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Schwarze Geier, ständige Begleiter

Meu Deus, unglaublich, wer da alles mit will: Goldgräber, Huren, Holzfäller mit ihren Motorsägen, Sektenprediger, Vaqueiros, die brasilianischen Cowboys, ganze Großfamilien mit reichlich Babys und Kleinkindern, katholische Padres, Missionare, Nonnen, sowie zunächst noch undefinierbare Gesellen. Unübersehbar ist der indianische Einschlag bei den meisten Schiffspassagieren und manchmal gehen auch echte Waiapi (Bilder unten) oder Yanomami mit an Bord.

Brasilien / Waiapi-Indianer
Brasilien / Waiapi-Indianer

Natürlich nicht mit Lendenschurz, Pfeil und Bogen - die meisten Indios Brasiliens sind bereits mehr oder weniger stark akkulturiert, tragen Shorts, Plastiklatschen, sogar T-Shirts, auf denen Rambo, Coca-Cola, Wahlkampfpropaganda oder Oktoberfest steht (gemeint ist nicht das in München, sondern das immer famosere im südbrasilianischen Blumenau). In die Ladeluke der "Gaiola" fliegen Bierkisten, reichlich Bananenstauden, Trockenfleisch, Säcke mit Bohnen und Reis für die Kombüse. So viele irre, kuriose Szenen, ein Radio plärrt, der Dieselmotor des Schiffes tuckert dunkel, magere harmlose Hunde streifen herum und überall sieht man schwarze Geier, unsere ständigen Begleiter.

Hier herrschen tropische Reizüberflutung der besten Art und intensivste Gerüche wie schon auf den Märkten. In den aseptisch-sterilen, teils übertrieben pingelig aufgeräumten Städten Deutschlands steigen einem selten interessante Düfte in die Nase - ganz anders hier, für manchen ein Schock, oft zum Davonrennen. Cafezinho-Schwaden, unbekannte Gewürze, Parfums, Spieße mit gerösteten Krabben oder Käsestücken - gut. Aber bei dreißig, vierzig Grad Temperatur fault, verwest und vergärt auch alles rasch: Weggeworfene Fischinnereien, die Haufen unverkäuflichen angegammelten Obstes, die Plastiksäcke mit den Essensresten vor den Restaurants, woran sich Bettler und Obdachlose gütlich tun, wenn sie mit den Händen tief in den organischen Matsch greifen. Ratten, Katzen, große braune Tropenschaben und Ameisen bedienen sich ebenfalls nach Herzenslust. Schweiß rinnt reichlich bei dieser Hitze und nicht jeder hat Zeit, sich dreimal täglich zu duschen. Doch zu spät, all dem zu entkommen, denn wir haben ja, um etwas zu erleben, nicht auf einem der langweiligen Amazonas-Cruiser gebucht, sondern auf der "Gaiola", dem "Vogelkäfig", der allerdings auch ein paar kleine Mietkabinen besitzt.




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