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Berlin
Hamburger Bahnhof


Wall Works
bis 31. August 2014

A-Z. Die Sammlung Marzona
bis zum Sommer 2016

In der großzügigen Architektur der Rieckhallen wird mit WALL WORKS ein Überblick über die künstlerische Auseinandersetzung mit der Wand seit den 1960er Jahren geboten. Anlass für die Ausstellung ist ein 2013 durch den Verein der Freunde der Nationalgalerie ermöglichter Ankauf eines Konvoluts von architekturbezogenen Wandarbeiten, die für die Edition Schellmann entwickelt wurden. Eine erste Auswahl dieser Neuerwerbungen wird im Dialog mit Wandarbeiten aus allen Sammlungen des Museums präsentiert, insbesondere aus der Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof. Zusätzlich sind thematisch relevante Leihgaben zu sehen, darunter eigens für die Ausstellung geschaffene Arbeiten der in Berlin lebenden Künstlerinnen Friederike Feldmann, Katharina Grosse und Nasan Tur.

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Daniel Buren:Unexpected variable configurations A work in Situ, 1998 Ed. Schellmann, Staatl. Museen zu Berlin, Nationalgalerie © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Ja, es muss wieder ein Anglizismus herhalten für eine Ausstellung, die sich dem Temporären in der Kunst widmet. Wall Works und nicht Wandbilder lautet der Ausstellungstitel, aber macht diese Titelwahl die Ausstellung eher attraktiv, lockt sie mehr Besucher, weckt sie mehr Neugierde? Man darf daran zweifeln.

Karos in Blau und gestreift

Wandbilder, das zeigte bereits in den vergangenen Monate eine entsprechende Schau in der Kunsthalle Bielefeld, sind nicht dauerhafte Kunstwerke. Sie sind bewusst als vergänglich konzipiert. Nicht alle Wandbilder sind allerdings der „Zerstörung“ preisgegeben. Mona Hatoums silbrige Riesenpuzzleteile sind nur an die Wand geheftet und können also an anderen Orten oder in anderen Räumen des Hamburger Bahnhofs zur Schau gestellt werden. Doch was geschieht mit Daniel Burens Wandarbeit? Es ist eine in situ-Arbeit, wie der Titel des Werks verrät. In die Masse der blauen Karos eingefügt sind Schwarz-Weiß-Karos, die die gleiche Größe wie die blauen Karos haben. Doch bei den „Schraffurenkaros“ in Weiß-Schwarz-Weiß-Schwarz-Weiß wird unser Auge bzw. unser Gehirn getäuscht, meinen wir doch, dass es sich nicht um gleich große Karos wie bei den blauen Karos handelt. Doch da täuschen wir uns. Ein nicht mit der Wand unmittelbar verbundenes Wandbild präsentiert uns John McCracken mit seiner Arbeit „Flight“. Wir sehen ein blaues schmales, hochformatiges Rechteck, das an der Wand lehnt. Ist der Neigungsgrad vorgegeben? Ist das Hochformat vorgegeben? Man muss es unterstellen, oder? Handelt es sich also um Konzeptkunst? Ist es doch Minimal Art.

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Imi Knoebel: Konstellation S. Cadmiumrot, 1975-1985 und Menninge (Pentagon(, 1992, Ed. Schellmann, Staatl. Museen zu Berlin, Nationalgalerie © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Passen Imi Knoebels sechs Wandelemente in Feuerrot eigentlich zusammen? Es scheint, als sein ein geometrischer Körper zerbrochen, sodass sechs „Scherben“ entstanden sind. „Konstellation S Cadmiumrot“ nannte der Künstler seine „Wandinstallation“. Auch Knoebel scheint wie McCracken das Verhältnis von Wand und Raum zu thematisieren, auch wen er auf ein frei stehendes „Kunstelement“ verzichtet.

