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Stolz wie ein Gockel

Damals roch es nach Teer und Fäkalien, Huren schrien Seeleuten hinterher, Segelmacher saßen in den Kellern über ihrer Arbeit. Heute ist Nyhavn schick, teuer und lebhaft, "the sunniest sunny side" von Kopenhagen. Hier kommen sie alle vorbei: Die längsten weiblichen Beine, der braungebrannteste Zuhälterbizeps, die roteste Wikingermähne. Touristen und Topmanager treffen sich beim Tuborg, Gestrandete und Gefeierte genießen den Tag. Und im Eis vor dem fröhlich bunten Straßencafe sehnt die Champagnerbouteille sich danach, mit dem tollen Hecht eine Runde zu drehen, und weiß doch schon seit langem, dass sie der blasierten Seezunge versprochen ist...

Dänemark Kopenhagen Denkmal 3
Der Herr Märchenerzähler ...

So viele Plätze, die Andersen besuchte. Stolz wie ein Gockel stolzierte er durch die heutige Fußgängerzone Oestergade, ein Kerl von 1,85 m mit feinbestickter Weste, grauem Gehrock und hohem Zylinder. Im "Tivoli", dem 1843 eröffneten Vergnügungspark, fand er die Idee zum Märchen von der Nachtigall. Heute trägt dort sein "Fliegende Koffer" Kinder in Luftschlösser hoch. Am Kongens Nytorv, dem zentral gelegenen Königlichen Neumarkt, wohnte er im edlen "Hotel d`Angleterre", speiste Grünkohl im "Cafè `a Porta" zwischen den immer noch vorhandenen Tapeten aus Schweinsleder und gönnte sich hinterher in "Hviid`s Vinstue" den einen oder anderen Absacker, wie es gestandene Kopenhagener heute noch halten.

Dänemark Kopenhagen Meerjungfrau
... und die Meerjungfrau - illustre Kopenhagener

Selbst dort, wo sich kein direkter Bezug zu seinem Leben herstellen lässt, findet sich häufig einer zu seinen Märchen. Durch das Eisengitter vor dem Kunstgewerbemuseum kann, wer will, seinen Kopf stecken - genau wie der junge Volontär in den "Galoschen des Glücks". Vom Rundturm, in dem sich der Weg stufenlos wie ein Spindel in die Höhe windet, erzählt das Märchen vom Feuerzeug: Mit "Augen, jedes so groß wie der Runde Turm" bewacht der dritte, grässliche Hund seinen Geldkasten. Und weit draußen an der Uferpromenade Langelinie schmachtet seit 1913 die Kleine Meerjungfrau auf ihrem Stein. Hübsch und ein bisschen naiv, wie der Künstler Edvard Eriksen sie nach dem Bild seiner Frau geschaffen hat, und gänzlich unbeeindruckt von all dem Ungemach, das ihr mittlerweile widerfahren ist: Zweimal sägten ihr Verrückte das Haupt ab, ein Fetischist musste unbedingt den Arm haben, und am 11.9.2003 sprengten ein paar Holzköpfe sie gar im Ganzen vom Fels. Doch nun präsentiert sie wieder ungerührt ihre schwellenden Formen den Kameras aus aller Welt.



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