Berlin
Berlinische Galerie
Sammlung neu präsentiert
bis auf Weiteres
Vorschau

Lesser Ury Liegender Akt, 1889
Durch einen lang gestreckten Raum im Untergeschoss – er wird nun für die Präsentation von Raum füllenden „Installationen“ genutzt, und die lange „Halle“ mit den gekreuzten Treppen muss der Besucher gehen, ehe er hinauf in den Sammlungsbereich gelangt. Bedauerlicherweise hat man die zentrale Halle völlig freigeräumt. Hier wäre für eine Zurschaustellung der plastischen Arbeiten aus der Sammlung der geradezu ideale Ort. Die Halle würde sich auch für monumentale Plastiken und Installationen eignen, die im Rahmen von Wechselausstellung Station in der Berlinischen Galerie machen. Doch der nur angebotene Leerraum wirkt sehr befremdlich. An der Stirnseite der Halle schließt sich ein lang gestreckter, querliegender Raum an. In diesem Treten Arbeiten von Vostell mit denen von Vedova in einen Dialog.

Architecture concept image © David Saik (Architect)
© Foto Daisy Loewl
Blick auf die Vergangenheit
Wolf Vostell wie auch Emilio Vedova reflektieren in ihren Arbeiten, wenn auch in unterschiedlichen Formen und Materialien, gesellschaftspolitische Themen. Beide nehmen Positionen zu diesen Themen ein. Unter Bezug auf Goyas „Pinturas negras“ gestaltete Vostell sein „schwarzes Zimmer“, in dem drei Assemblagen zu finden sind. Diese beziehen sich auf die jüngere deutsche Geschichte und wurden 1963 erstmals öffentlich gezeigt. Die Titel der Arbeiten - „Treblinka“, „Auschwitz Scheinwerfer 568“ und „Deutscher Ausblick“ - verdeutlichen, dass sich Vostell in seinem Werk auf die Nazizeit bezieht, die in den frühen 1960er Jahren mitnichten einem öffentlichen Diskurs unterzogen wurde. Zu sehen sind zudem einige Materialbilder, unter anderem auch Vostells Entwurf eines Holocaust-Denkmals. Es scheint, dass der Künstler am liebsten einen lang gezogenen Graben aus Stein – Grab und Hindernis zugleich – auf dem Gelände der heutigen „Topographie des Terrors“ hätte platzieren wollen. „Ein Stück Mauer“ fügte er auch in seine Ansicht vom „Potsdamer Platz“ ein. Politisches Statement ist auch der einbetonierte Stuhl, den Vostell in einer Aktion als Anklage gegen die Teilung an der Berliner Mauer platzierte. Auch Vedova machte sich in seinen Installationen Gedanken zu Berlin, dabei in die Fußstapfen von Dix und Grosz tretend, ohne diese zu imitieren oder zu zitieren. Seine Installation „Berliner Tagebuch“ - bestehend aus mit Scharnieren zusammengefügten und mit Graffitis und Brandspuren versehenen Holzteilen - ist dabei als Reflexion des nazistischen Ungeistes zu begreifen, in dem auch Berlin einst gefangen war.

Otto Möller Straßenlärm, 1920
© Christoph Möller, Diessen/Ammersee
Kunst braucht Farbe
Die obere Galerie wurde durch eine durchbrochene Längswand gegenüber der „Aufgangshalle“ zu einem eigenständigen Ausstellungsparcours gestaltete. Erstmals hat man sich in der Berlinischen Galerie vom „White Cube“ verabschiedet und die künstlich geschaffenen „Kabinette“ farbig ausgeschlagen, ob in Lila oder Grau. Bei der Präsentation steht die Chronologie im Vordergrund, wenn auch thematische Blöcke zusammengestellt wurden. Themen lauten zum Beispiel „Die Stunde Null“ oder „Berlin während des Nationalsozialismus“. Immer wieder nimmt die Sammlungspräsentation auf Berlin Bezug, ohne allein in Berliner Ansichten zu verharren. Fotografie, Skulptur und Malerei werden nicht von einander getrennt, sondern in den chronologisch-thematischen Blöcken gemeinsam gezeigt.
Porträts treffen auf Schnappschüsse
Tauchen wir in die Kunst um 1900 ein, so werden wir als Besucher mit der klassischen Porträtkunst jener Zeit konfrontiert. Dazu zählt auch das hochformatige Gemälde „Dame mit Windspiel“: Die Dame von Welt, gekleidet in einer Seidenbluse und langem schwarzen Rock, langen schwarzen Handschuhen sowie einem Hut mit Federbusch wird erwartungsvoll von ihrem Windspiel angeschaut. Wartet der Hund auf seine Leckerei?

