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Und täglich kommt der Temporal

Nach dem Mittagessen, wenn eine plötzliche bleierne Müdigkeit die meisten in die Hängematten treibt, mischen sich dunkle Töne in das Weiß am Himmel, bis er pechschwarz wird - der tägliche "Temporal" ist im Anmarsch, ein Naturereignis allererster Güte. Die einem von zu Hause geläufigen Sommergewitter sind dagegen armselige Nieselregen. Windböen furchen den Amazonas, die Wellen werden höher, bringen die "Gaiola" zum Schaukeln. Nach erstem Grollen dann Krachen, als stünde man neben Artilleriegeschützen, unzählige Blitze gleichzeitig - sogar waagerechte, einfach fantastisch. Wenn es dann wirklich sintflutartig, wie aus Kannen gießt, werden alle an Bord ein bisschen nass, man trägt's mit Humor, genießt die kurze Erfrischung. Schließlich reißen die Wolken rasch wieder auf, trocknen die intensiven Sonnenstrahlen unser Schiffchen im Handumdrehen, dampft die grüne Mauer des Urwalds heftig.

Anders ist es in der Trockenperiode zwischen Juli und September: Man schaukelt entspannt in der Hängematte, nutzt womöglich die angenehme Monotonie der Fahrt zum Reflektieren über Gott und die Welt und das eigene Leben, hat dann aber plötzlich Brand-und Qualmgeruch in der Nase. Ist mit dem Kahn etwas passiert, hat er etwa Feuer gefangen? Auf einmal ist sogar die "Gaiola" in dichte Schwaden gehüllt, die aber vom Ufer kommen. Wir waren vorgewarnt - der alljährliche Irrsinn der naturvernichtenden Brandrodungen. Nachts sehen wir sogar Flammen lodern, über viele, viele Kilometer Feuerschein am Ufer. Immer wieder passieren Motorschlepper unser Schiff, die gleich über hunderte Meter zu Flößen gebundene Holzstämme von Urwaldriesen hinter sich herziehen und den Hafen und die Sägewerke von Belèm zum Ziel haben. Stämme lösen sich manchmal, krachen gegen Schiffe wie die "Gaiola", reißen große Lecks. Schiffsunglücke dieser Art mit vielen Todesopfern geschehen immer wieder.




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