Reisemagazin schwarzaufweiss

Zu Besuch bei der schönen Nofretete

Die Museumsinsel und das preußische Berlin

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

In Zeiten von Ost und West waren der S-Bahnhof Friedrichstraße und die Baracke »Tränenpalast« der Ort, an dem man von West nach Ost überwechselte, um einen Tag in der Hauptstadt der DDR zu verbringen und sich auch wieder von ihr zu verabschieden. Der »Tränenpalast« existiert noch, aber man kann jetzt natürlich ungehindert zur Museumsinsel, zum Zeughaus und zur Neuen Wache bummeln und ein Stück preußisches Berlin entdecken.

Nur wenige Schritte sind es, um vom Bahnhof Friedrichstraße entlang der Spree zur Berliner Museumsinsel zu gelangen. Der Fluss – in ein Steinbett gezwängt – gleitet gemächlich dahin. Weiße Ausflugsdampfer ziehen vorbei und bringen Berlin-Besucher zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Herzen der deutschen Hauptstadt. Auf einer Landzunge erhebt sich ein gewaltiger Kuppelbau, der an einen Dom denken lässt: Das Bode-Museum, das jahrelang saniert wurde, um in neuem Glanz zu erstrahlen, ist das Vermächtnis des umtriebigen Museumsdirektors Wilhelm von Bode. Diesem Mann der schönen Künste wurde im März 1929 die Ehre zuteil, unter der Kuppel aufgebahrt auf einem Katafalk, mit Pomp und Pracht von den politischen Vertretern der Weimarer Republik feierlich aus diesem Leben verabschiedet zu werden.

Die Alte Nationalgalerie birgt Kunstschätze wie die Malerei der deutschen Romantik

Neben dem Bode-Museum – ein Mekka für Liebhaber byzantinischer Kunst und Bildhauerei – sind es das Pergamonmuseum, das Neue Museum, das Alte Museum und die Alte Nationalgalerie, die die einmalige Museumslandschaft in der Mitte Berlins ausmachen. Hunderttausende zieht es jedes Jahr hierher, um Schätze wie das Aleppo-Zimmer, das Ischtar-Tor von Babylon und den Pergamonaltar oder die Gemälde Caspar David Friedrichs zu sehen.

Pergamonmuseum
Das Pergamonmuseum wird im Rahmen des Masterplans einen vierten Flügel als Verbindung zwischen dem Nord- und dem Südflügel erhalten. Dadurch wird ein Rundgang entlang der antiken Großarchitekturen in der Hauptausstellungsebene des Hauses möglich. Außerdem werden Verbindungen zur James-Simon-Galerie und zur Archäologischen Promenade geschaffen. Nach der Schließung des Nordflügels im Herbst 2012 haben dort bereits die Baumaßnahmen begonnen. Der mittlere Gebäudeteil mit dem berühmten Pergamonaltarsaal wird im Herbst 2014 schließen. Wegen dieser Bauarbeiten wird das Herzstück des Museums mit dem Großen Fries ab 29. September 2014, bis zur Fertigstellung des ersten Bauabschnitts (vorauss. 2019) für den Besucherverkehr geschlossen werden müssen. Die Stiftung plant in einer Zusammenarbeit der Antikensammlung mit dem Künstler Yadegar Asisi ab Anfang 2016 in unmittelbarer Nähe zur Museumsinsel eine temporäre Ausstellung, die u.a. eine überarbeitete Fassung des 2011/12 gezeigten Pergamon-Panoramas präsentieren wird. Weiterhin sollen die wichtigsten Originale aus Pergamon – darunter der gesamte Telephos-Fries – sowie eine monumentale Visualisierung des Altarsaales gezeigt werden. Die Errichtung dieser Präsentation kann nur mit finanziellem Engagement von privater Seite gelingen, da die Mittel der Stiftung sonst keinen Spielraum für eine Realisierung bieten. Bis 2019 sollen die Arbeiten in diesem Bauabschnitt beendet sein. Die Stiftung prüft derzeit alle Möglichkeiten, wenigstens Teile des Pergamonfrieses in der Bauphase an anderer Stelle der Öffentlichkeit zeigen zu können. Weitere Informationen: http://www.preussischer-kulturbesitz.de/

Der »Louvre an der Spree«

Eine Verneigung vor der klassischen Antike: das Alte Museum, ein Entwurf von Karl Friedrich Schinkel

Hinter der »klassizistischen Hülle« des Pergamonmuseums finden sich Kulturschätze aus dem antiken Griechenland, aus Syrien, der Türkei und dem heutigen Irak in gleich drei Museen: Antikensammlung, Vorderasiatisches Museum und Museum für islamische Kunst. Hochtrabend klingen die Worte von Berliner Museumsverantwortlichen, wenn sie die Museumsinsel mit dem Louvre vergleichen oder die Alte Nationalgalerie mit der National Gallery in London in einem Atemzug nennen. Derartige Vergleiche hinken. Außer Frage steht jedoch, dass hier Kunstschätze von Weltgeltung vereint sind, angefangen von der Antike über die Blütezeit des Islams bis zur Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts.

