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Zahnschmerzen am Ehrentag

Da ist, wenn es um Austellungen geht, das Andersen-Museum in Odense schon von anderem Kaliber - und auf jeden Fall einen Abstecher auf die Insel Fünen wert. Mit Bildern von Marx, Lincoln und Bismarck stimmt eine Fotowand auf die historische Epoche ein, ehe Andersen Gestalt annimmt - Andersen, der Künstler, der Hypochonder, der Egomane, der begnadete Schnorrer, der sich jeden Tag der Woche in einem anderen Haus durchfüttern ließ. Lebensgroß in Holz geschnitzt tritt er aus dem Dunkel, seine Fußspuren, auf den Boden gemalt, sind für unsereins einfach zu groß. Wen er am meisten fürchte, wurde er einmal gefragt: "Mich selbst".

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"Er selbst" ...

Und wer er gerne wäre, wäre er nicht er selbst: "Hans Christian Andersen". Station für Station ersteht sein Leben anhand von Briefen, Fotos und Urkunden. Daneben finden sich die feinen Scherenschnitte, die er geschaffen hat, die überraschenden Collagen, die Möbel aus einer seiner Wohnungen. Am 6. Dezember 1867 wurde der Armenjunge aus der Munkemoellestrade zum Ehrenbürger von Odense ernannt. Gerade an dem Tag aber plagten ihn die Zahnschmerzen wieder mal so heftig, dass er nur wünschte, der Fackelzug wäre bald vorbei.

Auch auf die Ohren gibt es einiges: Günter Grass liest vor, und Hanna Schygulla, Märchen in Urdu, Turkmenisch und Gujarat sind abrufbar, und in fast jeder anderen der über 150 Sprachen, in die sie übersetzt wurden. Dazu Bücher über Bücher, schöne, ungewöhnliche und rührende: Dalí hat zu Andersen gemalt, Karl Lagerfeld "Des Kaisers neue Kleider" illustriert. Und 1943, im belagerten Leningrad, als es wirklich an allem fehlte, druckten die Behörden - Andersens Märchen.

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... und seine Leser

Aber natürlich sind da auch der Zylinder, die Locke vom Haar und das berühmte Tau, das der Meister bei Reisen immer mit sich führte: Um sich abzuseilen, sollte es im Hotel je brennen. Andersens wahrscheinliches Geburtshaus wurde komplett ins Museum integriert. Möbel und Handwerkszeug vermitteln einen Eindruck vom ärmlichen Leben im Schusterhaushalt, ein Polizeifoto zeigt einen Halbvetter mit vielfach geflickter Joppe am Körper und Hoffnungslosigkeit im Blick. Ein kurzer Film in Dänisch oder Englisch fasst sein Leben zusammen, und im Museums-Shop halten die Souvenirs stumme Zwiesprache: "Wir kleidsam, Fräulein Krawatte, Ihr schwarzes Konterfei des Dichters! - Ach, Herr Regenschirm, Sie vielfaltiger Charmeur..."



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