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Bei Sonnenaufgang gehe ich am Ipanema-Strand entlang nach Hause. Ich will ausschlafen, mich ausruhen für die Siegerparade am Sonnabend. Dort präsentiert Rios berühmteste Escola de Samba, "Mangueira", die Geschichte des Mega-Festes in Takt, Tönen und Text. Sänger Jamelao beginnt in portugiesischer Sprache, die "Tristeza" seiner Stimme erklingt in pathetischem Moll. Doch kaum erklungen, spielt sich das afrikanische Element ein, legen die Massen und Trommler los für einen Samba-Marsch, speziell für die Parade komponiert.

Samba und Marsch? Nun, die Ursprünge dieses Karnevals liegen in der Tradition der ehemaligen Kolonialmacht Portugal, einem von Temperament nicht gerade überschäumenden Mutterland. Die Portugiesen brachten "Entrudo", ihre Art von Fasching vor zwei, drei Jahrhunderten mit nach Sao Paulo und Rio de Janeiro.
Doch sind die Wurzeln von Entrudo zu merkwürdig, um heutzutage noch hoffähig zu sein. Dass dies der Anlass für´s Volk war, sich für drei, vier, fünf und mehr tolle Tage auf´s Gröbste und nach Herzenslust zu beschimpfen, mochte ja noch angehen. Doch bewarf man sich auch mit Schlamm, faulen Eiern, Mehl, Konfetti. Und von den Balkonen wurde schmutziges Waschwasser und - pfui Teufel - Urin aus Nachttöpfen über die Köpfe darunter Gehenden gekippt. Mit den Jahren artete der zweifelhafte Schabernack aus und wurde verboten. Also sind jetzt die Kostümbälle in Mode, und dort tanzt man - welch ein Kontrast zu den wenig feinen, traditionellen Sitten - Polka, Walzer, Mazurka, Menuette...

Die weniger feinen Leute ziehen in Gruppen durch die Straßen, mit einer Marschkapelle vorne weg. Man gibt sich eher getragen: in Anzug, Weste und Hut, die Frauen dick verpackt. Nix von Frivolität, Sinnlichkeit, Ekstase, nix. Und das in der Februar-Hitze von Rio, wo das Thermometer leicht auf 40°C steigt. Doch erzählt man so einen Teil der Historie Brasiliens, als die Schwarzen, die als Sklaven aus Westafrika "imporiert" worden waren, auch im Land am Zuckerhut keinerlei Rechte hatten. Sie hatten zu schuften, wurden wie Tiere gehalten. Diese unmenschlichen Zustände änderten sich erst 1888 nach der offiziellen Abschaffung der Escravidao (Sklaverei) - Grund für alle Afrikanischstämmigen, im Karneval mit zu feiern.

Übrigens brachten die Afrikaner einen Tanz mit nach Brasilien, den Semba. Womit nun klar ist, woher der Samba Rhythmus und Feuer hat und - nicht zuletzt den Namen.

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