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Berlin
Martin-Gropius-Bau

Ai Weiwei in New York Fotografien 1983 – 1993
bis 18. März 2012

Der Martin-Gropius-Bau zeigt erstmals in Deutschland über 220 Fotografien aus der Zeit von 1983 bis 1993, die der chinesische Künstler Ai Weiwei in New York verbrachte. Über 10.000 Aufnahmen entstanden damals. Ai hat eine Auswahl getroffen und die Ausstellung kuratiert.

Für den jungen Ai, geboren 1957, war der lange Aufenthalt in den USA stilprägend für seine weitere künstlerische Laufbahn. Aus New York kehrte Ai erst wieder nach China zurück, als sein Vater, der in China hochberühmte Schriftsteller Ai Qing – jedes Schulkind lernt seine Gedichte auswendig – im Sterben lag. Heute ist Ai Weiwei der bekannteste chinesische Künstler der Gegenwart. In New York war er befreundet mit Allen Ginsberg. Viele der heute in China berühmten Künstler besuchten ihn damals dort. Ai fotografierte sie. Er lernte die Arbeiten von Joseph Beuys kennen, dessen Vorstellungen von Sozialer Plastik im heutigen Werk von Ai erkennbar ist. In New York, Ai war damals noch nicht berühmt, lebte er in einer winzigen Wohnung im Stadtteil East Village. Er war aktives Mitglied der chinesischen Künstler- und Intellektuellengemeinde in der Avantgarde-Szene des Viertels. In den 1980er Jahren war New York für die Künstler aus China auch ein Ort der Befreiung von jenen Repressionen, denen sie in ihrer Heimat ausgesetzt waren. Nach dem Tod von Mao Tse-tung im Jahre 1976 wurden die Verhältnisse für die Künstler Chinas zwar etwas freier, doch noch immer regier(t)en im Land rigide Vorstellungen von dem, was Kunst zu sein und wem Kunst zu dienen habe.

Als Ai Weiwei im April 2011 am Flughafen Beijing wegen seiner künstlerisch- subversiven Aktivitäten verhaftet und für über 80 Tage in einem geheimen Gefängnis festgehalten wurde, ging ein Aufschrei durch die Kunstwelt. Eine vom Guggenheim Museum New York initiierte Unterschriftenliste wurde von über 140.000 Personen gezeichnet. Der von Alexander Ochs und Freunden initiierte Berliner Appell "Freiheit für Ai Weiwei" wurde in Deutschland von über 4000 Personen, darunter Günter Grass, Durs Grünbein, Rosemarie Trockel, Norbert Bisky, Tobias Rehberger sowie vielen anderen Schriftstellern, Künstlern und Museumsleuten unterschrieben. Die Akademie der Künste in Berlin wählte Ai zum Mitglied. Prominente Künstler wie Daniel Buren, Olafur Eliasson, Luc Tuymans und Anish Kapoor setzten sich für seine Freilassung ein. Mittlerweile hat man Ai Weiwei erlaubt, in seinem Studio in Beijing zu leben, aber er darf weder mit der Presse reden, noch die Stadt verlassen. Wei Jingsheng kommentierte die Situation auch der Künstler in China kürzlich in der New York Times: Noch immer regiere in China nicht das Gesetz, sondern die Willkür der Staatsmacht.

Pacific Standard Time
Kunst in Los Angeles 1945 – 1980
15. März bis 10. Juni 2012


Das Ausstellungsprojekt "Pacific Standard Time – Kunst in Los Angeles 1950-1980" zeigt Entwicklungsprozesse der Kunstszene im Los Angeles der Nachkriegszeit. Die Stadt am Pazifik zeigt eine beeindruckend vielfältige und äußerst agile West-Coast-Kunstszene. Sie belegt damit, dass sie mehr ist als Hollywood und eine große Stadt im Land der Sonne und der Palmen. "Pacific Standard Time" lenkt den Blick auf international vielbeachtete Künstler wie John Baldessari, David Hockney, Edward Kienholz oder Ed Ruscha als auch auf weniger bekannte Protagonisten wie die abstrakten Maler Helen Lundeberg und Karl Benjamin, Keramiker wie Ken Price oder John Mason oder Bildhauer wie DeWain Valentine. Die Megaschau – in Los Angeles waren über 60 Institutionen und Galerien beteiligt – kommt mit den beiden wichtigsten Kernausstellungen des Getty Museum und Getty Research Institute nach Europa. Einzige europäische Station ist der Martin-Gropius-Bau in Berlin. Jener Ausstellungsteil, der in Los Angeles im Getty-Museum unter dem Titel "Crosscurrents in L.A. - Painting and Sculpture 1950-1970" zu sehen war, präsentiert Malerei und Skulptur. Im zweiten Teil, in Los Angeles zu sehen unter dem Titel "Greetings from L.A. – Artists and Publics 1950-1980", werden Poster, Künstlerkataloge, Postkarten, Einladungskarten, und andere Memorabilia gezeigt, die einen tieferen Einblick in die Netzwerke der Kunstszene jener Zeit in Los Angeles erlauben. Für Berlin wird die Schau um Fotografien von Julius Shulman ergänzt. Seine Architekturaufnahmen prägten in den 1950 Jahren entscheidend das Bild des kalifornischen Lebensstils. Seine Sensibilität, sein intuitiver und unvergleichlicher Sinn für Komposition und den 'entscheidenden Augenblick' brac hten ihm den Ruf eines Meisters seines Faches ein.

