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Berlin
Deutsches Historisches Museum
Ausstellungshalle von I.M. Pei
Der deutsche Wald Kulturgeschichten unter Bäumen
bis 4. März 2012
Deutsche Geschichte vom frühen Mittelalter bis...
laufend
Fotos/Copyrights:
DHM
Der deutsche Wald Kulturgeschichten unter Bäumen

Otto Keck Feierabend im Bergwald Öl/Leinwand, 1939 Deutsches Historisches Museum, Berlin Foto: Sebastian Ahlers
Die Themenvielfalt der Schau ist überwältigend. Von „Wald-Künsten“ ist ebenso etwas zu erfahren wie über „Wald-Musik“ und „Wald-Literatur“. Die Rolle des Försters wird ebenso thematisiert wie das Bildprogramm der Heimatfilme. Audiovisuelle Medien stehen den Besuchern für die Themenvertiefung ebenso zur Verfügung wie Hörstationen zum Beispiel zur Oper „Der Freischütz“.
An Kinder als Ausstellungsbesucher wird gedacht
Märchen werden in einer „Märchenkabine“ für Kinder vorgelesen. Zudem haben die jungen Besucher einen eigens für sie ausgelegten Ausstellungsrundweg, bei dem sie der Hirsch Hubertus begleitet. Ein Waldpass mit allerlei Quizfragen zu 30 ausgewiesenen Ausstellungsstationen sorgt dafür, dass der „Waldspaziergang unter Bäumen“ für Kinder nicht langweilig wird. Hirsche müssen in der Ausstellung gefunden werden, die Ringe einer Eschenbaumscheibe gefühlt werden, Fragen nach dem Material des Weihnachtsbergs beantwortet werden, um nur einige der zu lösenden „Kinderaufgaben“ an dieser Stelle zu erwähnen.
Frag die Bäume wie sie erzogen sein wollen sie werden Euch besser darüber belehren als es die Bücher thun. Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil um 1830
Gleich zu Beginn des Rundgangs haben Kinder die Möglichkeit, auf einem Hochstand Platz zu nehmen, um sich dann Märchenfilme wie „Das kalte Herz“ oder „Räuber Hotzenplotz“ anzuschauen. Sie spielen ebenso im Wald wie einige Märchen der Gebrüder Grimm, man denke nur an „Hänsel und Gretel“.
»Waldextrakt« Blecheimer für Konfitüre, erste Hälfte des 20. Jahrhunderts Deutsches Historisches Museum, Berlin Foto: Arne Psill
Wald-Kultur
Das wohl „exotischste“ Ausstellungsexponat sind die Baumbücher aus der Hohenheimer Xylothek. Ja, es sind wirklich Bücher, wenn auch nicht mit Seiten, sondern nur mit Buchrücken aus Rinde und Holz. Im Inneren befinden sich Samen, Zweige, Rinde, Astschnitte und Früchte des jeweiligen Baumes, ob Ahorn oder Buche. Einige dieser Baumbücher sind aufgeschlagen, andere stehen wie konventionelle Bücher in einem Buchregal. Diese botanischen Präparate dienen, wie die aus einem Herbarium, zu Ausbildungszwecken.
Der Werkstoff Holz
Ja, das Schaukelpferd aus Holz kennen wir. Auch der Schwibbogen aus dem Erzgebirge ist bekannt und wird gern als Geschenk oder Andenken gekauft. Doch eher unbekannt dürfte es sein, dass sich Bergleute auch mit der Herstellung von Weihnachtsbergen befassten. Sie taten dies im Nebenerwerb und um ein Zubrot zum kargen Lohn zu verdienen. Der Weihnachtsberg ist nichts anderes als die geschnitzte Weihnachtsgeschichte, die von Bethlehem ins Erzgebirge verlagert wurde. Deshalb sind die drei Könige aus dem Morgenland im erzgebirgischen Weihnachtsberg auch Bergleute.