Otto Dix Der Dichter Iwar von Lücken, 1926
© VG Bild-Kunst, Bonn 2011
In Schnappschüssen hingegen hat Heinrich Zille Berliner Straßenszenen festgehalten. So drückte er auf den Auslöser, als ein Junge ein kleines Mädchen Huckepack über die Knobelsdorffbrücke trug. Dies ist nur eine von etwa 600 Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Nachlasses von Zille. Diese befinden sich seit 1987 im Besitz der Berlinischen Galerie. Das soziale Elend fing Jens Birkholm in tonig-erdigen Farbnuancen ein, der die resigniert dreinblickenden Männer in einer Wärmehalle malte. Unter den wartenden Männern hebt sich ein alter Mann hervor, der mit Nadel und Faden seine Hose flickt. Im Kontrast dazu stehen die in Schwarz gekleideten Herren im Biergarten. Es handelt sich um Totengräber, die sich eine Pause gönnen und von Philipp Franck um 1902 gemalt wurden. Ursprünglich – so ist als Beitext zum Gemälde „Nach der Feier“ zu lesen, befand sich dieses Werk im Besitz des jüdischen Justizrates Georg Aronsohn, der 1942 in ein Vernichtungslager deportiert wurde. Anschließend tauchte das Werk auf dem Kunstmark auf. Hinzuweisen ist zudem auf ein Holz von Ernst Barlach, der sich mit der Skulptur „Vagabunden“ den Außenseitern der Gesellschaft gewidmet hat.

Jeanne Mammen Revuegirls, um 1929 © VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Amazone und Tänzerinnen
Auf grauem Grund zeigt man im nachfolgenden Kabinett unter anderem Porträtfotos von Nicola Perscheid. Neben „Damen in Schwarz“ ist auch die „Tochter der Familie von Seefeld“ zu sehen. Mittig im Raum steht die Skulptur einer berittenen Amazone mit Kampfaxt in der Hand, geschaffen von Louis Tuaillon.
Expressiv ist die Komposition „Der Tanz (Mädchen am Strand)“ von Moritz Melzer. Farbtupfer an Farbtupfer gesetzt, so lässt der Künstler seine beschwingten Tänzerinnen am Strand auf der Leinwand „auftreten“. Recht passend dazu wurde das Gemälde einer in Schwarz gehüllten Tänzerin gehängt, die im Begriff zu sein scheint, sich um die eigene Achse zu drehen. Eugen Spiro malte seine jüngste Schwester in der Tanzpose.
Liebermann, Corinth und ...
Künstlerblättern und -publikationen sind in einem weiteren Raum unter dem Titel „Gedächtnisspeicher“ ausgestellt. Doch uns locken die Arbeiten der Berliner Sezession. Unser Blick trifft auf Lesser Urys nackte Liegende und auf Liebermanns Selbstbildnis. Liebermann zeigt sich mit Pinsel und Palette, aber nicht etwa in seinem Atelier, sondern vor einem monochromen Hintergrund. Bekleidet ist der Vorsitzende der Berliner Secession mit einem adretten Anzug mit heller Weste und weißem Hemd sowie Krawatte. Zu Liebermanns Selbstbildnis gesellt sich Corinths Porträt des Malers Fritz Rumpf. Corinth, neben Liebermann und Slevogt, einer der wichtigen Vertreter des deutschen Impressionismus malte mit forscherem Duktus als Liebermann. Teilweise scheinen die Farben mit großer Geste flüchtig aufgetragen worden zu sein.