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Sarah Morris: 1972 (Rings), 2006-13, Ed. Schellmann, Staatl. Museen zu Berlin, Nationalgalerie

Neon und Hammerschläge

Dynamisch, beinahe futuristisch mutet Sarah Morris Wandbild an. Man denkt beim Anblick spontan an sich bewegende Räder, an die Räder einer Dampflok oder an die Räder von superleichten Radrennrädern aus Karbon, die sich über den Asphalt bewegen, auch wenn der Werktitel „1972 (Ringe)“ eher nüchtern-sachlich klingt. Die Wand als Träger seiner Botschaften braucht Lawrence Weiner: „LEFT HERE PUT THERE FOR A LIMITED TIME“ lesen wir, wenn wir die Versalien betrachten, die sich über den Treppenabgang zum Untergeschoss hinziehen. Nur Schritte weiter stoßen wir auf grelles weißes Neonlicht, das den Schriftzug „NEON“ aufscheinen lässt. Joseph Kosuth ist der Wortkünstler, der ähnlich wie Weiner seine Wortkunst zur Debatte stellt. Wandkunst ganz eigener Art präsentiert uns Monica Bonvicini in ihrem Video, das die Kraft des Hammerschlags auf eine Wand zeigt, die nach und nach zerstört wird. Allein das Geräusch des Hammerschlages lockte uns in den Dunkelraum, der uns eine andere Spielart von Wandbild eröffnet.

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Katharina Grosse: I think this is a pine tree, 2013, Courtesy Barbara Gross Galerie München / Johann König Berlin / Galerie Mark Müller Zürich /Gelerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder Wien, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Strickmuster und Sternenarchitektur

Der 2013 mit 61 Jahren verstorbene Günther Förg ist mit seinen Farbflächengemälden ebenso in der Schau zu sehen wie Rosemarie Trockel mit ihrer „ weitmaschigen „Strickmalerei“ in Blau. Dazu gesellen sich Farbfeldarbeiten von Raoul De Keyser in Grün- und Grautönen, die unbetitelt geblieben sind. Warum Ross Bleckner mit „Middle Sex of Angels“ und „Architecture of the Sky V“ auch „Wall Works“ abdeckt, ist nicht ganz einsichtig, denn ähnlich wie Förg benutzte er Leinwand auf einem Keilrahmen für seine Gemälde. Sie hängen zwar an der Wand, aber sind nicht direkt Teil der Wand. Auch die Installation von einer roten und einer grünen Neonleuchte in einem White Cube – eine Arbeit von Sherrie Levine – passt zwar wunderbar zum Thema „Lichtkunst“, aber wohl kaum zum Thema „Wandbilder“, oder? Der Grand Seigneur der Konzeptkunst, Sol LeWitt, darf in einer Ausstellung zu Wandbildern auf keinen Fall fehlen. Ein „Kabinettraum“ in den Rieckhallen wurde entsprechend den Vorgaben des Künstlers ausgestaltet. Von Ferne halten wir den Raum nur für einen White Cube, doch nähern wir uns den Wänden, dann erkennen wir die Unterteilung der Wand in Quadrate, die wiederum von feinen Bleistiftlinien durchzogen sind. Was für eine Sisyphusarbeit musste dafür geleistet werden!

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Sherrie Levine Pharmacie, 1996 © Estate of M. Duchamp /
ARS New York

Offener Kubus und gefällte Bäume

Den Bezug zum Raum stellte auch Katharina Grosse mit ihren gefällten und farbig angemalten Bäumen her. Gleiches gilt für Sol LeWitts „Open Cube“, ein weißes offenes Gestell, das in einer Raumecke über den Köpfen der Besucher platziert wurde. Kopfschütteln ruft Jannis Kounellis beim Betrachter hervor, wenn dieser vor den Schienensträngen steht, aus denen jeweils Schuhspitzen hervorragen. Welche und wessen Spuren hat der Künstler da wohl festgehalten?


mullicanMatt Mullican: o. T. , 1998, Ed. Schellmann,
Staatl. Museen zu Berlin, Nationalgalerie

