DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Die Erlebnis-Insel: Lolland

Text und Fotos: Hilke Maunder

Wasser 28° C, Luft 30° C. Auf Lolland herrscht das ganze Jahr Urlaubsstimmung – im Feriencenter „Lalandia“. Doch das bekannteste Urlaubsziel, nur wenige Kilometer von der Fähre Rødby-Puttgarden im Süden Lollands gelegen, ist nur eine von vielen Attraktionen auf der dänischen Ostseeinsel.

Dänemark - Lolland - BadelandHerzstück von Lalandia ist das komplett überdachte Erlebnisbad  „Badeland“. Unter seiner gläsernen Kuppel branden Wellen an den flachen Strand. Palmen neigen sich über die Liegen. Zwischen kleinen Klippen verstecken sich vier 37° C warme Whirlpools. Neun Solarien sorgen für Urlaubsbräune, drei Textilsaunen laden zum Schwitzen. Vom Berg in der Mitte winden sich vier Wasserrutschen in Kehren und Kurven hinab in die warmen Fluten. Der Nachwuchs saust im Kinderpool von Mini-Rutschen, spielt mit schwimmenden Spielklötzen und klettert auf farbenfrohe Fantasietiere, die Wasser speien. Krabbelkinder haben im ehemaligen Adam- und Eva-Bereich ihr eigenes Badeparadies: Hier ist das Wasser sogar 34° C warm, das Becken nur wenige Zentimeter tief. Ganz auf die Bedürfnisse der kleinen Gäste eingerichtet sind auch die Duschräume und Umkleidekabinen: mit Wickeltischen, Badewannen und Hochstühlen.
Auch außerhalb des nassen Elements kommt der Nachwuchs in Lalandia ganz groß raus. Im Monky Tonky Land sausen die Kleinen in Moon Cars um die Kurven, springen auf Hüpfburgen und Trampolinen umher, winden sich durch den Kletterdschungel, schürfen nach Gold oder rutschen laut lachend in ein Bällebad. Drinnen warten Malstifte und Brettspiele, Bücher und ein Lego-Raum. Für Abwechslung am Abend sorgen Kinderdiscos, Wettspiele und Shows mit dem Zauberer Niels Plys.
Genauso geballt wie die Erlebnisse für den Nachwuchs sind die Angebote für Erwachsene. Sportliche zieht es zu den fünf Tennisplätzen mit Kunstrasen oder auf die Spielfelder für Fußball, Handball und Beachvolleyball. Ein- bis zweimal pro Woche bietet das wöchentliche Aktivitätsprogramm Anfängern eine Einweisung auf Lalandias Neun-Loch-Golfplatz. Fortgeschrittene Spieler finden fünf spannende 18-Loch-Bahnen in der Nähe des Ferienparks. Bogenschießen, Badminton und Ballspiele sind das ganze Jahr hindurch in der neuen Sporthalle möglich. Im Fitnesscenter lässt sich mit modernen Techno-Gym-Geräten von früh bis spät die Kondition steigern. Und wer sich einen Muskelkater holt, wird mit Massagen wieder fit.

Beim Spaziergang auf dem Deich – der Strand ist nur 200 Meter vom Center entfernt – verfliegt der Alltagsstress im Nu. Weit reicht der Blick über die Badebrücke auf das Meer. Strandgras säumt die Dünen, ein Muschelband den Brandungssaum. In der leichten Brise weht eine blaue EU-Flagge, Garant für die hohe Qualität von Wasser und Strand.
Direkt am Badeland beginnen die Arkaden. Besonders am Abend ist die überdachte Flaniermeile ein beliebter Treff. Auf der 18-Loch-Minigolf-Anlage tragen Familien Turniere aus. Auf den acht Bahnen des Bowlingcenters lassen kunterbunte Kugeln die Kegel kippen. In den Restaurants wird drinnen wie draußen, direkt an der Flaniermeile, gespeist. Pizza und Pasta, Steaks und Spezialitäten à la carte und vom Büfett bestimmen die Karte. Nach Live-Musik, einer Runde Pool Billard oder einer Karaoke-Show im Classic Pub geht es zurück ins Ferienhaus. Sieben Haustypen für maximal acht Personen bietet Lalandia – online als 360°-Panoramen zu besichtigen unter www.lalandia.dk. Alle Mietpreise beinhalten den Eintritt ins Badeland, die Kinderaktivitäten sowie die Endreinigung.

