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Ausstellungsorte in Berlin: Bauhausarchiv / Berlinische Galerie / Deutsches Historisches Museum / Martin Gropius Bau / Neue Nationalgalerie / DDR-Museum / Museum der Dinge / Hamburger Bahnhof / Sammlung Scharf-Gerstenberg / Max-Liebermann-Villa / Medizinhistorisches Museum

Berlin
Hamburger Bahnhof


Wall Works
bis 11. Januar 2015


Official Welcome - Ankäufe der Stiftung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie für Zeitgenössische Kunst
bis 18. Januar 2015

In der großzügigen Architektur der Rieckhallen wird mit WALL WORKS ein Überblick über die künstlerische Auseinandersetzung mit der Wand seit den 1960er Jahren geboten. Anlass für die Ausstellung ist ein 2013 durch den Verein der Freunde der Nationalgalerie ermöglichter Ankauf eines Konvoluts von architekturbezogenen Wandarbeiten, die für die Edition Schellmann entwickelt wurden. Eine erste Auswahl dieser Neuerwerbungen wird im Dialog mit Wandarbeiten aus allen Sammlungen des Museums präsentiert, insbesondere aus der Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof. Zusätzlich sind thematisch relevante Leihgaben zu sehen, darunter eigens für die Ausstellung geschaffene Arbeiten der in Berlin lebenden Künstlerinnen Friederike Feldmann, Katharina Grosse und Nasan Tur.

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Daniel Buren:Unexpected variable configurations A work in Situ, 1998 Ed. Schellmann, Staatl. Museen zu Berlin, Nationalgalerie © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Ja, es muss wieder ein Anglizismus herhalten für eine Ausstellung, die sich dem Temporären in der Kunst widmet. Wall Works und nicht Wandbilder lautet der Ausstellungstitel, aber macht diese Titelwahl die Ausstellung eher attraktiv, lockt sie mehr Besucher, weckt sie mehr Neugierde? Man darf daran zweifeln.

Karos in Blau und gestreift

Wandbilder, das zeigte bereits in den vergangenen Monate eine entsprechende Schau in der Kunsthalle Bielefeld, sind nicht dauerhafte Kunstwerke. Sie sind bewusst als vergänglich konzipiert. Nicht alle Wandbilder sind allerdings der „Zerstörung“ preisgegeben. Mona Hatoums silbrige Riesenpuzzleteile sind nur an die Wand geheftet und können also an anderen Orten oder in anderen Räumen des Hamburger Bahnhofs zur Schau gestellt werden. Doch was geschieht mit Daniel Burens Wandarbeit? Es ist eine in situ-Arbeit, wie der Titel des Werks verrät. In die Masse der blauen Karos eingefügt sind Schwarz-Weiß-Karos, die die gleiche Größe wie die blauen Karos haben. Doch bei den „Schraffurenkaros“ in Weiß-Schwarz-Weiß-Schwarz-Weiß wird unser Auge bzw. unser Gehirn getäuscht, meinen wir doch, dass es sich nicht um gleich große Karos wie bei den blauen Karos handelt. Doch da täuschen wir uns. Ein nicht mit der Wand unmittelbar verbundenes Wandbild präsentiert uns John McCracken mit seiner Arbeit „Flight“. Wir sehen ein blaues schmales, hochformatiges Rechteck, das an der Wand lehnt. Ist der Neigungsgrad vorgegeben? Ist das Hochformat vorgegeben? Man muss es unterstellen, oder? Handelt es sich also um Konzeptkunst? Ist es doch Minimal Art.

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Imi Knoebel: Konstellation S. Cadmiumrot, 1975-1985 und Menninge (Pentagon(, 1992, Ed. Schellmann, Staatl. Museen zu Berlin, Nationalgalerie © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Passen Imi Knoebels sechs Wandelemente in Feuerrot eigentlich zusammen? Es scheint, als sein ein geometrischer Körper zerbrochen, sodass sechs „Scherben“ entstanden sind. „Konstellation S Cadmiumrot“ nannte der Künstler seine „Wandinstallation“. Auch Knoebel scheint wie McCracken das Verhältnis von Wand und Raum zu thematisieren, auch wen er auf ein frei stehendes „Kunstelement“ verzichtet.