Ausstellungsansicht: Neupräsentation der Sammlung der Berlinischen Galerie, Foto: Jirka Jansch
Die Avantgarde
Nicht nur die russische Avantgarde wie Naum Gabo, sondern auch andere Vertreter eines künstlerischen Aufbruchs vor und nach dem Ersten Weltkrieg stellt uns die Berlinische Galerie vor. Die Büste des Galeristen und Gründers der Zeitschrift „Der Sturm“ Herwarth Walden - ganz im Sinne des Kubo-Futurismus gestaltet - schuf William Wauer. Dem Stil des Futurismus verbunden und damit mit dem Versuch, in der Fläche Bewegung einzufangen, war Heinrich-Richter-Berlin, dem wir „Unsere liebe Frau von der Tauentzienstraße“ verdanken, ein „Blauer Engel“, der von zahlreichen Männern beäugt und umschwärmt wird. Auch Else Hetzer versucht in ihrem Gemälde „Kapp-Putsch“, das politische Ereignis dynamisch einzufangen: Ein Panzerwagen jagt mit grellen aufgeblendeten Scheinwerfern durch die Nacht. Die Rote Fahne wird als Beute mitgeführt. Nichts scheint die Männer im Panzerwagen stoppen zu können. Gleichsam hellseherisch scheint Ludwig Meidner gewesen zu sein, der das Gemälde „Jüngster Tag“ schuf. In diesem Werk hat der Künstler den Ersten Weltkrieg und dessen Folgen bildlich verarbeitet. Von „himmlischer Erlösung“ kann beim Anblick des düsteren Himmels nicht die Rede sein. In den Gesichtern der Menschen, die ihre Blicke auf den Bildbetrachter richten, zeichnet sich Schrecken und Furcht ab. Weiße Ruinen ragen im Bildhintergrund empor. In der Mitte des Gemäldes sieht man einen Kratertrichter, die Spur eines Mörsereinschlags.

Hannah Höch Dada-Rundschau, 1919 © VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Alles Dada oder was?
Dada ist plakativ. Dada ist provokativ. Dada fordert auf, den Kopf aufzusperren und sich frei für die Forderungen der Zeit zu machen. Das ist eine Forderung auch an die heutigen Besucher der Ausstellung, stehen sie vor der Plastik „Der wild gewordene Spießer“, eine gemeinsame Idee von John Heartfield und Georg Grosz. Auf einem „Projektionstisch“ steht ein Beinamputierter, dessen Geschlechtsteil ein Gebiss ist. An der Brust finden sich keine Orden, sondern ein Besteck. Der Kopf ist durch eine brennende Glühbirne ersetzt worden. Ausgestellt sind zudem grafische Arbeiten von Grosz, so auch „Zuhälter des Todes“: Drei stiernackige Wehrmachtshaudegen stehen zu einem Plausch zusammen, während im Hintergrund die vom Tode Gezeichneten „flanieren“. Ein Hingucker ist der von der Decke hängende „Preußische Erzengel“, der in einer Uniform steckt. Rudolf Schlichter arbeitete mit John Heartfield an dieser Figur mit Schweinekopf, um deren Hals ein Plakat mit folgendem Text hängt: „Um diesen Kunststreit vollkommen zu begreifen, exerziere man täglich zwölf Stunden mit vollbepacktem Affen und feldmarschmäßig ausgerüstet auf dem Tempelhofer Feld.“

