr und mehr Rentner und Pensionäre zog es zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem Beginn des Ersten Weltkriegs in das Bad am Rhein. Doch dies blieb ebenso eine Episode wie die Ära der Diplomatenstadt Bad Godesberg.

Die Kurfürstenallee

Mittelpunkt des einstigen Badelebens ist das Ensemble entlang der Kurfürstenallee. Zu diesem Ensemble gehört die Redoute in klassizistischem Gewand nebst einem rückwärtig 1924/25 angefügten halbrunden Gartensaal. An das Ballhaus schlossen sich das kurfürstliche Theater und sechs so genannte Logierhäuser an, in denen Gäste des Kurbades untergebracht waren. Vor diesem heute noch erhaltenen Ensemble liegt zwischen der Kurfürstenallee und der Koblenzer Straße der Stadtpark mit Tennisplätzen, formaler Parkanlage, der Stadthalle nebst Restaurant und dem Kurfürstenbrunnen, der ehemaligen Trinkhalle.

Bonn - Das kurfürstliche Bad Godesberg: die Kurfürstenallee
Das kurfürstliche Bad Godesberg: die Kurfürstenallee

Am Westrand der Parkanlage stößt man auf das Kleine Theater, das ehemals als Dienstwohnung der Godesberger Bürgermeister genutzt wurde. Zur Bepflanzung des Stadtparks gehören Busch- und Stockrosen sowie eindrucksvolle Baumriesen, darunter auch ein Walnussbaum. Am Rande der Parkanlage steht eine Hethitische Sonnenscheibe, die der türkische Botschafter anlässlich der 2000-Jahrfeier der Stadt Bonn gestiftet hatte. Unweit der Stadthalle stößt man auf ein Glockenspiel mit 23 Glocken. Ob es wohl noch bespielt wird, dann und wann? Auch Kunst ist im Stadtpark zu sehen: Nahe der Trinkhalle hat  Paul Julius Geisslers „Struktur IV/III AP" (1971) ihren Platz.

Vor der in zartes Gelb getauchten, mit einem Mansardendach gedeckten Redoute mit ihrem dreiachsigen Mittelbau, der durch einfache und doppelte Flachpfeiler sowie drei rundbogige Fenstertüren gegliedert ist, sprudelt ein Springbrunnen inmitten einer kleinen Grünanlage. Zur Gartengestaltung gehört die Skulptur „Kampf des Adlers mit der Schlange“. Neben dieser Anlage wachsen ein Gingkobaum, der in China heimisch ist, und eine schlitzblättrige Rosskastanie. Nur wenige Schritte sind es bis zum ehemaligen Gartenhaus der Redoute, in dem heute das Restaurant „Redüttchen“ untergebracht ist.

Bonn - Die schmucke Gartenanlage vor der Redoute
Die schmucke Gartenanlage vor der Redoute

Die Geschichte der Redoute ist mit berühmten Namen verbunden: hier begegneten sich im Juli 1792 Ludwig van Beethoven und Joseph Haydn. Van Beethoven legte Haydn eine seiner beiden „Kaiserkantaten“ vor und ernte Lob aus dem Munde Haydns. Ein Jahr später fand die deutsche Erstaufführung von Mozarts "Zauberflöte" in der Redoute statt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts konnten geladene Gäste Hauskonzerten unter anderem mit Johannes Brahms beiwohnen, nachdem die Redoute in Privathand gelangt war.

Ruchzeder, Hickorynuss und Douglasfichten

Hinter der Redoute erstreckt sich an einem Hang der Redoutenpark, der durch Solitäre und kleine Gehölzgruppen sowie einen kleinen Teich mit Springbrunnen bestimmt wird. Konzipiert wurde dieser englische Landschaftspark vom Gartenbaumeister Konrad Wilhelm Nelle in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Esskastanien mit längsrissiger Rinde und glänzend grünen, gezähnten Blättern sowie die schlank kegelförmig wachsende Ruchzeder gedeihen hier ebenso wie die aus Nordamerika stammende Hickorynuss und Douglasfichten mit tief rissiger Borke. Außerdem trifft man hier Libanonzeder, Sumpfzypressen mit rötlich-brauner Stammrinde und zartgrünen Nadeln, Österreichische Schwarzkiefern mit dunkelgrauer Rinde und die europaweit heimischen Rotbuchen an. Von einem „Belvedere“ aus kann man die Aussicht auf den Ölberg und den Petersberg genießen, wenn auch durch die umliegende Bebauung und den dichten Baumwuchs der Blick über das Rheintal hinweg auf die Höhen des Siebengebirges nicht ungehindert erfolgen kann.

Die Godesburg

Bonn - Hoch über Bad Godesberg: die Godesburg
Hoch über Bad Godesberg: die Godesburg

Über den ehemaligen Burgweg gelangt man zur Godesburg und zum Burgfriedhof, wo sich die neobyzantinisch geprägte Friedhofskapelle, das Mausoleum des Bankiers Dr. Georg Guyer, befindet. Bei der Godesburg – heute eine Ruine mit modernen architektonischen Anbauten wie Foyer, Restaurant, Hotel und Terrasse nach Entwürfen des bekannten Architekten Gottfried Böhm - handelt es sich im Kern um eine mittelalterliche Burganlage mit Burgfried, Pallas, Kammer- und Küchenbau in der inneren Burganlage und der Michaelskapelle in der Vorburg. Diese Vorburg wurde zwischen 1332 und 1340 angelegt, während die übrige Anlage seit 1210 nach und nach wuchs. Die Michaelskapelle, die wir heute sehen, ist nicht etwa der Ursprungsbau, sondern der Neubau der Kapelle von 1660. Die barocke Ausstattung stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts, so auch die Stuckaturen mit dem Emblem des Michaelsordens, eine Arbeit von Pietro Castelli.

Weitere Informationen

Stadtpark Bad Godesberg
Koblenzer Straße
53177 Bonn-Bad Godesberg

Redoutenpark
Kurfüstenallee 1
53177 Bonn-Bad Godesberg

Kleines Theater
Koblenzer Straße 78
53177 Bonn-Bad Godesberg
http://kleinestheater-badgodesberg.de

Stadthalle
Koblenzer Straße 80
53177 Bonn-Bad Godesberg
http://www.stadthalle-bad-godesberg.de
Jahreszeitliche Aktionswochen von Wildmenüs bis ..., Abendkarte: http://www.stadthalle-bad-godesberg.de/Neue_Dateien/Abendkarte.htm

Gasthaus Redüttchen mit Biergarten
Kurfüstenallee 1
53177 Bonn-Bad-Godesberg
Öffnungszeiten: http://www.guennewig.de/bnredout/oeffnungszeiten2.htm

Anfahrt
U-Bahn 16 oder 63 bis „Stadthalle“

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