Was Berlin sagt

Beinahe Raum einnehmend ist auch die Übermalung Nasan Turs mit dem Titel „Berlin says“. Doch was sagt Berlin? Betrachten wir die rote, schlingenartige Übermalung, dann können wir es nicht wissen. Doch das Video, das den Künstler bei der Arbeit zeigt, zeigt uns Graffiti, wie man sie an fast jeder Berliner Straßenecke, an Hochbahnbrücken oder auf anderen Freiflächen findet. „PENIS“, „GEHT WEN IHR SEHT“, „KEEP SMILING“, „DU HUND!“ oder „ES GIBT KEINE ZEIT NUR UHREN“ sind die Mitteilungen, die der Künstler zunächst aufgetragen hat, um sie dann unkenntlich zu machen. Die Spraydose als Malutensil nimmt dabei Bezug auf die wilden Sprayer, die Nacht für Nacht durch die Stadt ziehen, ihre Tags oder auch Nachrichten und Bilder hinterlassen. Dieses Werk öffnet den Blick für eine Erscheinung der Kunst, die dank Graffiti in den Städten allgegenwärtig, in den Kunsttempeln jedoch eher selten ist. Zum Schluss: In der sehenswerten Schau fehlt es nicht an Witz und Humor, Hintersinn und Nachdenklichkeit – dank sei den Künstlern in den Rieckhallen. © text und fotos fdp / Rechte der Werke bei den Künstlern/Rechtenachfolgern

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Mona Hatoum: Puzzeld, 2009, Ed. Schellmann, Staatl. Museen zu Berlin, Nationalgalerie

MARY HEILMANN & DAVID REED
29. August 2014 – 18. Januar 2015

Im Spätsommer richtet die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof eine Schau mit Werken der US-amerikanischen Maler David Reed (*1946) und Mary Heilmann (*1940) aus. In ihren Werken spiegelt sich ein tiefes Wissen über amerikanische und europäische Malereigeschichte, aus der jeder für sich zu einer eigenen Position der Malerei gefunden hat. Beide verbindet eine abstrakte Bildsprache, die zugleich den installativen Charakter von Malerei in den Vordergrund stellt.

MARIANA CASTILLO DEBALL
20. September 2014 – 1. März 2015

Erstmals erhält eine Preisträgerin des Preis der Nationalgalerie für junge Kunst als Auszeichnung eine Einzelausstellung in einem der Häuser der Nationalgalerie. Mariana Castillo Deball (*1975), die Gewinnerin 2013, wird im Herbst Werke im Hamburger Bahnhof zeigen

 

Die Schenkung Marzona und A-Z. Die Sammlung Marzona

Bereits 2002 konnte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz für die Nationalgalerie und das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin 213 Werke aus der Sammlung Marzona erwerben, in der unter anderem wichtige Werke der Arte povera zu finden sind. Seit den späten 1960er Jahren sammelt der Wahlberliner Egidio Marzona zeitgenössische Werke der damals aktuellen internationalen Kunstströmungen. Dank seiner einzigartigen Kenntnis, seinem Geschick und seinen Kontakten in die Künstler- und Sammlerszenen ist es ihm gelungen, eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen der Concept Art, Minimal Art, Arte povera und Land Art aufzubauen.

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Joseph Kosuth: A Four Color Sentence, 1966. Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie im Hambu Marzona / Jens Ziehe. © VG Bild-Kunst, Bonn 2014


Die den Buchstaben des Alphabets folgende Präsentation bietet einen sich stetig verändernden Zugang zu der facettenreichen Sammlung Marzona. Das semiotische Raster des Alphabets greift Ideen der ausgestellten Kunst auf und bildet eine stringente und zugleich lose Grundlage für ein Programm, in dem nicht nur einzelne Positionen, wichtige historische Ausstellungen und künstlerische Gattungen, sondern auch Schlagwörter, Fragestellungen und Prozesse in den Fokus gerückt werden. Vierteljährlich wird die Präsentation erneuert, das Alphabet weitergeführt. Beginnend mit A gibt der erste Raum einen Einblick in die italienische Kunstrichtung der Arte Povera – einer der Sammlungsschwerpunkte der Sammlung Marzona – mit Werken von Mario Merz, Alighiero Boetti und Giuseppe Penone. Der zweite Ausstellungsraum ist dem Buchstaben B gewidmet. Hier wird eine bis dato in Berlin nicht ausgestellte Installation des französischen Künstlers Daniel Buren gezeigt. ...