»Horst wird Förster« Jugendbuch von Erich Kloss, 1960 Deutsches Historisches Museum, Berlin Foto: Angelika Anweiler-Sommer
Holz wurde und wird immer noch für die Möbelherstellung genutzt. Zu sehen ist unter anderem ein Design-Klassiker der Nachkriegszeit. Es handelt sich um den bei den Gebr. Thonet produzierten und von Egon Eiermann entworfenen Klappstuhl SE 18. 1954 wurde dieser Stuhl mit einem Preis für gutes Design prämiert. Gedacht war er für die flexible Bestuhlung von Stadthallen, die in den 1950er Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen. Auch im Tod spielt Holz eine wichtige Rolle, werden doch Särge aus diesem Rohstoff hergestellt. Aktuell sucht man mehr und mehr nach umweltverträglichen Methoden der Holzverarbeitung. So wurde der ausgestellte Fichtensarg mit Bienenwachslasur überzogen. Aus Ahornholz hingegen besteht die Blockflöte. Auch die Armprothese, für die es vor allem nach dem Ersten Weltkrieg wachsenden Bedarf gab, wurde zum Teil aus Holz gefertigt. Unterdessen ist man jedoch auf der Suche nach Alternativen. Zellulose und Lignin verwendete man bei der Herstellung der Computertastatur, die ausschaut, als wäre sie aus Kunststoff gearbeitet. Flüssigholz, das man bei 170 Grad Celsius formen kann, ist der neuste Schrei auf dem Markt. Aus ihnen lassen sich Spielfiguren und Mundstücke von Blasinstrumenten herstellen, wie man in der Ausstellung sehen kann.

Walter Leistikow Abendstimmung am Schlachtensee Öl/Leinwand, um 1900 Stiftung Stadtmuseum Berlin Foto: Hans-Joachim Bartsch, Berli
Dass der Wald auch als Wirtschaftswald genutzt wird und forstwirtschaftliche Eingriffe dazu notwendig sind, wird in der Schau auch thematisiert, nicht nur in einem Film über die moderne, maschinengestützte Baumfällung, sondern auch mit einigen Exponaten, die in der Forstwirschaft eingesetzt wurden, so der Zuwachsbohrer zur Bestimmung des Baumalters, die Dose mit Markierungsspray für zu fällende Bäume und der Baumhöhenmesser. Allerdings erfährt der Besucher nicht, wie man mittels eines Messingstabs die Höhe des Baums ermitteln kann.
Seltene, besonders große, herrliche Bäume und Bestände sollte man erhalten, so lange als möglich… Gottlieb König: Die Waldpflege 1849
Wald-Künste
Selbst Kunstkenner dürften überrascht sein, wie sehr der Wald ein Thema der Malerei ist, ob in der Romantik, in der Moderne des 20. Jahrhunderts, in der Nazi-Zeit oder auch in der Gegenwartskunst. Die Romantiker machten die Natur gleichsam zu einem sakralen Raum, so auch Caspar David Friedrich in seinem Gemälde „Kreuz im Gebirge“. Der Wald schien Menschen stets magisch anzuziehen und zugleich Idylle zu verheißen. Ganz in diesem Sinne schuf Carl Blechen „Waldinneres mit abgebrochenen Ästen“. Der Städter zog sich gern in den Wald zurück, auch wenn ihm die Natur eher fremd war. Dieser Schluss liegt nahe, betrachtet man Carl Spitzwegs Gemälde der „Lieblingsplatz“: Ein Herr hat es sich auf einer Bank im Schatten mächtiger Buchen bequem gemacht. Sein Hund liegt ihm zu Füßen und ruht sich aus, während das Herrchen in seine Buchlektüre vertieft ist und gar keinen Blick für die Natur hat. Der Wald wird infolge der Rückbesinnung auf die Gotik als deutsche Baukunst im 19. Jahrhundert gleichsam zur Naturarchitektur stilisiert. Die Stämme der Bäume sind die Säulen, die das Gewölbe tragen, das Laubdach das Gewölbe. Man betrachte in diesem Kontext nur das Gemälde von August von Kreling aus der Zeit um 1850, in dem der Dombaumeister Erwin von Steinbach sinnend durch den Wald wandelt und die Wuchsformen der Bäume genaustens betrachtet.

Robert Zünd Eichwald Öl/Leinwand, 1859 Privatsammlung
Zu finden sind in der Schau aber auch „Wald-Künste“ wie die von Valentin Ruths, der sich der Rübezahl-Erzählung malerisch gewidmet hat. Hans Thoma schuf sein Selbstbildnis vor einem Birkenwald, hinter dem das Abendrot glüht. Von Lichtflecken durchzogen ist der Wald, den Max Slevogt malte. Eher in den Fußstapfen von Cézanne wandelte der saarländische Maler Albert Weisgerber, der die Legende des hl. Sebastians in einen in verschiedenen Grüntönen schimmernden Wald verlegte. Expressiv ist die Bildsprache und Komposition von Peter August Böckstiegel, der seine Waldansicht in grelles Blau und Rot tauchte, so als glühten die Stämme im Licht der untergehenden Sonne.
