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Diamantina ist ein typisches Beispiel für die Entwicklung der historischen Städte von Minas Gerais in den letzten zweihundert Jahren: Nachdem die Gold- und Diamantenminen erschöpft waren, verloren die Orte praktisch jede wirtschaftliche Bedeutung. Es war kein Geld mehr vorhanden für städtebauliche Neuerungen, so dass wir heute noch ganze Straßenzüge vollkommen unverändert im Stil des 18. Jahrhunderts vorfinden. Sogar die Modernisierungen und der Bauboom der vergangenen vierzig Jahre sind dort ohne Spuren vorübergegangen, so dass eine architektonische Subtanz erhalten werden konnte, die inzwischen von der UNESCO zum Kulturdenkmal der Menschheit erklärt wurde.

Brasilien / Minas Gerais - Diamantina 2

Und doch: Auch Diamantina, die entlegenste der historischen Städte von Minas Gerais, hat ihre Verbindung zur Moderne. Hier nämlich wurde Juscelino Kubitschek geboren, jener Mann, der als Oberbürgermeister von Belo Horizonte und später als Präsident der Republik einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der modernen brasilianischen Architektur nahm. Auf seine Initiative hin entwarf Oscar Niemeyer in Belo Horizonte die futuristischen Bauwerke am Stausee von Pampulha und baute später die wichtigsten Gebäude der neuen Hauptstadt Brasilia.

"Die Fenster der Zukunft öffnen sich vor einer lebendigen Vergangenheit." (Murilo Mendes)

Brasilien / Minas Gerais - Kinder in Diamantina
Kinder in Diamantina

Während der fünfstündigen Fahrt von Diamantina nach Belo Horizonte macht man einen Sprung über zwei Jahrhunderte - von der beschaulichen Stimmung des abgelegenen Bergbaustädtchens in eine Metropole von fast drei Millionen Einwohnern. Man sollte den Weg bei Nacht zurücklegen, dann bekommt man eine eindrucksvolle Demonstration der Aktivitäten, von denen Minas Gerais heute lebt: Links und rechts der Straße tauchen immer wieder die lodernden Flammen der Stahlwerke auf, die hier Tag und Nacht die gewaltigen Eisenerzfunde einschmelzen und verarbeiten. Wenn man dann das Lichtermeer der Hochhäuser von Belo Horizonte vor sich sieht, ist man endgültig in die Gegenwart zurückgekehrt. Hier und da versteckt sich zwar noch ein traditionelles Gebäude zwischen den Wolkenkratzern, aber das Minas Gerais des 18. Jahrhunderts hat hier einer neuen Zeit Platz gemacht. Und mancher mag inzwischen sogar die futuristischen Linien der Capela São Francisco im Stadtteil Pampulha als traditionell empfinden - ein Entwurf von Oscar Niemeyer aus dem Jahre 1940. In Ouro Preto, Diamantina und Mariana ist die Zeit stehen geblieben ...

Brasilien / Minas Gerais - Mariana 2
Straße in Mariana

... , in Belo Horizonte dagegen wird die Gegenwart rasch zur Vergangenheit.




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