DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Drei Umtragestellen an einem Tag

Zugewachsen, ursprünglich zeigt sich die Gudenå am heutigen Vormittag. Im Schatten hoher Erlen gleiten wir lautlos dahin. Dann versperrt uns plötzlich ein Wehr den Weg. Wir machen an der Breitseite des Alu-Kanus fest und werden schnell vom "Kapitän" auf deutsch informiert, dass dies die erste Staustufe der Gudenå ist. "Unsere Kinder holen schon den Handwagen" fügt er noch hinzu. Alles ist perfekt organisiert:

Jeder packt selbstverständlich mit an und mit vereinten Kräften und lautem " Hau Ruck, Hau Ruck, Hau Ruck... "schieben wir zu dritt das voll beladene Kanu die Rampe hinauf, zerren es auf den Handwagen und ab geht es im Laufschritt hinunter auf die andere Seite des Kraftwerks. Profis machen das mit so einem Schwung, dass jeder vor dem herannahenden "Geschoss" in Deckung springt. Keine 10 Minuten später sitzen wir wieder in den Booten.

Das Wetter meint es heute gut mit uns. Nach dichtem Morgennebel wärmt die Sonne nun unsere nackte Haut. In der Mittagspause bastelt sich Johann eine Angel aus einem Zweig und dem Blinker, den er zuvor im Schilf gefunden hat. Meine Mahnung, das er dafür einen Angelschein benötigt, ignoriert er einfach. Bei Kindern wird es hoffentlich nicht so schlimm geahndet, denke ich mir und lasse ihm den Spaß.
Enttäuscht sind wir vom Biwakplatz Fiskerbyen. Direkt an der Straße fehlt ihm jede Romantik. Auch der Voervadsbro Teldplads, nur 200 Meter weiter, überzeugt uns nicht. Nach kurzer Diskussion entscheiden wir uns für die nächste Übernachtung Klostermølle in sechs Kilometer Entfernung. Wenn wir gewusst hätten, was für eine anstrengende Etappe da auf uns wartet, wäre die Entscheidung sicher anders ausgefallen.
Es dauert nicht lange und ein breites Wehr versperrt uns wieder den Weg. Ein Wagen für das Kanu steht auch hier bereit, doch es ist schon später Nachmittag und keine anderen Kanufahrer sind weit und breit zu sehen. Das es so anstrengend ist, mit nur zwei Erwachsenen und vier Kinderhänden ein beladenes Boot auf den Wagen zu zerren, hätten wir nicht gedacht. Als Belohnung für diese schweißtreibende Arbeit folgt nun der schönste Flussabschnitt der gesamten Tour, wie sich im Nachhinein herausstellt.

Die Strömung hat zugenommen. Teilweise geht es sogar ohne eigenen Antrieb flussabwärts. Mal um eine grüne bewachsene Insel herum, mal müssen wir den Schwänen ausweichen. Die Bäume haben den Fluss dicht zugewachsen, vom Himmel dringt kein Tüpfelchen Blau mehr hindurch. Der beginnende Regen und die tropfende Feuchtigkeit unterstreicht unser Gefühl in den Tropen zu sein, nur dass es dann noch schwül warm wäre und nicht so fröstelnd kalt wie jetzt. Endlich taucht zwischen den Bäumen die Klostermølle auf. Noch ein letztes Mal das Boot herausholen und Schluss für heute. Das Gelände der einstigen Mühle entpuppt sich als eine wahre Idylle, kein Autolärm, nur das Rauschen des Baches und das Klopfen der Regentropfen auf unserem schwedischen Tunnelzelt. Mönche hatten vor rund 800 Jahren den Kanal gegraben, um die Wasserkraft zu nutzen. Das große vierstöckige Holzgebäude war das Trockenlager der Papierfabrik, die später hier entstand. Heute ist die Anlage sehr schön restauriert.



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