Mit dem Fahrrad unterwegs

Am nächsten Tag geht es rauf aufs Rad. Lolland  lockt. Ein gut ausgeschildertes und eng geknüpftes Routennetz erschließt die Schönheit der Insel. Hier zu radeln ist ein wahres Vergnügen – denn Steigungen fehlen völlig. Die Menschen auf Mön erzählen daher schmunzelnd, man brauche nur auf eine Bierkiste zu steigen, um Lolland zu überblicken... Ein ganz besonderes Rad-Erlebnis garantiert die Lolland Rundt (www.lollandrundt.dk), die alljährlich in Sakskøbing im Nordosten Lolland startet und endet. Bis zu 400 Pedalritter schwingen sich seit 1982 bei diesem Volksradrennen im Juli aufs Rad und strampeln drei Tage lang auf drei verschiedenen Routen von 160, 300 oder 360 km Länge über die flache, fahrradfreundliche Insel. Wer es bequemer liebt: Auf Lolland verkehrt auch Dänemarks älteste Privateisenbahn. Schnaufend setzt sich die kleine „Kjøge“ am Bahnhof von Maribo in Bewegung – fast wirkt es, als könnte die schwarze Lokomotive ihre hölzernen Personenwaggons nicht von der Stelle bewegen. Doch Dänemarks älteste Dampflokomotive hat schon schwerere Lasten gezogen, seit sie 1879 ihren Dienst antrat. Seit 1962 transportiert sie nur noch Ausflügler mit Tempo 30 über die idyllische, acht Kilometer lange Strecke Maribo über Grimstrupvej, Maglemer und Merritskov bis zum Hafen von Bandholm. Mit dabei sind vor allem Großeltern, die sich ein wenig sehnsüchtig an das Reisen in der „guten alten Zeit“ erinnern, und viele Kinder, die ehrfurchtsvoll den schwarzen Koloss bestaunen, der dicke Rauchschwaden ausstößt, rund um die Räder zischt und dampft – und sich langsam in Bewegung setzt.

Safaripark Knuthenborg

 Die Schnauferlfahrt endet ganz in der Nähe einer anderen berühmten Attraktion der Insel: Europas größter Guts- und Tierpark – Knuthenborg. Kamele grasen am Ostseestrand, auf der afrikanischen Savanne weiden Säbelantilopen und Strauße, Gnus und Giraffen, Perlhühner, Zebra und Wasserbüffel. Stolz des Savannengebietes, das nur im Auto besucht werden darf, sind vier junge weiße Nashörner. Mit diesen beiden Weibchen und Männchen beteiligt sich Knuthenborg am European Endangered Species Programme (EEP), einem innereuropäischen Zuchtprogramm zwischen autorisierten zoologischen Gärten und Parks, und trägt so dazu bei, die bedrohten Tiere vor der Ausrottung zu schützen. Strenge Sicherheitsvorschriften gelten auch im Tigerwald. Da die Wagen immer nur einzeln in das meterhoch eingezäunte Gehege gelassen werden, kann an besonders betriebsamen Tagen zu Wartezeiten bis zu einer Stunde kommen. Für Hunde und Katzen sowie Wagen mit Soft Tops oder Dachaufbauten ist der Tigerwald tabu; Kinder dürfen nicht alleine auf der Rückbank sitzen. Im Gehege sorgt das gelbe Auto der Parkaufsicht für zusätzliche Sicherheit. Langsam, nur zehn Kilometer in der Stunde schnell, folgen die Fahrzeuge einem vorgeschriebenen Rundkurs. Auf einem Fels döst ein sibirischer Tiger in der Sonne. Plötzlich springt die Wildkatze auf, verschwindet im Unterholz, kehrt mit einem Nagetier im Maul zurück. Knapp einen Meter vom Autofenster wird das Opfer verzehrt. So nah einem Tiger zu sein – prachtvoll, aber auch Furcht einflößend.

Dänemark - Lolland - Tierpark Knutherborg

Entspannte Heiterkeit herrscht am Affenwald. 170 Paviane leben hier wie in der Heimat in einer Großfamilie, mit einem alten Männchen als Oberhaupt. Mit einer Affenbahn geht es mitten durch das lebendige Treiben. Die Lieblinge der Gräfin Charlotte Knuth, heute mit ihrem Mann Adam Knuth in zehnter Generation die Herren des 678 ha großen Parks von Knuthenborg, sind jedoch die Vögel. 600 farbenfrohe, exotische Vögel der verschiedensten Arten und Größen zwitschern und tirilieren  unter dem Reetdach der 21 geräumigen Volieren – vom majestätisch ruhigen Ara bis zu den kleinen, quirligen Finken. Nach den Tieren lockt das riesige Småland-Spieleparadies. Eine kohlebeheizte Dampflok im Mini-Format schnauft mit ihren großen und kleinen Passagieren durch die dänische Südsee von Lolland und Falster im Maßstab 1 : 1000. Während Vater und Tochter mit lenkbaren Flusspferden über die Ostsee schippern, navigiert der Sohn Modellboote.

Leben wie im Mittelalter

Dänemark - Lolland - Mittelaltercenter

Zum Mitmachen lädt auch Lollands Middelaldercentret. Herr einer kleinen Siedlung am Guldborgsund ist der  Ritter Henrik Svane. Sein Dorf Sundkøbing ist ein „Versuchszentrum für historische Technologien“ und wurde 1991 auf streng wissenschaftlicher Basis als Dorf um 1383 samt Hafen und Turnierplatz nachgebildet. 60 Männer, Frauen und Kinder von heute leben hier jeden Sommer ohne Handy, Strom und Armbanduhr den Alltag des Mittelalters.

