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Nachdem unser Schiff Santarèm verlassen hat, verengt sich der Amazonas ganz erstaunlich von gelegentlich über dreißig Kilometern auf "nur" noch zwei, dafür ist er über einhundert Meter tief. An diesem Teilstück liegt das Bischofsstädtchen Òbidos, ein lebhafter Flusshafen mit Resten eines portugiesischen Forts und schönen Wohnhäusern der Kolonialzeit. Wie stets in Siedlungen am Amazonas sieht man auch dort Cholera-Warnschilder.

Noch mehr lohnt das Aussteigen allerdings ein Stück weiter in Parintins, vor allem während des Karnevals, der Junifeste und hoher kirchlicher Feiertage. In Europa noch unbemerkt, katapultierte sich die abgelegene Inselstadt erst vor wenigen Jahren ganz urplötzlich mit ihren außergewöhnlich originellen Folklorefestivals in die Spitzengruppe der nationalen Kulturattraktionen Brasiliens. Ähnlich dem Rio-Karneval, wird im Wettbewerb der Gruppen um die beste, witzigste, stimulierendste Darstellung regionaler Mythen, Legenden, Tanzspiele und Helden gerungen - der Auftrieb, schon allein an den von überall her eintreffenden Booten, Kanus, "Gaiolas" gemessen, ist dann einfach gigantisch.

Vorsicht vor den Candirù

An Bord haben wir uns inzwischen mit den meisten angefreundet, reichlich Caipirinhas zusammen getrunken, abends zur Gitarre bei Sambas, ultraromantischen Sertaneja-Serenaden und den neuesten maliziös-frechen Liedern der Saison zumindest mitgesummt. Wenn wieder Delfine, Schwärme fliegender Fische oder Vögel ganz nahe an unsere Barke herankommen, werden wir immer sofort informiert. An den Ufern hört man abends und nachts unglaubliche Froschkonzerte, das Brüllen der Affen, erkennt die beim Anleuchten blinkenden Augen der Alligatoren, vernimmt tagsüber das Flügelsummen der vor prächtigen Blüten haltenden Kolibris. Schiffsschrott, aus dem Schlamm ragende Masten rosten vor sich hin, weißgekackt von darauf brütenden Vögeln. Der Amazonas transportiert immer wieder schwimmende Bars, Läden, Kirchen und sogar Bretterkabinen-Bordelle. Wir sehen Mangrovendickichte, in denen geübte Fischer genau wissen, wo sie hingreifen müssen, um -schnapp - einen Kaiman fest hinterm Kopf zu fassen und aus seiner Deckung zu ziehen. Er wird später aufgegessen oder nur den Fremden gezeigt und dann wieder in den Strom geworfen. Manchmal prallen nachts handtellergroße Käfer gegen die Bordlampen. Beim Schwimmen im Strom zwicken uns Fischchen, vor den winzigen Candirù sind wir gewarnt, denn die dringen Frauen in die Vagina, Männern in den Penis, müssen notfalls sogar herausoperiert werden. Deshalb nie ohne ordentliche Badekleidung ins Wasser!

Ein zugestiegener Biologe berichtet von Arten, die es in dieser Größe weltweit nur in Amazonien gibt: Der zwanzig Zentimeter lange Käfer Titanus gigantus, der Schmetterling Imperador mit dreißig Zentimetern Flügelspannweite, der fast einen Meter hohe Adler Harpia, der dreißig Zentimeter lange Riesenfrosch Cururu, Baumblätter über sage und schreibe zweieinhalb Meter und der winzigste Affe - gerade hundertdreißig Gramm schwer. Manche Indios klemmen ihn ins Haar, damit er Läuse und andere Tierchen greift und gleich verzehrt.




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