Flüsse, Schleusen, Seen
Von Schwerin nach Berlin: eine Kahnpartie durch die Provinz
Text und Fotos: Elke Sturmhoebel

Für die Strecke von Schwerin nach Berlin braucht man mit dem Auto etwa zwei Stunden, vorausgesetzt man steht nicht im Stau. Wer es nicht eilig hat, kann allerdings auch acht Tage unterwegs sein. 298 Kilometer bei sechs Stundenkilometern und 25 Schleusen - das kostet Zeit.
Ein Entenpärchen hat zu einem Überholmanöver angesetzt und landet mit einer Vollbremsung vor dem Schiff. Die Ehepaare Klotz und Schanze sitzen wie immer auf dem Oberdeck der „Liberté“ und schauen gebannt nach vorn. Und nun kommt auch noch Silke auf das Sonnendeck und serviert Kaffee und selbstgebackene Obsttörtchen. Dabei liegt das Mittagsmenü am großen Tisch im Salon noch nicht weit zurück. Bei Silkes Kochkünsten darf man Kalorien nicht zählen.

Die "Liberté" legt an
Herr Klotz verfolgt die Strecke durch die deutsche Provinz mit dem Finger auf der Landkarte: Über den Schweriner See in den Störkanal auf die Elde, über Plauer-, Fleesen- und Kölpingsee auf die Müritz, entlang der mäandernden Havel und ihren Seen geht es über den Hohenzollernkanal schlussendlich auf die Spree. Das Schneckentempo, in dem die „Liberté“ unterwegs ist, lenkt den Blick auch auf die kleinen Dinge. Schwalben düsen in Windeseile über das Wasser auf der Jagd nach Insekten. Am Uferrand verneigen sich die Schilfhalme und stehen wieder stramm, sobald das Schiff vorbei ist. Wasserlilien und Seerosen tauchen im Sog unter, um gleich wieder hochzuschnellen. Schwäne schaukeln auf der Bugwelle. Ein Reiher schaut neugierig dem Schiff hinterher.

Abschied von Schwerin
Die Mecklenburger und märkischen Seen, durch unzählige Kanäle miteinander verbunden, bilden die gewässerreichste Region Europas. Von Schwerin bis Waren an der Müritz geht es stetig bergauf. Schleusen gleichen das sanfte Gefälle aus und schaukeln das Schiff langsam nach oben. Ab der Müritz-Havel-Wasserstraße beginnt dann die Talfahrt Richtung Berlin. Lange Wartezeiten an den Schleusen gibt es nicht. Die „Liberté“ ist kein Hausboot, sondern ein schnittiger Passagierkahn. Und die Berufs- und Personenschifffahrt hat immer Vorrang. Und wenn das 38 Meter lange und 5 Meter breite Flussschiff hineinfährt, ist die Schleusenkammer voll.
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