Wer Valparaíso in seinem vertikalen Teil erläuft und erklettert, wird
dieses Grundmuster der einfachen Linien immer wiederfinden und doch
an jeder Ecke, jedem Winkel eine Überraschung erleben.Unzählige Stufen
führen vom Meer aus hinauf auf die Hügel mit so klangvollen Namen
wie Artillería und Florida, Alegre und Mariposa, Panteón und Barón.
Autos sind dort eine Seltenheit - wie sollten sie sich in diesem Gewirr
aus engen und steilen Gassen auch zurechtfinden? Es scheint so, als
würde sich in Valparaíso jede Straße irgendwann in eine Treppe verwandeln oder irgendwo auf den Hügeln im Unendlichen enden, im unendlichen
Labyrinth der Häuser.
Jeder
Hügel bildet eine kleine Welt für sich, in der man herumwandern kann,
ohne jemals anzukommen. Manchmal trifft man auf einen kleinen Platz,
den die Kinder für sich reserviert haben. Die Treppen werden enger,
die Stufen steiler, plötzlich führt der öffentliche Weg mitten durch
ein Haus hindurch. Gerade meint man, in einer Sackgasse ohne Ausweg
zu stecken, da tut sich links oder rechts ein Durchgang auf, wieder
Treppen - bergauf und bergab.
"Treppen! Keine Stadt hat sie in ihrer Geschichte so verschwendet
und aufgeblättert, hat sie in ihrem Angesicht so ausgestreut und
vereint wie Valparaíso. Wenn wir alle Treppen Valparaísos begangen
haben, sind wir um die Welt gereist", schrieb Pablo Neruda, der sich
selbst gern als "Vagabund von Valparaíso" bezeichnete, auf den Hügeln
ein Haus besaß und sich stundenlang im Häusermeer verlieren konnte.
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