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Giulio Paolini: Ohne Titel, 1973. Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Sammlung Marzona, foto Volker-H. Schneider

Marzonas Kunstsammlung enthält prototypische Arbeiten der 1960er bis 1970er Jahre von namhaften Künstlern wie Daniel Buren und Giulio Paolini – beide im ersten Teil der temporären Präsentation der nunmehr erfolgten Schenkung von 372 Werken zu sehen. Zudem sind Arbeiten von Jan Dibbets, Hamish Fulton, Richard Long, Garry Kuehn, Mel Bochner, Charlotte Posenenske und anderen Künstlern in der Sammlung Marzona vertreten. Das Besondere an der Sammlung Marzona besteht nicht nur in den Werken der genannten Künstler, sondern vielmehr darin, dass die Sammlung eine Vielfalt und Vielzahl von Primär- und Sekundärquellen, die das ganze Spektrum der künstlerischen Kommunikationsmedien des 20. Jahrhunderts umfasst: Zeichnungen, Gemälde, Collagen, Plakate, Einladungskarten, Zeitschriften, Bücher, Kataloge, Manifeste, Filme, Fotografien, Künstlerschallplatten und Briefe. Die Sammlung Marzona zeichnet gerade diese besondere Verschränkung von Kunst und archivalischem Quellenmaterial aus.

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Richard Long: Autumn Turf Circle, 1998. Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Sammlung Marzona / Marcus Schneider. © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Die Sammlungspräsentation A-Z ist eine Präsentation, die den Buchstaben des Alphabets folgt und einen sich stetig verändernden Zugang zu der facettenreichen Sammlung bietet. Beginnend mit A gibt der erste Raum einen Einblick in die italienische Kunstrichtung der Arte povera – einer der Sammlungsschwerpunkte der Sammlung Marzona – mit Werken von Mario Maerz, Alighiero Boetti und Giuseppe Penone. Der zweite Ausstellungsraum ist dem Buchstaben B gewidmet. Hier wird eine bis dato in Berlin nicht ausgestellte Installation des französischen Künstlers Daniel Buren gezeigt. Und C.7500 – es handelt sich um den Titel einer von Lucy Lippard 1973 kuratierten Ausstellung – thematisiert den Ausstellungskatalog als künstlerisches Medium. Der erste Teil der Präsentation endet am 20. April 2014 und wird dann mit drei weiteren Buchstaben fortgesetzt.

Übrigens, zur Vertiefung findet man ein sogenanntes „Archiv“ mit zahlreichen Publikationen, die die eingehende Beschäftigung mit den Kunstströmungen wie Arte povera erlauben.

maerzMario Maerz: Igloo Ticino, 1990, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Sammlung Marzona . © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Im ersten Raum, wie oben bereits angedeutet, findet sich Kunst aus „armen Materialien“. „Arme Materialien“ meint einfache, alltägliche Materialien wie Papier, Pappe, Draht, Reisig, Äste oder Kork. In einigen Museen vertreten ist Marion Maerz, der für seine Iglu-Bauten bekannt ist. Es sind archaische menschliche Behausungen, die Maerz in unterschiedlichen Versionen auch aus Glas und mittels Zwingen geschaffen hat. Unter anderem findet man Maerz' gläsernen Iglu im Duisburger Lehmbruck-Museum.

Im vorliegenden Fall hat Maerz Steinplatten aus Granit zu einem Iglu aufgeschichtet. Paradox ist dies schon, denn ein Iglu besteht ja traditionell aus Eisblöcken und war die temporäre Behausung der Inuit während ihrer Jagden. Steine als Baumaterial gab es in den Weiten des ewigen Eises nicht! Doch Maerz nennt sein Werk auch „Igloo Ticino“ und transferiert den Iglu so direkt in die Mitte Europas. Jannis Kounellis, der mit Arbeiten gleichfalls zu sehen ist, irritiert uns mit „schwarzem Zahlenwerk“.