ARTandPRESS
23. März bis 24. Juni 2012

Cézanne, Warhol, Picasso, Braque, Beuys und viele andere Künstler haben sich mit dem Medium Zeitung auseinandergesetzt, das ihre Werke beeinflusste oder inspirierte. Wie gehen Künstler heute damit um? Die Ausstellung ARTandPRESS im Berliner Martin-Gropius-Bau präsentiert wichtige Vertreter der aktuellen internationalen Kunstszene, die sich in ihren Arbeiten intensiv mit der heutigen Situation der Zeitung bei der täglichen Meinungsbildung und Informationsvermittlung und den damit in Zusammenhang stehenden Fragen von Wahrnehmung, Wirklichkeit und Wahrheit beschäftigen. Sie dokumentiert den vielfältigen Umgang von Künstlern mit dem Medium, zeigt Wechselwirkungen zwischen Kunst und Zeitung und versucht, die unterschiedlichen Wahrheitsbegriffe zu erfassen.

Rund 30 Künstler haben für ARTandPRESS Arbeiten aus ihrem Œuvre ausgewählt oder eigens für die Ausstellung realisiert. Hierzu gehören Positionen von Gilbert & George, Damien Hirst, William Kentridge, Anselm Kiefer und Gerhard Richter. Ebenso beschäftigen sich Künstler wie Christian Boltanski, Marlene Dumas, Olaf Metzel, Farhad Moshiri, Elisabetta Benassi, Rirkrit Tiravanija und Erwin Wurm mit der Thematik. Ein historischer Teil, präsentiert in digitaler Form, ergänzt die Ausstellung mit einer Dokumentation von Werken ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Baumeister der Revolution. Sowjetische Kunst und Architektur 1915–1935 Mit Fotografien von Richard Pare
5. April bis 9. Juli 2012

Die Ausstellung beschreibt sowjetische Avantgarde-Architektur, wie sie in einer kurzen Periode zwischen 1922 und 1935 entstehen konnte, bevor die wenigen Freiheiten der Architekten zugunsten einer monumentalen, oft am Klassizismus orientierten Baukunst radikal beschnitten wurden. Architekten wie Konstantin Melnikow, Moisej Ginsburg und die Wesnin-Brüder erarbeiteten Entwürfe, deren innovativer Stil die Energie und den Optimismus der Zeit nach der Revolution von 1917 verkörperte. Befeuert von den Ideen des Konstruktivismus, der in Russland um 1915, also zwei Jahre vor der Russischen Revolution von 1917 entstand, transformierten die Architekten diese radikale Kunstsprache in die dritte Dimension. Utopie und Zukunftszuversicht sollte diese neue Architektur der jungen, von den Bolschewiki dominierten Republik ausdrücken. Es kam zu einer Synthese zwischen Avantgardekunst und Architektur, die ihren Ausdruck in Gebäuden fand, die heute noch weitgehend, allerdings oft in einem schlechten Zustand erhalten sind. Die Ausstellung parallelisiert Werke von Künstlern wie Kasimir Malewitsch, Wladimir Tatlin, Ljubow Popowa, El Lissitzky, Iwan Kliun and Gustav Klutsis und Entwürfe von Architekten wie Konstantin Melnikow, Moisei Ginsburg, Ilja Golosow und die Gebrüder Wesnin wie auch von Le Corbusier and Erich Mendelsohn, europäischen Architekten, die am Aufbau dieser "Neuen Gesellschaft" in Russland teilnehmen wollten.

Diane Arbus – Fotografien
22. Juni bis 23. September 2012

Diane Arbus hat mit ihren ungewöhnlichen Aufnahmen von Menschen am Rande gesellschaftlicher Akzeptanz der Fotografie in den 1960er Jahren neue Impulse gegeben. Ihre Bilder von Freaks, Liliputanern, Transvestiten, Zwillingen, Nudisten, psychisch Kranken sowie von gut situierten, aber steif wirkenden Bürgern der Mittelschicht haben das damalige Verständnis von "Normalität" und von Konventionen in Frage gestellt und haben bis heute nichts von ihrer unergründlichen Ausstrahlung verloren. Der Martin-Gropius-Bau zeigt in Kooperation mit dem Pariser Jeu de Paume eine Retrospektive mit über 200 Aufnahmen, die sowohl die bekannten Ikonen als auch bisher unveröffentlichte Abzüge der Fotografin einschließen. Neben den berühmten Aufnahmen wie "Eine junge Familie aus Brooklyn beim Sonntagsausflug, New York City" (1966), "Eineiige Zwillinge, Roselle, New Jersey" (1967) oder "Jüdischer Riese zu Hause bei seinen Eltern in der Bronx, New York" (1970) sind auch Porträts bekannter Schriftsteller und Künstler – Susan Sontag, Jorge Luis Borges sowie Helene Weigel – zu sehen. Eine ausführliche Chronik über Arbeit und Leben der Fotografin, Kontaktbögen, Notizbücher, einige Kameras und Zeitschriften sowie bisher nicht veröffentlichte Briefe ergänzen und vertiefen die Ausstellung.

Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstr. 7
10963 Berlin
Tel.: 0 30 / 25 48 60
post@gropiusbau.de
Öffnungszeiten
Mi. - Mo 10 - 19 Uhr (Neue Öffnungszeiten seit 11.Januar 2012)

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