Während der Zeit des sogenannten 1000-jährigen Reiches spielte der Wald eine besondere ideologische Rolle. Er galt gleichsam als natürliche Lebensgemeinschaft, in dem der Starke siegt und der Schwache ausgemerzt wird. Nach dem Darwinschen Prinzip „Survival of the fittest“ sollte auch die Volksgemeinschaft funktionieren. Der Wald als germanischer Lebensraum und Kraftquelle wurde auch in der Kunst jener Jahre thematisiert. Dabei gelang es nicht immer, die Deutschtümelei und die Biederkeit in eine entsprechende Bildsprache umzusetzen. Eher im Stil des Expressionismus malte Albert Birkle 1934 den Autobahnbau durch den Wald und würdigte damit auch im Sinne der Propaganda die „Straße des Führers“. Ganz anders näherte sich Otto Dix dem Thema, das er 1940 erarbeitete: Glutrot und von Wolkenfetzen durchzogen ist der Himmel über dem Wald in „Wald am Abend“. Auch Anselm Kiefer widmete sich dem Wald, als er „Hermannsschlacht“ malte, dieses Symbol für die Befreiung der Germanen vom römischen Joch. Im frühen 19. Jahrhundert wurde diese Schlacht durch die Dichtkunst jener Zeit national-patriotisch überhöht, so von Hölderlin und Grabbe, deren Namen man auf den Ästen des Baumes findet, der im Mittelpunkt des Gemäldes steht.

»Röhrender Hirsch« Geschenk des VEB Rhönkunstschnitzerei Empfertshausen anlässlich des 65. Geburtstags von Otto Grotewohl, 1959 Deutsches Historisches Museum, Berlin Foto: Arne Psille
Der König des Waldes, der Hirsch
Die Kinder begleitet der Hirsch Hubert durch die sehr sehenswerte Ausstellung. Den erwachsenen Besucher begegnet er konzentriert in einem Ausstellungssegment, ob als röhrender Hirsch in Öl oder in Holz geschnitzt, aus Ziertellern oder als Dekohirsch. Sogar in einem Memoryspiel taucht der Hirsch auf. Selbst ein angesehener Bildhauer wie Christian Daniel Rauch schuf eine Skulptur mit einem Hirsch. In dieser plastischen Arbeit verarbeitet der Bildhauer die Legende der Jungfrau Lorenz von Tangermünde, die von einem Hirsch aus dem Wald geführt wurde, in dem sie sich verirrt hatte. Zuvor musste sie jedoch geloben, hinfort ein Leben für Gott zu führen.
Wald-Musik und Wald-Verse
Bereits angedeutet wurde, dass in der Ausstellung auch die Musik und die Literatur zu ihrem Recht kommen, denn auch diese widmen sich dem Thema „Wald“. Ludwig Tieck verstieg sich zu nachstehenden Zeilen: „Waldeinsamkeit, die mich erfreut,/So morgen wie heut,/In ewiger Zeit,/O wie mich freut Waldeinsamkeit.“ Nicht minder schwülstig erscheinen uns heute von Eichendorffs Verse aus „Abschied“ (1810): „O Täler weit, o Höhen, o schöner grüner Wald, Du meiner Lust und Wehen andächt'ger Aufenthalt.“ Hörstationen lassen Besucher „Waldesklänge“ von Liszt und Wagner vernehmen, aber auch die Volkslieder „Der Jäger aus Kurpfalz“ und „Ein Männlein steht im Walde, ganz still und stumm...“ Selbst die bekannte Boygroup der 1920er und 1930er Jahre, die Comedian Harmonists, hatten ein „Waldlied“ im Repertoire: das „Holzhackerlied“.

Ernst Volland Deutscher Wald C-print, 1996 © VG Bild-Kunst
Wald-Gewalt
Ins Auge springt ein riesiges Schwarz-Weiß-Foto eines Waldes mit einem Hinweisschild, auf dem zu lesen ist: „Juden sind in unseren Wäldern nicht erwünscht“. Auch auf das bei Oranienburg errichtete KZ Sachsenhausen hat mit dem Wald zu tun. Ehe das KZ entstand, mussten Häftlingen den Wald roden und ihre eigenen Baracken bauen. Obersturmbannführer Karl Otto Koch, der Lagerkommandant, hat dies mit der Kamera festgehalten. Spuren haben Häftlinge auch im Wald von Below hinterlassen, wie man ausgestellten Rindenabdrucken entnehmen kann.
