Pannonien. Viele Burgenländer bedauern, dass die Namensgeber ihrer Heimat sich 1921 nicht an die Pannonier erinnerten. Die Römer hatten ihre Provinz Pannonia benannt nach jenem Kelten-Stamm, der sich vor 2400 Jahren im heutigen Burgenland ansiedelte. Spätere Völkerwanderer ließen dieses Gebiet südlich der Donau nicht zur Ruhe kommen - bis hin zu den Türkenbelagerungen Wiens. Die von den Türken hinterlassene verbrannte Erde wurde ab 1533 rekultiviert von kroatischen Siedlern, deren Nachfahren heute als Weinbauern und Pensionswirte die burgenländisch-kroatische Gastfreundschft pflegen. Eine kroatische Ortschaft erkennt der Wanderer bereits am zweisprachigen Ortsschild; danach an den lang gezogen, geduckten Häusern mit ihren liebevoll gestalteten Fassaden; und außerdem daran, dass hier jedem Durchradelnden freundlich zugewinkt wird: "dobro dosli - Willkommen!"

Schloss Esterhazy
Der Heimatwerk-Laden in der Landeshauptstadt Eisenstadt präsentiert als burgenländische Tracht ein Kleid, das den Festtagsgewändern der hier lebenden Kroatinnen nachempfunden ist. Ein Schelm, wer wegen solch eines Plagiats "Haltet den Dieb!" ruft. Schließlich hatte Joseph Haydn sogar jenen Satz aus seinem „Kaiser-Quartett, der später zur deutschen Nationalhymne wurde, seinen kroatischen Nachbarsleuten abends im Wirtshaus abgelauscht.
Was Joseph Haydn in seinen 30 Eisenstädter Jahren als Kapellmeister des Fürsten Esterhazy sonst noch leistete, ist jedes Jahr im September bei den Haydn-Festspielen zu hören. Treue Festival-Besucher bedauern, dass im Programm kaum noch Platz ist für das Baryton – ein heute selten zu hörendes Streich-Instrument mit anheimelndem Klang, auf dem Haydns fürstlicher Arbeitgeber gerne spielte. Aber dafür können Haydn-Fans hier am Uraufführungsort jedes Jahr eine andere seiner selten gespielten Opern erleben. In der übrigen Zeit werden Frühklassik-Liebhaber musikalisch verwöhnt von vier Musikern, die in Rokoko-Kostümen Haydns Streichquartett-Literatur interpretieren.
Avantgarde- und Ethno-Rhythmen, die im Sommer das Städtchen Wiesen erbeben lassen, könnten auch in New York, Rio, Tokio erklingen. Dieses Festival im Mittelburgenland unterscheidet sich von ähnlichen Open-Airs aber dadurch, dass US-Stars ihre Manager beauftragen: "Lege den letzten Gig unserer Europa-Tour dorthin, wo die Strawberries (Erdbeeren) wachsen." Anschließend entspannen sich die Musiker in der Thermen-Region ein bisschen weiter südlich.
Zum Beispiel in die Therme Stegersbach, die sich als Ausgangspunkt für Fuß-Wanderungen in die umliegenden Täler empfiehlt. Die Sonnentherme von Lutzmannsburg ist der ideale Radler-Start für die sanft hügelige Umgebung: Kroatisch Minihof, Kroatisch Gerersdorf, der Franz-Liszt-Geburtsort Raiding und andere malerische Ortschaften. Anspruchsvolle Souvenir-Sammler finden in dieser Region Töpfereien und andere Kunsthandwerk-Betriebe, die ihre Waren direkt ab Werkstatt verkaufen.

... eine Pause
bei Wein ...
Wer dagegen die Stille sucht und genießen kann, radelt von dort aus nach Norden in den Seewinkel am Südost-Ufer des Neusiedler Sees; dort wurden die Häuser im Feriendorf Vila Vita architektonisch liebevoll der weitestgehend unberührten Naturlandschaft angepasst. Bei Westwind wehen nach dort ein paar Operetten-Melodien über den See, wenn diese Schilf-Region als Open-Air-Kulisse mitwirkt bei den Seefestspielen in Mörbisch. Die Operetten-Fans im knapp eine Autostunde entfernten Wien verabreden sich jeden Sommer zum "Gemma Mörbisch schaun", wobei "schaun" zu übersetzen ist mit "sehen und gesehen werden." Vom 16. Juli bis 29. August 2004 wirbelt Emmerich Kalmans „Gräfin Mariza“ vor ausverkauftem Haus über die Seebühne.
Eher ein Geheimtipp für Musikfreunde ist im Südburgenland beheimatet: Jeden Freitagabend probt das Schlaininger Blasorchester. Ein Muss für Blechmusik-Fans! Und erst recht für jene, die weder Dschingderassa-Bumms noch Tätärä mögen! Die Schlaininger spielen eine Mischung aus Klezmer- und Zigeunerweisen, Balkan und Böhmen. Zuhören ist erlaubt, - aber "pssst, wir proben zurzeit mal wieder diese mediterran rhythmische Passage." Die geht dem Burgenländer Blasmusikanten doch nicht so leicht von der Hand.
Aber ansonsten sind die Schlaininger aus ihrer einstigen Weltabgeschiedenheit erwacht. Seit die UNESCO und Weltbank ihre Mitarbeiter in der Friedensakademie auf der Burg Schlaining zu Entwicklungshelfern mit "Peacemaker"-Diplom ausbilden lassen, finden im Burghotel ständig internationale Symposien statt. Das Friedensmuseum, in dem Erfahrungen dieser Konflikt-Forschungsarbeit präsentiert werden, befindet sich im ehemaligen Folterkeller der Burg.
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