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Sarah Morris: 1972 (Rings), 2006-13, Ed. Schellmann, Staatl. Museen zu Berlin, Nationalgalerie

Neon und Hammerschläge

Dynamisch, beinahe futuristisch mutet Sarah Morris Wandbild an. Man denkt beim Anblick spontan an sich bewegende Räder, an die Räder einer Dampflok oder an die Räder von superleichten Radrennrädern aus Karbon, die sich über den Asphalt bewegen, auch wenn der Werktitel „1972 (Ringe)“ eher nüchtern-sachlich klingt. Die Wand als Träger seiner Botschaften braucht Lawrence Weiner: „LEFT HERE PUT THERE FOR A LIMITED TIME“ lesen wir, wenn wir die Versalien betrachten, die sich über den Treppenabgang zum Untergeschoss hinziehen. Nur Schritte weiter stoßen wir auf grelles weißes Neonlicht, das den Schriftzug „NEON“ aufscheinen lässt. Joseph Kosuth ist der Wortkünstler, der ähnlich wie Weiner seine Wortkunst zur Debatte stellt. Wandkunst ganz eigener Art präsentiert uns Monica Bonvicini in ihrem Video, das die Kraft des Hammerschlags auf eine Wand zeigt, die nach und nach zerstört wird. Allein das Geräusch des Hammerschlages lockte uns in den Dunkelraum, der uns eine andere Spielart von Wandbild eröffnet.

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Katharina Grosse: I think this is a pine tree, 2013, Courtesy Barbara Gross Galerie München / Johann König Berlin / Galerie Mark Müller Zürich /Gelerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder Wien, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Strickmuster und Sternenarchitektur

Der 2013 mit 61 Jahren verstorbene Günther Förg ist mit seinen Farbflächengemälden ebenso in der Schau zu sehen wie Rosemarie Trockel mit ihrer „ weitmaschigen „Strickmalerei“ in Blau. Dazu gesellen sich Farbfeldarbeiten von Raoul De Keyser in Grün- und Grautönen, die unbetitelt geblieben sind. Warum Ross Bleckner mit „Middle Sex of Angels“ und „Architecture of the Sky V“ auch „Wall Works“ abdeckt, ist nicht ganz einsichtig, denn ähnlich wie Förg benutzte er Leinwand auf einem Keilrahmen für seine Gemälde. Sie hängen zwar an der Wand, aber sind nicht direkt Teil der Wand. Auch die Installation von einer roten und einer grünen Neonleuchte in einem White Cube – eine Arbeit von Sherrie Levine – passt zwar wunderbar zum Thema „Lichtkunst“, aber wohl kaum zum Thema „Wandbilder“, oder? Der Grand Seigneur der Konzeptkunst, Sol LeWitt, darf in einer Ausstellung zu Wandbildern auf keinen Fall fehlen. Ein „Kabinettraum“ in den Rieckhallen wurde entsprechend den Vorgaben des Künstlers ausgestaltet. Von Ferne halten wir den Raum nur für einen White Cube, doch nähern wir uns den Wänden, dann erkennen wir die Unterteilung der Wand in Quadrate, die wiederum von feinen Bleistiftlinien durchzogen sind. Was für eine Sisyphusarbeit musste dafür geleistet werden!

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Sherrie Levine Pharmacie, 1996 © Estate of M. Duchamp /
ARS New York

Offener Kubus und gefällte Bäume

Den Bezug zum Raum stellte auch Katharina Grosse mit ihren gefällten und farbig angemalten Bäumen her. Gleiches gilt für Sol LeWitts „Open Cube“, ein weißes offenes Gestell, das in einer Raumecke über den Köpfen der Besucher platziert wurde. Kopfschütteln ruft Jannis Kounellis beim Betrachter hervor, wenn dieser vor den Schienensträngen steht, aus denen jeweils Schuhspitzen hervorragen. Welche und wessen Spuren hat der Künstler da wohl festgehalten?

mullicanMatt Mullican: o. T. , 1998, Ed. Schellmann,
Staatl. Museen zu Berlin, Nationalgalerie

