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Die ersten Goldfunde in Minas Gerais machten "bandeirantes" aus São Paulo gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Sie nannten es schwarzes Gold, ouro preto, weil es meist zusammen mit Eisenerz vorkam. Der Boden war so reichhaltig damit gefüllt, dass innerhalb von wenigen Jahren wohlhabende Städte entstanden. Von Portugal aus versuchte König João V. die Goldproduktion zu regulieren. Er richtete die "Casas de Intendência" ein, wo das Metall abgeliefert werden musste. Hier wurde es gewogen, eingeschmolzen und zu Barren verarbeitet. Der Staat behielt zwanzig Prozent für sich als Steuer ein, den "imposto do quinto". Natürlich führte dies sofort zu illegaler Produktion und zum Schmuggel. Hölzerne Heiligenfiguren füllte man mit Goldstaub und umging auf diese Weise die staatlichen Kontrollen.

Doch die Kunst diente in Minas Gerais nicht nur den illegalen Geschäften. Trotz der Steuern blieb noch genügend Reichtum übrig, um ein blühendes Kulturleben zu ermöglichen. Nach bescheidenen Anfängen entwickelten sich unter dem Einfluss portugiesischer Einwanderer bald eine intensive Bautätigkeit und eine großzügige Förderung der Kunst. Da den kirchlichen Orden in dieser Provinz eine Tätigkeit untersagt war, bildeten sich Kirchengemeinden und Bruderschaften, die den Bau sakraler und gemeinschaftlicher Gebäude vorantrieben. Da die einzelnen Orden ihre geistlichen Traditionen nicht einbringen konnten, entfaltete sich eine relativ freizügige künstlerische Tätigkeit, die sich schnell von vorhandenen Normen löste. Schon die Arbeiten des Baumeisters Manuel Francisco Lisboa, der ab 1724 in Minas Gerais tätig war, entfernten sich von der strengen rechteckigen Linienführung. Aber erst sein Sohn Antonio Francisco, genannt Aleijadinho, entwickelte jene plastische Einheit aus Baukunst und Bildhauerei, die in den barocken Bauwerken von Minas Gerais vorbildlich verwirklicht ist. Die Kirchen Nossa Senhora do Carmo und São Francisco de Assis in Ouro Preto sind die Meisterwerke von Aleijadinho, der seinen Beinamen einer körperlichen Verstümmelung verdankte, die ihm eine Lepraerkrankung zugefügt hatte. Trotz dieser Behinderung arbeitete der jedoch unaufhörlich bis zu seinem Tod im Jahre 1814 und schuf noch weitere Gebäude in Ouro Preto, Sabará und Cogonhas do Campo, die sich vor allem durch den Einklang ihrer strukturellen und dekorativen Elemente auszeichnen.


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