Naum Gabo Konstruktiver Torso, 1917/18, Modell © Nina Williams
Avantgarde aus dem Osten
Einen eigenen Raum erhielt El Lissitzky, einer der führenden russischen Avantgardisten der 1920er Jahre. Zu sehen ist die Rekonstruktion seines „Prouenraums“, in dem er alle Elemente des russischen Suprematismus vereinte. Zu den bekannten Vordenkern der russischen Kunst gehörte außerdem Naum Gabo, von dem gleich zwei „skulpturale“ Werke gezeigt werden. In einer Ecke eines der „Kabinette“ erblicken wir „Konstruktiven Kopf 3“. Bei diesem wie auch anderen Arbeiten versuchte Gabo, mittels zusammengesteckter Kreissegmentflächen und Leerräumen Dreidimensionalität herzustellen. Das gilt auch für das Modell des „Konstruktiven Torsos“. Dass ein Künstler derart vom Konstruktivismus fasziniert wurde und daher seine impressionistischen und symbolistischen Frühwerke vernichtete, erfahren wir beim weiteren Rundgang und bei der Begegnung mit den Kompositionen von Lajos d'Ebneth. Betrachtet man eine der beiden ausgestellten Kompositionen, so wird man stark an das Spätwerk Jawlenskys erinnert, der seine Köpfe nach und nach auf Punkte und Linien reduzierte.

Otto Bartning Modell Sternkirche, 1922 © Nachlass Otto Bartning TU Darmstadt, Fachgebiet Geschichte und Theorie der Architektur © Fotografin: Ilona Ripke, Berlin
Nach dem Ersten Weltkrieg
Bartnings Sternkirche – ein Modell ist ausgestellt – ist in ihrer kristallinen Form gewiss ein Highlight der Architektur der Moderne, die eben nicht nur weißer Kubus im Sinne des Bauhauses war, sondern auch organisch wie bei Bartning und Scharoun. Kristalline Formen und Kreissegmente sind kompositorische Elemente in Otto Freundlichs Gemälde „Die Mutter“. Aus geometrischen Flächen wie Raute oder Dreieck schuf Max Dungert in Blau-Grün-Stufen sein Gemälde „Turm“. Dabei erinnert die Art der Komposition an Feiningers prismatische Bildauflösungen von Stadtansichten.
Neue Sachlichkeit
In der Kunst der frühen 1920er Jahre spiegelt sich die Ernüchterung der Künstler über den Ersten Weltkriegs, aus dem Invaliden und Kriegskrüppel nach Hause zurückkehrten, und die Verelendung breiter Bevölkerungsschichten nach Kriegsende. Jeanne Mammen wie auch Rudolf Schlichter waren es, die ihren „Mitbürgern“ genaustens in die Gesichter schauten und sie malten, so wie „Sitzende Jenny“, der Blick leer ist. Schrill ist das Leben in Berlin, zumindest aus der Sicht Nikolaus von Braun, der die Verlockungen des Konsums in seinem Werk „Berliner Straßenszene“ festhielt und zugleich das Elend der Krüppel, Witwen und Waisen ausblendete. Menschenleer ist der Platz vor der „Fabrik Loewe&Co“, die von Gustav Wunderwald auf die Leinwand gebannt wurde. Wenig Vergnügen verbleibt dem kleinen Mann. Er genießt, so sieht es Hans Baluschek in seinem Gemälde „Sommerabend“, die lauen Dämmerstunden auf dem Brachland vor den Mietskasernen. (c) fdp