Eigentlich hat man ja schon darauf gewartet, auf den deutschen Heimatfilm wie „Der Förster im Silberwald“, einen Film, den 28 Mio. von 50 Mio. Deutsche innerhalb von zwei Jahren nach dem Kinostart sahen! Derartige „Freude-Friede-Eierkuchen-Filmstreifen“ sind in der Schau nicht nur zu sehen, sondern dank der Videoinstallation von Christoph Giradet wird auch die Bildsprache des Heimatfilms auf sehr anschauliche Art und Weise verdeutlicht. Schließlich behandelt man in der Schau auch das Thema Waldsterben und Umweltschutz, mal abgesehen davon, dass auch der „Wald-Krimi“, ob in „Polizeiruf 110“ oder im „Tatort“ nicht zu kurz kommt. © fdp

Rast im Wald Fotografie, um 1930 Voller Ernst Gbr, Berlin
Deutsche Geschichte vom ...

Adlerfibel, westgotisch, 500/600 n.Chr.
Der Gang durch die deutsche Geschichte vom ersten vorchristlichen Jahrhundert bis in die Gegenwart stellt eine Herausforderung dar, der man sich m. E. Schritt für Schritt stellen sollte. Daher soll in diesem Beitrag zunächst nur auf die Zeit bis 1500 eingegangen werden, also auf die Zeit der Kelten und Römer, von Karl dem Großen, der Kreuzzüge, der ständischen Gesellschaftsordnung, in der Kirche und Adel die Geschicke des Alltags bestimmten. Infosäulen nehmen Text- und Kartenmaterial auf und sind als Überblick über die jeweiligen Kapitel gedacht. Zusätzliche Vitrinentexte sind hilfreiche Ergänzungen. Allerdings sind Erläuterungstexte zu den Exponaten teilweise in Bodennähe platziert worden, so dass ein Lesen zumindest Bückhaltung verlangt. Audiovisuelle Medien stehen gleichfalls als Informationsquelle zur Verfügung. Ein eigener Raum ist der medialen Präsentation von historischen Schriften wie dem Sachsenspiegel oder der Bamberger Apokalypse vorbehalten. Saaltexte mit Zitaten aus der Germania von Tacitus beleben beispielsweise die wenig animierend ausgefallene Vitrinenschau. Sinnlich ansprechende Inszenierung wird man beim Besuch des nachstehend dargestellten Geschichtskapitels vermissen. Auffallend sind die zahlreichen Leihgaben wie beispielsweise aus Kalkriese, dem Ort der Varusschlacht. Das wirft die Frage auf, was dann am historischen Ort präsentiert wird, zumal wenn die Fundlage begrenzt ist. Und dies ist bei der Varusschlacht bezüglich spektakulärer Funde der Fall. In diesem Kontext ist die Gesichtsmaske eines römischen Helms zu nennen, die in Berlin als Leihgabe gezeigt wird.
Vielfach sind Vitrinen auch leer geblieben, ohne dass dem Besucher dafür eine Erklärung gegeben wird. Völlig unsinnig erscheint mir die Präsentation von Exponaten in Bodennähe oder Überkopfhöhe, wie dies bei den beiden Regalwänden der Fall ist, die sich mit Kelten und Römern befassen. Bei derartiger Ausstellungsarchitektur fragt man sich, ob die Macher des Deutschen Historischen Museum mit Ignoranz geschlagen sind. Ein Besuch im Westfälischen Archäologiemuseum in Herne oder im Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart zeigt, wie man in ansprechender Weise Geschichte vermitteln kann. Zum einen kann dies in Form einer archäologischen Inszenierung geschehen, die den Besucher in die Rolle des Ausgräbers schlüpfen lässt, der durch Grabungsstrecken läuft, zum anderen, indem mit Rauminszenierung auch ein sinnlicher Eindruck von Geschichte ermöglicht wird. Im Haus der Geschichte Baden-Württemberg bewegt man sich beispielsweise auf sprichwörtlich schwankendem Boden, wenn man die Zeit von 1848 durchschreitet. Die Chronik regionaler Industriebetriebe wird dank eines Hochregals mit vertikal verschiebbarem Monitor erlebbar, die die jeweiligen Produkte und die Firmengeschichte vor das Auge des Betrachters rücken.
