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Trockentoiletten sollen Grundwasser schützen

Auch wenn in Prainha do Canto Verde versucht wird, die falschen Entwicklungen anderer Gemeinden zu verhindern: Canto Verde ist kein rückständiges Dorf, in dem die gute alte Zeit konserviert wird. Im Gegenteil. Dank der Hilfsorganisation "Amigos de Prainha do Canto Verde" ist die Dorfschule moderner ausgestattet als die meisten Schulen in Brasilien. Die einst auch hier hohe Kindersterblichkeit wurde mittels eines Gesundheits- und Ernährungsprogramms praktisch auf Null gesenkt, und im Fischereihaus wird derzeit mit einer modernen UV-Anlage experimentiert, um das leider stark mit coliformen Bakterien verseuchte Grundwasser zu entkeimen. Unhygienisches Trinkwasser ist ein ernstes Problem, das nicht nur Prainha do Canto Verde betrifft, sondern wahrscheinlich die meisten Gemeinden Brasiliens. Denn im größten Land Lateinamerikas gibt es so gut wie nirgends eine vernünftige Abwasserentsorgung. Die Fäkalien "verschwinden" einfach in einem Loch im Boden, im nächsten Fluss oder werden über eine mehr oder weniger lange Leitung ungeklärt ins Meer abgelassen. Aber die "Freunde von Prainha do Canto Verde" haben auch dafür eine langfristige Lösung dieses Problems in der Schublade: Trockentoiletten, die statt gesundheitsgefährdendem Abwasser wertvollen, keimfreien Humus produzieren. Die Finanzierung des Projektes stehe bereits, sagt der Schweizer René Schärer, der die Hilfsorganisation koordiniert und seit 1992 in Canto Verde lebt. René: "Wir könnten sofort jedes Haus in Prainha do Canto Verde mit einer Trockentoilette ausstatten." Doch die Leute müssten es erst wirklich wollen. Deshalb steht vor der Einführung der Trocken- oder Humustoilette ein, so René, "breit angelegtes Erziehungsprogramm." Es nütze nichts moderne, alternative Toilettensysteme zu installieren, wenn die Dorfbewohner noch von Bädern oder Wassertoiletten träumen, wie sie sie in den Telenovelas, in den Häusern der reichen Familien Sao Paulos oder Rios im Fernsehen sehen. Selbst Prainha do Canto Verde ist keine Insel der Seligen, und Satelliten senden überall hin.

Brasilien / Prainha do Canto Verde - Schärer
Rene Schärer - Initiator des alternativen
Tourismusprojektes von Prainha do Canto Verde

Ab 18 Uhr, wenn es dunkel ist, läuft auch drinnen in der Gaststube meiner Pension der Fernseher. Wie fast jeden Abend haben sich dort ein paar Dorfbewohner vor "O Globo", dem brasilianischen Fernsehsender mit den beliebtesten Telenovelas für ein, zwei Stunden versammelt. Ich lasse sie allein und sitze lieber draußen auf der Veranda der Pousada, höre der Brandung des Meeres und dem lauten, sirenenartigen Zirpen einer Zikade zu. Vom Meer weht eine leichte Brise herauf, vertreibt die Hitze des Tages. Der Himmel ist klar und lässt die Sterne so hell leuchten und so nah erscheinen, als könnte ich sie greifen. Von Lichtverschmutzung ist in Canto Verde kaum eine Spur. Nur aus wenigen Häusern dringt schwaches Kunstlicht aus den Tür- und Fensterspalten. In irgendeinem der Häuser weint ein Baby, und Kinder lachen irgendwo in der Dunkelheit. Dann gegen neun bis zehn Uhr abends gehen auch die letzten Lichter im Dorf aus. Die Menschen gehen hier zeitig zu Bett, denn der Tag beginnt früh in Prainha do Canto.

Brasilien / Prainha do Canto Verde - Abendstimmung
Abendstimmung am Strand von Prainha do Canto Verde


Weitere Informationen: René Schärer, Amigos de Prainha do Canto Verde, Caixa Postal 52722, 60151-000 Fortaleza, Ceará, Brasilien, Telefax 00 55 - 88 413 1426 , E-mail: terramar@fortalnet.com.br





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