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Berlin
Käthe-Kollwitz-Museum
Hommage an Käthe Kollwitz
bis auf Weiteres
Vornehmlich die Zeichnerin wird mit ihren Zyklen, darunter den von Gerhard Hauptmanns „Die Weber“ angeregten Zyklus „Weberaufstand“ und verschiedenen thematischen Folgen sowie ihren Selbst- und Frauenbildnissen vorgestellt. Hinzukommen einige Bronzen, auch die Bronze, die Gustav Seitz von der Künstlerin schuf. Sie ist nicht nur im Obergeschoss des Museums, sondern auch auf dem Käthe-Kollwitz-Platz in Berlin-Prenzlauer Berg zu sehen.
Die Künstlerin stellt sich vor: Abschied und Tod
Neben der Kopfbüste der Künstlerin, die kurz vor deren Moskaureise 1926 entstanden ist, empfangen den Besucher Ausstellungsplakate und Fotos der Künstlerin und ihres Mannes, des Arztes Karl Kollwitz. Bereits im nächsten Ausstellungsraum steht man dem „Mappenwerk“ von Kollwitz mit dem Titel „Abschied und Tod“ gegenüber. Zu diesem Werk verfasste Gerhard Hauptmann unter anderem folgende Gedanken: „Sünde, Irrtum, Leiden. Hat die Sünde das Leiden hervorgerufen? Hat der Irrtum das Leiden hervorgerufen? ... Das Leiden ist da und erhebt sein Haupt. ... Erst mit dem Bilde und in dem Bilde des Gekreuzigten wird das Leiden heilig gesprochen. ...“ Und zum Werk der Künstlerin schreibt Hauptmann weiter: „Die Mutter ist der Gegenstand, die Liebe und das Leiden der Mutter, die Mutterschaft, in die natürlich ein Kind einbezogen werden muß.“
Die einleitenden Worte Hauptmanns scheinen eher von der eigenen Überzeugung geprägt und wenig auf die sozialistisch gesonnene Kollwitz bezogen. Hingegen ist die Feststellung des zentralen Themas in Kollwitz` Werk, die Mutter und das Kind, sehr zutreffend. In einer Kohlezeichnung ist die Mutter mit ihrem Kind, Wange an Wange geschmiegt, zu sehen: „Abschied“ lautet der Titel des Blattes. In einem anderen Blatt greift der Tod nach dem Kind, das die Mutter nicht hergeben möchte und fest an die Brust gedrückt hält. Der Tod scheint, wie Blatt 4 der Folge zeigt, seine Opfer zu suchen und zu finden. Sind es nicht die Kinder, so eine Frau, die mit entsetztem Blick den erschienenen Tod betrachtet. Der Tod kennt kein Erbarmen und drückt sein „Opfer“ an sich. Bei Kollwitz ist Gevatter Tod nicht der Sensenmann, skelettiert und hohlwangig. Er kommt als ein unscheinbares Wesen daher, wie in Blatt 5 der Folge: Zu sehen ist der Tod, der eine Frau in seinem Schoß hält. Dabei nimmt Kollwitz wohl bewusst die Darstellung der Pietá auf. In der Folge „Tod“ stürzt sich der Tod aus dem Himmel herab bedrohlich auf eine Kinderschar, greift sich zwei Kinder, und hindert ein Drittes an der Flucht.
Für die Entrechteten
Doch nicht allein Tod, Mutterschaft und Abschied sind Themen, die Kollwitz beschäftigten, sondern auch das Leben der „Entrechteten“, der kleinen Leute, die am Rande der Gesellschaft mehr dahinvegetieren als leben. Zu den Bauernkriegen schuf sie mehrere Blätter, darunter „Aufstand“: Eine aufgebrachte Schar bewaffneter Bauern, voran eine wehende Fahne – wohl die des Bundschuhs – zieht unterhalb einer zerstörten Burg ihres Weges. Über der Menge schwebt die Rachegöttin mit einer Brandfackel.
Agit-Prop oder nicht?
