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Berlin
Kupferstichkabinett
Kulturforum Potsdamer Platz
Aus Rembrandts Zeit.
Zeichenkunst in Hollands Goldenem Jahrhundert
bis 26. Februar 2012

Samuel van Hoogstraten Knabe mit Hut in einer Haustür, um 1645-50 Feder in Braun, rote Kreide, braun lavier 23,7 x 18,7 cm; KdZ 11974 © bpk / Kupferstichkabinett, SMB / Jörg P. Anders
Es gibt Ausstellungen, die lautschreierisch daherkommen und andere, die die leisen Töne bevorzugen. Es gibt solche, die als Event zelebriert werden und andere, die darauf verzichten und statt dessen den Kunstgenuss in den Vordergrund rücken. Das, was jetzt im Kupferstichkabinett zu sehen ist, ist kein Event, sondern spricht den Kunstkenner an. Man muss genauestens hinschauen, um die feinen Zeichnungen mit Pinsel und Feder wirklich Wert schätzen lernen zu können!

Hendrik Avercamp Eisvergnügen, um 1615-20 Wasserfarben und Feder in Braun; 27,4 x 40,1 cm, KdZ 2230 © bpk / Kupferstichkabinett, SMB / Jörg P. Anders
Wintervergnügen und ...
Ja, Wintervergnügen auf dem Eis der Grachten und Flüsse ist ein beliebtes Sujet der Künstler des 17. Jahrhunderts. Es darf auch nicht in einer Ausstellung über das Goldene Zeitalter der Niederlande fehlen. Dem erstklassigen Landschaftsmaler Gerrit Battem verdanken wir ein derartiges Wintervergnügen, zu dem auch ein Dudelsackspieler aufspielt. Nicht minder fein in der Ausführung ist eine Arbeit von Valentin Klotz, der uns in die Obstgärten von Maastricht entführt. Nicht von dem bekanntesten Architekturmaler der Niederlande, Jan Pietersz Saenredam, sondern von Jan Abrahamsz Beerstraten sehen wir beim Ausstellungsbesuch die Zeichnung des Markanten Hafenturms von Hoorn. Sonntägliche Ruhe liegt über der Szenerie; Die Lastsegler haben an der Mole festgemacht, die Ladung ist längst gelöscht, die Segel gerafft. Neben den Winterbildern erwartet man beim Stichwort „Niederländische Zeichnungen des Goldenen Zeitalters“ auch Seestücke. Ludolf Bakhuizen beispielsweise schuf eine Feder-Pinsel-Zeichnung eines Kriegsschiffs, das mit Salutschüssen begrüßt wird. Beiboote liegen im Wasser und kämpfen gegen die Wellen.

Jacques de Gheyn Studienblatt mit einer sitzenden alten Frau, Weinranke und Kürbispflanze, um 1620 schwarze und rote Kreide, Feder in Grauschwarz, grau laviert; 40,4 x 26,2 cm KdZ 3992 © bpk / Kupferstichkabinett, SMB / Volker-H. Schneider
Nicht nur Goltzius und de Gheyn
Sujets wie die Mutter beim Vorlesen oder eine Lesende gehören ebenso zum Repertoire von Hendrick Goltzius und Jacob de Gheyn wie auch „Enthäutete Ratten und Frösche“. Letzteres ist eher als Studienblatt anzusehen, ähnlich dem, das von Abraham Bloemaert stammt, und sich mit knorrigen Eichen befasst. Unser Blick fällt zudem auf eine sanfte Hügellandschaft, an deren Rand ein wenig verloren zwei Männer stehen. Gezeichnet hat sie der niederländische Künstler Cornelis Hendricksz Vroom. Eine Panoramaansicht in Blau – es zeigt die Ansicht eines Dorfes mit markanter Kirche und Mühle – ist hingegen das Werk von Hendrik Avercamp. Von diesem Maler stammt auch die Szene mit badenden Knaben. Sie geben sich ihrem Badespaß hin, während ein vornehmes Bürgerpaar einen Spaziergang am Wasser entlang unternimmt und eine Bäuerin mit einem Bauern ein Schwätzchen hält.

Hendrik Avercamp Vornehme Leute in einem Pferdeschlit- ten, um 1620-34 Wasser- und Deckfarben, 15,7 x 17,7 cm; KdZ 11835
© bpk / Kupferstichkabinett, SMB / Volker-H. Schneider
Genrekunst
Recht derb geht es beim Ochsenschlachten zu. Am Seil gehalten wird dem Rindvieh ein Bolzen auf die Stirn gesetzt, während ein bulliger Mann den Hammer schwingt, der den Tod bedeutet. Jan Van de Velde II hielt dieses Moment der Schlachtung im Bild fest. Ein Bordellbesuch gefällig? Kein Problem, denn Esaias van de Velde entführt uns ins Sündenbabel, zu Wein, Weib und zu einem Tabakpfeifchen vor dem Schäferstündchen.
Zu sehen sind in der sensibel gehängten Ausstellung auch Porträts wie die von Jan Lievens und Aelbert Cuyp. Eine weibliche Aktstudie von Adriaen van de Velde zieht den Blick des einen Besuchers an, den eines anderen der in roter Kreide gezeichnete „Stehende Schiffsjunge“. Zu den Porträtkünstlern gehört auch der bereits zuvor erwähnte Jacob de Gheyn, der eine Studie mit Männerköpfen zeichnete.
Rembrandt, der Meister …
…ist selbstverständlich mit zahlreichen Zeichnungen in der Schau vertreten: Zappelnd und schreiend versucht sich Rembrandts „Ungezogener Knabe“ dem Zugriff seiner Mutter zu entziehen, derweil seine Oma mit Engelszungen auf den Bengel einredet. Der aber steigert sich in seinen Zorn. Als Rötelzeichnung entstand der „Sitzende Greis“ in seinem wallenden Umhang. Von Rembrandt stammen überdies Szenen aus biblischen Geschichten.

Rembrandt Bildnis Saskias als Braut, 1633 Silberstift auf weiß grundiertem Pergament 18,5 x 10,6 cm; KdZ 1152 © bpk / Kupferstichkabinett, SMB / Jörg P. Anders
Zu den bedeutenden Malern ihrer Zeit zählen auch Jacob van Ruisdael und Jan van Goyen, der eine bilderbuchhafte Marktszene in Den Haag zeichnete. Die von Dünen überzogene niederländische Küste mit dort an Land liegenden Kähnen zeichnete hingegen van Ruisdael. Ihm ist auch die Szene mit Jägern im Wald zu verdanken, die er mit Baumgruppen links und rechts von den Jägern mit ihren Hunden „rahmte“.
Stillleben, eher eine Seltenheit in der niederländischen Zeichenkunst des 17. Jahrhunderts sind ebenso ausgestellt wie Naturstudien, in denen Insekten, Schnecken, Maden, ein Specht und Schmetterlinge in einer Darstellung vereint wurden. (c) fdp

Valentin Klotz Obstgärten und Häuser in Maastricht, 1671 Feder in Braun, grau, gelb und rosa aquarelliert; 27,2 x 32,0 cm; KdZ 2859 © bpk / Kupferstichkabinett, SMB / Jörg P. Anders
Kupferstichkabinett
Matthäikirchplatz
10785 Berlin
Öffnungszeiten
http://www.smb.museum/smb/service/index.php?lang=de&n=3&p=5hr