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Über große Seen nach Silkeborg

Mit dem vierten Tage auf der Gudenå verlassen wir das Naturschutzgebiet. Wenige Paddelschläge von der Klostermølle entfernt, dort wo der Fluss in den Mossø einmündet, ändert sich abrupt das Landschaftsbild: der riesige See wird von Wiesen und Feldern gesäumt, Häuser tauchen auf und Motorboote kreuzen unseren Weg.

Auf dem See übernehmen die Kinder zum ersten Mal das Steuer und sind ziemlich erstaunt "Oh, so leicht ist das mit dem Steuer ja gar nicht" höre ich Marie hinter mir murmeln und sehe vorne das Schilf auf mich zukommen. "Dirk, wie komme ich denn hier wieder raus?" Aus ihren Worten klingt Verständnis für unsere anfänglichen Schwierigkeiten. "Verkehrsschilder" mit Geschwindigkeitsbegrenzungen tauchen plötzlich am Ufer auf. Ein deutliches Zeichen, dass wir wieder in die Zivilisation eintauchen. Zum Glück queren wir den größten See Jütlands an seiner schmalsten Stelle im Westen und münden bald wieder in einen Kanal ein. Früher wurde der Fluß als Handelsweg benutzt, lange schon vor den Wikingern. Es war bis ins letzte Jahrhundert der schnellste und bequemste Weg die Waren vom Meer ins Inland zu transportieren. Wer sich für die Geschichte der Region, bis hin zur Steinzeit, interessiert, dem sei der kurze Abstecher über den Seitenarm zum Gudenåmuseum empfohlen. Eine private Sammlung, die über 30.000 Funde aus der Gegend zeigt, darunter jede Menge Feuersteine, Äxte und Speerspitzen aus der Steinzeit. Lohnend ist auch der Stop wenige Flussbiegungen weiter am Øm Kloster. Es ist eines von 14 Klöstern, die im Mittelalter entlang der Gudenå errichtet wurden. Die Ruinen geben heute noch einen guten Eindruck von den Ausmaßen der Anlage aus dem Mittelalter. Dass die Zisterziensermönche ein großes Wissen über Heilbehandlungen hatten, bis hin zu Schädeloperationen, das zeigt uns das kleine Museum.

Wieder im Boot werden wir mitten auf dem Gudenå See von einem heftigen Gewitter überrascht: von jetzt auf gleich verwandelt sich der Himmel von tiefblau in düsteres Schwarz. Noch ehe wir die Regenkleidung anziehen konnten, tanzen schon dicke Tropfen auf der Wasseroberfläche. "Schnell Backboard", treibe ich Johann an, der wieder das Steuern übernommen hat. "In den Schutz der überhängenden Erlen, sonst sind wir gleich bis auf die Haut nass" setze ich noch hinzu und paddle mit aller Kraft. Aus unserem Unterschlupf heraus beobachten wir fasziniert das Wasserspiel. "Das finde ich total geil" stellt Jonni plötzlich fest. Und da kann ich ihm nicht widersprechen, auch wenn ich es anders ausgedrückt hätte. Die Regenbekleidung hält uns zwar trocken, doch ist es allen schnell kalt geworden. "Lasst uns lieber weiter fahren. Beim Paddeln wird einem wenigstens warm" motiviert uns Christiane. Noch eine Runde Gummibärchen zur Motivation und hinein ins nasse Vergnügen. Auf dem See werden wir von einem Boot überholt, in dem zwei Männer mit nacktem Oberkörper sitzen, offensichtlich abgehärtete Wikinger. Andere haben sich in Mülltüten gehüllt. Die schwarzen Plastiksäcke sind bei vielen auch als Verpackung der Ausrüstung sehr beliebt. Wer aber auf Nummer Sicher gehen will, der sollte die Investition für die praktischen Ortliebsäcke nicht scheuen. Sie sind wirklich dicht, selbst wenn sie ins Wasser fallen und zudem robust. Peinlichst achten wir darauf, dass die Schlafsäcke und jeweils eine Garnitur Wäsche zum wechseln immer trocken bleiben. So kann man sich nach einem Regenguss wieder warm anziehen. Apropos Regen. Ob Sie bei einem Zelt richtig investiert haben, wird sich spätestens dann herausstellen: ist es bei einem Gewitter mit Sturmböen und peitschendem Regen wirklich dicht? Tropft es auch nicht beim Öffnen in den Innenraum? Kann man seine Regenkleidung ausziehen, ohne dass der Schlafbereich nass wird? Auch beim Auf- und Abbauen im strömenden Regen sollte das Innenzelt trocken bleiben!

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Unser Ziel für heute liegt auf der anderen Seite der Kleinstadt Ry. Pudelnass und erschöpft erreichen wir dort den Sønder Eget Campingplatz. Wieder rutschen die Bootskiele über den Kies, ein Geräusch, dass uns vertraut geworden ist. Routiniert räumen wir inzwischen die Kanadier aus, bauen die Zelte auf und genießen die heiße Dusche. Belohnt werden wir zum Abschluss des Tages durch einen malerischen Regenbogen, der sich in voller Breite zeigt und als Höhepunkt noch im Wasser spiegelt.



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