Umgeben von Süd-, Ost- und Westfries erhebt sich der Pergamonaltar seit 1930 als repräsentatives Denkmal unter dem Museumsdach. Beeindruckend für jeden Betrachter ist die zwanzig Meter breite Freitreppe mit der umgebenden Säulenhalle. Die fragmentarisch erhaltenen Friese zeigen den Kampf der Götter gegen die Giganten: Gottvater Zeus, Athena und Eos, Aphrodite und Poseidon. Ebenso gigantisch wie der Pergamonaltar ist das Markttor von Milet eine symmetrische, auf einem Sockel ruhende Anlage mit doppelgeschossiger Säulenfassade.

Steht man vor dem berühmten Ischtar-Tor mit seinen aus Glasziegeln geformten Bildreliefs, so kann man die Geschichte der Wiedergeburt dieses Denkmals kaum glauben: 399 Kisten mit Ziegelbruchstücken gelangten Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem Vorderen Orient nach Berlin. Aus diesen wurden in mühseliger Puzzlearbeit die weltberühmte Prozessionsstraße und das Ischtar-Tor aus Babylon zusammengesetzt.

Vom Islam zum Impressionismus

Ein Jahrtausend islamischer Kunstentwicklung erwartet den Besucher im Museum für islamische Kunst: Juwel der Sammlung ist die als Geschenk des damaligen türkischen Sultans an Kaiser Wilhelm II. nach Berlin gelangte Fassade des frühislamischen Palastes Mschatta. Erwähnung verdienen auch die orientalischen Teppiche, die Wilhelm von Bode dem Haus stiftete. Zu sehen sind außerdem die Holzkuppel des Torre de las Damas der Alhambra (Granada/Spanien) sowie das berühmte »Aleppo-Zimmer«, eine Auftragsarbeit des christlichen Händlers Isa ben Brutus, der seinen Glauben in den Darstellungen der Täfelung zum Ausdruck bringen ließ: Maria und Jesus sind ebenso abgebildet wie der heilige Georg und das letzte Abendmahl.

Hat man die teilweise erhaltenen Kolonnaden durchschritten und steht vor dem »korinthischen Tempelbau«, so liest man: »Der deutschen Kunst MDCCCLXXI«. Diese Goldlettern zieren die Alte Nationalgalerie. Dieser Museumsbau, zu dessen ursprünglichem Eingang eine monumentale Freitreppe führt, entstand nach einer Stiftung von 262 Gemälden. Im Inneren kommen nicht nur Bewunderer der Meisterwerke Caspar David Friedrichs, Carl Gustav Carus’ und Adolph von Menzels auf ihre Kosten, sondern auch Liebhaber des französischen Impressionismus. Zu sehen sind unter anderem Gemälde von Claude Monet und Edgar Degas. Die plastischen Arbeiten des belgischen Realisten Constantin Meunier werden in der Alten Nationalgalerie ebenso bewahrt wie Ölgemälde des Malers Arnold Böcklin.

Die Sphinx und die Königin

Am Rande des Lustgartens hat man einen Blick auf den mächtigen Fernsehturm. Ein einfacher Gedenkstein erinnert an Männer und Frauen des Widerstands gegen die Nazi-Herrschaft

Gleich um die Ecke liegt das Alte Museum, ein antikisierter Museumsbau, der nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichtet wurde, und sich mit seiner Freitreppe und seiner von ionischen Säulen getragenen Vorhalle zum Lustgarten hin öffnet. Der Besucher durchschreitet den säulenbestandenen Umgang und betritt die gewaltige Rotunde, die von antiken Götterstatuen umstanden ist. Das Haus beherbergt die sehenswerte Antikensammlung zur Kunst und Kultur der Griechen, Etrusker und Römer.

Nach dem Umzug des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung auf die Museumsinsel, können Besucher im Neuen Museum mehr als drei Jahrtausende ägyptischer Kultur erleben. Wer die Museumsräume betritt, steht Reliefs wie dem aus dem Sonnentempel des Königs Neuserre und auch Statuen wie der Beterfigur des Königs Amenemhet III. und der Sphinx der Königin Hatschepsut gegenüber. Besonders stolz ist man in Berlin auf die berühmte Büste der Königin Nofretete, das Porträt der Königin Teje und den bekannten »Berliner Grünen Kopf«, ein Beispiel für die Kunst der ägyptischen Spätzeit.
Zudem kann sich der Besucher im Neuen Museum sich auch mit der Vor- und Frühgeschichte befassen. Mit 6.000 Exponaten befindet sich im Neuen Museum eine sehr umfängliche Ausstellung archäologischer Fundstücke aus ganz Europa und Teilen Asiens, die eine Zeitreise von der Steinzeit bis zum Mittelalter möglich macht. Im Erdgeschoss befindet sich der Saal "Odin, Urnen, Beutekunst", der die nordische Mythologie thematisiert. Heinrich Schliemanns berühmter Sammlung trojanischer Altertümer und zur Kulturgeschichte des benachbarten Zypern ist gleichfalls im Neuen Museum untergebracht. Mit der Archäologie der römischen Provinzen und der Darstellung Roms germanischer Nachbarn im Norden wird der Besuch im Neuen Museum abgerundet.

