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Der Dichter wird wunderlich

Zurück nach Kopenhagen. Andersen auf dem Zenit seines Ruhms. Er fand fürstliche Freunde, dinierte bei der königlichen Familie und las vor Hunderten von Zuhörerinnen und Zuhörern - immer auch das Märchen vom hässlichen Entlein, das er sich als Parabel auf den Leib geschrieben hatte. Auf seine alten Tage aber wurde er wunderlich. Er langweilte ganze Abendgesellschaften mit seinem Lieblingsthema: Andersen, und ließ auch schon mal ein Glas Wasser kommen, um am Tisch seine dritten Zähne auszuspülen.

Dänemark Kopenhagen Denkmal 5
Nicht immer herrscht Ehrfurcht vor Monumenten ...

Den 70. Geburtstag richteten seine Gönner, Familie Melchior, am Hojbro-Plads für ihn aus. Als besondere Aufmerksamkeit wurden alle zehn Gänge nach Andersen-Märchen benannt: Zu den "Wilden Schwänen" servierte man "Die Muhme" - Champagner Veuve Cliquot. Hinterher stand der Jubilar versonnen auf dem Balkon im zweiten Stock und blickte auf den Fischmarkt auf Gammelstrand, an den heute noch eine Fischverkäuferin in Tracht erinnert. Im Kanal glitzerte das Wasser - ahnte er bereits die Schemen unter der Oberfläche, Juste Bonnéts moderne Unterwasserskulptur "Agnete und der Wassermann", verankert am Grund in unserem Jahrhundert?

Dänemark Kopenhagen Kirchturm
... aber Andersen hat Dänemark akzeptiert

Schon hatte ihn der Leberkrebs gepackt und zehrte ihn auf. Am 4. August 1875 starb Hans Christian Andersen auf Rolighed, dem Landgut der Melchiors. Die Trauerfeier im weißen Tonnengewölbe der Frauenkirche mit den Marmoraposteln von Bertel Thorvaldsen war beeindruckend. Längst hatte die Stadt ihren Frieden mit dem verqueren Außenseiter gemacht. Man setzte ihn auf dem Assistens Kirkegard unter einer einfachen Steinplatte bei. Im Königlichen Garten von Schloss Rosenborg stellte man ihm ein Denkmal auf, 1961 ein zweites, direkt neben dem Rathaus. Im Mai 2004 wählten die Leserinnen und Leser von Dänemarks größter Zeitung, "Berlingske Tidende", den Dichter zum "größten Dänen aller Zeiten".

Hans Christian Andersen, hätte er davon erfahren, wäre begeistert gewesen. Aber es hätte ihn nicht weiter verwundert. Das Land ihm zu Füßen, die Welt ganz Ohr - nichts anderes hatte er erwartet.

Website des Autors: http://www.franz-lerchenmueller.de



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