Die Gebäude kleben am Berg, als hätte ein kubistischer Künstler sie dort phantasievoll platziert. Eine Regelmäßigkeit ist unmöglich; die Steilheit der Hügel fordert zu individuellen architektonischen Lösungen heraus. Nicht eines ist wie das andere, nicht in der Farbe und nicht in der Form. Reihenhausarchitekten wären an dieser Topographie verzweifelt, wenn sie sich jemals hierher gewagt hätten. Stattdessen ist ein planloses Durcheinander entstanden, das jeden Meter Boden ausnutzt: Valparaíso ist kein von Stadtplanern entworfenes Schachbrett wie so viele andere südamerikanische Städte, Valparaíso ist ein Kunstwerk, das die Phantasie und der Erfindungsreichtum seiner Bewohner zusammengefügt haben. Unregelmäßig und abwechslungsreich, ohne Ordnung, aber mit Poesie.
Einzige Orientierungsmarken in diesem verwirrenden Bild aus Hügeln, Häusern, Treppen und Gassen sind die "ascensores", die Aufzüge. Sie wurden vor über hundert Jahren erbaut und sind über die ganze Stadt verteilt.

Einer der zahlreichen Ascensores der Stadt
Trotz ihrer antiquierten Technik funktionieren sie noch heute und ersetzen den mühevollen Aufstieg durch eine kurze Fahrt über Hausdächer, durch Gärten und Hinterhöfe. Aber auch wenn die Schienen und die rot oder gelb angestrichenen Kabinen von überall her leicht zu erkennen sind, so hat der Fremde doch Schwierigkeiten, die Stationen zu finden, von denen aus er die Fahrt auf die Hügel beginnen kann. Die Eingänge sind oft hinter einer Ecke oder Häuserfront versteckt, manchmal bildet eine schlichte Haustür den Zugang. Den Ascensor Polanco erreicht man unten nur durch einen Tunnel, und oben muss man ihn über eine Brücke verlassen. Ein Transportsystem, das sich der Topographie anpassen musste und das die verwirrende Architektur des vertikalen Valparaíso um sein originellstes Element bereichert.
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