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Ausstellungsorte in Berlin: Bauhausarchiv / Berlinische Galerie / Deutsches Historisches Museum / Martin Gropius Bau / Neue Nationalgalerie / DDR-Museum / Museum der Dinge / Hamburger Bahnhof / Sammlung Scharf-Gerstenberg / Max-Liebermann-Villa / Medizinhistorisches Museum

Berlin
Hamburger Bahnhof


Wall Works
bis 31. August 2014

In der großzügigen Architektur der Rieckhallen wird mit WALL WORKS ein Überblick über die künstlerische Auseinandersetzung mit der Wand seit den 1960er Jahren geboten. Anlass für die Ausstellung ist ein 2013 durch den Verein der Freunde der Nationalgalerie ermöglichter Ankauf eines Konvoluts von architekturbezogenen Wandarbeiten, die für die Edition Schellmann entwickelt wurden. Eine erste Auswahl dieser Neuerwerbungen wird im Dialog mit Wandarbeiten aus allen Sammlungen des Museums präsentiert, insbesondere aus der Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof. Zusätzlich sind thematisch relevante Leihgaben zu sehen, darunter eigens für die Ausstellung geschaffene Arbeiten der in Berlin lebenden Künstlerinnen Friederike Feldmann, Katharina Grosse und Nasan Tur.

Ja, es muss wieder ein Anglizismus herhalten für eine Ausstellung, die sich dem Temporären in der Kunst widmet. Wall Works und nicht Wandbilder lautet der Ausstellungstitel, aber macht diese Titelwahl die Ausstellung eher attraktiv, lockt sie mehr Besucher, weckt sie mehr Neugierde? Man darf daran zweifeln.

Karos in Blau und gestreift

Wandbilder, das zeigte bereits in den vergangenen Monate eine entsprechende Schau in der Kunsthalle Bielefeld, sind nicht dauerhafte Kunstwerke. Sie sind bewusst als vergänglich konzipiert. Nicht alle Wandbilder sind allerdings der „Zerstörung“ preisgegeben. Mona Hatoums silbrige Riesenpuzzleteile sind nur an die Wand geheftet und können also an anderen Orten oder in anderen Räumen des Hamburger Bahnhofs zur Schau gestellt werden. Doch was geschieht mit Daniel Burens Wandarbeit? Es ist eine in situ-Arbeit, wie der Titel des Werks verrät. In die Masse der blauen Karos eingefügt sind Schwarz-Weiß-Karos, die die gleiche Größe wie die blauen Karos haben. Doch bei den „Schraffurenkaros“ in Weiß-Schwarz-Weiß-Schwarz-Weiß wird unser Auge bzw. unser Gehirn getäuscht, meinen wir doch, dass es sich nicht um gleich große Karos wie bei den blauen Karos handelt. Doch da täuschen wir uns. Ein nicht mit der Wand unmittelbar verbundenes Wandbild präsentiert uns John McCracken mit seiner Arbeit „Flight“. Wir sehen ein blaues schmales, hochformatiges Rechteck, das an der Wand lehnt. Ist der Neigungsgrad vorgegeben? Ist das Hochformat vorgegeben? Man muss es unterstellen, oder? Handelt es sich also um Konzeptkunst? Ist es doch Minimal Art.

Passen Imi Knoebels sechs Wandelemente in Feuerrot eigentlich zusammen? Es scheint, als sein ein geometrischer Körper zerbrochen, sodass sechs „Scherben“ entstanden sind. „Konstellation S Cadmiumrot“ nannte der Künstler seine „Wandinstallation“. Auch Knoebel scheint wie McCracken das Verhältnis von Wand und Raum zu thematisieren, auch wen er auf ein frei stehendes „Kunstelement“ verzichtet.

Neon und Hammerschläge

Dynamisch, beinahe futuristisch mutet Sarah Morris Wandbild an. Man denkt beim Anblick spontan an sich bewegende Räder, an die Räder einer Dampflok oder an die Räder von superleichten Radrennrädern aus Karbon, die sich über den Asphalt bewegen, auch wenn der Werktitel „1972 (Ringe)“ eher nüchtern-sachlich klingt. Die Wand als Träger seiner Botschaften braucht Lawrence Weiner: „LEFT HERE PUT THERE FOR A LIMITED TIME“ lesen wir, wenn wir die Versalien betrachten, die sich über den Treppenabgang zum Untergeschoss hinziehen. Nur Schritte weiter stoßen wir auf grelles weißes Neonlicht, das den Schriftzug „NEON“ aufscheinen lässt. Joseph Kosuth ist der Wortkünstler, der ähnlich wie Weiner seine Wortkunst zur Debatte stellt. Wandkunst ganz eigener Art präsentiert uns Monica Bonvicini in ihrem Video, das die Kraft des Hammerschlags auf eine Wand zeigt, die nach und nach zerstört wird. Allein das Geräusch des Hammerschlages lockte uns in den Dunkelraum, der uns eine andere Spielart von Wandbild eröffnet.