Was Berlin sagt

Beinahe Raum einnehmend ist auch die Übermalung Nasan Turs mit dem Titel „Berlin says“. Doch was sagt Berlin? Betrachten wir die rote, schlingenartige Übermalung, dann können wir es nicht wissen. Doch das Video, das den Künstler bei der Arbeit zeigt, zeigt uns Graffiti, wie man sie an fast jeder Berliner Straßenecke, an Hochbahnbrücken oder auf anderen Freiflächen findet. „PENIS“, „GEHT WEN IHR SEHT“, „KEEP SMILING“, „DU HUND!“ oder „ES GIBT KEINE ZEIT NUR UHREN“ sind die Mitteilungen, die der Künstler zunächst aufgetragen hat, um sie dann unkenntlich zu machen. Die Spraydose als Malutensil nimmt dabei Bezug auf die wilden Sprayer, die Nacht für Nacht durch die Stadt ziehen, ihre Tags oder auch Nachrichten und Bilder hinterlassen. Dieses Werk öffnet den Blick für eine Erscheinung der Kunst, die dank Graffiti in den Städten allgegenwärtig, in den Kunsttempeln jedoch eher selten ist. Zum Schluss: In der sehenswerten Schau fehlt es nicht an Witz und Humor, Hintersinn und Nachdenklichkeit – dank sei den Künstlern in den Rieckhallen. © text und fotos fdp / Rechte der Werke bei den Künstlern/Rechtenachfolgern

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Mona Hatoum: Puzzeld, 2009, Ed. Schellmann, Staatl. Museen zu Berlin, Nationalgalerie

Ausstellungen

MARY HEILMANN & DAVID REED
bis 18. Januar 2015

Im Spätsommer richtet die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof eine Schau mit Werken der US-amerikanischen Maler David Reed (*1946) und Mary Heilmann (*1940) aus. In ihren Werken spiegelt sich ein tiefes Wissen über amerikanische und europäische Malereigeschichte, aus der jeder für sich zu einer eigenen Position der Malerei gefunden hat. Beide verbindet eine abstrakte Bildsprache, die zugleich den installativen Charakter von Malerei in den Vordergrund stellt.

Official Welcome - Ankäufe der Stiftung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie für Zeitgenössische Kunst
bis 18. Januar 2015

Berlin "Official Welcome"zeigt eine Auswahl von Ankäufen der Stiftung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst. Die 2005 gegründete Stiftung erwirbt in erster Linie relevante Positionen der Gegenwartskunst. Dank des bemerkenswerten Engagements wurden in den letzten Jahren mehr als 70 Werke von rund 50 Künstler_innen Teil der Sammlung der Nationalgalerie. Die für diese Präsentation ausgewählten Werke verbindet eine stark medienreflexive Arbeitsweise. Alle sieben Künstler_innen arbeiten streng konzeptuell und theorieorientiert. Im Gegensatz zur dematerialisierten Ideenkunst der 1960er- und 1970er-Jahre konzentrieren sie sich jedoch auf die gezielte Auseinandersetzung mit den jeweiligen Kunstgattungen Malerei, Fotografie, Installation, Performance oder Assemblage. So verwebt das Künstlerkollektiv Bernadette Corporation die Welten der Mode, des Romans, des Films und der Konzeptkunst. Ebenfalls interdisziplinär arbeitet Cosima von Bonin, die in ihren installativen Arbeiten vielfältige Zitate, beispielsweise von befreundeten Künstlern und Musikern, oder aus der Konsumindustrie verwendet. Dagegen hinterfragen Jutta Koether und Michael Krebber in ihren Arbeiten das Medium der Malerei und erweitern ihre Werke um Elemente aus anderen Kunstformen. Christopher Williams bezeichnet sich nicht als Fotograf, sondern als Regisseur, indem er etwa Werbefotografen für seine Hochglanzaufnahmen beauftragt, in denen er die Techniken und Realitäten der Fotografie erforscht. Ferner analysiert Heimo Zobernig die Mechanismen der Kunst und des Ausstellungsbetrieb. Andrea Frasers Performance "Official Welcome"(2001/2003) - die dieser Sammlungspräsentation ihren Titel leiht - reflektiert und parodiert Verhaltensmuster des Kunstbetriebs.

