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Viktorianische Prachtbauten und Zweitaktgestank

Diese Stadt ist ein Hammer: Dampfend heiß und vibrierend schüttelt Yangon, das frühere Rangoon, seine Gäste zur Begrüßung. Durch breite Straßen, durchnumeriert wie in New York, flitzen bei 35 Grad im Schatten die allgegenwärtigen Fahrradrikschas an viktorianischen Prachtbauten vorbei, die schon weit bessere Tage gesehen haben. Die Uhren gehen in Myanmar anders: Es ist eine halbe Stunde später als in Thailand und eine halbe Stunde früher als in Bangladesh, die Woche hat acht Tage – der Mittwoch wurde zweigeteilt – und man schreibt das buddhistische Jahr 1360. Alle vier Millionen Yangon-Einwohner tragen Wickelröcke, Longyis genannt, dazu Badelatschen aus Kunststoff, nur die Mönche heben sich mit ihren rötlichen Gewändern deutlich von der Masse ab. Die öffentlichen Busse sind immer überfüllt, ramponiert und stets viel zu langsam. Es riecht nach DDR, zweitaktgetriebene Kleinwagen knetern durch die schlaglochübersäten Straßen.

Myanmar / Yangon / Straßenszene
Straßenszene in Yangon

Ein Land mit kolonialer Vergangenheit und vom Buddhismus geprägt

Der wirtschaftliche Motor des Landes war acht Jahrzehnte lang die britische Kolonialmacht. Deshalb sieht die Hafenstadt Yangon genauso kolonialistisch aus wie Bombay oder Kalkutta, allerdings mit dem Unterschied, dass hier niemand betteln muss oder halbtot in der Gosse liegt.

Myanmar / Yangon / Straßenmarkt
Straßenmarkt in Yangon

Segen allein waren sie nicht, die Herren vom Empire. Sie haben die Teakholzwälder abgeholzt und die Goldvorkommen geplündert, aus Tempelglocken haben sie Waffen geschmiedet, und anglikanische Priester lehrten die buddhistischen Burmesen christliche Gottesfurcht. Doch am 4. Januar 1948 um 4 Uhr 20 morgens – burmesische Astrologen hatten diesen Zeitpunkt berechnet – packten die Briten ihre Dudelsäcke und ihre Bankeinlagen in den Koffer, und Burma war frei. Seit fünf Jahrzehnten heißt das Land „Myanmar“, Oberbegriff für 136 ethnische Gruppen wie Shan, Kachin, Nagas oder eben – Burmesen. Dass dieses Land eine Militärdiktatur ist, merkt man als Reisender nicht. Im Gegenteil, in Yangon macht jeder was er will.

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