Der Text der Infosäule zum Zeitraum 100 vor bis 500 nach Christus
befasst sich u. a. mit dem Limes – das dieser UNESCO-Weltkulturerbe
ist, bleibt unerwähnt – und dem Verhältnis von Germanen
und Römern. Außer einer kartografischen Aufbereitung jener
Epoche findet man nicht etwa ein Modell des Limes oder gar eine Teilrekonstruktion
eines Limesabschnitt. Betrachtet man die Karte der geopolitischen Lage
in der Zeit des Römischen Reiches bis zur Absetzung des letzten römischen
Kaisers 476 – dessen Name bleibt im Säulentext ungenannt (!)
– dann muss man schon Adleraugen haben, will man die am Kopf der
Karte platzierte Legende lesen. Und dies geschieht, obgleich am unteren
Kartenrand genug Platz für die Legende gewesen wäre. Eingelassen
in die erste sich dem Betrachter aufdrängende Infosäule sind
einige Münzen, deren Bildprägung man erahnen, aber nicht gut
erkennen kann. Sind Lupen und Vergrößerungsgläser zu kostspielig
gewesen, um hier wie auch an anderen Vitrinen die gezeigten Münzen
für jedermann besser sichtbar zu machen?
Auf einer Zeitleiste erfährt der Besucher die Namen und die Regentschaftszeiten römischer Imperatoren von Octavian bis Romulus Augustus. Doch wozu dient diese Auflistung historischer Personen? Und: Was sagen uns die Daten?
Neben kleineren Exponaten, die man in Vitrinen verbannt hat, kann man im Haus auch größere Exponate wie ein römisches Fußbodenmosaik mit Tierdarstellungen, die in Zopfbänder eingefasst sind, bestaunen. Warum jedoch hat man nicht ein großes Modell einer römischen Villa beschafft, das auch Schnitte durch eine derartige Anlage erlaubt. Nur so wäre nachzuvollziehen, in welchen Räumen Mosaike zur Raumausstattung gehören. Verloren steht man einem Meilenstein aus der Zeit Caracallas gegenüber, der die Länge zur nächsten Provinzstadt markierte. Knochenfunde und die bereits oben genannte Gesichtsmaske aus Kalkreise stehen für die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Germanen und Römern.
Mit authentischen Steinblöcken wurde das Tor von Phoebiana rekonstruiert. Doch das Tor ist in der Ausstellung nicht als Zugang zu einem besonderen Kapitel der germanisch-römischen Geschichte eingesetzt worden. Wenigstens in einer Power-Point-Präsentation kann man sich Informationen über das Thema Kastelle und Römerstädte aneignen.
Links und rechts des aus Trier stammenden, oben genannten Bodenmosaiks wurden verglaste Hochregale aufgebaut. Man findet darin eine Schnellwaage aus Köln, eine Amphore aus Trier, einen Nuppenbecher als typische römische Glasware und eine Handmühle zum Mahlen von Getreide. Mit diesen und anderen Exponaten ist das Thema römische Stadtkultur abgehandelt.
Die Kelten bringt uns das Deutsche Historische Museum u. a. mit der Präsentation eines Tüpfelbechers für die Münzprägung, von Münzen in Kleinstformat und Grabbeigaben aus einem Männergrab aus Manching näher. Schildbuckel, Schwert und Scheide wurde dem Mann für seine Jenseitsreise beigegeben.
Die Vermischung römischer und germanischer Kultur verdeutlicht man im Museum u. a. mittels eines römischen Bronzeeimers, der den Germanen als Trinkgeschirr, aber auch als Graburne diente. Dieser Eimer stammt wie auch Fibeln, Lanzenspitzen und eine Bartschere aus einem Hermunderengrab aus Fichtenberg (Elbe). Der ausgestellte Kupferbuckelschild hingegen wurde in Andernach geborgen.
Nachfolgend befasst sich die Dauerausstellung mit dem Thema Frankenreich. Dabei widmet man sich auch der Christianisierung durch die Missionare Pirmin, Kilian oder Bonifatius. Zentralfigur des Abschnitts ist Karl der Große, dessen Kaiserpfalz in Aachen dank einer CAD-Präsentation in Berlin zu sehen ist.
