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Modell Bauhaus
Hrsg. Bauhaus-Archiv Berlin / Museum für Gestaltung, Klassik Stiftung Weimar, Stiftung Bauhaus Dessau, Einleitung von Annemarie Jaeggi, Text von Barry Bergdoll, Klaus von Beyme, Regina Bittner, Gerda Breuer, Magdalena Droste, Peter Hahn, Christine Hopfengart, Christoph Ingenhoven, Michael Siebenbrodt, Klaus Weber u.a., Hatje Cantz Ostfildern 2009. 376 Seiten, 302 Abb., davon 236 farbig, ISBN 978-3-7757-2414-2
Schwergewichtig ist die vorliegende Veröffentlichung, die ein Begleitbuch und kein Ausstellungskatalog ist. Dank einer farblich hinterlegten „Zeitschiene“ – bestehend aus den Kategorien „Studierende“, „Lehre“, „Ereignisse“ und „Zitate“ werden die Leser durch das „Modell Bauhaus“ geleitet. Die Herausgeber haben dankenswerter Weise darauf verzichtet, die Werkfülle der gleichnamigen Ausstellung abzubilden. Statt dessen konzentrieren sich kurze und prägnante Beiträge auf unterschiedlichste Aspekte des Bauhauses. Der Modemacher Wolfgang Joop nimmt sich Lis Volgers Bauhauskleid an, Walter Scheffler sinniert über „Die Lampe auf dem Tisch des Direktors“ und der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei ist mit seiner künstlerischen Hommage an den Afrikanischen Stuhl in der Publikation vertreten. Die Einzelobjekte, die im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen, befassen sich jenseits des Objekts immer mit der Frage danach, was das Bauhaus war und ist.
Einen sehr guten Überblick über das „Modell Bauhaus“ bietet Annemarie Jaeggis einleitender Beitrag, der sich vor allem mit dem Modellhaften des Bauhauses und der Laborsituation am Bauhaus befasst. Zugleich setzt Jaeggi sich mit der Ikonografie der Kathedrale als Deckblatt des Bauhaus-Manifestes auseinander und hinterfragt dieses Sinnbild. Welche Rolle das Ideal des anzustrebenden Gesamtkunstwerks am Bauhaus spielte, erörtert die Autorin überaus sachkundig. Dabei geht sie auch auf den Wandel von „Kunst und Technik – eine neue Einheit“ zu „Volksbedarf statt Luxusgut“ als Konzepte des Bauhauses ein. Die anfänglich von Gropius nicht verstandene geometrische Abstraktion, wie sie von Johannes Itten vertreten wurde, beschäftigt Christoph Wagner in seinem Beitrag. In diesem arbeitet der Autor auch heraus, dass Ittens Malerei aus Spiralen, Kreisen, Quadern und Rechtecken in unterschiedlichen Farb- und Helligkeitsstufen nicht zufällig entstanden sind, sondern auf seinen weltanschaulichen Vorstellungen beruhen. Überaus aufschlussreich ist das Kapitel zu „Feiningers Kathedrale und das Bauhaus-Manifest“. Die Kathedrale ist, so Magdalena Bushart in ihren Ausführungen, nicht Ausdruck revolutionären Geistes, sondern Ausdruck der „andächtigen Versenkung und Realitätsverweigerung“. Zugleich ist sie aber auch Symbol für das Bauhüttenwesen des Mittelalters, an das sich Gropius in seinem Bauhaus-Manifest 1919 anlehnte. Jürgen Fitschen, der jahrelang die Geschicke des Bremer Gerhard-Marcks-Hauses lenkte, verdanken wir eine Auseinandersetzung mit der expressionistischen Bildsprache Gerhard Marcks’, der, so wird Marcks zitiert, eine „Verquickung von Gegenständlichem und Architektur“ anstrebte. Nicht der weiße Kubus, sondern das im Blockhausstil konzipierte Haus Sommerfeld in Berlin-Dahlem – es existiert aufgrund von Kriegszerstörungen nicht mehr – steht im Mittelpunkt einer Betrachtung von Kathleen James-Chakraborty. Dabei betont sie, dass Gropius und Meyer in dieser Holzarchitektur ihre Begeisterung für das „Primitive der amerikanischen Holzarchitektur“ zum Ausdruck bringen. Feininger, der „klarste Kistalliker“, wie der Kunstkritiker Theodor Däubler ihn nannte, steht im Artikel von Charles Werner Haxthausen mit seinem „Viadukt“ im Fokus. Dass sich im „Turm des Feuers“ eine kosmologische Weltvorstellung widerspiegelt, ist der Kernsatz in Michael Siebenbrodts Beitrag zu Ittens Architektur-Farb-Licht-Klang-Plastik.
Dem Denkmal der Märzgefallenen von Walter Gropius widmet man ebenso einen eigenständigen Beitrag wie Josef Albers Glasarbeiten, von denen der Künstler selbst sagte, er habe sie dilettantisch angefertigt. Für die Brüche und Auseinandersetzungen im Bauhaus – hier freie Kunst dort Architektur –steht die „Bauplastik“ von Otto Werner. Mit ihr setzte sich Paul Paret auseinander und hebt hervor, dass der Konflikt in der Zielvorstellung der vermarktbaren Produkte aufgelöst wurde. Kein Wunder, dass der „Geselle Werner“ wegen falscher Einstellung das Bauhaus verlassen musste, wie der aufmerksame Leser dem Beitrag entnehmen kann. Die „Wabe“ von Mies van der Rohe wird sehr ausführlich abgehandelt; Gleiches gilt für Peter Kelers „Wiege“. Der Leser kann sich mit Schlemmers Entwürfen zum Bauhaus-Signet befassen und mit der Bildsprache Joost Schmidts und dessen Bauhaus-Ausstellungsplakat.
Mit zahlreichen, im vorliegenden Band vorgestellten Objekten – ob Brandts Tee-Extraktkännchen MT 40 oder Josef Hartwigs Bauhaus-Schachspiel – durchstreift der Leser die Geschichte des Bauhauses, ehe er im Jahr der Auflösung angelangt ist.
Lesenswert sind aber auch die nachfolgenden Beiträge, die sich mit Fragen wie „Das Bauhaus auf dem Markt“ und „Bauhaus heute“ auseinander setzen und dabei die aktuelle Relevanz des Bauhauses für Architektur, Kunst und Design der Gegenwart erörtern. © fdp
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