Im neobarocken Gewand: der Berliner Dom

Beim Gang durch den Lustgarten – das Wegesystem ist axial auf das Alte Museum hin orientiert und entlang der Spree wurden Linden gepflanzt – steht man alsbald vor dem mächtigen Berliner Dom. Der Dom, als Hofkirche entstanden, ist in seinem heutigen barocken Aussehen ein Kind des Historismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts. In seinem Inneren ruhen brandenburgische Kurfürsten und preußische Könige. Heute wird der Dom sowohl für Gottesdienste als auch für Konzert- und Theaterveranstaltungen genutzt. Zu Füßen des mächtigen Kuppelbaus erinnert bis heute – von vielen übersehen – ein Gedenkstein an die Widerstandsgruppe Herbert Baum.

Sparsamkeit war preußische Pflicht

Eingang des ehemaligen Zeughauses: Heute widmet man sich hinter dieser Pforte der deutschen Geschichte

Steht man auf der Schlossbrücke – ein Kind des Baumeisters Karl Friedrich Schinkel und wegen der Skulpturengruppen von den Berlinern »Puppenbrücke« getauft –, so hat man einen guten Blick auf den wieder aufgebauten Eckteil der ebenfalls von Schinkel konzipierten Bauakademie, über die der wohl wichtigste Architekt des 19. Jahrhunderts schrieb: »Ringsum frei gelegen in quadratischer Grundform mit vier gleichen Fassaden und einem inneren Hofe ... Der Bau wird in Backstein ausgeführt und bleibt in seinem Äußeren ohne Übertünchung und Abputz«. Selbst in der rudimentären Form kann der Betrachter erahnen wie dieser »Monolith« einst das Stadtbild des preußischen Berlin bestimmt hat.

Gotisch und aus Backstein: Schinkels Friedrichwerdersche Kirche

In der Nachbarschaft steht die doppeltürmige Friedrichwerdersche Kirche. Zu diesem Sakralbau verfasste sein Ideengeber Karl Friedrich Schinkel folgende Zeilen: »Da bei dem Entwurf die Sparsamkeit zur Pflicht gemacht ward, so ging ich davon aus, den angenommenen Mittelalter-Style in großer Einfachheit durchzuführen«. Hinter den beiden Türmen ohne Turmhelme erstreckt sich ein backsteinernes Kirchenschiff mit gotischem Gewölbe. In ihm werden klassizistische Plastiken von Johann Gottfried Schadow, Christian Friedrich Tieck, Christian Daniel Rauch, Emil Wolff, Theodor Kalide, Ridolfo Schadow und August Kiss gezeigt.

Nur wenige Schritte sind es von hier aus zur katholischen St. Hedwigskathedrale, deren äußere Form sich an den römischen Pantheon anlehnt und die im Volksmund »umgestürzte Kaffeetasse« genannt wird. Benachbart ist die Deutsche Staatsoper, ein Meisterwerk des Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Inmitten des Bebelplatzes erinnert ein Mahnmal in Gestalt leerer, in den Boden versenkter Bücherregale an die Bücherverbrennung vom Mai 1933, als Werke von Thomas Mann, Kurt Tucholsky und anderer deutscher Schriftsteller den Flammen übergeben wurden.

Auch von Karl Friedrich Schinkel entworfen: die Neue Wache

Auf der Straße Unter den Linden entdeckt man Friedrich II. hoch zu Ross. Die Humboldt-Universität, die Neue Wache, das Zeughaus -und der Palais Unter den Linden – auch als Prinzessinnen-Palais und Kronprinzenpalais bekannt – sind sehenswerte Baudenkmäler aus der Blütezeit Preußens. Im Zeughaus – einst als Waffenarsenal konzipiert – widmet man sich der musealen Präsentation deutscher Geschichte. Hinter dem Zeughaus befindet sich die Ausstellungshalle des Deutschen Historischen Museums, ein transparenter Bau von I. M. Pei, der Wechselausstellungen vorbehalten ist. Die nahe gelegene Neue Wache –als antiker Tempelbau trägt sie ebenfalls die Handschrift Karl Friedrich Schinkels – ist heute zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik und birgt die überdimensionierte Plastik einer Pietá von Käthe Kollwitz.

 

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