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Auf den Spuren von „Hamlet“

Dänemark: Stationen des Weltkulturerbes
im nördlichen Nachbarland

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther
(wenn nicht anders angegeben)

Jelling, Roskilde und Kronborg - auch in Dänemark wird die UNESCO fündig, wenn es um die Bewahrung des weltweiten Kulturerbes geht. Ein Besuch dieser drei Orte gestattet tiefe Einblicke in die dänische Geschichte und führt uns auf die Spur von Shakespeares „Hamlet“.

Wer im Süden Jütlands unterwegs ist und Vejle besucht, sollte einen Abstecher nach Jelling unternehmen. Das weiß getünchte, romanische Kirchlein, das von zwei riesigen Grabhügeln flankiert wird, symbolisiert die Geburtsstunde des Christentums in Dänemark. Auch wenn bisher der Königshof nicht gefunden wurde, geht man davon aus, dass Jelling in der Zeit der Wikinger die Residenz von König Gorm dem Alten und seiner Gattin Thyra war. Neben den beiden riesigen Grabhügeln entdeckt der Besucher auch zwei Runensteine mit Schlaufenornamenten. Auf einem erblickt man, so vermuten Experten, das älteste Christusbild des Nordens. Die abgebildete Figur, die einem siegreichen Wikingerfürsten gleicht, hat die Arme ausgebreitet, allerdings nicht zu einem Kreuz.

Der Taufstein Dänemarks

Auf dem zweiten Stein erkennt man eine Schlange, die mit einem Ungeheuer kämpft. Auch um diese Figuren ranken sich Bundschlingen. Die Inschrift auf dem kleinen Stein lautet: „König Gorm ließ dieses Grabmal für seine Frau Thyra errichten, Dänemarks Zierde.“ Auf dem 2,40 Meter großen Stein ließ der Sohn von Gorm und Thyra, Harald Blauzahn, eine Widmung einritzen: „Diesen Grabstein ließ Harald für seinen Vater Gorm und seine Mutter Thyra aufstellen, der Harald, der ganz Dänemark und Norwegen vereinte und die Dänen zu Christen machte.“ Nimmt man diesen Text ernst, so muss dieser Findling mit seiner Inschrift als „Taufurkunde des Landes“ und als Ausdruck der Reichsgründung angesehen werden.

Untersuchungen der Grabhügel – angelegt 958/59 – förderten Unterschiedliches zutage: Der nördliche Hügel enthielt eine zweigeteilte Grabkammer, in der wahrscheinlich Gorm und Thyra ihre letzte Ruhe fanden, bevor sie auf Geheiß Harald Blauzahns in die heutige Kirche (um 1100) umgebettet wurden. Bei Ausgrabungen im Chor (1970er Jahre) fand man ein männliches Skelett, bei dem es sich vermutlich um Gorm handelt. Bisher ist jedoch der Verbleib der sterblichen Überreste von Thyra ein Rätsel. Als man den südlichen Grabhügel untersuchte, fand man zwar eine bootsförmige Steinsetzung, aber keine Grabkammer. Sicher ist man aufgrund von Grabungen auch, dass es drei hölzerne Kirchen an dem Ort gegeben hat, an dem nun die Jelling-Kirche steht.

Die Gestaltung des Kircheninneren ist überaus modern. Sie ist dem Bildhauer Jörn Larsen zu verdanken. Über den rötlichen Granitfußboden zieht sich ein schwarz gerandetes Kreuz, in dessen Innerem man „wellige durchlaufende Linien“ findet. Dort, wo Gorm ruht, ist diese ununterbrochene Wellenlinie silbern statt schwarz. Auffällig sind auch die Kirchenfenster, die gleichfalls von Larsen entworfen wurden, und die Wellenstruktur in ihrem Dekor aufnehmen. In der Kirche findet man unter anderem die ältesten Freskenmalereien des Landes, die jedoch im 19. Jahrhundert überaus nachlässig restauriert wurden, so dass man von den heutigen Fresken als Kopien sprechen muss.

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