Albrecht Dürer: Kaiser Karl der Große, Gemälde, 1514
Die Epoche 500 bis 900 ist die Zeit der Ausdehnung Frankens bis nach Italien – man denke an die Einverleibung der Lombardei ebenso wie der Romagna. Aug’ in Aug’ steht man Karl dem Großen gegenüber, nähert man sich dem Standbild dieses Frankenkaisers, das aus der Klosterkirche St. Johannes in Müstair (Schweiz) stammt. Albrecht Dürer schuf ein Idealbild nicht nur dieses Kaisers, sondern auch von Heinrich von Luxemburg, der als Kaiser die Kronjuwelen nach Nürnberg schaffen ließ. Dort erfuhren sie gleichsam wie Reliquien eine besondere Verehrung durch die Untertanen des Kaisers.
Wer in die Alltagskultur des Mittelalters eintauchen will, der sollte die Hörstation nutzen, die der Geschichte der deutschen Sprache gewidmet ist. Verse der Kölner Stadtchronik werden ebenso vorgelesen wie Passagen aus dem Arzneibuch von Ortolf von Baierland. Kein Funke springt über, wenn man vor der Vitrine zum Thema »Haus und Hof« steht und strohgemengten Lehm mit Rundholz, eine Schüsselscherbe und einen Hohlziegel erblickt. Auch der Kugeltopf mit Sieblöchern und eine Bügelschere erscheinen nur als stumme Zeugen der Vergangenheit. Repros eines Gemäldezyklus der vier Jahreszeiten müssen genügen, um anschaulich vom mittelalterlichen Landleben zu erfahren.
Thematisiert wird die Wahl des Königs als oberster weltlicher Herr und die Rolle der kirchlichen Würdenträger in der Gesellschaft. Überaus kurz geraten ist das Kapitel Kreuzzüge, dem man eine schmale Vitrine mit drei Objekten eingeräumt hat. Dass die Kreuzzüge oftmals auch Judenpogrome bedeuteten, wird nur mit einem (!) Satz erwähnt. Unter den ausgestellten Objekten steht das Reliquienkreuz mit der Darstellung des heiligen Stephanus für diesen Zeitabschnitt des Mittelalters. Bedenkt man, dass man sich erst in Oldenburg und dann in Mannheim in einer eigenständigen Ausstellung mit Saladin und den Kreuzfahrern befasst hat, dann ist die in Berlin präsentierte stenografische Erwähnung der Kreuzzüge eine Zumutung für den an Geschichte interessierten Besucher.

Pikenierharnisch, um 1600
Die Welt der Ritter wird nicht nur anhand der Entwicklung des Baus von Burgen, sondern auch medial durch die Präsentation von Burgen zwischen Auersberg und Wimpfen vermittelt. Wie in einem Zeughaus zeigt man Helme, Rüstungen und Waffen. Man staune, ein nachgefertigtes Kettenhemd darf der Besucher auch in die Hand nehmen, um zu begreifen, wie schwer ein solcher Körperschutz war: 10 bis 13 Kilo. Zur Ausrüstung des Ritters gehörte der Schaller, ein »spitzschnabliger« Helm, ebenso wie der Streithammer als Nahkampfwaffe. Zur höfischen Kultur zählten Prunksattel, Armbrust und Olifant aus Elfenbein. Ein Reiter mit Feld- und Rossharnisch ist d e r Blickfang zum Thema Ritter. Doch warum hört man keinen Minnegesang?
Einzige Inszenierung in diesem Abschnitt der Dauerausstellung ist die zum Thema Wohnkultur. Hier hat man einen Raum mit Lavabo, Trippen, Holzschale, Büfettschrank, eiserner Uhr und aufgeschlagener Schedelscher Weltchronik auf einer Rollentruhe ausgestattet. Mit den Themen Buchdruck sowie die Kirche als Lebensform beschließt man die Zeit bis 1500.
Ich vermisse eine deutliche Lenkung der Besucher durch den Parcours zum Beispiel mittels farblicher Absetzung der Einzelthemen oder ein durch Piktogramme nachvollziehbares Wegesystem. Bereits der Beginn der Dauerausstellung scheint mir fragmentarisch, mal abgesehen von der mangelnden sinnlichen Erlebbarkeit. Und die Frage bleibt: Wird sich das aus meiner Sicht mangelhafte Konzept durch alle Epochen hindurch wiederfinden lassen? Die Beantwortung dieser Frage ist der weiteren Berichterstattung überlassen. © fdp
Historisches
Museum
Unter den Linden 2
10117 Berlin
Telefon: 0049 (0) 30 20 30 4 - 0,
Wechselausstellungen in der Ausstellungshalle von I.M.Pei
Hinter dem Gießhaus 3
10117 Berlin
Öffnungszeiten: täglich 10 -18 Uhr