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Alter Friedhof

Nein, eine wirkliche Oase ist dieser annähernd dreieckige Friedhof zwischen Bornheimer Straße und Am Alten Friedhof nicht, ist doch der innerstädtische Verkehr nicht zu überhören. Kennzeichnend für die Gestaltung der Anlage sind Rondelle mit davon sternförmig ausgehenden Wegen. Auf den Friedhof mit seinem alten Baumbestand, darunter Platanen aus der Gründungszeit des Bestattungsplatzes, wurde im 19. Jahrhundert die Kapelle der Kommende des Deutschherrenordens zu Ramersdorf versetzt.

Bonn - Alter Friedhof - Heute Friedhofskapelle: die ehemalige Kapelle des Deutschherrenordens zu Ramersdorf
Heute Friedhofskapelle: die ehemalige Kapelle
des Deutschherrenordens zu Ramersdorf

Der nunmehr für Bestattungen geschlossene Friedhof – sieht man von Bestattungen Bonner Ehrenbürger ab – wurde erstmals in der so genannten Trauerordnung des Kurfürsten Clemens August erwähnt. So kann man mit Gewissheit sagen, dass der Alte Friedhof seit 1725 existiert. Der Wunsch des Kurfürsten war es, dass auf dem neuen Friedhof  Soldaten, arme Leute, Fremde „und diejenigen Burger, oder Einwöhner hiesiger unserer Residenz, deren Kinder und Domistiquen, welche keine beständige eigene Begräbnisse binnen der Stadt ... haben, ... aussen der Sternen-Pforte ... beerdigt werden“.

Bonn - Alter Friedhof - Sitzbild des Professor für Mineralogie und Bergwerkwissenschaften Johann Jacob Noeggerath (1788-1877)
Sitzbild des Professor für Mineralogie und Bergwerkwissenschaften
Johann Jacob Noeggerath (1788-1877)

Besucher von heute betreten einen Friedhof, auf dem zahlreiche Mitglieder der 1818 gegründeten Bonner Universität ihre letzte Ruhe fanden. Zudem bietet der Friedhof einen Überblick über eine dreihundertjährige Sepulkralarchitektur. An der Gestaltung der Grabmale lässt sich also der jeweilige Zeitgeschmack sehr genau ablesen. Kreuze und der Gekreuzigte, trauernde Engel, Totenschädel, verhangene Zierurnen, Büsten der Verstorbenen, eine Vignola mit Säulchen als Teil des Grabmals, Bildnismedaillons in Bronze, Apostelfiguren in einer spitzbogigen Nische oder die Allegorie der Trauer sind auf den Gräbern des Alten Friedhofs zu finden. Einige der Grabmäler sind von bekannten Bildhauern wie Christian Daniel Rauch gestaltet worden, der das Relief am Grabmal des Historikers Barthold Georg Niebuhr entwarf. Hermann Rudolf Heidel hingegen zeichnete für die Darstellung von Psyche und Persephone verantwortlich, die das Grabmal von Philipp Joseph von Rehfues zieren. Rehfues kam 1814 nach Bonn und setzte sich als Kreisdirektor sehr engagiert für die Gründung der Universität ein. Mit der Bonner Universität ist auch der Name August Wilhelm von Schlegel, Philosoph und Begründer der Frühromantik, verbunden. Dessen Grabmal besteht aus einem Grabpfeiler mit einem Bronzereliefmedaillon, das den Gelehrten im Profil zeigt.

Bonn - Alter Friedhof - Das von Christian Daniel Rauch gestaltete Relief für die Grabstelle des Historikers Barthold Georg Niebuhr
Das von Christian Daniel Rauch gestaltete Relief für die
Grabstelle des Historikers Barthold Georg Niebuhr

Der Mathematikprofessor Dr. August Beer wurde hier ebenso beigesetzt wie die Mutter des Komponisten Ludwig van Beethoven. Der Gründer der deutschen Zementindustrie und Besitzer der größten preußischen Alaunhütten des 19. Jahrhunderts, Dr. Hermann Bleibtreu (1821-1881)  gehörte gleichfalls zu den Bonner Prominenten, die auf dem Friedhof zur letzten Ruhe gebettet wurden. Außerdem ist der Astronom Friedrich Wilhelm August Argelander zu erwähnen, dessen Grabstelle eine Stele mit seinem Porträt ziert. Sehr üppig ist das Grabmal des Chirurgieprofessors Wilhelm Busch gestaltet, dessen Büste auf einer Stele ruht, über der sich eine Vignola befindet. Zu sehen sind zudem zwei bronzene Reliefplatten des Grabmals, die den Mediziner als Lazarettarzt und als Dozent während einer Lehrveranstaltung zeigen. Weitere Mediziner, die auf dem Alten Friedhof beerdigt sind, sind der Medizinprofessor und Mitbegründer der Bonner Uni Franz Joseph Carl Mayer und Christian Friedrich Nasse, der sich um die Reform der Psychiatrie Verdienst erwarb. Seine letzte Ruhe fand in Bonn der Cousin der Dichterin Annette von Droste Hülshoff, der Juraprofessor Clemens von Droste Hülshoff. Ins Auge springt bei dessen Grabmal der streng dreinschauende Apostel Paulus, der sich auf sein Schwert stützt. Zwar nicht der bedeutende deutsche Schriftsteller Friedrich von Schiller, aber seine Ehefrau Charlotte und ihr gemeinsamer Sohn Ernst wurden in Bonn beerdigt und erhielten ein schlichtes Grabmal aus Eisen mit vergoldeter Inschrift. Die Musiker Clara und Robert Schumann gehören neben dem Historiker Ernst Moritz Arndt gleichfalls zu den Bonner Prominenten des Friedhofs. An die Gefallenen des Krieges von 1870/71 erinnert ein Kriegerdenkmal mit einem Engel, der Schwert und Schild trägt. Zu dessen Füßen liegt der gefallene Infanterist in preußischer Uniform.

Bonn - Alter Friedhof - Grabmal mit der Darstellung von Psyche und Persephone: Hier ruht der Kreisdirektor Philipp Joseph von Rehfues (1779-1843)
Grabmal mit der Darstellung von Psyche und
Persephone: Hier ruht der Kreisdirektor Philipp
Joseph von Rehfues (1779-1843)

Am Rand des Begräbnisplatzes stößt man auf den seit 1999 aufgestellten Gedenkstein für einen der berühmten Söhne Bonns, den Maler August Macke, der seit 1911 in Bonn in der Bornheimer Straße 88 (heute August-Macke Haus in Nr. 96) lebte und arbeitete. Der Gedenkstein wurde von Dr. Til Macke, einem Enkel des Malers, entworfen.

Informationen

Alter Friedhof
Bornheimer Straße/Am Alten Friedhof
53111 Bonn
Öffnungszeiten: März bis Oktober 7.30 bis 20 Uhr, November bis Februar 8 bis 17 Uhr; Allerheiligen, Allerseelen und Totensonntag bis 19 Uhr

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