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Eiserne Aussichten & feuerspeiende Skulpturen

Wege zur Kunst im dänischen Jütland

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

Kunst und Landschaft ist das Thema, dem unser Autor auf einer Reise durch Jütland nachgegangen ist. Dabei hat er nicht nur einen Astronomen im rostigen Eisenmantel entdeckt, sondern auch ein gemaltes Paradies und einen gigantischen Höllenschlund. Lassen Sie sich überraschen von „Saturns Haaren“, vom „Schattenmann“ und vom „Grauen Vogelpferd“.

Nördlich von Egtved findet man am Rande des Tals der Vejle Å aufgelassene Kiesgruben, die Robert Jacobsen und Jean Clareboudt mit ihren riesigen Skulpturen aus rostigem Eisen und mit Findlingen umgestaltet haben. Gleich bei der Einfahrt zur Tørskind-Kiesgrube erheben sich drei lange, aufwärtsstrebende Rohre, die in einem soliden, aus senkrechten Platten bestehendem Rahmen stecken. Man denkt im ersten Moment an gewaltige Abschussrampen oder Kanonenrohre, aus denen jederzeit gefeuert werden kann. Doch nichts Militaristisches haftet dieser Plastik an: Glaubt man dem Titel „Tycho Brahe“, so wird mit dieser Installation im öffentlichen Raum dem bekannten dänischen Astronomen ein Denkmal gesetzt, so lassen sich die Kanonenrohre zu Fernrohren umdeuten.


Robert Jacobsens Vorstellung von Tycho Brahe

„Schräg nach oben“

Und es scheint, dass auch die anderen Installationen sich dem Thema Astronomie widmen, obwohl das der Betrachter nicht auf den ersten Blick erkennen kann: Fichtenstämme auf einer Hügelschräge, die sich zu einem Fächer vereinen, gleichen den Zeigern einer Sonnenuhr, auch wenn der Titel der Arbeit „Saturns Haare“ lautet. Oder sollen die fünf Fichtenstämme die Ringe symbolisieren die Brahe um den Planeten Saturn gesehen hatte? Auf einer Anhöhe ragt die v-förmige Skulptur „Schräg nach oben“ empor. Man glaubt eine Abschussrampe für Raketen vor sich zu haben. Auch die übrigen Installationen drehen sich um die Gestirne und das All, nehmen die Landschaftsform auf und verfremden sie durch Eisen, Beton und Granit. So erblickt man in einem Krater eine dreieckige Installation aus Eisenbalken, die mit großen Steinen gefüllt ist: „Aussicht“ lautet der vielsagende Titel des Werks.

Lassen wir die Irritationen die, die Skulpturen hinterlassen, hinter uns und genießen ein wenig die umliegende wellige Landschaft. Ein ausgewiesener Radweg führt uns nordwestlich von Egtved zu einem bronzezeitlichen, aus Grassoden aufgebauten, viereinhalb Meter hohen Hünengrab, in dem sich ein Eichensarg mit allerlei Grabbeigaben befand. Auf Infotafeln in einem kleinen Ausstellungshaus erfahren wir von den Grabungen, der Kleidung der hier bestatteten Frau, die mit Schnürrock und Wollbluse sowie Bronzearmreifen, bronzener Gürtelspange und Beinkamm bekleidet war, und von den entdeckten Grabbeigaben.


"Tycho Brahe" aus Eisen, beton und Leimholz
- eine Idee von Robert Jacobsen

„Freiheit in unserer Zeit“


Blick auf das Kunstmuseum Vejen

Vor dem oktagonalen Eingang des 1924 eröffneten Kunstmuseums Vejen erblicken wir inmitten einer sprudelnden Brunnenanlage den gebeugten Satan, der mit seiner Krallenhand nach seinem Opfer greift, ein „Schattenmann“ zerfließt in der milden Sonne Jütlands. Diese Skulpturen schuf Niels Hansen Jacobsen, der sich nach seinem Studium in Kopenhagen und Aufenthalten in Paris dem Symbolismus verschrieben hatte. Nach Dänemark zurückgekehrt, arbeitete er in seinem Atelier in Skibelund, während er im heutigen Museum von Vejen wohnte. 1938 wurde das Atelier in Skibelund abgebrochen und in Vejen als westlicher Kuppelsaal des Museums wieder aufgebaut.


"Der Schattenmann" vor dem Kunstmuseum Vejen

In Jacobsens Arbeiten finden sich neben symbolistischen Motiven die fließenden Linien des Art nouveau, unter anderem in „Nacht“ und „Freiheit in unserer Zeit“. Besonders beeindruckend ist Jacobsens Arbeit „Militarismus“: Ein grimmiger, kantiger Krieger steht auf einem Hügel von Totenschädeln.


Ein grimmiger Krieger steht auf Totenschädel,
Jacobsens mahnende Umsetzung von Militarismus

Unter den zahlreichen Plastiken fällt der Blick auch auf eine naturalistisch ausgeformte Skulptur: Der Sensenmann schreitet über eine gekrümmt am Boden liegende Frau hinweg: "Mutter und Tod" ist der Titel des Werks. Neben Arbeiten von Jacobsen beherbergt das Haus auch Bilder der Maler Jens Lund und Ejnar Nielsen. Lund hatte sich ganz der Art nouveau verschrieben, darauf verweisen auch seine ornamentalen pflanzlichen Illustrationen wie „Heiliger Hochmut“ und „Blume der Hölle“ oder „Blume der Nacht“. Zu sehen ist aber auch eine psychedelische Landschaft. Nielsen ist unter anderem mit dem Entwurf zu einem Wandgemälde „Badende und Junge“ und „Landschaft bei Gjern“ vertreten.

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