DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Ausstellungsorte in Bielefeld Kunsthalle Bielefeld

Bielefeld
Kunsthalle


Ausstellungen

Ausstellungen 2016

Hans Hofmann - Creation in Form and Color
Bis zum 19. März 2017

zeigt die Kunsthalle Bielefeld in Zusammenarbeit mit dem Berkeley Art Museum (Kalifornien, USA) die Ausstellung «Creation in Form and Color» zum Werk des in Deutschland geborenen Malers Hans Hofmann. Hans Hofmann, 1880 in Weißenburg/Bayern geboren, 1966 in New York gestorben, wurde nach seiner Emigration in die USA 1932 zu einem der einflussreichsten Lehrer einer neuen Künstlergeneration in den USA, die den Abstrakten Expressionismus der New York School geprägt hat. Künstler wie Jackson Pollock, Lee Krasner und Helen Frankenthaler wurden durch seine Vermittlung moderner Malereitheorie europäischer Prägung grundlegend beeinflusst. Hofmann war durch sein Studium und Leben in München und Paris wohlbekannt mit den wichtigen europäischen Künstlern, wie Braque, Picasso, Matisse, Robert Delaunay und Sonia Delaunay-Terk oder den Mitgliedern des «Blauen Reiter». Erst im Jahr 2015 wurde das Werkverzeichnis von Hans Hofmann nach jahrelanger Recherche fertiggestellt. Auf dieser Grundlage konnten bisher nie gezeigte Werke wiederentdeckt und in die Konzeption integriert werden, so dass die Ausstellung eine neue Sicht auf das Werk dieses in Deutschland immer noch wenig bekannten Avantgardisten der Moderne ermöglichen wird. Die Ausstellung wird in Bielefeld beginnen, später im Museum für Moderne Kunst Luxembourg zu sehen sein und schließlich 2018 zum Berkeley Art Museum reisen.

Der böse Expressionismus Trauma und Tabu
11.11.17 bis 11.03.18

"Expressionismus war eine Zeiterscheinung, keine Kunstmode.", erinnerte sich Oskar Kokoschka. Die Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts waren bekanntlich eine Zeit größter Herausforderungen und existenzieller Verunsicherung, geprägt von Industrialisierung und proletarischem Massenelend, Landflucht, ausufernden Großstädten und Wohnungsnot. Die rückständige, an feudalen und militaristischen Idealen orientierte Gesellschaftsordnung des wilhelminischen Kaiserreiches war mit den rasanten Veränderungen heillos überfordert, der Kollaps kam mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914. Der Expressionismus war unter solchen Vorzeichen die Kunstform, mit der sich die Rebellion im Felde der Kultur Bahn brach; nach 1919 gewann er unter den neuen politischen Vorzeichen noch einmal an Vehemenz. Die jungen KünstlerInnen, DichterInnen, SchauspielerInnen und TänzerInnen, selbst Bürgersöhne und -töchter zumeist, erlebten Bürgerlichkeit als Trauma und probten den Aufstand gegen rigide Normen und verlogene Konventionen. "Antipathie gegen alles, was von weitem nur so aussah wie bürgerliches Empfinden oder Gewohnheiten, und die drei Brückegründer waren gefüllt bis zum Bersten mit Abwehr …", notierte Ernst Ludwig Kirchner in sein Tagebuch. "Wir wollen die Bürger nicht unterhalten, wir wollen ihnen ihr bequemes, ernst-erhabenes Weltbild tückisch demolieren", verkündete Herwarth Waldens Sturm-Zeitschrift. Die KünstlerInnen brachen Tabus, nahmen Drogen und beendeten Prüderie und Triebverzicht, um anstelle von Verdrängung und Neurose aus den Kräften des Trieblebens die Kraft für ihre Kunst zu ziehen. Sie lebten, frei nach Nietzsche und ermutigt von Sigmund Freud, die "Umwertung aller Werte" auf der Suche nach einem selbstbestimmten Dasein in einer Gesellschaft ohne Klassenschranken, zu ihrer Zeit nur eine Utopie. Mit dem längst sprichwörtlichen Pathos überrollten die Expressionisten Spießertum, Biedermänner und Bürokraten auf der Suche nach dem "Neuen Menschen". Doch trotz Völkerschau-Inspirationen in den Zoos und den Völkerkunde-Museen der Kolonialzeit, trotz Gauguin und Südsee-Reisen war es durchaus nicht der archaische Mensch, den sie suchten: Der ersehnte "Neue Mensch" der Moderne war der von Zwängen befreite, sein Ich und sein Verlangen auslebende, seine Bedürfnisse artikulierende Mensch in einer Gesellschaft, die den Einzelnen achtete und ihm Lebensperspektiven bot. Einst skandalträchtige Außenseiter, sind die Expressionisten heute gesellschaftsfähig, ihre Bilder Millionen wert; als Zeugnisse pittoresker Bohème, farbenfroher Idyllen und Ansichten einer vermeintlich guten alten Zeit werden sie verharmlost und je nach Möglichkeit als dekorative, verlässliche Geldanlagen gesucht. Die Brisanz der Bilder droht im Wohlgefallen zu verschwinden. Weil die Impulse, die vom Expressionismus ausgingen und die Fragen, die er in schonungsloser Offenheit gestellt hat, bis heute relevant sind, wollen wir an die Virulenz und die Intentionen dieser "Zeiterscheinung" erinnern: Internationalität, Individualität, gesellschaftliches Miteinander und Toleranz stehen auch ein Jahrhundert später, und gerade heute, immer noch auf der Agenda.

Kunsthalle Bielefeld
Gemeinnützige Betriebsgesellschaft mbH
Artur-Ladebeck-Straße 5, 33602 Bielefeld
Telefon 05 21.3299950-0
http://www.kunsthalle-bielefeld.de

zur Gesamtübersicht Ausstellungen

 

Twitter
RSS