Frankreich
Mit dem Wohnmobil durch die Bretagne
Text und Fotos: Dirk Schröder
Vive la Bretagne - die liberalste Wohnmobilregion Frankreichs steht auf der Urlauberhitliste ganz weit oben, trotzdem lassen sich selbst zur Hauptreisezeit Juli/August noch idyllische Plätze finden. Schöner allerdings ist das Frühjahr, wenn überall der Ginster gelb blüht.

Nicht mehr weit bis zum Mont St.
Michel
Die meisten Urlauber zieht es in die Badeorte zu Anfang der Nord- und Südbretagne und sie überlassen die bizarre Westecke gerne den Individualisten. Alte Traditionen erleben in der Bretagne zunehmend eine Renaissance, die eigene Sprache, die aus dem Keltischen stammt, wird auch wieder von der Jugend gesprochen und die Ortsschilder sind inzwischen in der gesamten Region zweisprachig.
Beeindruckende Burgen zu Beginn
Der hektische Verkehr auf der Periferique um Paris ist vergessen. Vier Stunden Entspannung auf der Autobahn über Le Mans in die Bretagne waren uns die Maut wert, dafür brutzeln wir uns heute das Abendessen selbst. Als Einstimmung auf den Urlaub und Entspannung nach einem anstrengenden Tag am Steuer kommt der erste Cidre-douce auf den Tisch.
Direkt vor dem mächtigen Eingangstor des Château in Vitré haben wir unser rollendes Restaurant geparkt. Viele der schmucken Fachwerkhäuser haben sich hier aus der Zeit des Wirtschaftsbooms erhalten, als Leinentücher in alle Welt exportiert wurden. Bei einem Bummel durch die alten Straßenzüge locken gemütliche Restaurants mit bretonischen Leckereien - nun bereuen wir es doch, der Bordküche den Vorrang gegeben zu haben. Für unseren Pastis finden wir in der Fußgängerzone eine kuschelige Taverne und vertiefen uns in die Broschüren des Fremdenverkehrsamtes (Office de Tourisme).

Die Burg von Vitré
Die Burg stammt in ihren Grundzügen noch aus dem Mittelalter. Als Paradebeispiel damaliger Militärarchitektur wurde sie wieder Tiptop restauriert. Vom Donjon wird die strategisch günstige Lage auf dem Sporn und der Verlauf der Stadtmauer besonders deutlich. Entlang der damaligen Grenzen errichteten die bretonischen Herzöge mehrere solcher Festungsbauten, um sich vor den Machteinflüssen französischer Könige zu schützen. Zusammen mit Fougères im Norden und Châteaubriant im Süden entstanden wirksame Grenzbastionen nach Osten. 700 Jahre lang konnte sich das kleine Volk im Westzipfel seine Unabhängigkeit bewahren, bis schließlich eine geschickte Heiratspolitik siegte. König Franz I. von Frankreich vermählte sich laut Vertrag mit der bretonischen Herzogin Claude und konnte so die Bretagne 1532 der Französischen Krone unterstellen. Die bretonischen Nationalisten haben dies bis heute nicht verwunden und fordern unermüdlich die Unabhängigkeit der Bretagne, allerdings ohne spektakuläre Bombenanschläge, wie im Baskenland oder in Korsika.
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