Hans Uhlmann Weiblicher Kopf / Draht, 1938
© VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Vorschau
2011
Boris Mikhailov
17.02 bis 28.05.2012
Seit
seinen fotografischen Anfängen Mitte der 1960er Jahre hat Boris
Mikhailov (*1938 in Kharkov/Ukraine) ein breites und beeindruckend
vielschichtiges Werk geschaffen. Virtuos hat er in den Jahren
verschiedenste Möglichkeiten des Mediums ausgeschöpft und ein ebenso
schonungsloses wie humorvoll-ironisches Bild seiner unmittelbaren
Umgebung gezeichnet. Seine immer neue Auseinandersetzung mit
fotografischen Techniken sowie die Arbeit mit verschiedensten Kameras
und Stilmitteln, aber auch das Changieren zwischen konzeptuellen
Arbeiten und dokumentarischen Herangehensweisen machen ihn zu einem der
interessantesten Künstler der Gegenwart.
Straßen und Gesichter 1918-1933
09.03. bis 04.06.2012
Die Kunst der Weimarer Republik bildet einen Schwerpunkt der Sammlung der Berlinischen Galerie, insbesondere im Bereich der Grafik. Als Zeitzeugen dokumentierten und kommentierten Künstler mit spitzem Stift die politischen Kämpfe und gesellschaftlichen Veränderungen jener Jahre, in denen Berlin nach Weltkrieg und Revolution zur schillernden Großstadt des Vergnügens aufstieg. Nicht ohne Anteilnahme entdeckten Zeichner die tiefen Linien, die der Kampf ums Dasein in die Gesichter der Menschen eingrub, die auf dem Boulevard, an der Bar, im schummrigen Tanzsaal einer Arbeiterkneipe nach dem Glück jagten. Die Ausstellung mit etwa 60 Arbeiten aus eigenen Beständen, ergänzt um einige Leihgaben, zeigt Blätter unter anderem von Max Beckmann, Chas-Laborde, Otto Dix, Dolbin, Heinrich Ehmsen, Lilo Friedlaender, Rudolf Großmann, George Grosz, Karl Holtz, Karl Hubbuch, Jeanne Mammen, Gertrude Sandmann, Rudolf Schlichter, Gerd Wollheim und Richard Ziegler. Ihre Zeichenkunst prägt bis heute unser Bild dieser Epoche: zwischen expressionistischer Großstadtdämonie und sachlichem Tempo, zwischen Bejahung der Moderne und dem Schatten der Diktatur, zwischen Aufruhr und Aufmarsch.
Alfredo Jaar – The way it is
Eine Ästhetik des Widerstands
15.06. bis 17.09.2012
Die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) zeigt in Kooperation mit der Berlinischen Galerie die deutschlandweit erste Retrospektive des international renommierten Künstlers Alfredo Jaar (* 1956 / Santiago de Chile). Der in New York lebende Künstler hielt sich vor 20 Jahren für ein DAAD-Stipendium in Berlin auf (1991) und machte sich in Deutschland mit spektakulären Einzelprojekten einen Namen – etwa mit der NGBK-Präsentation im Pergamonmuseum (1992) oder der zweifachen documenta-Teilnahme (1987 und 2002). Der Ausstellungsschwerpunkt in der Berlinischen Galerie umfasst Werke, die in und für Berlin entstanden sind. Dazu zählt "A New World", eine Serie von fünf groß-formatigen Fotografien, die kurz nach dem Mauerfall am Brandenburger Tor aufge-nommen wurden und zum ersten Mal überhaupt präsentiert werden. Die Berliner Projekte werden ergänzt um Arbeiten zu Afrika-bezogenen Themen, die den lang-jährigen Schwerpunkt von Alfredo Jaars Schaffen bilden. Seine beeindruckenden Werke zum Völkermord in Ruanda, zur Politik Nelson Mandelas und zu der Tragik des südafrikanischen Fotojournalisten und Pulitzer-Preis-Gewinners Kevin Carter werden erstmals in Berlin vorgestellt. Wenig bekannte frühe künstlerische Arbeiten, hoch-politische Interventionen in den öffentlichen Raum, die in Chile zwischen 1974-1981 entstanden, werden anlässlich der Retrospektive parallel dazu in den Räumen der NGBK gezeigt und um eine pointierte Intervention in der Alten Nationalgalerie ergänzt.
Künstlerische Fotografie aus der DDR 1949-1989
05.10.2012 bis 28.01.2013
Die Berlinische Galerie besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen zur künstlerischen Fotografie in der DDR und widmet diesem Thema nun die international erste umfassende Ausstellung. Wichtige Fragen dabei sind: Konnte sich unter den spezifischen Verhältnissen der autoritären DDR-Gesellschaft überhaupt eine freie künstlerische Fotografie entwickeln? Und wie hat sich diese über die vier Jahrzehnte hinweg verändert? Obwohl die ausgestellten Bilder viel über das Leben in der DDR erzählen, geht es nicht um eine Illustration der DDR-Geschichte. Vielmehr konzentriert sich die Auswahl auf diejenigen Fotografen, die in ihren Arbeiten die gesellschaftliche Situation kritisch reflektieren und kommentieren: Christian Borcherts schonungslose Alltagsbeschreib-ungen, Arno Fischers melancholischen Symbolbilder, Jens Rötzsch oder Gundula Schulze Eldowys farbige Methaphern einer Gesellschaft, die sich in Auflösung befindet, oder die rein subjektiv-emotionalen Bildfindungen wie sie in Thomas Florschuetz Werk zu finden sind. Es geht also um den freien künstlerischen Ausdruck. Neben den oben genannten Fotografen zeigt die Ausstellung Werke von über 30 Autoren, die in drei Kapiteln die wichtigsten Entwicklungsstränge der künstlerischen Fotografie in der DDR herausstellen: Montage und Experiment, Dokumentarismus / Sozialreportage und die junge Fotografie der 1980er-Jahre.
Berlin und die Nazizeit
Der Größenwahn der Nazis bündelt sich in Albert Speers sen. Entwurf der Großen Halle im Vergleich mit dem Brandenburger Tor und dem Reichstag. Zahlreiche Fotografien von Kriegsberichterstattern vermitteln einen Eindruck vom Kriegsgeschehen und der Materialschlacht des II. Weltkriegs. Das als teilweise surrealistisch einzustufende Gemälde „Blinde Macht“ zeigt einen römischen oder hellenischen Krieger, an dessen blutender Brust Fabelwesen nagen. Diese symbolisieren Wollust, Neid, Geiz, Faulheit, Stolz und Völlerei. Den eigenen Tod wohl ahnend malte sich der jüdische Künstler Felix Nussbaum auf einem Gruppenbildnis in einem Totemhemd. Nussbaum wurde 1944 im KZ Auschwitz ermordet. Sein Werk findet man unter anderem in dem nach ihm benannten Museum in Osnabrück.