In das Genre von Agit-Prop fallen weitere Werke, so auch „Deutschlands Kinder hungern!“: Am linken Bildrand stehen vier kleine Kinder, die bettelnd ihre Schüssel emporhalten. Geworben wird mit dem Plakat für eine Spende, die der Internationalen Arbeiterhilfe Berlin zukommen soll, wie aus der Aufschrift der vorliegenden Kreidelithografie zu entnehmen ist. Sehr eindrucksvoll ist auch die Bildgestaltung der Lithographie „Brot“, die eine Mutter mit zwei Kindern am Rockzipfel zeigt. Position bezog Käthe Kollwitz gegen den Krieg in einem Plakatentwurf zum Mitteldeutschen Jugendtag im August 1924: „Nie wieder Krieg“ ist zu lesen und daneben sieht man einen jungen Mann mit wehenden, dunklen Haaren, der seine Hand zum Schwur erhebt. Nach dem Verlust des eigenen Sohnes, der 1914 in Flandern kaum 18-jährig gefallen war und in Vladslo (Belgien) beerdigt wurde, muss der Künstlerin der Krieg ein besonderer Gräuel gewesen sein.
Ein wenig pathetisch, aber im Geiste von Agit-Prop, also von einfachen Bildern zu einfachen Losungen, gestaltete Kollwitz ihrer Arbeit „Mütter, gebt von eurem Überfluß!“ (1926). Dieses Werk galt dem Aufruf zur Abgabe von Muttermilch an der Sammelstelle der Landesfrauenklinik Erfurt. Zur ausgestellten Lithographie wird auch die Originalsteindruckplatte gezeigt.
Das Elend der Arbeiter spiegelt sich in Flugblättern wieder wie „Beim Arzt“, mit dem die Künstlerin das Thema Armut und Mangelernährung thematisiert. Kollwitz bezog außerdem mit einer Kreidelithografie zur Alkoholgegnerwoche Stellung zur verheerenden Wirkung des Alkohols unter der Arbeiterschaft. Als verelendeter junger Mann erscheint uns in „Helft Russland!“ (1921) das Land an Don und Wolga. Helfende Hände strecken sich gen Bildmittelpunkt, versuchen den Verelendeten zu stützen.
Die Künstlerin sieht sich selbst
Besonders beeindruckend sind die Selbstbildnisse der Künstlerin, die zumeist ein wenig melancholisch, bedrückt und betrübt erscheint. Nur in einem Selbstporträt sieht man Käthe Kollwitz lachen, in allen anderen erscheint sie als vom Schicksal geschlagene Frau, teilweise mit zerfurchtem Gesicht oder nachdenkend die Hand an die Stirn gelegt. Zu sehen ist unter den Porträts auch die letzte öffentlich gezeigte Arbeit, die 1934 entstanden ist. Mal sieht man die Künstlerin en face, mal in der Seitenansicht, mal nur die Nahaufnahme des Gesichts, mal aber auch als sitzende älter werdende Frau. Auch die Porträts, die zwischen 1887 und 1907 entstanden – in ihren Tagebuchaufzeichnungen bezeichnet Kollwitz diese Jahre als eine in jeder Beziehung sehr glückliche Zeit, scheint das Glück nicht so überwältigend gewesen zu sein, betrachtet man die entsprechenden Selbstbildnisse. Nur in einer um 1888/89 entstandenen Tuschefederzeichnung lacht Käthe Kollwitz den Betrachter an!
Die Mutter bei Käthe Kollwitz ...
... ist ein zentrale Thema der Künstlerin. Kollwitz schuf unter anderem eine stehende schwangere Frau und eine Schwangere, die an die Tür des Arztsprechzimmers klopft. In ihren Bildern vom „Elend“ taucht die Mutter als Leidende, als Trauernde in Erscheinung, so in „Verunglücktes Kind“ (1909/1910). Eine entsetzt dreinschauende Mutter hält ihr Kind in den Armen, während eine gaffende Menge sich um sie drängt. Gezeichnet hat Käthe Kollwitz auch Kneipenszenen („Hamburger Kneipe“, 1901).
Zu den wenigen Plastiken der Präsentation gehört die Bronze eines Liebespaares, das miteinander zu verschmelzen scheint. Die Geliebte ruht seitlich auf dem Schoß des Geliebten, der sein Haupt an die Wange der Gespielin legt. Zudem zeigt man den von Barlach geschaffenen Kopf für das Güstrower Ehrenmal, für den Kollwitz Modell gestanden haben muss. (c) fdp
Käthe-Kollwitz-Museum
und grafische Sammlung Hans Pels-Leusden e.V.
Fasanenstr. 24
10719 Berlin (Charlottenburg)
Telefon: 030-882 52 10
info@kaethe-kollwitz.de
Öffnungszeiten
Mi - Mo 11 -18 Uhr