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Giulio Paolini: Honfleur, 1969/1971, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Sammlung Marzona, foto fdp

Aus Karton schuf Giulio Paolini eine Collage nach dem Prinzip des „Quadratischen“. Warum nur nannte er sein Werk nach der französischen Hafenstadt Honfleur? Stellen die blauen Kartonschnipsel das Meer dar; sind die vier rosa Schnipsel der Stadtgrundriss aus der Vogelschau? Zu sehen sind zudem Arbeiten von Giovanni Anselmo, darunter „Invisibile“. Doch worin besteht das „Nicht-Sichtbare“ in dem kleinformatigen Werk, das durch einen nach links versetzten weißen Balken in zwei Bildhälften gegliedert ist? Daneben sehen wir eine Arbeit von Alighiero Boetti mit dem Titel „MILLENOVECENTOSETTANTA“, ein Holzrelief mit „Buchstabensalat“, der mit Mühe zu „1960“ zusammengefügt werden kann. Vom gleichen Künstler zeigt man noch eine weitere, diesmal textile Arbeit mit auffälliger „Rasterung“: „Alternando da I a IOO".

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Alighiero Boetti: Alternando da I a IOO, 1979. Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof Sammlung Marzona / Jens Ziehe. © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Einen eigenen Raum nimmt das Werk des französischen Künstlers Daniel Buren ein, dessen „Markenzeichen“ das streifige „Markisenstoffmuster“ ist. Hochformatige, schmale Paneele lehnen an den Wänden des Raumes. Sie sind vertikal weiß-rot gestreift. Buren verwendet immer das aus 8,7 cm breiten senkrechten Streifen bestehende „Muster“, ob nun auf Papier, Leinwand oder Plastikfolie. Damit „kleidet“ er Innenräume aus, so auch im Hamburger Bahnhof. Die aktuell gezeigte Arbeit entstand für das Brüsseler Musée d'Ixelles, also für einen Ort, dem der Künstler eigentlich recht kritisch gegenübersteht. Er sah in den Museen eine gefährliche Waffe in den Händen der Bourgeoisie, wie es im Saaltext heißt. Mit seinen Arbeiten greift Buren Elemente der Architektur auf und setzt diese in den Kontext der Raumarchitektur, die er umgestaltet. Doch wozu?

Schließlich sei noch auf einen dritten Raum der aktuellen Präsentation verwiesen. Hier wird Konzeptkunst von Künstlerinnen präsentiert, einst von der Kuratorin Lucy Lippard initiiert, die zu den profiliertesten Akteurinnen der New Yorker Kunstszene der 1960er und frühen 1970er Jahren gehörte. An Sprödigkeit ist diese Präsentation wirklich nicht zu überbieten. Kein Wunder also, dass sich kaum ein Besucher des Hamburger Bahnhofs hierher verirrte, als der Berichterstatter die Schau besuchte.

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Daniel Buren: Une peinture en douze éléments formant une architecture, 1975 , Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Sammlung Marzona, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014, foto fdp

Mit „DEF“ wird die Vorstellung der Sammlung Marzona Ende April 2014 eine Fortsetzung finden: D steht dabei für das Dokumentarische in den Werken von Hans-Peter Feldmann und On Kawara. E befast sich mit „erhalten“, also der Herausforderung, die die Kunstwerke dieser Zeit an die Restaurierung der Arbeiten stellen. F schließlich steht für die Fotografie, die in den späten 1960er Jahren eine neue Bedeutung bekam. Nach Augenschmaus und Kunstgenuss klingt das nicht unbedingt. Die Herausforderung für den Besucher scheint eher zu wachsen, allerdings fern der Besucherströme und nur für wenige Kunstbegeisterte. © fdp

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Douglas Huebler: Site Sculpture Project, Cape Cod Wedge Exchange, 1968. Staatliche Museen zu Berlin Hamburger Bahnhof, Sammlung Marzona / Marcus Schneide

Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
Invalidenstraße 50-51
10557 Berlin
Öffnungszeiten
http://www.smb.museum/smb/service/index.php?lang=de&n=3&p=5
Verkehrsverbindungen U-Bahn U6 (Museum für Naturkunde) S-Bahn S3, S5, S7, S75 (Hauptbahnhof) Tram M6, M8, 12 (Museum für Naturkunde) Bus M41, M85, TXL (Hauptbahnhof); 120, 123, 147, 240, 245 (Invalidenpark)

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