MARIANA CASTILLO DEBALL
20. September 2014 – 1. März 2015

Mariana Castillo Deball (*1975 in Mexico City), wird ab September 2014 ein eigens für ihre Einzelausstellung entwickeltes Projekt in der Historischen Halle des Hamburger Bahnhofs zeigen. Die raumgreifende Installation vereint verschiedene künstlerische Überlegungen an der Schnittstelle zwischen historischer Forschung, Philosophie und Kunst, die für das Werk von Mariana Castillo Deball ausschlaggebend sind. Für ihre Arbeiten eignet sie sich gezielt Themenfelder an und überführt den gewachsenen Forschungsprozess, an Methoden der Archäologie, Ethnografie und wissenschaftsgeschichte erinnernd, in eine zeitgenössische künstlerische Formensprache. Vergessenes wird in neue Zusammenhänge gestellt, um erfahrbare Bilder und alternative Lesarten entstehen zu lassen. Für die Schau im Hamburger Bahnhof widmet sich die Künstlerin den "Biografien von Dingen". Ihr Augenmerk richtet sie dabei auf museale Sammlungsobjekte, die nicht selten "wandernd zwischen Hinterhöfen, Kellern, Sockeln, Vitrinen, Museen, Wanderausstellungen und privaten Sammlungen ein unbeständiges Leben hatten" (Mariana Castillo Deball). Im Zentrum der Präsentation stehen Gegenstände und Kunstwerke aus verschiedenen Berliner Museen, vor allem aber solche, die mit der Sammlung der Nationalgalerie zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Verbindung standen. Wie der Titel der Ausstellung "Parergon" (Beiwerk, Nebenwerk) nahe legt, wird die Geschichte der Sammlungen, ihrer Bauten, Exponate und Protagonisten insbesondere hinsichtlich ihrer Migrationen und Neuordnungen untersucht und entschlüsselt. Besonderes Augenmerk legt Castillo Deball dabei auf Zusammenhänge, die sich außerhalb des Rahmens des Bekannten und des Eindeutigen abspielen. Welchen Einfluss die Institution Museum und ihre Vertreter auf das Leben und den Status der Objekte haben, ist eine leitende Frage für die Betrachtungen der Künstlerin. Gegenstand der Installation sind weniger die faktischen Ergebnisse des stark recherchebasierten Projekts. Vielmehr geht es darum, eine sinnlich erfahrbare Situation zu entwickeln, in der die Künstlerin eigene, neu entwickelte Arbeiten mit historischen Ausstellungsstücken verbindet. Neue Narrationen und Querverbindungen, die zwischen den verschiedenen Objekten, historischen Einschnitten und zufälligen Geschehnissen entstehen, liefern Mariana Castillo Deball das Material für ihre eigenen künstlerischen Interventionen. Sie "möchte eine Art Oper schaffen, in der ein Repertoire aus Objekten, Gebäuden und architektonischen Rekonstruktionen als Hauptcharaktere auftreten." (Mariana Castillo Deball) Diese verschiedenen Charaktere erzählen ein "Bühnenstück" im Museum, in dem ihre in der Vergangenheit begangenen Wege und gelebten Abenteuer die Dramaturgie der Ausstellung bestimmen. Als weitere Ebene ihrer Oper wird die Künstlerin ein Hörstück realisieren, das dem Besucher in Form eines Audioguides Einblicke in den vorausgegangenen Rechercheprozess ermöglicht. Hier werden Stimmen von Spezialisten, Zeitzeugen und fiktiven Figuren zur Sprache kommen, die sehr individuelle Sichtweisen und Erfahrungen mit den Besuchern teilen, die in Zusammenhang mit der komplexen Geschichte des Hamburger Bahnhofs, der Sammlung der Nationalgalerie und der in der Ausstellung gezeigten Exponate stehen. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Verlag der Buchhandlung Walther König mit Texten von Kirsty Bell, Dario Gamboni und Melanie Roumiguière.

Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
Invalidenstraße 50-51
10557 Berlin
Öffnungszeiten
http://www.smb.museum/smb/service/index.php?lang=de&n=3&p=5
Verkehrsverbindungen U-Bahn U6 (Museum für Naturkunde) S-Bahn S3, S5, S7, S75 (Hauptbahnhof) Tram M6, M8, 12 (Museum für Naturkunde) Bus M41, M85, TXL (Hauptbahnhof); 120, 123, 147, 240, 245 (Invalidenpark)

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