Dänemark - Lolland - Mittelaltercenter

So ist die Open-Air-Anlage kein steriles Museum, sondern lebt: Gänse watscheln über die Kopfsteinwege, Ziegen ziehen Grashalme zwischen den Steinen heraus, Handwerker lassen sich bei der Arbeit beobachten. Im Innern eines niedrigen Fachwerkhauses fertigt der Töpfer Krüge, Schalen und Teller auf der Drehscheibe; dort lässt die Weberin ihr Schiffchen schnell hin und her schießen, wenig weiter wird gesponnene Schafswolle in großen Kupferkesseln mit Zwiebeln gefärbt. Im Speicher hängen Pelze und gepökelte Fische unter den wuchtigen Balken des Reetdachs. Säcke mit Getreide stapeln sich auf dem Holzboden.

60 Männer, Frauen und Kinder von heute leben hier jeden Sommer ohne Handy, Strom und Armbanduhr den Alltag des Mittelalters. So ist die Open-Air-Anlage kein steriles Museum, sondern lebt.

Der Weg zurück zum Dorf führt an der Bootswerft vorbei. Seit Gründung des Mittelalterzentrums werden hier in Zusammenarbeit mit der maritimen Abteilung des Nationalmuseums in Roskilde mittelalterliche Schiffe aus Skandinavien nachgebaut – so auch das kleine Handelsschiff „Gedesby“, dessen gut erhaltenes Wrack 1989 im Süden der Insel Falster ausgegraben und in mehr als vier Jahren mühevoll rekonstruiert wurde. Täglich zur Mittagszeit lässt Ritter Svane tonnenschwere Kriegsmaschinen, „Blide“ genannt, Steinkugeln über den Sund schießen. 18 Meter misst die größte der mittlerweile drei Wurfmaschinen. Vier Mann sind nötig, um die mächtigen Spannräder zu drehen. Sobald der Abschussmeister die Arretierung löst, sausen die Bleigewichte in die Tiefe. Der lange Schleuderbaum schnell hoch und reißt die Leine mit dem Stein empor. Enorme Fliehkräfte entstehen. Beim Ausklinken erreicht das Geschoss eine Geschwindigkeit von 200 Stundenkilometer. Sekunden später klatscht die 15 Kilogramm schwere Kugel 180 Meter weiter in den Sund. Höhepunkt im jährlichen Veranstaltungskalender sind die Ritterspiele. Auf dem Turnierplatz demonstrieren die Gefolgsleute von Henrik Svane ihre Geschicklichkeit mit den Waffen jener Zeit. Mit Helm, eisernem Handschuh und schwerer Rüstung lassen sie die Keule schwingen, Speere fliegen oder Schwerter krachen. Im Zweikampf versuchen die Ritter, den Gegner mit Lanzen vom Pferd zu stoßen, dann im schnellen Galopp ein Holztäfelchen mit der Lanzenspitze zu treffen.
Wer selbst einmal für ein oder mehrere Tage mittelalterliche Leben eintauchen möchte, ist herzlich willkommen. Doch spätestens, wenn man in der dunkeln, verrauchten Stube sitzt oder stinkige Eimer in die Gosse gekippt werden, dämmert es einem, dass die „gute alte Zeit“ vielleicht nicht immer nur schöne Seiten hatte.

Dänemark - Lolland - Nysted

Doch die ersten Autos, mit denen betuchte Bürger vor 100 Jahren auf der Insel den Rausch der Geschwindigkeit genossen, lassen bis heute die Augen der Besucher des Aalholm Automobil Museums strahlen. In vier Hallen weckt es Erinnerungen an die Zeit, als Chrom und Lack noch richtig strahlten. Mehr als 200 historische Automobile von 1886 bis 1939 sind zu sehen, darunter auch ein Rolls Royce von 1911. Danach lohnt sich ein Abstecher ins „hyggelige“ Nysted (Foto oben), der südlichsten und für viele gemütlichsten Kleinstadt Dänemarks. Doch der Nachwuchs hat bereits entschieden: Er hat Lust auf’s Meer und mehr. Erst mit Kapitän Rasmussen auf dem Postboot „Vesta“ durch die Förde von Nakskov schippern, danach noch rasch das dortige russische U-Boot U 359 entdecken, ein Eis mit reichlich Fløde (Schlagsahne) schlecken, und dann schnell wieder zurück nach Lalandia – denn so bleibt noch genügend Zeit für das tropische Badeland.



Reiseinformationen zu diesem Reiseziel

Reiseveranstalter Dänemark

Reiseveranstalter Grönland




home | Länder A - Z | Reiseführer | Länderinfos | Kulinarische Reisen | Städtereisen Deutschland | Urlaub in Deutschland
Reiseführer Kopenhagen | Kurzreiseführer Jütland | Reiseführer Berlin | Reiseführer Bremen | Reiseführer Dresden

 

Twitter
RSS