Eugen Schönebeck Der Gekreuzigte, 1964
© VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Alles auf Null?
Gespenstisch wirkt die Kulisse des „Vorstadtkinos“, das von Alexander Camaro nach 1945 gemalt wurde. Hätte Fritz Tiedemann am 14. Juni 1949 nicht auf den Auslöser seiner Kamera gedrückt, wir wüssten heute nicht, wie das Berliner Stadtschloss nach dem Krieg ausgesehen hat, ehe es gesprengt wurde.
Aufbauen lautet die Devise auch für den zerstörten Stadtraum Berlin. Als einen Meilenstein der Nachkriegsarchitektur mit internationaler Ausstrahlung gilt das im Rahmen einer Bauausstellung entstandene Hanseviertel. Zu sehen sind Aufnahmen der als Solitäre konzipierten Wohnhochhäuser ob von Hassenpflug oder Baldessari. Auch der Entwurf des Geschäftshauses Olivia von Scharoun gilt als avantgardistische Nachkriegsarchitektur.

Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte
ICC Berlin, 1979© Zeichnung: Bernhard Boes
© Foto: Kai-Annett Becker
In der Architektur wagte man Neues, plante das ICC und die Überbauung der Schlangenbader Straße in Berlin. Zu sehen sind erstmals öffentlich die Zeichnungen dieser beiden Mammutbauwerke im Berliner Stadtraum. Nicht minder beeindruckend erscheint dem Betrachter das in Grau und Schwarz gehaltene Architekturgemälde des Kriegsministeriums, das Karl Horst Hödicke schuf.
Berlinische Galerie
Alte Jakobstraße 124-128
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