Strickmuster und Sternenarchitektur

Der 2013 mit 61 Jahren verstorbene Günther Förg ist mit seinen Farbflächengemälden ebenso in der Schau zu sehen wie Rosemarie Trockel mit ihrer „ weitmaschigen „Strickmalerei“ in Blau. Dazu gesellen sich Farbfeldarbeiten von Raoul De Keyser in Grün- und Grautönen, die unbetitelt geblieben sind. Warum Ross Bleckner mit „Middle Sex of Angels“ und „Architecture of the Sky V“ auch „Wall Works“ abdeckt, ist nicht ganz einsichtig, denn ähnlich wie Förg benutzte er Leinwand auf einem Keilrahmen für seine Gemälde. Sie hängen zwar an der Wand, aber sind nicht direkt Teil der Wand. Auch die Installation von einer roten und einer grünen Neonleuchte in einem White Cube – eine Arbeit von Sherrie Levine – passt zwar wunderbar zum Thema „Lichtkunst“, aber wohl kaum zum Thema „Wandbilder“, oder? Der Grand Seigneur der Konzeptkunst, Sol LeWitt, darf in einer Ausstellung zu Wandbildern auf keinen Fall fehlen. Ein „Kabinettraum“ in den Rieckhallen wurde entsprechend den Vorgaben des Künstlers ausgestaltet. Von Ferne halten wir den Raum nur für einen White Cube, doch nähern wir uns den Wänden, dann erkennen wir die Unterteilung der Wand in Quadrate, die wiederum von feinen Bleistiftlinien durchzogen sind. Was für eine Sisyphusarbeit musste dafür geleistet werden!

Offener Kubus und gefällte Bäume

Den Bezug zum Raum stellte auch Katharina Grosse mit ihren gefällten und farbig angemalten Bäumen her. Gleiches gilt für Sol LeWitts „Open Cube“, ein weißes offenes Gestell, das in einer Raumecke über den Köpfen der Besucher platziert wurde. Kopfschütteln ruft Jannis Kounellis beim Betrachter hervor, wenn dieser vor den Schienensträngen steht, aus denen jeweils Schuhspitzen hervorragen. Welche und wessen Spuren hat der Künstler da wohl festgehalten?

Was Berlin sagt

Beinahe Raum einnehmend ist auch die Übermalung Nasan Turs mit dem Titel „Berlin says“. Doch was sagt Berlin? Betrachten wir die rote, schlingenartige Übermalung, dann können wir es nicht wissen. Doch das Video, das den Künstler bei der Arbeit zeigt, zeigt uns Graffiti, wie man sie an fast jeder Berliner Straßenecke, an Hochbahnbrücken oder auf anderen Freiflächen findet. „PENIS“, „GEHT WEN IHR SEHT“, „KEEP SMILING“, „DU HUND!“ oder „ES GIBT KEINE ZEIT NUR UHREN“ sind die Mitteilungen, die der Künstler zunächst aufgetragen hat, um sie dann unkenntlich zu machen. Die Spraydose als Malutensil nimmt dabei Bezug auf die wilden Sprayer, die Nacht für Nacht durch die Stadt ziehen, ihre Tags oder auch Nachrichten und Bilder hinterlassen. Dieses Werk öffnet den Blick für eine Erscheinung der Kunst, die dank Graffiti in den Städten allgegenwärtig, in den Kunsttempeln jedoch eher selten ist. Zum Schluss: In der sehenswerten Schau fehlt es nicht an Witz und Humor, Hintersinn und Nachdenklichkeit – dank sei den Künstlern in den Rieckhallen. © text und fotos fdp / Rechte der Werke bei den Künstlern/Rechtenachfolgern

MARY HEILMANN & DAVID REED
29. August 2014 – 18. Januar 2015

Im Spätsommer richtet die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof eine Schau mit Werken der US-amerikanischen Maler David Reed (*1946) und Mary Heilmann (*1940) aus. In ihren Werken spiegelt sich ein tiefes Wissen über amerikanische und europäische Malereigeschichte, aus der jeder für sich zu einer eigenen Position der Malerei gefunden hat. Beide verbindet eine abstrakte Bildsprache, die zugleich den installativen Charakter von Malerei in den Vordergrund stellt.

MARIANA CASTILLO DEBALL
20. September 2014 – 1. März 2015

Erstmals erhält eine Preisträgerin des Preis der Nationalgalerie für junge Kunst als Auszeichnung eine Einzelausstellung in einem der Häuser der Nationalgalerie. Mariana Castillo Deball (*1975), die Gewinnerin 2013, wird im Herbst Werke im Hamburger Bahnhof zeigen.

Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
Invalidenstraße 50-51
10557 Berlin
Öffnungszeiten
http://www.smb.museum/smb/service/index.php?lang=de&n=3&p=5
Verkehrsverbindungen U-Bahn U6 (Museum für Naturkunde) S-Bahn S3, S5, S7, S75 (Hauptbahnhof) Tram M6, M8, 12 (Museum für Naturkunde) Bus M41, M85, TXL (Hauptbahnhof); 120, 123, 147, 240, 245 (Invalidenpark)

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